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Magisterarbeit, 2006, 96 Seiten
Autor: M.A. Sabine Lüke
Fach: Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Lit.wiss.
Details
Institution/Hochschule: Universität Paderborn
Tags: Leben, Vampirismus, Texten, Bram, Stoker, Anne, Rice, Elfriede, Jelinek, Schauerliteratur, Vampirgeschichten
Jahr: 2006
Seiten: 96
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 43 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-52824-5
Dateigröße: 404 KB
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- Zum Vampirismus in Texten von Bram Stoker, Anne Rice und Elfriede Jelinek
Sabine Lüke
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 4
2. Zur Genese des Vampirglaubens ... 6
3. Die Geschichte der Vampire in der Literatur des 19. Jahrhunderts ... 12
4. Bram Stoker - Dracula ... 17
4.1 Bram Stoker - Der Vater Draculas ... 18
4.2 Dracula im literaturhistorischen Kontext ... 19
4.3 Der Roman Dracula ... 21
4.3.1 Die Darstellung der Vampirfiguren ... 23
4.3.1.1 Vlad Tepes der historische Dracula? ... 28
4.3.2 Die Vernichtung Draculas – eine Sache der modernen Wissenschaft? ... 31
4.3.2.1 Van Helsing – Draculas Gegenspieler ... 35
4.3.3 Christliche Symbolik in Dracula und die Bedeutung des Blutes ... 37
4.3.4 Verdrängte Sexualität und die Stellung der Frau ... 43
4.3.5 Resümee zu Dracula ... 52
5. Vom Buch zum Film - Der Vampir erobert die Leinwand ... 53
6. Anne Rice – Interview with the Vampire ... 56
6.1 Anne Rice und die Chronik der Vampire ... 56
6.2 Der Roman Interview with the Vampire ... 58
6.2.1 Anne Rices Vampire im 20. Jahrhundert ... 62
6.2.2 Die Darstellung der Menschen im Roman ... 71
6.2.3 Vampire und Gott in Interview with the Vampire ... 73
6.2.4 Glorifizierung des Westens ... 76
6.2.5 Resümee zu Interview with the Vampire ... 79
7. Elfriede Jelinek – Krankheit oder Moderne Frauen ... 80
7.1 Die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek ... 81
7.2 Das Theaterstück Krankheit oder Moderne Frauen ... 83
7.2.1 Der Vampirismus in Krankheit oder Moderne Frauen ... 85
7.2.2 Resümee zu Krankheit oder Moderne Frauen ... 89
8. Schlussbemerkung ... 89
9. Literaturverzeichnis ... 93
9.1 Primärliteratur ... 93
9.2 Sekundärliteratur ... 93
9.2.1 Nachschlagewerke ... 95
9.2.2 Internet ... 96
1. Einleitung
Sie sind alt wie die Welt, diese Geschichten von Vampiren, die sich auf einen legen und einem das Blut aussaugen! Man glaubt natürlich nicht mehr daran. Ich auch nicht. Trotzdem werde ich von nun an sorgfältig die Fenster und Türen verschließen und Papier auf die Scheiben kleben...
Michel de Ghelderode1
Seit wann genau der Mythos von den Vampiren existiert, kann heute nicht mehr genau festgestellt werden. So soll man sich schon in China um 600 v. Chr. Geschichten von Vampiren erzählt haben, und auch aus Indien sind Erzählungen überliefert, die von Abenteuern König Vikrams mit einem Vampir berichten.2 Susanne Pütz weist darauf hin, dass die Gestalt des Wiedergängers bereits immer wieder in der antiken Dichtung aufgetaucht ist. Sowohl im Gilgamesch-Epos (18. Jh. v. Chr.), in Homers Odyssee (18. Jh. v. Chr.), in den Metamorphosen von Apuleius (wohl nach 175 n. Chr.) als auch in den Fasti des Ovid (ca. 8 n. Chr.) finden sich Vampirsymboliken wieder.3
Auch wenn die Literatur im 18. Jahrhundert die Figur des Revenants erst zögerlich aufgenommen hat, so begegnet uns heute das Wesen des Vampirs überall, egal ob in der Literatur oder im Film. Der Vampir ist allgegenwärtig, und doch hat jeder unterschiedliche, spezifische Merkmale und Eigenarten im Kopf, wenn er an die Figur des Wiedergängers denkt. Das liegt vor allem daran, dass der Revenant im Laufe der Geschichte immer wieder mit den verschiedensten Erkennungszeichen belegt worden ist und es eine allgemeine Beschreibung nicht gibt.
Die Gesellschaft nimmt den Urglauben des Wiedergängers als selbstverständlich hin ohne nachzufragen: Was sind Vampire und wo kommen sie her? Warum nehmen sie einen so großen Platz in der weltweiten Literatur oder im Medium Film ein?
Ich werde versuchen, diese Fragen in der folgenden Arbeit aufzudecken und dem Mythos Vampir einen Ursprung zu geben. Dabei werde ich zuerst auf die Grundlagen des Vampirglaubens eingehen und später seinen Einzug in die Literatur aufzeigen. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werde ich des weiteren einen kurzen Überblick über die Anfänge des Vampirfilms geben. Leider wird es jedoch nicht möglich sein, auch nur annähernd alle literarischen Publikationen sowie Filmproduktionen zu nennen, da dies den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde. Vielmehr möchte ich mich auf die wichtigsten Veröffentlichungen beschränken, die dazu beigetragen haben, dem Vampir diesen präsenten Status zu ermöglichen.
Herausstellen möchte ich in dieser Arbeit vor allem zwei Autoren, die mit ihren Werken sehr dazu beigetragen haben, den Revenant nachhaltig ins Bewusstsein der Menschen zu heben: Dabei handelt es sich zum einen um Bram Stoker, der mit Dracula ohne Zweifel den berühmtesten Vampirroman geschrieben hat. Der Roman von Stoker ist 1897 zum ersten Mal veröffentlicht worden. Seitdem hat sich die Figur des blutsaugenden Grafen, des „Fürst[en] der Vampire“4, in den Köpfen der Menschen festgesetzt. Dazu beigetragen haben vor allem zwei Medien: das Buch und später auch der Film. In der Literatur ist eine Vielzahl an wissenschaftliche Studien erschienen sowie verschiedene Dokumentationen, Parodien und Erzählungen. Auch das neuere Medium Film hat sich des untoten Blutsaugers angenommen und den Roman mehrere hundert Male verfilmt.5 Daher schließe ich mich Rainer Köppl an, wenn er sagt: „Heute [...] ist Dracula untot wie eh und je: erfolgreich im Kino, im Fernsehen, auf der Bühne und als Forschungsobjekt.“6
In dieser Arbeit möchte ich versuchen aufzuzeigen, wie Stoker in seinem Roman Dracula den Mythos um den Vampirismus verarbeitet und welche neuen Elemente der irische Autor eingebracht hat. Hierbei wird vor allem zu beachten sein, inwieweit sich die damaligen gesellschaftlichen und religiösen Einflüsse niedergeschlagen haben.
Die zweite Autorin, die ich in dieser Arbeit herausstellen möchte, ist die amerikanische Schriftstellerin Anne Rice mit ihrem ersten vampirischen Roman Interview with the Vampire.7 Dieser ist 1976 erschienen und gehört mit Stokers Dracula zu den bedeutensten Romanen der Vampirliteratur. Dies liegt vor allem an zwei Begebenheiten: Zum einen lässt Rice ihre Vampire in einem völlig neuen Licht erscheinen, so dass die Revenants nur wenig mit dem Urvampir Dracula gemeinsam haben. Der zweite Grund ist, dass die Autorin ihren Vampiren eine eigene Welt gegeben hat. So ist Interview with the Vampire nur der erste Roman einer Vampirchronik, die mittlerweile zehn Bände umfasst.
Ich möchte bei der Analyse des Romans vor allem die neuen Kennzeichen der modernen amerikanischen Vampire aufzeigen und untersuchen inwieweit diese dazu beigetragen haben, den Vampir omnipräsent werden zu lassen.
Als drittes Beispiel für den Umgang mit Vampirismus in der Literatur soll Elfriede Jelineks Schauspiel Krankheit oder Moderne Frauen von 1987 kurz Erwähnung finden. Sie steht stellvertretend für die deutschsprachige Vampirliteratur, die im Vergleich zu den englischsprachigen Erzeugnissen quantitativ nur wenig zu dem Thema zu bieten hat. Da es sich bei diesem Stück aber nicht um eine Vampirgeschichte im eigentlichen Sinn handelt, sondern vielmehr der Aspekt der Emanzipationsbemühungen im Vordergrund steht, soll das Drama der Nobelpreisträgerin nur kurz besprochen werden. Hierbei werde ich versuchen darzulegen, inwieweit Jelinek den Vampirismus als Metapher für die Unterdrückung der Frau benutzt.
Ziel der Arbeit ist es zu zeigen, dass die Figur des Vampirs, der seinen ursprünglichen Platz in der menschlichen Phantasie hatte, durch die literarische Bearbeitung auch in der heutigen Zeit nicht an Interesse verloren hat.
. Zur Genese des Vampirglaubens
[...]
1 Dieter Sturm u. Klaus Völker (Hg.): Von denen Vampiren oder Menschensaugern. Dichtungen und Dokumente. o. O.: Suhrkamp 1994 (= Phantastische Bibliothek 306), S. 5.
2 Vgl. Norbert Borrmann: Vampirismus oder die Sehnsucht nach Unsterblichkeit. 5. Auflage. Kreuzlingen/München: Hugendubel 1998, S. 60.
3 Vgl. Susanne Pütz: Vampire und ihre Opfer. Der Blutsauger als literarische Figur. Bielefeld: Aisthesis Verlag 1992, S. 23.
4 Rainer M. Köppl: Mit besten Empfehlungen. In: Maske und Kothurn. Internationale Beiträge zur Theaterwissenschaft 41 (1998) H. 1-2. S, 9.
5 Vgl. Karsten Prüßmann: Die Dracula-Filme. Von Wilhelm Murnau bis Francis Ford Coppola. Hg. v. Bernhard Matt. München: Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG 1993, S. 7.
6 Köppl: Mit besten Empfehlungen, S. 11.
7 Interview with the Vampire ist in Deutschland unter den Titeln Schule der Vampire; Gespräch mit dem Vampir; Interview mit einem Vampir erschienen.
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