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Diplomarbeit, 2002, 187 Seiten
Autor: Diplom - Soziologe Michael Menz
Fach: Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Details
Tags: Deutschland, Freizeit-, Erlebnisgesellschaft, Eine, Analyse, Gesellschaftsmodelle, Horst W. Opaschowski, Gerhard Schulze
Jahr: 2002
Seiten: 187
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 49 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-52848-1
ISBN (Buch): 978-3-638-73001-3
Dateigröße: 1096 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Die Diplomarbeit „Deutschland als Freizeit- und Erlebnisgesellschaft“ beschäftigt sich mit der kritischen Analyse zweier Gesellschaftsmodelle, die erkannte gesellschaftliche Phänomene, in Form von zugespitzten Freizeit- und Erlebnisorientierungen, zum Ausgangspunkt machen, um Gesellschaftsbilder zu entwerfen, die eine Bezeichnung der deutschen Gesellschaft als Freizeit- und/oder Erlebnisgesellschaft rechtfertigten. So wird hier die Erlebnisgesellschaft von Gerhard Schulze mit dem Modell der freizeitorientierten Erlebnisgesellschaft von Horst W. Opaschowski verglichen. Einen wichtigen Ausgangspunkt bildet dabei die Frage, wie beide Theorien, Schulzes Kultursoziologie auf der einen Seite, und Opaschowskis Freizeitsoziologie auf der andern Seite, unter Anwendung unterschiedlicher empirischer Methoden, zu ähnlichen, auf die Gesamtgesellschaft bezogene Aussagen kommen, wenn es um Schilderungen ausufernder Freizeit- und Erlebnisorientierungen geht. Gerhard Schulze macht Verbesserungen der objektiven Lebensbedingungen zum Ausgangspunkt seines Lebensstilansatzes, indem diese Faktoren dazu beitrügen, dass sich Handlungsalternativen ausweiteten und subjektive Erlebnisorientierungen verbreiteten, die wiederum kollektiv in entsprechenden Großgruppen wie Deutungsgemeinschaften, Milieus, und Szenen in Erscheinung träten, und entsprechend zu schematisieren seien. Horst W. Opaschowski bezieht sich bei seinen Argumentationen über veränderte objektive Lebensbedingungen, hauptsächlich auf quantitativ zu ermittelnde Zuwächse der Freizeit. Er entwirft einen „ganzheitlichen Lebensansatz“ im Spannungsfeld zwischen Arbeitszeit, Lebenszeit und Freizeit. Eine wesentliche Gemeinsamkeit beider Forscher besteht in dem Umstand, dass sowohl Schulze als auch Opaschowski, von Prämissen einer Wohlstands- und Überflussgesellschaft ausgehen, in der rastlose Erlebnisorientierung, das signifikante Merkmal vielfältiger gesellschaftlicher Ausprägungen darstellte. Dabei werden aber jeweils Probleme der Knappheit ausgeblendet, da für die Mehrzahl der Gesellschaftsmitglieder behauptet wird, dass sie nahezu mit gleichen Möglichkeiten an der behaupteten Erlebnisgesellschaft partizipieren könnten. Die vorliegende Diplomarbeit zeigt auf, das eine angemessene soziologischen Reflektion, zu einem völlig anderen Gesellschaftskonzept führen muss, als die beiden Autoren vorgeben.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Hamburg
Deutschland als Freizeit- und Erlebnisgesellschaft - Eine kritische Analyse derartiger Gesellschaftsmodelle
Michael Menz
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 7
2. Definition und Entwicklung des Freizeitbegriffs bei Horst W. Opaschowski ... 12
2.1. Vorbemerkung ... 12
2.2. Historische Entwicklung des Freizeitbegriffs in Deutschland ... 13
2.3. Grundlagen der Freizeittheorie von Horst W. Opaschowski ... 14
2.3.1. Definition der Lebenszeit bei Opaschowski : Dispositionszeit, Obligationszeit und Determinationszeit ... 15
2.3.2. Exkurs :Altagsästhetische Episoden bei Schulze ... 16
2.3.3. Inhaltliche Komponenten der Freizeit bei Opaschowski ... 17
2.3.4. Grundbedürfnisse in der Freizeit bei Opaschowski ... 18
2.4. Differenzierung des Freizeitbegriffs bei Opaschowski ... 18
2.4.1. Positiver Freizeitbegriff bei Opaschowski ... 19
2.4.2. Handlungsfelder von Freizeitsituationen ... 20
2.5. Entwicklung des Freizeitumfangs in Deutschland ... 21
2.5.1. Historische Entwicklung des Freizeitumfangs ... 21
2.5.2. Aktuelle Konflikte und Diskrepanzen im Freizeitbewußtsein und Freizeitverhalten breiter Bevölkerungsschichten ... 24
2.5.3. Kritische Anmerkungen zur Darstellung der Entwicklung des aktuellen Freizeitumfangs bei Opaschowski ... 24
2.5.4. Widersprüche in der Behauptung gesellschaftlicher Tatbestände ... 26
2.5.5. Diskrepanzen zwischen tatsächlicher und wahrgenommener Freizeit ... 30
3. Entwicklung des Erlebnisbegriffs bei Horst W. Opaschowski und Gerhard Schulze ... 33
3.1. Erlebnisorientierung bei Opaschowski ... 33
3.2. Spaß- und Genußorientierung bei Opaschowski ... 34
3.3. Definition und Entwicklung des Erlebnisbegriffs bei Gerhard Schulze ... 35
3.3.1. Definition des Erlebnisbegriffs ... 35
3.3.2. Subjektbestimmtheit, Reflexion und Unwillkürlichkeit ... 36
3.3.3. Beziehung von Subjekt und Situation ... 37
3.3.4. Erlebnisorientierung ... 39
3.3.5. Probleme der Unsicherheit und Enttäuschung ... 40
3.3.6. Erlebnisrationalität ... 41
3.4. Probleme der Erlebnisorientierung und Erlebnisrationalität bei Opaschowski ... 42
3.4.1. Tendenzen zu Wünschen nach sofortiger Bedürfniserfüllung ... 43
3.4.2. Tendenzen zu übermäßigem Konsum ... 43
3.4.3. Tendenzen zu rastlosem Konsum ... 44
3.4.4. Tendenzen zu exzessivem Konsum ... 44
3.4.5. Tendenzen zu orientierungslosem Konsum ... 44
3.4.6. Tendenzen zur Flucht in künstliche Sphären ... 45
3.5. Kritische Anmerkungen zu Prämissen der Erlebnisorientierungen bei Schulze und Opaschowski ... 45
4. Alltagsästhetische Schemata bei Schulze und Freizeitstile bei Opaschowski ... 47
4.1. Alltagsästhetik und Stil ... 47
4.2. Genuß, Distinktion und Lebensphilosophie ... 48
4.3. Grundlagen zur Generierung alltagsästhetischer Schemata ... 49
4.4. Freizeitwissenschaft und Lebensstilforschung bei Opaschowski ... 50
4.5. Hochkulturschema ... 52
4.6. Trivialschema ... 53
4.7. Spannungsschema ... 54
4.8. Bedeutung des Alters ... 55
4.9. Bedeutung der Bildung ... 56
4.10. Ermittlung der sozialen Lage unter Kombination der alltags-ästhetischen Schemata mit dem Merkmalen Alter und Bildung ... 57
5. Systematische und inhaltliche Bezüge Opaschowskis zu Schulzes alltagsästhetischen Schemata ... 58
5.1. Lebenslagen und Lebensphasen bei Opaschowski ... 58
5.2. Spannungschema bei Schulze und Opaschowski ... 59
5.3. Hochkulturschema bei Schulze und Opaschowski ... 60
5.3.1. Hochkultur bei Schulze ... 60
5.3.2. Hochkultur bei Opaschowski ... 61
6. Zwischenbilanz und Ausblick ... 62
7. Milieumodell bei Schulze ... 63
7.1. Milieumerkmale ... 63
7.2. Ältere Milieus bei Schulze ... 64
7.2.1. Niveaumilieu ... 64
7.2.2. Integrationsmilieu ... 65
7.2.3. Harmoniemilieu ... 66
7.3. Jüngere Milieus bei Schulze ... 67
7.3.1. Selbstverwirklichungsmilieu ... 67
7.3.2. Unterhaltungsmilieu ... 69
8. Szenemodell bei Schulze und öffentliche Präsenz bei Opaschowski ... 71
8.1. Definition von Szenen ... 71
8.2. Unterschiedliche Arten von Szenen ... 71
8.2.1. Hochkulturszene ... 71
8.2.2. Neue Kulturszene ... 72
8.2.3. Kneipenszene ... 73
8.3. Folgerungen für die gesellschaftliche Präsenz bestimmter Schemata bzw. Milieus ... 74
8.4. Öffentliche Präsenz bei Opaschowski ... 75
8.4.1. Normalkonsumenten ... 76
8.4.2. Sparkonsumenten ... 76
8.4.3. Anspruchskonsumenten ... 77
8.4.4. Anpassungskonsumenten ... 77
8.4.5. Geltungskonsumenten ... 77
8.4.6. Luxuskonsumenten ... 77
8.4.7. Gesellschaftlich relevante Gruppen des Erlebniskonsums bei Opaschowski ... 78
9. Lebens- und Freizeitsituationen in unterschiedlichen Lebenslagen bei Opaschowski ... 79
9.1. Exkurs : Entstehungsgeschichte von “Einführung in die Freizeitwissenschaft“ ... 80
9.2. Untersuchungsgrundlagen und Aussagen zum typischen Feierabend bzw. dem typischen Wochenende ... 81
9.2.1. Untersuchungsgrundlagen ... 81
9.2.2. Typischer, mißlungener, und gelungener Feierabend ... 83
9.3. Lebens- und Freizeitsituation jüngerer Generationen bei Opaschowski ... 86
9.3.1. Lebens- und Freizeitsituation von Jugendlichen ... 86
9.3.1.1. Lebenssituation Jugendlicher ... 87
9.3.1.2. Freizeitsituation Jugendlicher ... 89
9.3.2. Konsequenzen für das Freizeitverhalten Jugendlicher ... 90
9.3.3. Gemessene jugendliche Freizeittypen ... 91
9.3.4. Freizeitaktivitäten ... 92
9.3.5. Querverweise zu Schulzes jungen Milieus ... 92
9.4. Lebens- und Freizeitsituation von Singles und Alleinlebenden ... 93
9.4.1. Alleinstehende, Alleinlebene und Singles ... 94
9.4.2. Unterschiede von Alleinlebenden nach soziodemografischen Merkmalen ... 98
9.4.2.1. Unterschiede nach dem Geschlecht ... 98
9.4.2.2. Unterschiede nach dem Alter ... 99
9.4.2.3. Unterschiede nach der Bildung ... 99
9.4.2.4. Unterschiede nach dem Einkommen und dem Beruf ... 100
9.4.2.5. Weitere Querverweise zu Schulzes jüngeren Milieus ... 100
9.5. Lebens- und Freizeitsituation der älteren Generation ... 101
9.5.1. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen ... 102
9.5.2. Neues Generationenverständnis ... 102
9.5.2.1. Die 50plus-Generation (50-64 Jahre) ... 104
9.5.2.2. Die 65plus-Generation (65 bis 79 Jahre) ... 106
9.5.2.3. Gesellschaftliche Relevanz möglicher Zweitkarrieren von Senioren ... 107
9.5.2.4. Die 80plus-Generation (80 Jahre und mehr) ... 108
9.5.3. Freizeit im Ruhestand ... 109
9.5.3.1. Übergangsprobleme von der Berufsarbeit zum Ruhestand ... 110
9.5.3.2. Freizeitempfinden und alltägliches Freizeitverhalten ... 110
9.5.3.3. Typischer, gelungener, mißlungener Ruhestand ... 111
9.5.3.4. Diskrepanzen zwischen Freizeiterwartungen und tatsächlichen Freizeitaktivitäten ... 112
9.5.3.5. Soziodemografisch bedingte Unterschiede ... 113
9.5.3.6. Gesellschaftliche Folgerungen ... 114
9.5.3.7. Querverweise zu Schulzes älteren Milieus ... 114
9.6. Diskrepanzen in den gesellschaftlichen Behauptungen ... 115
10. Zusammenfassende Kritik an Opaschowskis bzw. Schulzes Gesellschaftsmodellen ... 120
10.1. Vorbemerkung ... 120
10.2. Zusammenfassende Kritik an Opaschowskis Gesellschaftsmodell ... 121
10.2.1. Freizeit in der wissenschaftlichen Diskussion ... 121
10.2.2. Freizeit bei Opaschowski ... 121
10.2.3. Probleme der Methoden ... 123
10.2.3.1. Probleme der Meßmethoden und ihrer Interpretation ... 123
10.2.3.2. Probleme der kommerziellen Ausrichtung ... 126
10.2.3.3. Opaschowskis freizeitorientierte Erlebnisgesellschaft ... 127
10.3. Zusammenfassende Kritik an Schulzes Gesellschaftsmodell ... 130
10.3.1. Vorbemerkung ... 130
10.3.2. Probleme des Erlebnisbegriffs und der Erlebnisrationalität ... 131
10.3.3. Probleme der empirischen Grundlagen und der Verallgemeinbarkeit ... 133
10.3.3.1. Empirische Grundlagen ... 133
10.3.3.2 Empirische Konsistenz ... 134
10.3.4. Methodische Probleme ... 136
10.3.5. Probleme der Geltungsdauer ... 137
10.3.6. Die Schulz′sche Überflußgesellschaft ... 140
10.3.6.1. Kulturelle Dominanz des Selbstverwirklichungsmilieus bei Schulze ... 140
10.3.6.2. Räume als Dimensionen sozialer Ungleichheit ... 142
10.3.6.3. Gentrification ... 142
11. Probleme der Knappheit in Deutschland im Gegensatz zur Überflußgesellschaft bei Schulze und Opaschowski ... 144
11.1. Vorbemerkung ... 144
11.2. Deutschland in den achtziger Jahren und neunziger Jahren ... 145
11.3. Gesamtübersicht zu Entwicklungen des Arbeitsmarktes ... 152
11.4 Armutsbegriffe ... 154
11.5. Unterschiedliche Meßmethoden für Armut nach der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) ... 155
11.6. Empirische Ergebnisse zu Armuts- und Niedrigeinkommen ... 157
11.6.1. Exkurs : Entwicklung von strenger Armut, Einkommensarmut und Niedrigeinkommen in den neuen Ländern ... 158
11.6.2. Beurteilung der Entwicklungen der neuen Länder bei Gerhard Schulze ... 160
11.6.3. Beurteilung der Entwicklungen der neuen Länder bei Horst W. Opaschowski ... 161
11.7. Armuts- und Niedrigeinkommen von Erwerbstätigen und Arbeitslosen ... 164
11.8. Armuts- und Niedrigeinkommen nach Alter und Bildung ... 165
11.9. Armuts- und Niedrigeinkommen nach Haushalts-konstellationen ... 166
11.10. Fazit für Schulzes und Opaschowskis Überflußgesellschaft ... 168
11.10.1. Überflußgesellschaft bei Schulze ... 168
11.10.2 Überflußgesellschaft bei Opaschowski ... 169
12. Schlußbetrachtung ... 171
I. Tabellenverzeichnis ... 178
II. Abbildungsverzeichnis ... 178
III. Literaturverzeichnis ... 180
IV. Abkürzungsverzeichnis ... 185
1. Einleitung
“Während man sich noch darüber streiten kann, ob sie nicht doch noch in Fragmenten weiterlebt, ist der Abgesang auf die Arbeitsgesellschaft bereits zum Gemeinplatz geworden.“1 [...] “Es geht uns nicht mehr primär ums Überleben, um Sicherheit, um Abwehr von Bedrohungen und Kampf gegen Restriktionen, sondern um die Lebensgestaltung jenseits situativ bedingter Probleme, unabhängig vom objektiven Vorhandensein solcher Probleme.“2 [...] “Das Privileg der Unterprivilegierten besteht in der Faszination der handgreiflichen Erfolgschance, das Problem der Privilegierten in der Langeweile von Menschen, die nicht recht wissen was sie wollen.“3 [...] “An die Stelle von Gesellschaftsbildung durch Not tritt Gesellschaftsbildung durch Überfluß“4 [...] “>>Erlebe dein Leben!<< ist der kategorische Imperativ unserer Zeit.“5 [...] “Die Charakterisierung einer Gesellschaft als Erlebnisgesellschaft ist vergleichend gemeint. Mehr denn je passt sie auf die gegenwärtige Sozialwelt“6
“Erst durch das moderne Freizeitleben der Nachkriegszeit und die gegenwärtige Entwicklung zu einer Freizeitgesellschaft tritt das Problem der Freizeiterziehung in eine neue Phase, in der sich die Sinngebung des Lebens in den Freizeitbereich zu verlagern scheint...“7 [...] “In den 80er Jahren wird die Bewältigung des Wohlstands nicht mehr das zentrale Thema der Freizeit sein. Die erlebnisorientierte Freizeitphase bricht an. Freizeit wird wesentlich Erlebniszeit, Zeit zum verstärkten, intensiven und bewußten Leben und zur Entwicklung eines eigenen freizeitkulturellen (Er-)Lebensstils.“8 [...] “Kahn/Wiener entwickelten das Bild einer freizeitorientierten Gesellschaft in der die Wochenarbeitszeit „drastisch gekürzt“ und die Urlaubszeit „drastisch verlängert“ wird. Diese „wahrscheinliche“ Zukunftsentwicklung ist zumindest in Deutschland heute Wirklichkeit geworden.“9 [...] “Im ausgehenden 20. Jahrhundert hat die Überflußgesellschaft mit dem Wahn des Übermaßes zu kämpfen.“10 [...] “Armut muß neu definiert werden. Arm ist man heute nicht mehr, weil man unterhalb des Existenzminimums lebt. Ganz im Gegenteil: Den Armen geht es in Deutschland materiell immer besser, lediglich der relative Abstand zur wohlhabenden Mehrheit bleibt erhalten.“11[...] “Es ist nicht zu leugnen : “Erlebnis gilt heute als Schlüsselwort der Freitzeitforschung, seitdem sich die Freizeitindustrie zur Erlebnisindustrie gewandelt hat [...] Die Freizeitforschung hat diesen grundlegenden Wandel von der Arbeits- zur Erlebnisgesellschaft frühzeitig diagnostiziert, prognostiziert und problematisiert. [...] Die Erlebnisgesellschaft eskaliert im Zeitalter der Extreme. Nach der Erlebnisgesellschaft kommt die Extremgesellschaft.“12
Deutschland als Freizeit- und Erlebnisgesellschaft ? Wie der Titel, sowie Auswahl und Inhalte der Zitate nahelegen, beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der kritischen Analyse von Gesellschaftsmodellen, die bezogen auf deutsche Verhältnisse,
- gesellschaftliche Veränderungen erklären wollen,
- einen aktuellen Status der sozialen Welt entwerfen,
- Prognosen künftiger gesellschaftlicher Entwicklungen stellen,
- sich dabei auf Darstellungen veränderter Freizeit- und/oder Erlebnisorientierungen konzentrieren,
- und in diesem Zusammenhang von Prämissen einer Wohlstands- und Überflußgesellschaft ausgehen.
Die im Untertitel dieser Arbeit verwendete Formulierung der Analyseabsicht „derartiger Gesellschaftsmodelle“, meint hier, daß stellvertretend für aktuelle soziologische Theorien, die sich ausführlicher mit den genannten Themenkomplexen beschäftigen,die Ausführungen zweier Gesellschaftswissenschaftler, nämlich Horst W. Opaschowski, und Gerhard Schulze, ausführlicher beleuchtet, und, so weit möglich, verglichen werden sollen. Stellvertretend für die Fokussierung auf, und Behauptung von, veränderter Freizeit- und Erlebnisorientierungen, stehen hiermit somit zum einen, die diesbezüglichen Erklärungsansätze von Horst W. Opaschowski zur Debatte. Wie sich anhand der o.a. Zitate zeigt, beschäftigt sich Opaschowski bereits seit Anfang der 70er Jahre, mit den genannten Themenkomplexen. Die Vielzahl, und, wie sich zeigen wird, die Unterschiedlichkeit, der seit dieser Zeit von ihm publizierten Werke, sowie seine öffentliche Präsenz, bilden dabei einen, der explizite Bezug zur Erlebnisgesellschaft von Gerhard Schulze, einen weiteren wichtigen Grund, sich gerade mit seinen Forschungsergebnissen zu beschäftigen. So zeigt sich anhand der o.a. Zitate, daß Opaschowski unter Verwendung späterer Schlüsselbegriffe Gerhard Schulzes, bereits im Jahre 1980 von „neuen“ Formen deutscher Erlebnisorientierungen und Lebensstilen sprach, und auch schon im Jahre 1983, also deutlich vor Herausgabe des hier noch näher zu betrachtenden Hauptwerkes von Gerhard Schulze, das Entstehen einer „Erlebnisgesellschaft“ prognostizierte.13
[...]
1 Gerhard Schulze (1992) : Die Erlebnisgesellschaft., S. 16
2 a.a.O., S. 22
3 a.a.O., S. 61
4 a.a.O., S. 67
5 a.a.O., S.59
6 Gerhard Schulze (2000) : Was wird aus der Erlebnisgesellschaft ?, S. 4
7 Horst W. Opaschowski (1973) : Das Freizeitproblem in der Geschichte des deutschen Erziehungsdenkens, S.32
8 Horst W. Opaschowski (1980) : Probleme im Umgang mit der Freizeit, S.8
9 Horst W. Opaschowski (1996) : Pädagogik der freien Lebenszeit, S.116
10 a.a.O., S.126
11 a.a.O., S.127
12 Horst W. Opaschowski (2001) : Leben auf der Überholspur, S.7-9
13 vgl.: Horst W. Opaschowski (1983) : Arbeit, Freizeit. Lebenssinn, S.81-96
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