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Ressourcenbasierter Ansatz und das Konzept des Knowing: Sinnvolle Basis oder Widerspruch?

Diploma Thesis, 2005, 101 Pages
Author: André Berndt
Subject: Economics / Business: Business Management, Corporate Governance

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2005
Pages: 101
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 178  Entries
Language: German
Archive No.: V58784
ISBN (E-book): 978-3-638-52885-6
ISBN (Book): 978-3-638-73967-2
File size: 631 KB
Notes :
- Ressourcenbasierter Ansatz der Unternehmensführung; ressource based view - Konzept des knowing; concept of knowing - Wissensmanagement; knowledge management


Abstract

Die Suche nach Ursachen für den Erfolg von Organisationen weckt ungebrochenes Interesse in der wissenschaftlichen Forschung und unternehmerischen Praxis. Die Betriebswirtschaftslehre betrachtet traditionell den im Rahmen des organisationalen Leistungsprozesses geschaffenen Mehrwert als Erfolgsbasis. Darüber hinaus wird seit einigen Jahren der Überlegenheit von Inputfaktoren, als Quell des Erfolges, besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Dieser Ursachenzuschreiben folgend, hat der ressourcenbasierte Ansatz der Unternehmensführung (resource-based view) die Argumentation entscheidend geprägt. Primärziel dieses Ansatzes ist es nicht, den Erfolg von Organisationen per se zu erklären, sondern die Ursachen für dauerhaften, organisationsspezifischen und mithin extraordinären Erfolg darzustellen. Der ressourcenbasierte Ansatz bildet die erste zentrale Säule dieser Arbeit. In der Literatur wird diesbezüglich die Operationalisierung der Zusammenhänge zwischen Ressourcenausstattung und Erfolgsgrößen, insbesondere vor dem Hintergrund intangibler Ressourcen, diskutiert. Letzteren wird häufig das solitäre Potential zur Generierung anhaltender Wettbewerbsvorteile zugesprochen. Als intangibel werden vor allem solche Ressourcen bezeichnet, die einen impliziten (tacit) Charakter aufweisen und schwer oder nicht zu separieren und mithin nicht zu kodifizieren sind. Als eine Ressource mit hohem Intangibilitätsgrad, wird häufig Wissen (knowledge) charakterisiert. Das Konstrukt Wissen wird zum Teil different sowie auf verschiedenen Aggregationsniveaus konzeptionalisiert. Allen Ansätzen gemein ist jedoch die besondere Bedeutung des Menschen respektive dessen Handlungen im Zusammenhang mit dem Konstrukt Wissen. In der jüngeren Diskussion hat sich das Interesse partiell vom Konstrukt Wissen auf das des knowing verlagert, da letzterem, aufgrund seiner Handlungsinhärenz, ein höherer Intangibilitätsgrad attribuiert wird. Knowing als vergleichsweise junges und zugleich aktuelles Konstrukt im Rahmen der Ursachenanalyse für anhaltende Wettbewerbsvorteile bildet mithin die zweite zentrale Säule dieser Arbeit. Im dritten Teil derselben wird geprüft, inwieweit die Konzeptionalisierungen von knowing im Rahmen eines ressourcenbasierten Ansatzes, Potential zur Erklärung anhaltender Wettbewerbsvorteile in sich tragen. Der dritte Teil dieser Arbeit soll somit weniger eine weitere Säule aufbauen, als vielmehr das kooperative Adhärenzpotential der ersten beiden Säulen eruieren.


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin

Ressourcenbasierter Ansatz und das Konzept des Knowing: Sinnvolle Basis oder Widerspruch?

André Berndt

 

Inhaltsverzeichnis


Einleitung ... 4

A. Ansätze strategischer Unternehmensführung ... 7

I. Zu den Begriffen der Strategie und des Strategischen ... 8
II. Zu den Begriffen des Managements und der Unternehmensführung ... 10
III. Vom Markt-Fokus zum Ressourcen-Fokus ... 14

B. Ressourcenbasierte Unternehmensführung ... 17

I. Heterogenität und Immobilität ... 26
II. Werthaltigkeit ... 27
III. Seltenheit ... 28
IV. Nicht-Imitierbarkeit ... 30
1. Historizität ... 31
2. Kausale Ambiguität ... 33
3. Soziale Komplexität ... 35
V. Nicht-Substituierbarkeit ... 36

C. Das Konstrukt knowing ... 38

I. Knowing nach Cook und Brown ... 39
1. Formen von Wissen ... 40
2. Wissen und knowing ... 44
II. Knowing nach Gherardi und Nicolini ... 48
1. Praktik als Lokalität von knowing ... 50
2. Die soziale Dimension von knowing ... 53
3. Die situative Dimension von knowing ... 55
III. Knowing nach Orlikowski ... 56
1. Knowing und Praktik ... 60
2. Knowing als Fähigkeit und die Auflösung von Wissen ... 61

D. Knowing als Ressource und Basis von Wettbewerbsvorteilen ... 63

I. Ressourcen versus knowing nach Cook und Brown ... 64
1. Im Lichte von Heterogenität und Immobilität ... 65
2. Im Lichte von Werthaltigkeit ... 68
3. Im Lichte von Seltenheit ... 68
4. Im Lichte von Nicht-Imitierbarkeit ... 69
a. Im Lichte von Historizität ... 70
b. Im Lichte von kausaler Ambiguität ... 70
c. Im Lichte von sozialer Komplexität ... 71
5. Im Lichte von Nicht-Substituierbarkeit ... 72
II. Ressourcen versus knowing nach Gherardi und Nicolini ... 72
1. Im Lichte von Heterogenität und Immobilität ... 74
2. Im Lichte von Werthaltigkeit ... 74
3. Im Lichte von Seltenheit ... 75
4. Im Lichte von Nicht-Imitierbarkeit ... 76
a. Im Lichte von Historizität ... 76
b. Im Lichte von kausaler Ambiguität ... 77
c. Im Lichte von sozialer Komplexität ... 77
5. Im Lichte von Nicht-Substituierbarkeit ... 78
III. Ressourcen versus knowing nach Orlikowski ... 79
1. Im Lichte von Heterogenität und Immobilität ... 80
2. Im Lichte von Werthaltigkeit ... 80
3. Im Lichte von Seltenheit ... 81
4. Im Lichte von Nicht-Imitierbarkeit ... 81
a. Im Lichte von Historizität ... 81
b. Im Lichte von kausaler Ambiguität ... 81
c. Im Lichte von sozialer Komplexität ... 82
5. Im Lichte von Nicht-Substituierbarkeit ... 82

E. Kritische Würdigung ... 83

Literaturverzeichnis ... 89

 

 

Einleitung

Die Suche nach Ursachen für den Erfolg von Organisationen1 weckt ungebrochenes Interesse in der wissenschaftlichen Forschung und ist mithin Gegenstand diverser Analysen und Untersuchungen.2 Die Vielzahl möglicher Erklärungsansätze spiegelt sich nicht nur im Interesse verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen, sondern darüber hinaus in kontroversen Debatten innerhalb derselben wieder. 3 Beispielsweise wird seitens der Psychologie die Ursache für organisationalen Erfolg unter anderem in den extraordinären Fähigkeiten oder Leistungen einzelner Personen respektive Führer gesucht.4 Die Soziologie verortet Ursachen tendenziell eher in gesellschaftlichen Entwicklungen oder Kräfteverhältnissen und mithin in den Beziehungen zwischen Organisationen und ihrem Umfeld. Die Betriebswirtschaftslehre wiederum greift diese Argumente auf, während sie traditionell den durch die Organisation geschaffenen Mehrwert als Erfolgsbasis betrachtet. Dieser, im Rahmen des organisationalen Leistungsprozesses bezüglich der Inputfaktoren geschaffene Mehrwert, hat eine Vielzahl von Ursachen. Die Überlegenheit der Inputfaktoren einiger Organisationen wird seit mehreren Jahren als eine solche betrachtet. Inputfaktoren werden im Allgemeinen unter dem Begriff der Ressource subsumiert. Dieser Ursachenzuschreiben folgend, hat der ressourcenbasierte Ansatz der Unternehmensführung (resource-based view) die Argumentation entscheidend geprägt.5 Primärziel dieses Ansatzes ist es jedoch nicht, den Erfolg von Organisationen per se zu erklären, sondern die Ursachen für dauerhaften, organisationsspezifischen und mithin extraordinären Erfolg darzustellen.6 Aufgrund des anhaltenden Interesses der Forschung am ressourcenbasierten Ansatz, ist selbiger eine zentrale Säule dieser Arbeit.7 In der diesbezüglichen Literatur wird momentan insbesondere die Operationalisierung der Zusammenhänge zwischen Ressourcenausstattung und Erfolgsgrößen im Allgemeinen, sowie vor dem Hintergrund intangibler Ressourcen im Besonderen, diskutiert.8 Dies ist darauf zurückzuführen, dass tangiblen Ressourcen das solitäre Potential zur Generierung anhaltender Wettbewerbsvorteile häufig abgesprochen wird.9 Als intangibel werden vor allem solche Ressourcen bezeichnet, die einen impliziten (tacit) Charakter aufweisen und schwer oder nicht zu separieren und mithin nicht zu kodifizieren sind.10 Vor dem Hintergrund der Ursachenanalyse für dauerhafte Wettbewerbsvorteile wird in der wissenschaftlichen Forschung momentan unter anderem geprüft, inwieweit der Grad der Intangibilität einer Ressource positive mit der Dauerhaftigkeit eines Wettbewerbsvorteils einer Organisation korreliert.11 Als eine Ressource mit hohem Intangibilitätsgrad sowie Quelle von Wettbewerbsvorteilen wird häufig Wissen (knowledge) betrachtet.12 Der Versuch der Definition des Konstruktes13 Wissen soll, mit Verweis auf das breite Interesse unterschiedlicher Forschungsbereiche und der damit einhergehenden konnotativen Vielschichtigkeit, nicht unternommen werden.14 Die Definitionen von Wissen variieren nicht nur mit den wissenschaftlichen Disziplinen in welchen die Definierenden verankert sind, sondern darüber hinaus auch mit deren aktuellen Forschungsinteressen.15 Unabhängig der Konzeptionalisierung von Wissen respektive verschiedener Wissensarten, wird im Allgemeinen anerkannt, dass Wissen in impliziter Form „existieren“ kann beziehungsweise eine implizite Dimension aufweist.16 Polanyi, mit dessen Namen der Terminus des impliziten Wissens in der Literatur regelmäßig verknüpft wird17, bezeichnet selbiges als ein Wissen „das sich nicht in Worte fassen lässt“18. Da „wir mehr wissen, als wir zu sagen wissen“19, ist in diesem Zusammenhang von einer restriktiven Wirkung der menschlichen Sprache auszugehen. Implizites Wissen wird in der Literatur als eine der zentralen Ressourcen für das Generieren anhaltender Wettbewerbsvorteile bezeichnet.20
Das Konstrukt Wissen wurde von den eingangs erwähnten Forschungsdisziplinen zum Teil different sowie auf verschiedenen Aggregationsniveaus konzeptionalisiert. 21 Allen gemein ist jedoch die besondere Bedeutung des Menschen respektive deren Handlungen im Zusammenhang mit dem Konstrukt Wissen.22 In der jüngeren Diskussion hat sich das besondere Interesse partiell vom Konstrukt Wissen auf das des knowing23 verlagert, da letzterem im Allgemeinen, aufgrund seiner Handlungsinhärenz, ein höherer Intangibilitätsgrad attribuiert wird. Das besondere Interesse am Handeln respektive am knowing als Bestandteil desselben, scheint auch vor dem Hintergrund der von Polanyi angedeuteten restriktiven Wirkung der menschlichen Sprache folgerichtig.24 Knowing als vergleichsweise junges und zugleich aktuelles Konstrukt im Rahmen der Ursachenanalyse für anhaltende Wettbewerbsvorteile bildet mithin die zweite Säule dieser Arbeit.25 Aufbauend auf einer knappen Darstellung der Entwicklung hin zu ressourcenbasierten Ansätzen sowie der Klärung zentraler Begriffe, wird der weitgehend durch Barney26 geprägte und häufig rezipierte, ressourcenbasierte Ansatz mit seinen zentralen Kriterien erläutert. Anschließend erfolgt die Darstellung von drei, in der organisationstheoretischen Literatur häufig aufgegriffenen, Konzeptionalisierungen des Konstruktes knowing. Im dritten Teil wird geprüft, inwieweit die dargestellten Konzepte von knowing im Rahmen eines ressourcenbasierten Ansatzes Verwendung finden können und mithin Potential zur Erklärung anhaltender Wettbewerbsvorteile in sich tragen. Der dritte Teil dieser Arbeit soll damit weniger eine weitere Säule aufbauen, als vielmehr prüfen, inwieweit die ersten beiden Säulen durch eine metaphorische Traverse verbunden werden können.


A. Ansätze strategischer Unternehmensführung

 

[...]


1 Mit dem Begriff der Organisation kann sowohl eine besondere Art gestaltender Tätigkeit im Sinne des Organisierens, sowie auch deren Ergebnis, in Form von Zuständen und Institutionen bezeichnet werden. (Vgl. Kosiol 1976, S. 15 ff.) Im Rahmen dieser Arbeit werden alle sozialen Gebilde, die dauerhaft ein Ziel verfolgen sowie eine formale Struktur aufweisen, mit welcher die Aktivitäten der Organisationsmitglieder auf das verfolgte Ziel ausgerichtet werden, als Organisationen im institutionellen Sinne verstanden. (Vgl. Kieser/Kubicek 1992, S. 4.) Da dies das Sozialgebilde Unternehmung einschließt (Vgl. Kosiol 1976, S. 15.), werden die Termini Unternehmung und Organisation nachfolgend synonym verwendet. Der Terminus Unternehmung wurde insbesondere durch Gutenberg geprägt und bezeichnet eine spezifische Form des Betriebes, die in der kapitalistischen Wirtschaft auftritt. (Vgl. Gutenberg 1976, S. 507 ff.) Im Rahmen dieser Arbeit finden unabhängig der Definition Gutenbergs, auch die Termini Unternehmung und Unternehmen synonym Verwendung.
2 Vgl. Barney 1995, S. 49.
3 Albert weist auf die Irrelevanz der Unterscheidung verschiedener Disziplinen innerhalb der Sozialwissenschaften für die wissenschaftliche Erkenntnis hin. Dem Autor folgend sind lediglich Probleme und deren Lösungen erkenntnisrelevant. (Vgl. Albert 1964, S. 12 ff.)
4 Zwei in diesem Zusammenhang diskutierte Ansätze sind beispielsweise jene der charismatischen sowie transformierenden respektive transformationalen Führung. (Vgl. Bass/Avolio 1994, passim, Bass 1998, S. 2 ff., Steyrer 1999, passim, Neuberger 2002, S. 142 ff.)
5 Die Entwicklungsgeschichte und Schwerpunkte in der Forschung des strategischen Managements stellen unter anderem Ramos-Rodríguez und Ruíz-Navarro dar. (Vgl. Ramos-Rodríguez/Ruíz- Navarro 2004, passim.)
6 Vgl. Hansen et al. 2004, S. 1282 f.
7 In der Literatur wird der ressourcenbasierte Ansatz zum Teil mit unterschiedlicher Akzentuierung
diskutiert. Da weder die zentrale Aussage noch die zentralen Kriterien autorenspezifisch
signifikant variieren, ist für das hier zu bearbeitende Thema, in einer Unterscheidung verschiedener
ressourcenbasierter Ansätze kein zusätzlicher Erklärungswert zu erwarten.
8 Vgl. Carmeli/Tishler 2004, passim, Hansen et al. 2004, passim, Ray et al. 2004, passim, Villalonga
2004, passim.
9 Vgl. Teece et al. 1997, S. 518, Stewart 1998, S. 47.
10 Vgl. Villalonga 2004, S. 207.
11 Vgl. Villalonga 2004, passim.
12 Vgl. auch Grant 1996a, S. 376, North et al. 1998, S. 158, Schreyögg/Geiger 2002, S. 4 f., Wheelen/Hunger 2002, S. 7, Renzl 2003, S. 11, Vera/Crossan 2003, S. 125, Renzl 2004, S. 29.
13 Als “Konstrukt” werden im Rahmen dieser Arbeit gedankliche Entwürfe oder Konstruktionen zur Beschreibung bestimmter Erscheinungen verstanden. (Vgl. Bünting/Karatas 1996, S. 662.)
14 Vgl. auch Thiesse 2001, S. 11 ff., Schreyögg/Geiger 2002, S. 4 f. Machlup beispielsweise verweist darauf, dass die Beschreibung des von ihm verwendete Konzeptes von knowledge, in der deutschen Sprache dreier Worte bedarf: wissen, kennen und können. (Vgl. Machlup 1980, S. xiii) Jeder dieser Termini ist wiederum Gegenstand umfassender Diskussionen und durch keine eindeutige Konzeptionalisierung gekennzeichnet. Auf die grundsätzliche Frage nach der Möglichkeit einer eindeutigen Konzeptionalisierung soll an dieser Stelle zwar verwiesen werden, jedoch wird selbige im Fortgang dieser Arbeit nicht Gegenstand der Diskussion sein. Eine mögliche Definition von Wissen liefert beispielsweise Meinsen. (Vgl. Meinsen 2003, S. 54.)
15 Eine Übersicht verschiedener definitorischer Abgrenzungen des Konzeptes Wissen ist unter anderem bei Amelingmeyer zu finden. (Vgl. Amelingmeyer 2002, S. 40 ff.)
16 Vgl. auch Schön 1983, S. 49, Polanyi 1985, S. 16 ff., Giddens 1995, S. 335, Neuweg 1999, S. 2 ff., Schreyögg/Geiger 2002, S. 9 ff. Amelingmeyer 2002, S. 47, Meinsen 2003, S. 35 ff., 46 ff.
17 Neuweg betrachtet die Verknüpfung des Terminus „implizites Wissen“ mit dem Namen Polanyi kritisch und führt selbige im Wesentlichen „auf die irreführende Übersetzung des Buchtitels The Tacit Dimension in ‚Implizites Wissen’“ (Neuweg 1999, S. 134.) zurück.
18 Polanyi 1985, S. 17.
19 Polanyi 1985, S. 14.
20 Vgl. Grant 1996a, S. 376, Schultze/Stabell 2004, S. 550.
21 Vgl. auch Wyssusek 2004, S. 2. Definitionen und Taxonomien zu Wissen entstehen jeweils vor dem Hintergrund spezifischer Forschungsdisziplinen respektive Paradigmen. Meinsen erarbeitet zum Beispiel einen konstruktivistischen Wissensbegriff. (Vgl. Meinsen 2003, S. 46 ff.) Aufgrund des breiten Interesses am Konstrukt Wissen, ist die Vielzahl der Definitionen und Klassifizierungen schwer überschaubar. (Vgl. Machlup 1980, S. 59 ff., von Krogh/Venzin 1995, S. 420 ff., Glück 2002, S. 9 ff.)
22 Vgl. Polanyi 1962, S. 343 ff., Lave 1988, S. 180 ff., Renzl 2003, S. 20. Die Verknüpfung von Wissen und menschlicher Handlung wird bereits bei Epiktet deutlich, wenn er konstatiert, „ein Tun ohne richtiges Wissen (sei) bloß tierisch“ (Epiktet 1984, S. 6.).
23 Die besondere Bedeutung des Prozesses des knowing beschreibt bereits im Jahr 1937 Mao Tsetung. (Vgl. Tsetung (1977) Der Terminus knowing wurde später unter anderem in den Arbeiten von Polanyi (1962), Pufall (1977), Schön (1983, 1987) und Grene (1984) diskutiert. Er ist jedoch insbesondere durch die Arbeiten von Machlup (1980, 1984), Blackler (1993, 1995), Blackler et al. (1998), Choo (1998), Cook und Brown (1999), Brier (2000), Gherardi (2000, 2001), Orlikowski (2002), Chia (2003), Nicolini et al. (2003), Tsoukas (2003) sowie Vera und Crossan (2003) in der betriebswirtschaftlichen Organisationstheorie aufgegriffen worden. Die vielfache Nutzung des Begriffes knowing bringt es mit sich, dass die dahinter stehenden Konzepte partiell stark differieren. (Vgl. Nicolini et al. 2003, S. 7.) Machlup verweist darauf, dass die deutsche Sprache die Verben „kennen“ und „wissen“ zur Übersetzung von knowing bereithält. (Vgl. Machlup 1980, S. 29.) Aufgrund des Fehlens eines eindeutigen deutschsprachigen Äquivalents zum englischen Begriff des knowing (Vgl. auch Neuweg 1999, S. 134.) und der differenten Konnotationen von knowing im Rahmen der rezipierten Konzeptionen, findet der Terminus knowing in dieser Arbeit ausschließlich in englischer Sprache Verwendung.
24 Vgl. auch Polanyi 1985, S. 14.
25 Knowing kann ausschließlich bezüglich seiner expliziten Diskussion in der Betriebswirtschaftslehre respektive Organisationsforschung als jung bezeichnet werden. Der Terminus knowing wurde nicht nur bereits in den Arbeiten von Ryle (Vgl. Ryle 1969, S. 26.) und Polanyi (Vgl. Polanyi 1962, S. 17.), sondern Machlup folgend bereits seit mindestens 2.500 Jahren diskutiert (Vgl. Machlup 1980, S. 30.).
26 Vgl. Barney 1991, passim.


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