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Peter Weiss: Die Ermittlung - Zur Struktur des dokumentarischen Theaters

Scholary Paper (Seminar), 2005, 32 Pages
Author: Juliane Hartmann
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Seminar: Dokumentarliteratur
Institution/College: University of Kassel
Tags: Peter, Weiss, Ermittlung, Struktur, Theaters, Seminar, Dokumentarliteratur
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 32
Grade: 1,9
Bibliography: ~ 18  Entries
Language: German
Archive No.: V58799
ISBN (E-book): 978-3-638-52898-6

File size: 275 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Kassel
Seminar: Dokumentarliteratur

Peter Weiss: „Die Ermittlung“ ~
zur Struktur des dokumentarischen Theaters

eingereicht von:
Juliane Hartmann
7. Semester LA GS:
Deutsch, Sachunterricht

WS 2004/2005

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 03

2. Das Dokumentartheater bei Peter Weiss ... 04

3. Das Drama „Die Ermittlung“ ... 07
3.1 Der reale Hintergrund ... 07
3.2 Inhalt ... 08
3.3 Aufbau ... 10
3.4 Sprache ... 18

4. Untersuchung des Dramas anhand der von Weiss aufgestellten Thesen zum dokumentarischen Theater ... 21

5. Resümee ... 28

6. Literaturverzeichnis ... 29

7. Anhang ... 30

 

1. Einleitung

Neben Rolf Hochhuth und Heinar Kipphardt gilt Peter Weiss heute als einer der wichtigsten deutschen Vertreter des Dokumentartheaters der sechziger und siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Mit seinem 1965 uraufgeführten Drama „Die Ermittlung“ wagte er sich an einen damals hochaktuellen und gleichzeitig sehr umstrittenen Stoff heran. Hochaktuell zum einen, da von 1963 bis 1965 der dem Drama zugrunde liegende „Frankfurter Auschwitz – Prozess“ stattfand, der damals große Diskussionen in Deutschland über die Verjährung von Nazi-Verbrechen hervorrief. Zum anderen, da die „Ermittlung“ „eine Auseinandersetzung mit der jüngsten Vergangenheit Deutschlands wie auch mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit der BRD“1 verlangt, die man zu diesem Zeitpunkt versuchte zu verdrängen. Umstritten, da der Holocaust gemeinhin als nicht darstellbar galt.

Im Folgenden wird vorwiegend untersucht, inwiefern das Drama „Die Ermittlung“ Merkmale des dokumentarischen Theaters in sich trägt. Zunächst wird versucht, den Begriff des dokumentarischen Theaters durch die von Weiss selbst verfassten „Notizen zum dokumentarischen Drama“ genauer zu charakterisieren. Im Hauptteil wird das Drama in Inhalt, Aufbau und Sprache vorgestellt, um dann auf die Merkmale des dokumentarischen Theaters hin untersucht zu werden. Dabei ist zu erwähnen, dass der Begriff „Zuschauer“ in der Arbeit verkürzt für Leser und Zuschauer verwendet wird. Im Anhang finden sich abschließend die genaue Anklage und die Urteile des Frankfurter Auschwitz – Prozesses wieder.

2. Das Dokumentartheater bei Peter Weiss

Nach Metzlers Literaturlexikon ist der Begriff des Dokumentartheaters eine „Sammelbezeichnung für gesellschaftskritische und politisch orientierte Theaterstücke, Hörund Fernsehspiele, Filme, Prosa, Gedichte. [Es] entstand Anfang der 60er Jahre in Opposition zu den damals üblichen fiktiven Schreibweisen [wie die] […] des Brechtschen Parabelstücks […], denen u.a. politische Wirkungslosigkeit angelastet wird [und greift auf] […] Dokumente und Fakten zurück […]. Für das Dokumentarspiel sind v.a. zwei, jedoch nicht immer genau zu trennende Formen unterschieden worden: Die Prozess- Form […] und die Berichtform, die Dokumente und Fiktion mischt […].“ 2

Wesentlich ausführlicher definiert Peter Weiss die Merkmale des Dokumentartheaters anhand von 14 Thesen in den 1968 verfassten „Notizen zum dokumentarischen Drama“, die sich speziell auf eine ausschließlich dokumentierende Form des Dokumentartheaters beziehen. Für Weiss ist demnach das dokumentarische Theater „ein Theater der Berichterstattung“3. Es behandelt keine fiktiven, sondern ausschließlich authentische Gegenstände. Infolgedessen soll sich der Autor allein auf die ihm öffentlich zugrunde liegenden Materialien wie Protokolle, Akten, Briefe, statistische Tabellen, Regierungserklärungen, Interviews, Zeitungs- und Rundfunkreportagen, Fotos, Journalfilme, etc. beziehen. Um diese Materialflut bühnenfähig zu machen, wird sie, inhaltlich unverändert, in ihrer Form bearbeitet und auf eine kritische Auswahl reduziert. Dabei wird nach dem Prinzip der Montage vorgegangen. Thematisch konzentrieren sich die Stücke meist auf soziale oder politische Themen.4 Weiss nennt zahlreiche Beispiele der formalen und sprachlichen Bearbeitung des dokumentarischen Materials wie etwa die Komposition aus antithetischen Stücken oder Reihung ähnlicher Beispiele, das Hervorheben von Typischem aus Zitaten, die drastische Vereinfachung von Situationen, das Karikieren von Figuren oder die Übernahme von Songs für Kommentare oder Zusammenfassungen.5

[...]


1 Ingeborg Schmitz: Dokumentartheater bei Peter Weiss. Von der „Ermittlung“ zu „Hölderlin“. Frankfurt am Main; Bern; Cirencester: Lang 1981, Seite 69.

2 G. Schweikle (Hrsg.): Metzler Literatur Lexikon. Begriffe und Definitionen. 2. Aufl.. Stuttgart: Metzler 1990. Seite 105f.

3 Manfred Brauneck: Das deutsche Drama vom Expressionismus bis zur Gegenwart. Interpretationen. 2.Aufl.. Bamberg: C.C. Buchners 1972. Seite 250.

4 Vgl. Ebd..

5 Vgl. Ebd., Seite 254.


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