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Termpaper, 2001, 41 Pages
Author: Roland Hofbauer
Subject: Social Pedagogy / Social Work
Details
Institution/College: University of Innsbruck (Institut für Pädagogik)
Tags: Wärst, Schwierigkeit, Lebens, Heim, Heimleiterausbildung, Abschlussarbeit
Year: 2001
Pages: 41
Grade: Angenommen
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-13612-9
File size: 339 KB
Sehr dicht - einzeiliger Zeilenabstand.295 KB
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Excerpt (computer-generated)
"Wärst du nicht hilflos, so wärst du nicht hier"
Zur Schwierigkeit eigenbestimmten Lebens im Heim
Projektarbeit zum Abschluß der Heimleiter-Ausbildung
von Mag. Hofbauer Roland
März 2001
Inhaltsverzeichnis
I. Teil 4
1. Normales Leben 4
2. Was eine Institution ausmacht 7
Warum es überhaupt Heime gibt 7
Das Heim (die Institution) als Anstalt 9
Von grausigen Gläsern und Tassen 12
3. Ablauforientierte vs. Bewohnerorientierte Pflege 13
Altenpflege als Erfüllen von Arbeitsabläufen 13
Altenarbeit als Fließbandarbeit 15
"keine Zeit haben" als Metapher für die Verselbständigung von Arbeitsabläufen 15
Je größer das Heim, desto stärker der Funktionalitätsdruck 16
Ablauforientierung als Schutzmechanismus fürs Personal 17
II. Teil 20
4. Zur Funktion der Sachwalterschaft 20
Wenn Schaden vom Betroffenen abgewendet werden muß 20
5. Gegenmaßnahmen 23
Heimanwaltschaft 23
Eine Ausbildung des Personals, die auf die Individualität des alten Menschen ausgerichtet ist 27
6. Schluss 29
ANHANG 30
Bundesgesetz vom 2. Feber 1983 über die Sachwalterschaft für behinderte Personen
Diese Arbeit ist
Fr. Frick Maria
aus Innsbruck-Hötting gewidmet,
die ihren letzten Lebensabschnitt im Heim verbringen mußte, damit das öffentliche Interesse gewahrt bleibt. Ihr Schicksal hat mich zu wichtigen Erkenntnissen geführt.
I. Teil
Das Thema meiner Projektarbeit liegt nahe am Thema des Hauptprojektes "Institutionalisierung und normales Leben". Also welche Auswirkungen hat das Phänomen der Institution als Solcher auf das Leben in ebendieser? Ist normales Leben darin möglich ? In Diskussionen zum Projektthema kam öfters auch die Frage auf: Ist normales Leben überhaupt wünschenswert? Oder eigentlich so schrecklich, daß "normales" Leben gar nicht als wünschenswertes Ziel anzustreben ist?
Das alles und noch anderes mehr sind sehr grundsätzliche Fragen, von deren Beantwortung das Woraufhin unserer Heime wesentlich abhängt.
Für mein Thema soll nun zunächst (und zwar in der Form der Behandlung von Einwänden zu dieser Forderung) in einem ersten Kapitel die Frage geklärt werden, was unter "normalem" Leben verstanden werden soll; danach soll dann die Frage der Institutionaliserung behandelt werden
1. Normales Leben
1. Einwand: Normales Leben ist pfui
"Wenn ich mir anschau, wie die Leut leben, was sie für einen Stress haben, und daheim dann, wie sie mit dem Bier vor dem Fernseher sitzen, das ist normal, das ist wie die Leut heute leben; so toll ist das nicht, dass wir das im Heim auch noch haben müssen". So oder ähnlich lauten viele der Einwände, die ich zum Thema "normales Leben" zu hören bekommen habe.
Dieser Einwand bezieht sich auf die Lebensgewohnheiten der Mehrheit und lehnt von daher das Normalitätsprinzip ab. Der Einwand setzt weiters voraus, daß es Aufgabe der Heime sei, sich um die Lebensgewohheiten der darin Lebenden zu kümmern, und da wolle man nicht die schlechten Gewohnheiten der Mehrheit zum Maßstab setzen.
Das ist jedoch genau der Punkt, an dem der vorgebrachte Einwand zurückzuweisen ist.
Unter der Voraussetzung, daß man ein Heim nicht als Internat mit zu erziehenden alten Menschen betrachtet, kann es nicht als Aufgabe des Heimes gesehen werden, gewissermaßen erzieherisch auf die Lebensgewohnheiten der darin Lebenden einzuwirken. Würde es doch bedeuten, sich zum Kolonialherrn über den alten Menschen zu erheben, dem es zusteht, die Lebensgewohnheiten dieses Menschen zu beurteilen, zu gestatten oder zu verbieten.
Dieser Einwand ist also nicht nur abzuweisen, sondern vielmehr offenbart er sogar die erste Falle, nämlich daß plötzlich jemand da ist und sich aufschwingt, über meine Lebensgewohnheiten zu urteilen, ich also nicht mehr Herr im eigenen Haus bin.
Vielmehr muß es darum gehen, einen Rahmen zu schaffen, in dem der/die Einzelne eine möglichst große Kontinuität wahren kann, das heißt, möglichst viel von dem übernehmen kann, was sein/ihr Leben bisher ausgemacht hat - unabhängig davon, ob man das toll findet oder nicht.
Die Forderung, "normales" Leben zu ermöglichen, hat also nichts damit zu tun, die "normalen" Lebensgewohnheiten der Mehrheit zum Maßstab zu erheben, sondern diese Forderung zielt auf etwas ganz anderes ab, auf eigenbestimmte Lebensgewohnheiten:
Wer bestimmt, wie ich leben soll ? Muß ich leben, wie jemand anderer mir vorgibt oder kann ich nach eigenen Maßstäben darüber entscheiden. Es geht also um "normale" Entscheidungsfindung; ich entscheide selber, wie ich auf die Anforderungen der Umgebung reagiere, die Verantwortung für das eigene Wohlbefinden bleibt bei mir selber.
Der Verlust dieser "normalen" Entscheidungsfindung wird in der Psychologie als eine der Quellen der Depression gesehen: als "erlernte Hilflosigkeit" (Seligman), als festsitzende Überzeugung, das eigene Leben nicht mehr "kontrollieren", beeinflussen zu können.
2. Einwand: Auch im normalen Alltagsleben müssen wir uns Regelungen unterwerfen
[...]
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