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Affirmative Action in Südafrika

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 33 Pages
Author: Sotirios Dramalis
Subject: Economics / Business: Law

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 33
Grade: 1,6
Bibliography: ~ 20  Entries
Language: German
Archive No.: V58866
ISBN (E-book): 978-3-638-52949-5
ISBN (Book): 978-3-638-66619-0
File size: 555 KB

Abstract

Affirmative Action (übersetzt: „bejahende / bestätigende Maßnahmen“) kann als Förderung von benachteiligten Personen und Personengruppen umschrieben werden. In Südafrika stellt Affirmative Action ein Thema dar, welches sowohl von Fachleuten als auch von der breiten Öffentlichkeit heftigst diskutiert wird. Es zeigt vielmehr auf interessante Weise die Verzahnung zwischen Recht/Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in einem Land auf, das nach langer Zeit endlich den Weg zur Demokratie fand und im Jahre 2004 deren zehnjähriges Jubiläum feierte. Auch in den USA wird Affirmative Action nicht nur als juristisches, sondern ebenfalls als politisches Thema von allen Gesellschaftsgruppen wahrgenommen. Hier bezieht sich Affirmative Action jedoch auf die Förderung von Minderheiten, wohingegen im südafrikanischen Kontext die Förderung der Mehrheit propagiert wird (vgl. Dupper 2005, S. 91). Im Gegensatz hierzu findet der Begriff in einem kulturell homogeneren Land wie Deutschland weniger Anklang und wird, wenn überhaupt, nur im Zusammenhang mit Frauenquoten erwähnt (vgl. Gas 2002, S. 7). Die folgende Arbeit verfolgt daher das Ziel, dem deutschen bzw. europäischen Leser das Thema Affirmative Action am Beispiel seiner Erscheinungsform in Südafrika näher zu bringen. Schließlich zeigen die kürzlichen Ereignisse in Frankreich auf, dass mit einer zunehmenden Heterogenisierung europäischer Länder auch hier das Thema Affirmative Action bald von enormer Aktualität sein könnte, was die Stellung ethnischer Sondergruppen wie z.B. den Maghrebinern in Frankreich betrifft. Die Arbeit beleuchtet zunächst die Zusammensetzung der südafrikanischen Bevölkerung und gibt einen Überblick über die Zeit der Apartheid und ihrer Gesetzgebung bevor auf die Verankerung von Affirmative Action als Mittel zur Gleichheitserzielung in der neuen Verfassung Südafrikas eingegangen wird. Es folgt eine Darstellung der wesentlichen Erscheinungsformen von Affirmative Action in Südafrika, die insbesondere auch für ausländische Investoren von Bedeutung sind. Die Arbeit endet mit einer Wertung zum Thema Affirmative Action in Südafrika, die u.a. auch auf eigenen Beobachtungen und Gesprächen mit Südafrikanern basiert und alternative Wege zu Affirmative Action aufzeigt.


Excerpt (computer-generated)

Affirmative Action in Südafrika

von: Sotirios Dramalis

 


Inhaltsverzeichnis

1. AFFIRMATIVE ACTION – EIN GLOBALES THEMA?  1

2. AFFIRMATIVE ACTION IM NEUEN SÜDAFRIKA ALS KONSEQUENZ DER VÖLKERVIELFALT UND APARTHEID 2

2.1 Zusammensetzung der südafrikanischen Bevölkerung  2
2.2 Historischer Abriss der Apartheid Ära  3

3. GLEICHHEIT UND AFFIRMATIVE ACTION IN DER VERFASSUNG SÜDAFRIKAS 8

4. ANWENDUNGSGEBIETE UND ERSCHEINUNGSFORMEN VON AFFIRMATIVE ACTION IN SÜDAFRIKA 10

4.1 Affirmative Action im Öffentlichen Dienst 10

4.1.1 White Paper on the Transformation of the Public Service 10
4.1.2 White Paper on Affirmative Action in the Public Service  11

4.2 Affirmative Action in der Privaten Wirtschaft 12

4.2.1 Employment Equity Act  12
4.2.2 Preferential Procurement Policy Framework Act 13

4.3 Weitere Anwendungsgebiete  14

5. AFFIRMATIVE ACTION IM SPIEGEL DER KRITIK 14

5.1 Ideal und Wirklichkeit der Affirmative Action in Südafrika  14

5.1.1 Meinungen aus wissenschaftlichen Kreisen  14
5.1.2 Meinungen aus dem südafrikanischen Alltag  16

5.2 Alternativen zu Affirmative Action 19

ANHANG  V

QUELLENVERZEICHNIS  X


 


Abkürzungsverzeichnis

CODESA = Convention for a Democratic South Africa
EEA = Employment Equity Act
HDI Historically Disadvantaged Individuals
Soweto = South Western Township
WPAAPS = White Paper on Affirmative Action in the Public Service
WPTPS = White Paper on the Transformation of the Public Service




 

Anmerkung

In der folgenden Arbeit werden die einzelnen Bevölkerungsgruppen Südafrikas oft vereinfachend und aus Gründen der Lesbarkeit als Schwarze, Weiße, Mischlinge etc. bezeichnet. Dies betrifft auch die relevanten Geschlechtsbezeichnungen. Es soll an dieser Stelle explizit erwähnt werden, dass dies keines Falls ein Zeichen von Rassismus oder Diskriminierung darstellt. Es handelt sich hierbei vielmehr um reinen Pragmatismus, der nicht missinterpretiert werden soll.

1. Affirmative Action – Ein globales Thema?

Affirmative Action (übersetzt: „bejahende / bestätigende Maßnahmen“) kann als Förderung von benachteiligten Personen und Personengruppen umschrieben werden. In Südafrika stellt Affirmative Action ein Thema dar, welches sowohl von Fachleuten als auch von der breiten Öffentlichkeit heftigst diskutiert wird. Es zeigt vielmehr auf interessante Weise die Verzahnung zwischen Recht/Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in einem Land auf, das nach langer Zeit endlich den Weg zur Demokratie fand und im Jahre 2004 deren zehnjähriges Jubiläum feierte. Auch in den USA wird Affirmative Action nicht nur als juristisches, sondern ebenfalls als politisches Thema von allen Gesellschaftsgruppen wahrgenommen. Hier bezieht sich Affirmative Action jedoch auf die Förderung von Minderheiten, wohingegen im südafrikanischen Kontext die Förderung der Mehrheit propagiert wird (vgl. Dupper 2005, S. 91). Im Gegensatz hierzu findet der Begriff in einem kulturell homogeneren Land wie Deutschland weniger Anklang und wird, wenn überhaupt, nur im Zusammenhang mit Frauenquoten erwähnt (vgl. Gas 2002, S. 7). Die folgende Arbeit verfolgt daher das Ziel, dem deutschen bzw. europäischen Leser das Thema Affirmative Action am Beispiel seiner Erscheinungsform in Südafrika näher zu bringen. Schließlich zeigen die kürzlichen Ereignisse in Frankreich auf, dass mit einer zunehmenden Heterogenisierung europäischer Länder auch hier das Thema Affirmative Action bald von enormer Aktualität sein könnte, was die Stellung ethnischer Sondergruppen wie z.B. den Maghrebinern in Frankreich betrifft.

Die Arbeit beleuchtet zunächst die Zusammensetzung der südafrikanischen Bevölkerung und gibt einen Überblick über die Zeit der Apartheid und ihrer Gesetzgebung bevor auf die Verankerung von Affirmative Action als Mittel zur Gleichheitserzielung in der neuen Verfassung Südafrikas eingegangen wird. Es folgt eine Darstellung der wesentlichen Erscheinungsformen von Affirmative Action in Südafrika, die insbesondere auch für ausländische Investoren von Bedeutung sind. Die Arbeit endet mit einer Wertung zum Thema Affirmative Action in Südafrika, die u.a. auch auf eigenen Beobachtungen und Gesprächen mit Südafrikanern basiert und alternative Wege zu Affirmative Action aufzeigt.

2. Affirmative Action im neuen Südafrika als Konsequenz der Völkervielfalt und Apartheid

2.1 Zusammensetzung der südafrikanischen Bevölkerung

Vielfältige Kulturen haben Südafrika im Zuge seiner Historie beeinflusst und damit ihre Spuren hinterlassen. Südafrika ist heute eines der kulturell vielfältigsten Länder. Es gibt nicht nur Südafrikaner, die schwarz-afrikanische oder europäische Wurzeln haben, sondern auch viele Menschen asiatischer Abstammung haben in Südafrika ein Zuhause gefunden. Daher wird Südafrika oft auch als Rainbow Nation bezeichnet und ist eine der pluralistischsten Gesellschaften der Erde (vgl. Trompenaars et al. 2003, S. 212).

Die verschiedenen Ethnien, die sich in Südafrika niedergelassen haben, sind heute – je nach eingenommener Perspektive – Gewinner oder Verlierer von Affirmative Action. Die nachfolgende Betrachtung der in Südafrika lebenden Völker und der gesprochenen Sprachen sowie der in Kapitel 2.2 folgende Abriss über die Geschichte Südafrikas mit Fokus auf die Apartheid Ära sind daher die Basis für ein genaueres Verständnis von Affirmative Action im neuen Südafrika.

Sothos beinhalten (Tswana-Völker), die Tsonga, die Venda sowie Afrikaander, Engländer, Mischlinge, Inder und all die, die aus dem restlichen Afrika, Europa und Asien nach Südafrika eingewandert sind (z.B. aus Griechenland, Zypern, Portugal, Deutschland, China, Libanon, Israel) und eine starke kulturelle Identität aufrechterhalten haben. Zudem findet man in Südafrika auch einige Khoi und San. Insgesamt wurden im Jahr 2000 22.150.308 männliche und 24.279.515 weibliche Südafrikaner/innen gezählt (vgl. Phillip 2000, S. 99-112). Die Ergebnisse der zweiten demokratischen Volkszählung von 2001 (veröffentlicht 2003) sind in Abbildung 1 verdeutlicht.

Abbildung 1: Bevölkerungsgruppen in Südafrika [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]

Die südafrikanische Verfassung erkennt elf offizielle Landesprachen an. Diese sind Afrikaans, Englisch, isiNdebele, isiXhosa, isiZulu, Sepedi, Sesotho, Setswana, siSwati, Tshivenda und Xitsonga. Aufgrund der historischen Vernachlässigung der einheimischen Sprachen fordert die Verfassung die Implementierung von Maßnahmen zur Steigerung und Avancierung dieser Sprachen. Nach Angaben der Volkszählung von 2001 ist isiZulu die Muttersprache von 23.8% der Bevölkerung, gefolgt von isiXhosa (17.6%), Afrikaans (13.3%), Sepedi (9.4%), sowie Englisch und Setswana (jeweils 8.2%). Die am wenigsten gesprochene der einheimischen Sprachen ist isiNdebele, welche nur von 1.6% der Südafrikaner beherrscht wird. Afrikaans, eine Sprache die von nicht-englischen Siedlern holländischer, deutscher und französischer Herkunft entwickelt wurde, wird heute als die jüngste Sprache der Welt betrachtet (vgl. Fries 2004, S. 21-22).

Abbildung 2: Sprachgruppen in Südafrika [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]

2.2 Historischer Abriss der Apartheid Ära

[...]


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