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Über Rainer Maria Rilkes "Die Turnstunde"

Seminararbeit, 2004, 17 Seiten
Autor: Florian Huber
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Veranstaltung: Proseminar: Grundlagen der Literaturwissenschaft
Institution/Hochschule: Universität Stuttgart (Institut für Literaturwissenschaften)
Tags: Rainer, Maria, Rilkes, Turnstunde, Proseminar, Grundlagen, Literaturwissenschaft
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 17
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 9  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V59025
ISBN (E-Book): 978-3-638-53063-7
ISBN (Buch): 978-3-640-13934-7
Dateigröße: 179 KB

Zusammenfassung / Abstract

Angeregt zu diesem Werk, in dem Rainer Maria Rilke seine Erlebnisse aus der Militärschulzeit verarbeitete, hat ihn seine Geliebte Lou Andreas-Salome, der er dies in vielen Briefen offenbarte. Sie verstand davon ein „Werk aus der Militärschulzeit“ und meinte wohl einen Militärroman. Nur hat es diesen nie gegeben. Statt dessen entstand ist „Die Turnstunde“, welche im Februar 1902 in ihrer endgültigen Fassung in der „Zukunft“, einer Wochenzeitung, herausgegeben von Maximilian Harden, erschien. Die Novelle berichtet vom Turnunterricht in der Militärschule St. Severin. Der Kadett Karl Gruber stirbt an den Folgen einer freiwilligen, körperlichen Überanstrengung nach einer Turnübung. Allerdings wird diese Aufgabe nicht gefordert, sondern ergibt sich aus einer Eigeninitiative des Schülers. Daher ist nicht nur sein Tod das einzig Tragische dieser Erzählung, es muss irgendeinen Auslöser gegeben haben, der ihn zu dieser Entscheidung veranlasste und damit letztlich in den Tod trieb. Der Vergleich beider Fassungen, der „Ersten Niederschrift“ vom November 1899 und der „Endgültigen Fassung“ vom Januar 1902, ihre Analyse, Interpretation und Wirkung ist Teil dieser Hausarbeit, ebenso wie Rilkes persönliche Erfahrungen und der Versuch die Erlebnisse seiner Militärschulezeit in diesem Werk zu verarbeiten.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Stuttgart
Institut für Literaturwissenschaften
Abt. für Neuere Deutsche Literatur
Seminar: Grundlagen der Literaturwissenschaft
Hausarbeit
WS 2003/2004

Rainer Maria Rilke
„Die Turnstunde“

eingereicht von:
Florian Huber
Germanistik
LA Gym

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 3

2. Die Novelle am Beispiel von Rilkes „Die Turnstunde“ ... 4

3. Beide Fassungen im Vergleich ... 4

4. Die Figuren und ihr Verhältnis zueinander ... 7

5. Die Position des Erzählers ... 9

6. Die Wirkung der Novelle auf den Leser ... 11

7. Rilkes Militärschulproblem und die Verarbeitung seiner Erlebnisse in diesem Werk ... 12

8. Das Ergebnis meiner Interpretation der Novelle ... 15

Literaturverzeichnis ... 16

 

1. Einleitung


„Seltsam, nachts wurde mir plötzlich der Militärroman so dringend, daß ich glaubte, ich würde, wenn nicht sofort, so doch wenigstens heute beginnen müssen, ihn zu schreiben.“1

Diese Zeilen notierte sich Rainer Maria Rilke in der Nacht des 5. November 1899 in sein Tagebuch. Als Ergebnis entstand die Novelle „Die Turnstunde“, in der er seine Erlebnisse aus der Militärschulzeit verarbeitet hat.

Angeregt zu diesem Werk hat ihn seine Geliebte Lou Andreas-Salome, der er die oben genanten Zeilen in einem Brief schickt.2 Mit dem „Werk aus der Militärschulzeit“3 meinte sie wohl einen Militärroman, nur hat es diesen nie gegeben. Statt dessen entstand ist „Die Turnstunde“, welche im Februar 1902 in ihrer endgültigen Fassung in der „Zukunft“, einer Wochenzeitung, herausgegeben von Maximilian Harden4, erschien. Die Novelle berichtet vom Turnunterricht in der Militärschule St. Severin. Der Kadett Karl Gruber stirbt an den Folgen einer freiwilligen, körperlichen Überanstrengung nach einer Turnübung.5 Allerdings wird diese Aufgabe nicht gefordert, sondern ergibt sich aus einer Eigeninitiative des Schülers.

Daher ist nicht nur sein Tod das einzig Tragische dieser Erzählung, es muss irgendeinen Auslöser gegeben haben, der ihn zu dieser Entscheidung veranlasste und damit letztlich in den Tod trieb. Der Vergleich beider Fassungen, der „Ersten Niederschrift“ vom November 1899 und der „Endgültigen Fassung“ vom Januar 1902, ihre Analyse, Interpretation und Wirkung ist Teil dieser Hausarbeit, ebenso wie Rilkes persönliche Erfahrungen und der Versuch die Erlebnisse seiner Militärschulezeit in diesem Werk zu verarbeiten.

2. Die Novelle am Beispiel von Rilkes „Die Turnstunde“

Bei beiden Fassungen handelt es sich um Kurzprosa. Bei der Bestimmung der genauen erzählenden Gattung kann es verschiedene Meinungen geben. Ich bin der Ansicht, dass es sich bei „Die Turnstunde“ um eine Novelle handelt. So weist der Text eindeutig Bezug zur Realität auf, da alle beschriebenen Geschehnisse durchaus möglich, wenn auch nicht alltäglich, sind. Der Tod des Kadetten stellt einen äußerst seltenen Extremfall dar, der aber durchaus eintreten kann. Auch behandelt der Text eindeutig das Geschehene, nämlich die Leistung und Überanstrengung des Kadetten Karl Gruber und endet mit einem Ergebnis, in dem sich das Geschehene wieder finden lässt: dem Tod des Schülers durch Überbelastung seines Körpers. Alle genannten Punkte sind im Text eindeutig vorhanden und klassifizieren ihn daher als Novelle.6

[...]


1 Vgl.: Schnack Ingeborg, Rainer Maria Rilke Chronik seinen Lebens und seines Werkes, Erster Band 1875 - 1920. Frankfurt: Insel, 1990. S. 91 - 92.

2 Vgl.: Kim, Byong - Ock. Rilkes Militärschulerlebnis und das Problem des verlorenen Sohnes. Bonn: Bouvier, 1973. S. 91 – 93.

3 Ebd.

4 Vgl.: Schnack I, Rainer Maria Rilke Chronik. S. 136.

5 Rainer Maria Rilke. Sämtliche Werke in zwölf Bänden. Hrsg. vom Rilke Archiv in Verbindung mit Ruth Sieber - Rilke. Besorgt durch Ernst Zinn. Band 8.Frankfurt a. M.: Insel, 1975. Endgültige Fassung. S. 601ff

6 Vgl.: Schweikle, Günther und Irmgard (Hrsg.). Metzler Literaturlexikon. Begriffe und Definitionen. 2., überarbeitete Auflage. Stuttgart: Metzler, 1990.


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