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Subtitle: Erklärungsversuche, Maßnahmen und Folgen
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 21 Pages
Author: Doreen Fricke
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Institution/College: University of Kassel (Universität Kassel)
Tags: Pest, Europa, Medizin, Krankheit, Mittelalter
Year: 2004
Pages: 21
Grade: 2,1
Bibliography: ~ 13 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-53263-1
ISBN (Book): 978-3-638-77949-4
File size: 191 KB
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Abstract
„A peste, fame et bello, libera nos Domine!“ (Von Pest, Hunger und Krieg erlöse uns, o Herr!) Lange Zeit, vor allem im Mittelalter, kannte Europa die Angst vor den apokalyptischen Reitern, die in Form von Krieg, Hunger, Tod und insbesondere der Pest das Ende der Welt einläuten sollten. Daher flehten die Gläubigen ständig zu Gott, sie vor Schicksalsschlägen zu bewahren. Kam es dennoch zu Katastrophen, wurden sie als Strafe empfunden, die Gott den Menschen aufgrund ihres Fehlverhaltens geschickt hatte. Eine der größten Katastrophen, die Europa verwüsteten, war die Pestwelle in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Zwar forderten Cholera, Typhus, Diphtherie, Pocken und Grippewellen immer wieder Opfer, aber sie hatten nur regionale Bedeutung im Vergleich zur Pest. Diese Hausarbeit soll sich mit der Frage beschäftigen, welche Auswirkungen die Pestepidemie zwischen 1347 und 1351 in Europa hatte. Warum z. B. konnte sich die Pest über einen ganzen Kontinent ausbreiten? Ist dafür nur die kurze Inkubationszeit der Krankheit verantwortlich, oder spielten auch die Behandlungsmethoden der Ärzte eine Rolle? Hatte das Peststerben wirtschaftliche und soziale Folgen? Doch nicht nur die Beleuchtung „gesamteuropäischen“ Pest soll in dieser Arbeit vorgenommen werden. In einem zweiten Teil soll verdeutlicht werden, was die Pest für die Bürger einer europäischen Stadt im Einzelnen bedeutete. Hierzu wird das Beispiel der Stadt Florenz, deren Pestgeschichte wir vor allen Dingen durch Boccaccios Werk „Decamerone“ nachvollziehen können, heran gezogen.
Excerpt (computer-generated)
Universität Kassel
Seminar: Medizin und Krankheit im Mittelalter
Wintersemester 2003/ 04, 5. Semester
Die Pest 1347 - 1351 in Europa
von: Doreen Fricke
Inhalt
Einleitung S. 3
1. Teil
Die Pest – Begriff und Übertragungswege S. 5
Der Weg der Pest nach Europa S. 6
Mittelalterliche Erklärungsversuche S. 7
Säftelehre und Miasmentheorie S. 7
Das „Pariser Pestgutachten“ S. 8
Das „Pesthauchmodell“ S. 9
Maßnahmen, die der Pest entgegen wirken sollten S. 9
Ärzte S. 9
Kirche S. 10
Obrigkeiten S. 11
Volk S. 12
Die Folgen des „Schwarzen Todes“ S. 12
2. Teil
Die Pest in Florenz S. 14
Schlussbemerkungen S. 20
Literatur S. 21
Einleitung
„A peste, fame et bello, libera nos Domine!“
(Von Pest, Hunger und Krieg erlöse uns, o Herr!)
Lange Zeit, vor allem im Mittelalter, kannte Europa die Angst vor den apokalyptischen Reitern, die in Form von Krieg, Hunger, Tod und insbesondere der Pest das Ende der Welt einläuten sollten. Daher flehten die Gläubigen ständig zu Gott, sie vor Schicksalsschlägen zu bewahren. Kam es dennoch zu Katastrophen, wurden sie als Strafe empfunden, die Gott den Menschen aufgrund ihres Fehlverhaltens geschickt hatte. Eine der größten Katastrophen, die Europa verwüsteten, war die Pestwelle in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Zwar forderten Cholera, Typhus, Diphtherie, Pocken und Grippewellen immer wieder Opfer, aber sie hatten nur regionale Bedeutung im Vergleich zur Pest.
Diese Hausarbeit soll sich mit der Frage beschäftigen, welche Auswirkungen die Pestepidemie zwischen 1347 und 1351 in Europa hatte. Warum z. B. konnte sich die Pest über einen ganzen Kontinent ausbreiten? Ist dafür nur die kurze Inkubationszeit der Krankheit verantwortlich, oder spielten auch die Behandlungsmethoden der Ärzte eine Rolle? Hatte das Peststerben wirtschaftliche und soziale Folgen? Zur Klärung dieser Fragen ist es zunächst einmal notwendig, sich mit der Pest als Krankheit an sich zu befassen. Die entsprechenden Ausführungen sind im Kapitel „Die Pest – Begriff und Übertragungswege“ zu finden. Anschließend soll der Weg, auf dem die Pest nach Europa gelangte, kurz unter der Überschrift „Der Weg der Pest nach Europa“ skizziert werden. Des weiteren werden in dieser Hausarbeit die wichtigsten mittelalterlichen Erklärungsversuche, die aus dem geringen Kenntnisstand über die Pest resultierten, Erwähnung finden, und die sich daraus ergebenden Maßnahmen zur Ansteckungsvermeidung und Therapie erläutert werden. Wichtig zum Verständnis des Schadens, den die Pest hervorgerufen hat, ist auch das Kapitel „Die Folgen der Pest“.
Nachdem sich die Hausarbeit bisher mit der „gesamteuropäischen“ Pest auseinandergesetzt hat, soll ein zweiter Teil verdeutlichen, was die Pest für die Bürger einer europäischen Stadt im einzelnen bedeutete. Hierzu wird das Beispiel der Stadt Florenz, deren Pestgeschichte wir vor allen Dingen durch Boccaccios Werk „Decamerone“ nachvollziehen können, geschildert werden. Die wichtigsten Ausführungen zur Pest in Florenz sind bei W. Reddig1, G. Brucker2 und K. Bergdolt3 zu finden. Aber auch die Ausführungen G. Stickers4 sind zur näheren Klärung der Situation der Pestwelle von 1347 bis 1351 geeignet.
Für den ersten Teil der Arbeit nutzte ich neben den bisher genannten auch F. Graus5, K. P. Jankrift6 und S. Bucher7. Zur Informationsverschaffung sind daneben auch G. Keil8 und M. Vasold9 sowie eine weitere wissenschaftliche Arbeit K. Bergdolts10 geeignet. Sie schildern deutlich den Weg, den die Pest durch Europa genommen hat. Die Folgen der Seuche sind vor allem durch die Erläuterungen K. G. Zinns11, aber auch durch Aufsätze E. Kelters12 und K. Sudhoffs13 nochvollziehbar. Da die Pestwelle, die die europäischen Länder im 14. Jahrhundert heimsuchte, die Forscher immer wieder beschäftigt hat, findet sich sehr viel Literatur zum Thema. Diese Hausarbeit bezieht sich nur auf eine kleine Auswahl derselben.
1. TEIL
Die Pest – Begriff und Übertragungswege
Der Ausdruck „pestilentia“ wurde im Mittelalter auch, aber nicht ausschließlich für die Pest gebraucht. Vielmehr bezeichnete er nahezu jede ansteckende Krankheit bzw. Seuche und wurde zuweilen auch für die Bezeichnung von Todesfällen infolge von Hungersnöten verwendet. Erst im späten Mittelalter verfestigte sich unter dem Eindruck der pandemisch auftretenden Seuche der Begriff „Pest“ für die Lungen- und die Beulenpest.
Durch den regen Austausch der Kreuzfahrer zwischen dem Nahen Osten und dem Abendland breitete sich die Pest rasch aus. Der wichtigste Überträger der Krankheit war hierbei die Hausratte14. Sie fand in den verschmutzten, übel riechenden europäischen Städten ideale Lebensbedingungen vor. Dadurch vermehrte sie sich schnell und mit ihr auch der auf der Ratte lebende Pestfloh, der die Krankheitserreger in sich trug. Biss er die Ratte, wurde sie infiziert15 und verendete. Da auf diesem Weg ein rasches Rattensterben einsetzte, die Ratte aber menschliche Nähe suchte, fand der Pestfloh im Menschen einen neuen Wirt.
[...]
1 Reddig, W., Bader, Medicus und Weise Frau. Wege und Erfolge der mittelalterlichen Heilkunst. München 2000.
2 Brucker, G., Florenz in der Renaissance. Stadt, Gesellschaft und Kultur. Hamburg 1990.
3 Bergdolt, K., Die Pest 1348 in Italien. 50 zeitgenössische Quellen. Mit einem Nachwort von Gundolf Keil. Heidelberg 1989.
4 Sticker, G., Die Pest I: Die Geschichte der Pest. Gießen 1908.
5 Graus, F., Pest – Geißler – Judenmorde. Das 14. Jahrhundert als Krisenzeit. 3. Auflage, Göttingen 1994.
6 Jankrift, K., Krankheit und Heilkunde im Mittelalter. Darmstadt 2003.
7 Bucher, S., Die Pest in der Ostschweiz. St. Gallen 1979.
8 Keil, G., Seuchezüge des Mittelalters, in: Mensch und Umwelt im Mittelalter. Stuttgart 1989.
9 Vasold, M., Pest, Not und schwere Plagen. Seuchen und Epidemien vom Mittelalter bis heute. München 1991.
10 Bergolt, K., Der schwarze Tod in Europa. Die große Pest und das Ende des Mittelalters. München 1994.
11 Zinn, K. G., Kanonen und Pest. Über die Ursprünge der Neuzeit im 14. und 15. Jahrhundert. Opladen 1989.
12 Kelter, E., Das deutsche Wirtschaftsleben des 14. und 15. Jahrhunderts im Schatten der Pestepidemien, in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik 165 (1953).
13 Sudhoff, K., Pestschriften aus den ersten 150 Jahren nach der Epidemie des „Schwarzen Todes“ 1348, in: Archiv Geschichte der Medizin 5 (1912).
14 Der Pestfloh muss zuvor von der Wanderratte auf die Hausratte übertragen worden sein. Diese wiederum lebte häufig auf den Handelsschiffen und war daher im Mittelalter auch als Schiffsratte bekannt.
15 Der Pesterreger blockiert den Darm des Flohes. Dieser versucht immer wieder, das Blut seines Wirtes einzusaugen. Dabei bläht sich der Floh auf. Mangels einer anderen Abflussmöglichkeit gelangt bakterieninfiziertes Blut in den Kreislauf des Wirtes.
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