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Der Allgemeine Deutsche Sprachverein und seine Wirkung auf die Deutsche Sprache

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1995, 22 Pages
Author: MA Sebastian Hoos
Subject: Rhetoric / Elocution / Oratory

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1995
Pages: 22
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 24  Entries
Language: German
Archive No.: V59377
ISBN (E-book): 978-3-638-53335-5
ISBN (Book): 978-3-638-66668-8
File size: 163 KB

Abstract

Universität Tübingen, Neuphilologische Fakultät, Seminar für Allgemeine Rhetorik HS: Rhetorische Sprachkritik, Sommersemester 1995 Der Allgemeine Deutsche Sprachverein und seine Wirkung auf die Deutsche Sprache von: Sebastian Hoos Abstract Die Forderungen nach Sprachreinheit sind alt und die Versuche, „Abhilfe zu schaffen“ vielfältig. Der in dieser Arbeit zur Disposition stehende Versuch des 1885 gegründeten Allgemeinen Deutschen Sprachvereins (im folgenden kurz ADSV), die deutsche Sprache „rein“ zu halten, steht in einer historischen Entwicklung, die im Folgenden kurz skizziert werden soll. Den jeweiligen Kräften im Dienste des Sprachpurismus war ein sehr unterschiedlicher Erfolg beschieden. Grundsätzlich ist weiterhin zu klären, worin sich Sprachpurismus manifestiert und welche gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen damit verbunden sind. Konkret geht diese Arbeit der Frage nach, welchen Einfluß und bleibende Auswirkung der ADSV auf die deutsche Sprache und deren Gebrauch hatte. Hierzu sollen die Bedingungen für seine Entstehung und die Ursachen für sein Zugrundegehen untersucht werden. Ziel dieser Arbeit ist es, unter Berücksichtigung rhetorischer Ideale und Kriterien das Phänomen ADSV sprachkritisch zu beurteilen und innerhalb der geschichtliche Entwicklung zu deuten. Inhalt I. Einleitung 1. Thematik und Ziel der Arbeit 2. Literatur und Forschungsstand II. Hauptteil 3. Der Puritasbegriff 4. Geschichte des Sprachpurismus, Fremdwortfrage vor Herrmann Riegel 5. Der ADSV, Ziele, Absicht, Entwicklung und Vorgehensweise 6. Vergleich des Gründungsmanifests des ADSV mit dem von J. H. Campe III. Schluß 7. Beurteilung vor rhetorikspezifischem Hintergrund 8. Zusammenfassung und Schlußfolgerung IV. Literaturverzeichnis V. Anhang


Excerpt (computer-generated)

Universität Tübingen, Neuphilologische Fakultät
Seminar für Allgemeine Rhetorik
HS: Rhetorische Sprachkritik
Sommersemester 1995

Der Allgemeine Deutsche Sprachverein und seine
Wirkung auf die Deutsche Sprache

von: Sebastian Hoos

 


Inhalt

I. Einleitung

1. Thematik und Ziel der Arbeit
2. Literatur und Forschungsstand

II. Hauptteil

3. Der Puritasbegriff
4. Geschichte des Sprachpurismus, Fremdwortfrage vor Herrmann Riegel
5. Der ADSV, Ziele, Absicht, Entwicklung und Vorgehensweise
6. Vergleich des Gründungsmanifests des ADSV mit dem von J. H. Campe

III. Schluß

7. Beurteilung vor rhetorikspezifischem Hintergrund
8. Zusammenfassung und Schlußfolgerung

IV. Literaturverzeichnis

V. Anhang
 




 

I. Einleitung

1. Thematik und Ziel dieser Arbeit

Die Forderungen nach Sprachreinheit sind alt und die Versuche, „Abhilfe zu schaffen“ vielfältig. Der in dieser Arbeit zur Disposition stehende Versuch des 1885 gegründeten Allgemeinen Deutschen Sprachvereins (im folgenden kurz ADSV), die deutsche Sprache „rein“ zu halten, steht in einer historischen Entwicklung, die im Folgenden kurz skizziert werden soll. Den jeweiligen Kräften im Dienste des Sprachpurismus war ein sehr unterschiedlicher Erfolg beschieden. Grundsätzlich ist weiterhin zu klären, worin sich Sprachpurismus manifestiert und welche gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen damit verbunden sind.

„Die Verabschiedung - wieder einmal - eines Gesetzes ‘zum Gebrauch der französischen Sprache’, vulgo Sprachreinheits-, Sprachreinhaltungs-, Fremdwortgesetz, konnte uns diesseits des Rheins nicht kaltlassen. Wieder einmal wurde auch hierzulande gefordert und die Gesellschaft für deutsche Sprache aufgefordert, sich stark zu machen.“1

Es ist nicht das erste Mal, daß in Deutschland, - wie eben auch jenseits des Rheins wieder durch die einflußreiche Académie Francaise - der Ruf nach Maßnahmen zur Sprachbeeinflussung laut geworden ist. In Frankreich hat Sprachpolitik eine lange Tradition (Gründungsdatum 1635), bis heute wird aktiv versucht, von staatlicher Seite unterstützt und gesetzgeberisch sanktioniert, das Sprachverhalten der Franzosen zu einer ‘Reinhaltung’ der Nationalsprache hin zu beeinflussen. Diese Einflußnahme auf Sprache, also auf Verständigungsschemata und Vokabular von Bürgern, ist aktive Sprachkritik, deren Forderungen, wie im Falle des ADSV auch, von höchster Stelle stattgegeben wurde.

Konkret geht diese Arbeit der Frage nach, welchen Einfluß und bleibende Auswirkung der ADSV auf die deutsche Sprache und deren Gebrauch hatte. Hierzu sollen die Bedingungen für seine Entstehung und die Ursachen für sein Zugrundegehen untersucht werden. Ziel dieser Arbeit ist es, unter Berücksichtigung rhetorischer Ideale und Kriterien das Phänomen ADSV sprachkritisch zu beurteilen und innerhalb der geschichtliche Entwicklung zu deuten.

2. Literatur und Forschungsstand

Vom Allgemeinen Deutschen Sprachverein sind reichlich Schriftzeugnisse vorhanden. Sowohl die Werke des Gründers Riegel und seines Mitstreiters Herrmann Dunger als auch sämtliche Ausgaben der Monatszeitschrift „Muttersprache“, verschiedene Wissenschaftliche Beihefte und Verdeutschungswörterbücher sind erhalten. Umso verwunderlicher ist die geringe Beschäftigung mit dem Thema in der Sprachforschung. Arbeiten über die Entwicklung der deutschen Sprache erwähnen den ADSV allenfalls in wenigen, kaum analytischen Sätzen, während zur Sprach- und Purismusauffassung bei Geistesgrößen wie Grimm, Jahn oder Goethe eigenständige Werke vorliegen. Zur rhetorischen Betrachtung des Sprach- und Fremdwortpurismus als solches tritt vor allem das Werk „Reinheit der Sprache, des Herzens und des Leibes“ von Gerhard Härle in Erscheinung. Allerdings beschränkt sich die Untersuchung, wie auch in „Kulturpatriotismus und Sprachbewußtsein“ (Huber 1982), „Rhetorik und Hochsprache“ (Haas 1980) und „Sprachhelden und Sprachverderber“ (de Gruyter 1995), weitgehend auf die vor-nationalistische Zeit. Sprachkritische Beiträge finden sich beispielsweise in Hans-Martin Gauger: „Sprach- Störungen“ oder Jürgen Schiewe: „Sprache und Öffentlichkeit“.

II. Hauptteil

3. Der Puritasbegriff

Aus der rhetorischen Tradition ist bekannt, daß „puritas“, oder auch „latinitas“ genannt, eine unablässige Bedingung für rhetorisch korrekten, d.h. tugendhaften Sprachgebrauchs darstellt. Cicero bringt es knapp auf den Punkt: „Denn niemand hat ja einen Redner je dafür bewundert, daß er korrekt sprach; anderfalls lacht man ihn aus und glaubt nicht nur, er sei kein Redner, sondern auch kein Mensch.“2

[...]


1 Walther 1995, 50

2 Cicero, 3,52


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