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Flaneur vs. Flaneuse - Abklatsch oder etablierte literarische Gattung?

Hausarbeit, 2006, 13 Seiten
Autor: Mathias Seeling
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Veranstaltung: De„Der Flaneur und die moderne Großstadt bei Walter Benjamin, Franz Hessel und Siegfried Kracauer“
Institution/Hochschule: Universität Erfurt (Philosophische Fakultät)
Tags: Flaneur, Flaneuse, Abklatsch, Gattung, Flaneur, Großstadt, Walter, Benjamin, Franz, Hessel, Siegfried, Kracauer, Figur, Literatur
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 13
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 3  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V59406
ISBN (E-Book): 978-3-638-53358-4
ISBN (Buch): 978-3-640-20384-0
Dateigröße: 191 KB

Zusammenfassung / Abstract

(...) Bisweilen werden an angemessenen Stellen Exkurse im intertextualen Diskurs unternommen, um mithilfe derer Bezug zum Sachverhalt zu intensivieren und gleichzeitig zu globalisieren. Des weiteren werde ich auf das Kino eingehen, da dies den Irrtum der alleinigen Existenz eines „rein männlichen Flaneurs“ aufdeckt, hintergründet und exemplarisch als Gegenargument zu sehen ist. Shopping Malls sollen in Anbetracht des weiblichen Typus klischeehaft veranschaulichen, welche Möglichkeiten und Grenzen der Frau entgegenstehen und analysiert ansatzweise diese neue Form der weiblichen Flanerie ohne ausschweifend in dieses Klischee zu verfallen. Das Thema der Frau als Autor und Künstler von Werken gegenüber der männlichen kritischen Betrachtungsweise ist teilweise noch bis in die heutige Zeit zu beobachten. Somit ist die Emanzipation der Frau in ′typisch männlichen′ Bereichen immer noch aktuell. Prof. Dr. Anne Friedberg befasste und befasst sich engagiert als Wissenschaftlerin für Filme und Literatur mit diesem Thema und setzte somit Meilensteine in diesem Bereich der Forschung. Als regionaler Vergleichspunkt eignete sich für diese Arbeit die Stadtschreiberin für Erfurt, Antje Wagner, die 2005 ein Stipendium erhielt, um ihre Eindrücke der Stadt wiederzugeben. Leider war es nicht möglich, mit ihr persönlichen Kontakt aufzunehmen, ihre publizierte Reihe „Magische Schlangen“ in der Thüringer Allgemeinen Zeitung eröffnete jedoch eine gute Grundlage für eine Stilanalyse und die Wahrnehmung von städtischen Gegebenheiten einer weiblichen Person. In der gesamten Arbeit wurde immer wieder der Vergleich zu dem ′typischen′ Flaneur als männliches Phänomen gezogen. Dadurch rückt stellenweise die Frau in den Hintergrund, jedoch nicht, weil der Flaneur qualitativ (wenn auch quantitativ) höherwertig wäre, sondern durch historische Tatsachen, dass die vermeintliche Flaneuse sich erst etablieren musste und somit nur bedingt Vergleichspunkte gezogen werden können.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Erfurt, Philosophische Fakultät
Seminar: „Der Flaneur und die moderne Großstadt bei
Walter Benjamin, Franz Hessel und Siegfried Kracauer“
Literaturwissenschaftliches Seminar, Sommersemester 2006

Flaneur vs. Flaneuse –
Abklatsch oder etablierte literarische Gattung?

von: Mathias Seeling

 


Inhalt

Einleitung 3

1 Anne Friedberg 5

1.1 Das Kino – mobilzed gaze: eine erweiterte Form der Flanerie?  5
1.2 Shopping Malls – Ort der Flaneuse?  7

2 Antje Wagner – Liebesbriefe aus Erfurt 8

Fazit  11

Literatur- und Quellenverzeichnis 12
 



 

Einleitung

Jeder Mensch nimmt seine Umwelt auf unterschiedliche Art und Weise wahr, interpretiert Sachverhalte und Verhaltensweisen seiner Mitmenschen anders und besitzt ein individuelles Aufnahmevermögen, das diesen Menschen prägt und das er ebenso auf seine Umwelt reflektiert. Diese Hausarbeit soll sich mit dem Phänomen des expliziten Beobachters in der Stadt und in verschiedenen anderen sozialen Gefügen befassen – dem Flaneur und speziell in dieser Hinsicht auf die weibliche Form des Flaneurs eingehen. Was sind sozusagen ′typische′ weibliche Charakteristika, welche Stile verfolgen und repräsentieren diese Frauen? Wie können und konnten sich Frauen im künstlerischen und literarischen Diskurs behaupten und ist eine Lesart der ′Flaneuse′ als die weibliche Form des Flaneurs zulässig? Ist sie als dessen Gegenstück zu betrachten oder stellt sie eine eigene Gattung im weiteren Sinne dar? Der Typus Flaneur in der Literatur wurde von seinem früheren Ebenbild, dem Wanderer, abgeleitet, der die Natur durchstreifte und, an dem, was er dort beobachtete, seinen Gedanken und Gefühle artikulierte. Den Eingang in die Literatur fand er schließlich mit Edgar Allan Poes Erzählung „The man of the crowd“ von 1838. Seitdem sah sich der beobachtende Mensch in einer städtischen Welt, die geprägt war, durch stete Veränderung und rasanter Entwicklung im Alltag, der Industrie und vielen anderen Bereichen. Problematisch in diesem Bereich des künstlerischen, und in diesem Zusammenhang nicht immer literarischen Schaffens emanzipierter Frauen, besonders des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, ist die Tatsache, dass diese kaum gefördert und in der Kritik unwürdig als eine eigene, fast ′kuriose′ Gattung von Versuchsreihen weiblicher Ausdruckskunst deklariert wurden. Das bedeutet also, dass Männer, und somit auch der männliche Flaneur, als einzige, für solche Aufgaben prädestinierte Menschen angesehen wurden. Aufgrund dessen müssen hier durch stete Distanziertheit, jedoch immer mit dem historischen Kontext der vorherrschenden männlichen Dominanz in jener Zeit, die Werke und vor allem die Interpretation dieser, von Frauen geschaffenen Künste betrachtet werden. Bisweilen werden an angemessenen Stellen Exkurse im intertextualen Diskurs unternommen, um mithilfe derer Bezug zum Sachverhalt zu intensivieren und gleichzeitig zu globalisieren. Des weiteren werde ich auf das Kino eingehen, da dies den Irrtum der alleinigen Existenz eines „rein männlichen Flaneurs“ aufdeckt, hintergründet und exemplarisch als Gegenargument zu sehen ist. Shopping Malls sollen in Anbetracht des weiblichen Typus klischeehaft veranschaulichen, welche Möglichkeiten und Grenzen der Frau entgegenstehen und analysiert ansatzweise diese neue Form der weiblichen Flanerie ohne ausschweifend in dieses Klischee zu verfallen. Das Thema der Frau als Autor und Künstler von Werken gegenüber der männlichen kritischen Betrachtungsweise ist teilweise noch bis in die heutige Zeit zu beobachten. Somit ist die Emanzipation der Frau in ′typisch männlichen′ Bereichen immer noch aktuell. Prof. Dr. Anne Friedberg befasste und befasst sich engagiert als Wissenschaftlerin für Filme und Literatur mit diesem Thema und setzte somit Meilensteine in diesem Bereich der Forschung. Als regionaler Vergleichspunkt eignete sich für diese Arbeit die Stadtschreiberin für Erfurt, Antje Wagner, die 2005 ein Stipendium erhielt, um ihre Eindrücke der Stadt wiederzugeben. Leider war es nicht möglich, mit ihr persönlichen Kontakt aufzunehmen, ihre publizierte Reihe „Magische Schlangen“ in der Thüringer Allgemeinen Zeitung eröffnete jedoch eine gute Grundlage für eine Stilanalyse und die Wahrnehmung von städtischen Gegebenheiten einer weiblichen Person. In der gesamten Arbeit wurde immer wieder der Vergleich zu dem ′typischen′ Flaneur als männliches Phänomen gezogen. Dadurch rückt stellenweise die Frau in den Hintergrund, jedoch nicht, weil der Flaneur qualitativ (wenn auch quantitativ) höherwertig wäre, sondern durch historische Tatsachen, dass die vermeintliche Flaneuse sich erst etablieren musste und somit nur bedingt Vergleichspunkte gezogen werden können.

1 Anne Friedberg

Um sich in der Welt des Flaneurs zurecht finden zu können, ist es notwendig, diesen zumindest kurz zu charakterisieren. Vorab ist wohl anzumerken, dass der Flaneur1 traditionell als männliches Wesen beschrieben wurde, da die Frau des 19. Jahrhunderts im literarisch-künstlerischen Bereich noch nicht voll anerkannt etabliert war. Als gut statuierte Person mit bürgerlicher Kleidung und somit dem Bürgertum, aber auch oft dem Adel angehörig, geht er anonym, mit Vorliebe durch die Großstädte und beobachtet schweigend, jedoch mit besonderem Blick sein Umfeld. Die Stadt ist für ihn wie ein gut zu lesendes Buch und die Architektur wie dessen Buchstaben, die durch das Verhalten der Menschen lesbar gemacht und gerade durch diese einen lebhaften Charakter bekommen. Als die Hauptstadt der Flanerie des 19. Jahrhunderts wird die Stadt Paris gesehen. Durch ihre architektonische Neuordnung unter Napoleon Anfang des 19. Jahrhunderts, sowie gleichzeitig der Erhaltung der verwinkelten Viertel rund um das Zentrum, wurden neue Lebensarten und ein Anstieg der Geschwindigkeit des Alltags ermöglicht. Neue Kultur- und somit auch soziale Phänomene traten auf, schockierten, frustrierten, aber faszinierten den Flaneur zugleich. Die Stadt, gesehen als Labyrinth oder Dschungel, in der sich der Flaneur bewegt, ist in sofern als sein Text zu sehen, als dass zwischen der Stadt und dem Text als tertium comparationis das Zeichen steht. Zeichen der Stadt als architektonisches Gefüge mit human-soziologischem Inhalt sind die spezifischen Details, die wie in einem textualen Gefüge lesbar sind. Sie offenbaren sich dem Flaneur mit einem steten Kontext und lassen sich somit als eine Art Geschichte lesen. Bei diesen Eindrücken sind wiederum verschiedene Typen zu unterscheiden. Als eine Art Katalog sind immer wieder kehrende Bilder (Straßenzüge, typische situationsbedingte Bilder) zu sehen, die auftretende Rasanz des Lebens in der Großstadt durch die stete Veränderung des Stadtbildes lässt kleine und große Geschichten sichtbar werden. Des Weiteren drückt sich die Vergänglichkeit in den verschiedenen Bereichen immer wieder aus und hebt gleichzeitig die aufkommende Moderne hervor.

1.1 Das Kino – mobilized gaze: eine erweiterte Form der Flanerie?

[...]


1 Nach der Forschungslage ist der erste Flaneur als literarische Figur bei Edgar Allan Poes „The man in the crowd“ von 1838 zu sehen.


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