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Rhetorik als Unterrichtseinheit in der 5. Klasse am Gymnasium

Lesson Plan, 2005, 44 Pages
Author: Jana Groh
Subject: Rhetoric / Elocution / Oratory

Details

Event: Hauptseminar Sprachdidaktik: Rhetorik & Textproduktion
Institution/College: University of Rostock (Institut für Germanistik)
Tags: Rhetorik, Unterrichtseinheit, Klasse, Gymnasium, Hauptseminar, Sprachdidaktik, Rhetorik, Textproduktion
Category: Lesson Plan
Year: 2005
Pages: 44
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V59502
ISBN (E-book): 978-3-638-53420-8
ISBN (Book): 978-3-638-67838-4
File size: 356 KB

Abstract

Obwohl die Rhetorik seit dem neunzehnten Jahrhundert eine Renaissance erfährt, wird sie in der Didaktik für den Deutschunterricht weiterhin vernachlässigt. Es gibt kaum Literatur zur Rhetorik im Unterricht; in den Unterrichtsplänen wird die Disziplin kaum berücksichtigt. Doch wie bereits in der Antike ist die Rhetorik auch heute wichtig, in Zeiten, in denen man sich selbst gut verkaufen, d.h. andere von sich überzeugen muss. Doch diese Überzeugung durch Reden muss gelernt und trainiert werden. Nicht umsonst werden viele Rhetorikseminare an Volkshochschulen, von Studentenwerken und von privaten Anbietern durchgeführt. Doch viel besser wäre es, Rhetorik bereits in den Deutschunterricht spätestens ab der Orientierungsstufe einzubauen. Denn über die Schuljahre hinweg könnten die Schüler das Wissen bereits nutzen und anwenden, da Vorträge in fast jedem Schulfach gefordert werden. Durch die Vernachlässigung der Rhetorik kommt es häufig zu vielen Fehlern bei Vorträgen, die vom Inhalt über den Aufbau bis zur Vortragsweise reichen. Diese Fehler festigen sich und zeigen sich oft sogar noch in Vorträgen, wenn der Referent sich bereits im Tertiärbereich seines Bildungsweges befindet. Jedoch könnte man diese Fehler mit einer Einführung in die Rhetorik in der Schule vermeiden. Für eine Umsetzung gibt es in der Literatur aber noch keine konkreten Vorschläge, so dass viele Lehrer vielleicht auch deshalb davor zurückschrecken, das Thema im Unterricht zu behandeln. Weil es aber eben noch keine Vorgaben für die Rhetorik als Unterrichtseinheit gibt, kann jeder Lehrer die Einheit, wenn er sie doch behandeln möchte, frei gestalten. Im folgenden möchte ich daher mein Unterrichtskonzept für die Einführung in die Rhetorik in der fünften Klasse vorstellen. Das Ziel ist, dass jeder Schüler am Ende seine eigene, alleine produzierte Rede vorträgt. Hier beziehe ich mich auf eine fünfte Klasse am Gymnasium, deren Schüler etwa zehn bis zwölf Jahre alt sind. Zudem beziehe ich mich auf das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, da ich im folgenden auch kurz auf die Rahmenpläne dieses Bundeslandes eingehe. Nach einem kurzen theoretischen Teil über die Rhetorik bezieht sich der praktische Hauptteil dieser Arbeit auf den Unterrichtsentwurf, in dem Theorie und Praxis der Rhetorik vermittelt und schließlich von den Schülern angewendet werden.


Excerpt (computer-generated)

Universität Rostock
Institut für Germanistik
Hauptseminar: Rhetorik und Textproduktion
Sommersemester 2005

Abgegeben am 08. August 2005

Rhetorik als Unterrichtseinheit in der 5. Klasse am Gymnasium

von

Jana Groh

LA Gym Germanistik/ Anglistik/ Deutsch als Fremdsprache/ Französisch

 

 

Inhalt
1.Einleitung  3

2. Rhetorik als Wissenschaft  3

3. Rhetorik in der Schule  5

4. Die Unterrichtseinheit Rhetorik in der 5. Klasse    6
4.1Vorbetrachtungen  6
4.2 Planung einer Lehrprobe   7
4.2.1 Erste Stunde der Unterrichtseinheit   7
4.2.2 Zweite Stunde der Unterrichtseinheit   9
4.2.3 Dritte Stunde der Unterrichtseinheit   11
4.2.4 Vierte Stunde der Unterrichtseinheit   12
4.2.5 Fünfte und weitere Stunden der Unterrichtseinheit   14
4.3 Durchführung der ersten Stunde: Einführung    15
4.3.1 Stundenvorbereitung   17
4.4 Durchführung der zweiten Stunde: Topik   20
4.4.1 Stundenvorbereitung   22
4.5 Durchführung der dritten Stunde: Aufbau einer Rede    26
4.5.1 Stundenvorbereitung   27
4.6 Durchführung der vierten Stunde: Vortragsweise   29
4.6.1 Stundenvorbereitung   31
4.7 Durchführung der fünften und aller weiteren Stunden: Vorträge und Einschätzungen   35
4.7.1 Stundenvorbereitung   36

5. Schluß   37

6. Bibliographie   39

 

 

1. Einleitung

Obwohl die Rhetorik seit dem neunzehnten Jahrhundert eine Renaissance erfährt, wird sie in der Didaktik für den Deutschunterricht weiterhin vernachlässigt. Es gibt kaum Literatur zur Rhetorik im Unterricht; in den Unterrichtsplänen wird die Disziplin kaum berücksichtigt. Doch wie bereits in der Antike ist die Rhetorik auch heute wichtig, in Zeiten, in denen man sich selbst gut verkaufen, d.h. andere von sich überzeugen muß. Doch diese Überzeugung durch Reden muß gelernt und trainiert werden. Nicht umsonst werden viele Rhetorikseminare an Volkshochschulen, von Studentenwerken und von privaten Anbietern durchgeführt. Doch viel besser wäre es, Rhetorik bereits in den Deutschunterricht spätestens ab der Orientierungsstufe einzubauen. Denn über die Schuljahre hinweg könnten die Schüler das Wissen bereits nutzen und anwenden, da Vorträge in fast jedem Schulfach gefordert werden. Durch die Vernachlässigung der Rhetorik kommt es häufig zu vielen Fehlern bei Vorträgen, die vom Inhalt über den Aufbau bis zur Vortragsweise reichen. Diese Fehler festigen sich und zeigen sich oft sogar noch in Vorträgen, wenn der Referent sich bereits im Tertiärbereich seines Bildungsweges befindet. Jedoch könnte man diese Fehler mit einer Einführung in die Rhetorik in der Schule vermeiden. Für eine Umsetzung gibt es in der Literatur aber noch keine konkreten Vorschläge, so daß viele Lehrer vielleicht auch deshalb davor zurückschrecken, das Thema im Unterricht zu behandeln. Weil es aber eben noch keine Vorgaben für die Rhetorik als Unterrichtseinheit gibt, kann jeder Lehrer die Einheit, wenn er sie doch behandeln möchte, frei gestalten. Im folgenden möchte ich daher mein Unterrichtskonzept für die Einführung in die Rhetorik in der fünften Klasse vorstellen. Das Ziel ist, daß jeder Schüler am Ende seine eigene, alleine produzierte Rede vorträgt. Hier beziehe ich mich auf eine fünfte Klasse am Gymnasium, deren Schüler etwa zehn bis zwölf Jahre alt sind. Zudem beziehe ich mich auf das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, da ich im folgenden auch kurz auf die Rahmenpläne dieses Bundeslandes eingehe.

2. Rhetorik als Wissenschaft

Die Rhetorik, vom griechischen Wort [Sonderschrift] (rhetorikè) abgeleitet, meint die "Wissenschaft von der wirkungsvollen Gestaltung öffentlicher Reden"1 und bezeichnet auch die "Redebegabung, Redekunst".2 Bereits in der Antike, etwa ab dem fünften Jahrhundert vor Christus, werden Regeln für die gedankliche Verarbeitung des Stoffes bis zum Vortrag aufgestellt. So gibt es sogar Redelehrer wie Korax, die der breiten Bevölkerung die Rhetorik lehren.3 Eine erste systematische Darstellung erarbeitet Aristoteles, der Rhetorik als die "Fähigkeit definiert, das Überzeugende, das jeder Sache innewohnt, zu erkennen."4

Aristoteles beschreibt in seinen drei Büchern zur Rhetorik, was Rhetorik überhaupt ist, wie man eine Rede vortragen soll und wie man eine Rede aufbaut und gestaltet. Nach Aristoteles gibt es drei Redegattungen, die beratende Rede, die Festrede und die Gerichtsrede. Jede dieser drei soll die Zuhörer vom Inhalt überzeugen. Auch ein wissenschaftlicher Vortrag lege Wissen nicht einfach dar, sondern überzeuge die Zuhörer durch Beweise und Argumente.5 Die Zuhörer müsse man in jedem Falle überzeugen, wobei man Gefühle ansprechen und natürlich die Zuhörer an sich erst einmal einschätzen und sich ihnen anpassen müsse. Zudem stellt Aristoteles als Überzeugungsmittel das Beispiel und das Enthymem vor.6 In seinem dritten Buch zeigt er, wie man die Rede mit Stilmitteln gestaltet und richtige Sprache, also einen guten Stil verwendet. Hier stellt er auch seine Gliederung einer Rede vor: man beginnt mit dem Prooimion als Einführung, präzisiert den Sachverhalt in der Prothesis, macht eine Beweisführung in der Pistis und schließt die Rede mit einem Schlußwort, dem Epilog ab.7

Göttert unterscheidet in seiner "Einführung in die Rhetorik" ebenfalls vier Redephasen: die Einleitung (exordium), die Schilderung des Sachverhaltes (narratio), die Begründung (argumentatio) und den Schluß (peroratio).8 Diese Gliederung hat den gleichen Inhalt wie die des Aristoteles, hier werden lediglich die Begriffe auf Latein genannt. Jedoch stellt Göttert auch eine Schrittfolge für das Produzieren einer Rede vor. Zunächst müssen die Gedanken in der inventio gefunden und in der dispositio gegliedert werden. In der memoria wird die Rede auswendiggelernt und schließlich in der pronuntiatio vorgetragen.9

[....]


1 Duden 2002, S. 871.

2 ebd., S. 871.

3 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Rhetorik.

4 Aristoteles 1999, S. 11.

5 Vgl. ebd., S. 10.

6 Vgl. ebd., S. 77 ff.

7 vgl. ebd., S. 183 ff.

8 vgl. Göttert 1994, S. 27 ff.

9 vgl. ebd., S. 25.

 


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