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Aggressives Verhalten und die moderne Gehirnforschung

Termpaper, 2004, 39 Pages
Author: Diplom-Sozialpäd. (FH) Steffen Lossie
Subject: Social Pedagogy / Social Work

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 39
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V59548
ISBN (E-book): 978-3-638-53459-8

File size: 288 KB
Notes :
Zweck dieser Arbeit soll deshalb sein, Ursachen von aggressivem Verhalten zu ergründen und mögliche Lösungsvorschläge aufzuzeigen. Die Neurobiologie liefert uns dabei viele aufschlussreiche Erkenntnisse über die Wurzeln menschlicher Aggressivität.



Excerpt (computer-generated)

Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel
Fachbereich Sozialwesen
SS 2004

Aggressives Verhalten und die moderne Gehirnforschung

von: Steffen Lossie

 


1. Einleitung 2

2. Was ist aggressives Verhalten?

2.1. Definition des Begriffes „Aggression“ 3
2.2. Aggressionstheorien

2.2.1. Aggression als Trieb 4
2.2.2. Aggression und Frustration 5
2.2.3. Aggression und Lernen 7

2.3. Aggressionsarten

2.3.1. Affektive Aggression 9
2.3.2. Instrumentelle Aggression 10
2.3.3. Spontane Aggression 11

3. Die menschliche Persönlichkeit

3.1. Anlage oder Umwelt? 11
3.2. Das Temperament - Eysenckscher Typenbegriff 12
3.3. Grundlagen der Gehirnphysiologie 14
3.4. Chemische Botenstoffe – Hormone und Neurotransmitter 15
3.5. Der Charakter 16
3.6. Sind Jungen aggressiver als Mädchen? 17

4. Aggressionstheorien aus der Sicht der Gehirnforschung 19

5. Willensfreiheit und Determinismus

5.1. Das Problem der Willensfreiheit 20
5.2. Vernunftappelle zur Verminderung aggressiven Verhaltens? 23

6. Bewältigung von und Umgang mit Aggressivität

6.1. Welche Rolle kann die Erziehung spielen? 25
6.2. Regeln und natürliche Konsequenzen 27
6.3. Veränderung der Anreger und alternatives Verhalten 29
6.4. Die Katharsis-Hypothese 31

7. Diskussion 33

8. Fazit 35

9. Literaturverzeichnis 37


 

 

1. Einleitung

Aggression ist ein menschliches Phänomen, seit es Leben auf der Erde gibt. Begriffe wie Gewalt und Krieg sind auch in der Gegenwart omnipräsent. Soziale Arbeit muß sich dementsprechend auch seit jeher mit Themen wie Aggression und Gewalt beschäftigen. In meiner insgesamt knapp zweijährigen Tätigkeit in einem Mutter-Kind-Kurheim konnte ich einen persönlichen Eindruck vom schwierigen Umgang mit aggressiven Kindern und Jugendlichen erhalten.

Zweck dieser Arbeit soll deshalb sein, Ursachen von aggressivem Verhalten zu ergründen und mögliche Lösungsvorschläge aufzuzeigen. Es werden einige ausgesuchte Handlungsmöglichkeiten vorgestellt, die eine Konfliktverarbeitung ohne ausgelebte Aggressionen möglich machen sollen. Wer dabei auf Patentrezepte hofft, den muß ich leider enttäuschen. Es gibt zwar mittlerweile viele Erkenntnisse, doch allzu oft erinnert vieles noch an ein wirres Puzzle. Ich möchte deshalb das Wissenschaftsprinzip des englischen Philosophen Karl R. Popper zitieren:

„Die Theorie ist das Netz, das wir auswerfen, um die Welt einzufangen, sie zu rationalisieren, zu erklären und zu beherrschen. Wir arbeiten daran, die Maschen des Netzes immer enger zu machen.“ Die Resultate der modernen Gehirnforschung müssen meiner Meinung nach hier auf jeden Fall berücksichtigt werden. Die Neurobiologie liefert uns nämlich viele aufschlussreiche Erkenntnisse über die Wurzeln menschlicher Aggressivität. Neue Forschungen belegen, daß unsere Persönlichkeit und unser alltägliches Verhalten in weitaus stärkerem Ausmaß von unseren Genen bestimmt werden als bisher angenommen. Diese Arbeit taucht also auch in die Wirrungen und Irrungen der menschlichen Persönlichkeit ein und bietet damit sicherlich auch Anregungen, andere Probleme sozialer Arbeit mit Hilfe der Hirnforschung zu beleuchten. Beschäftigt man sich mit moderner Gehirnforschung, kommt man letztendlich auch an der Frage der Willensfreiheit nicht vorbei: Können wir aggressives Verhalten überhaupt willentlich beeinflussen? Zunächst werde ich aber zu Beginn einen Überblick über verschiedene Aggressionstheorien und Aggressionsformen geben.

2. Was ist aggressives Verhalten?

2.1. Definition des Begriffes „Aggression“

Der Begriff Aggression leitet sich aus dem lateinischen Wort „ad gredere“ ab und bedeutet übersetzt „sich annähern“, „auf etwas zugehen“, „etwas ergreifen“ oder „in Besitz nehmen“. Anhand dieser unterschiedlichen Bedeutungen und des individuellen Begriffsverständnisses der Menschen ergibt sich die Schwierigkeit, eine allgemeinverbindliche Definition von Aggression zu formulieren. Grundsätzlich lässt sich deshalb auch nicht genau sagen, was Aggression ist. Es kann aber versucht werden, Phänomene herauszuarbeiten, die als aggressives Verhalten bezeichnet werden sollten. Der Psychologe Hans-Peter Nolting unterscheidet dabei zwischen einem eng und einem weit gefassten Aggressionsbegriff. Er beschreibt aggressives Verhalten darüber hinaus feststellend (statt wertend) und verhaltensbezogen (statt emotionsbezogen). Die Schwierigkeit bei einem weitem Verständnis ist, daß Aggression im Sinne des lateinischen Ursprungs im Grunde eine ähnliche Bedeutung hat wie (eine zielgerichtete) Aktivität. Tatkraft und körperliche Gewalt werden so in einem Atemzug genannt. Nolting favorisiert deshalb den engeren Begriff. Aggressives Verhalten im engeren Sinne ist demnach ein Verhalten, dessen Bestreben

• eine Beschädigung
• eine Verletzung oder
• die Einschüchterung

eines anderen Menschen ist. Aggressive Verhaltensweisen sind dementsprechend solche, die Individuen oder Sachen aktiv Schaden zufügen: „Unter Aggression wird ein manifestes Verhalten verstanden, dessen Ziel die körperliche oder bloß symbolische Schädigung oder Verletzung einer anderen Person, eines Tiers oder einer Sache ist. Die überdauernde Bereitschaft zu aggressiven Verhaltensweisen wird als Aggressivität bezeichnet.“1 Auf der Verhaltensebene können drei typische Erscheinungsformen aggressiver Verhaltensweisen unterschieden werden:

• körperliche Aggression (z.B. Schlagen, Töten, körperliches Bedrohen)
• sprachliche Form (z.B. Schimpfen, Spotten, Hetzen, Drohen)
• mimisch-gestische Form (z.B. böse Blicke, Zähne fletschen, Zunge rausstrecken)

Aggressive Gefühle existieren ebenfalls in verschiedenen Varianten. Eine Beschreibung ist allerdings im Vergleich zum sichtbaren Verhalten wesentlich schwieriger, da eine objektive Beurteilung kaum möglich ist. Nolting setzt eine klare Trennung von Sachverhalt und Wertung voraus, um aggressive Merkmale zu beschreiben. Entscheidend ist für ihn die Schädigungsabsicht, nicht aber die Intention dieser Handlung. Ein Beispiel: Während der versehentliche Tritt auf den Fuß keine aggressive Handlung darstellt, ist die Ohrfeige eines Vaters eine aggressive Handlung – auch wenn er damit die Absicht verfolgt, das Verhalten seines Kindes zum Positiven zu verändern. Aggression ist also oft ein instrumentelles Mittel, um bestimmte Zwecke wie das Durchsetzen eigener Wünsche oder Interessen zu erreichen. Auch der Widerstand gegen Aggressionen anderer oder die Vergeltung für erlittene Aggressionsakte sind typische Ziele.2

2.2. Aggressionstheorien

2.2.1. Aggression als Trieb

Die menschliche Aggression kann sich ohne gewisse Grundlagen nicht entwickeln. Der ethologische Ansatz besagt deshalb, daß Aggression als Trieb eine für die Spezies nützliche Funktion ist, welche die Chancen zum Überleben und zur erfolgreichen Erhaltung der Art erhöht. Aggression trägt dazu bei, daß einzelne Individuen einer Art nicht zu dicht nebeneinander siedeln, sondern sich über größere Territorien verbreiten und auf diese Weise größere Ressourcen für die Nachkommenschaft erschließen. Durch Rivalenkämpfe kommt es zur Auslese des kräftigsten und gesündesten Leiters einer Herde. Durch Aggression wird eine soziale Rangordnung hergestellt. Nach der Theorie von Konrad Lorenz gehören demnach Aggression und Gewalttätigkeit zur genetischen Grundausstattung des Menschen. Sein Dampfkesselmodell („Bei kontinuierlichem Zufluss von Wasserdampf muß kontinuierlich Dampf abgelassen werden“) besagt, daß im menschlichen Organismus ständig aggressive Triebenergien gebildet werden und die sich aufstauenden Aggressionen dann durch Schlüsselreize ausgelöst werden. Kommt es aus verschiedenen Gründen zu keinem Schlüsselreiz, kommt es zu einem Aggressionsstau, der sich unabhängig von einer Reizsituation spontan und grundlos entladen kann (sog. Leerlaufreaktion).

[...]


1 Schülerduden der Pädagogik, Mannheim 1989, S. 13

2 Nolting, Hans-Peter: Lernfall Aggression. Wie sie entsteht - wie sie zu vermindern ist. Hamburg 2002, S. 20-34


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