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Autor: Jana Vogt
Fach: Archäologie
Details
Institution/Hochschule: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (Historisches Institut)
Tags: Germanische, Bestattungssitten, Kaiserzeit, Mecklenburg-Vorpommern, Siedlung, Wirtschaft, Bestattungssitten, Germanen, Römischen, Kaiser-, Völkerwanderungszeit
Jahr: 2005
Seiten: 27
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 16 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1587 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-53591-5
Die Arbeit behandelt zu erst einmal allgemeine Bestattungsformen der römischen Kaiserzeit. Danach wird anhand von drei Beispielen die wichtigsten Bestattungssitten erläutert und die Problematiken, wie Geschlechter- und Standesbestimmung erläutert.
Textauszug (computergeneriert)
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Seminar: Siedlung, Wirtschaft und Bestattungssitten der Germanen in der
Römischen Kaiser- und Völkerwanderungszeit
WS 2004/05
Germanische Bestattungssitten der römischen
Kaiserzeit in Mecklenburg-Vorpommern
von. Jana Vogt
Inhalt
1. Einleitung
2. Brandbestattungen – Bestattungsform vom Beginn der vorrömischen Eisenzeit bis zum Ende der Römischen Kaiserzeit
3. Beispiele Kaiserzeitlicher Bestattungen
a. Neubrandenburg – archäologische versus anthropologische Geschlechterbestimmung
b. Perdöhl – ein Gräberfeld der Durchschnittsbevölkerung (?) über die Kaiserzeit hinaus
c. Varbelvitz – Körpergräber und Importe als Anzeichen sozialer Überlegenheit?
4. Zusammenfassung
5. Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Bestattungssitten unterlagen zu allen Zeiten Veränderungen. Archäologisch lassen sich hauptsächlich die Körper- und Urnenbestattungen nachweisen. Andere Riten, v. a. solche bei denen der Tote außerhalb des Erdreiches bestattet wurde, lassen sich kaum bzw. überhaupt nicht nachweisen und bleiben somit im Dunkel verborgen. Mit der ethnologischen Forschung wird versucht solche Grabbräuche zu rekonstruieren, aber sie können niemals zu sicherem Beweis gebracht werden. In der römischen Kaiserzeit sieht die Befund- und Fundlage, dank der Brand- und Körperbestattung, gut aus. In einigen Fällen lassen sich neben der Bestattungsart auch weitere Aussagen zum Totenritus, d. h. zur Behandlung der Toten vor dem Einbringen in die Grabgruben, und v. a. zur Beigabensitte, treffen.
Warum sich die Bestattungssitten im Laufe der Zeiten immer wieder und auch innerhalb der römischen Kaiserzeit von der Brandbestattung zur Körperbestattung wandelten, ist ungewiss. Ohne Schriftquellen wird das „Warum“ wohl ein ewiges Rätsel bleiben. Doch nicht einmal im Zeitalter der Schrift können darüber genauere Aussagen getroffen werden: Warum die allmählich christianisierten Römer zur Körperbestattung wechselten, verrät kein Text dieser Zeit. Sicherlich war der Wandel zu anderen Bestattungen ein Ausdruck anderer Bräuche und darüber hinaus vielleicht sogar mit anderen Menschensippen/-gruppen verbunden. Auch die soziale Erhöhung könnte sich in solchen Änderungen niederschlagen. Zu letzterem Aspekt zählen die römischen Importe auf deutschem Gebiet, auf dessen Datierung sich die römische Kaiserzeit stützt und im Großen und Ganzen gesichert ist. Eggers Aufsatz „zur absoluten Chronologie der römischen Kaiserzeit“ in dem Jahrbuch des RGZM (Eggers 1955, 196 ff.) ist immer noch grundlegend. Seine Datierungsstufen sollen auch in der nachfolgenden Arbeit Verwendung finden:
(Stufe A: = Spätlatène = Montelius III = Jahn 1. Jhdt. v. Chr.)
Stufe B = ältere Kaiserzeit = Montelius IV = Jahn 1. – 2. Jh. n. Chr.
Stufe C = jüngere Kaiserzeit = Montelius V = Jahn 3. – 4. Jh. n. Chr.
Die Abgrenzung der römischen Kaiserzeit ist laut Eggers (Eggers 1955, 200) dank dieser zahlreichen römischen Importe gut. Am Beginn stehen Eimer mit Gesichtsattache (Eggers 1955, Abb. 1/4) und Kasserollen mit Schwanenkopfbügel (Eggers 1955. Abb. 1/8a), daneben treten Fibeln mit zweilappiger Rollenkappe (Almgren II. 24) und Augenfibeln auf (Almgren III. 45). Das Ende der römischen Kaiserzeit im nördlichen Raum Deutschlands bildet das Verschwinden der Hemmoorer Eimer (Eggers 1955, Abb. 3/48) und der flachbodigen Kellen mit Sieb (Eggers 1955, Abb. 3/49) als römisches Importgut und der jüngsten Fibelform, Fibeln mit hohem Nadelhalter (Almgren VII. 206-207).
Auf die hier angerissenen Probleme, die Bedeutung der Körpergräber und der römischen Importe sowie Einflüsse aus anderen Kulturkreisen soll im Folgenden anhand der Gräberfunde von Varbelvitz näher eingegangen werden. Ebenso soll anhand des Gräberfeldes von Neubrandenburg die Problematik der anthropologischen und archäologischen Geschlechterbestimmung diskutiert werden, da es in der römischen Kaiserzeit nicht einfach war/ist, dazu eindeutige Aussagen zu treffen. Perdöhl als Bestattungsplatz soll stellvertretend für die Durchschnittsbevölkerung, in sofern sie sich als solche herausstellt, und die Kontinuität zur Völkerwanderungszeit stehen. In der vorliegenden Arbeit ist in erster Linie der Raum Mecklenburg-Vorpommern berücksichtigt worden.
Abb. 1: Bestattungsformen der späten römischen Kaiserzeit in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und des Ostens Schleswig-Holstein (nach Schultze 1991, 146, Abb. 4) [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
2. Brandbestattungen – Bestattungsform vom Beginn der vorrömischen Eisenzeit bis zum Ende der Römischen Kaiserzeit
Für die vorrömische Eisenzeit und die nachfolgenden Jahrhunderte der römischen Kaiserzeit waren Brandbestattungen typisch. Während der fast 1500 Jahre bestehenden Tradition wurden verschiedene Formen der Brandbestattungen genutzt. Alle Formen waren spätestens in der späten römischen Kaiserzeit im Raum Mecklenburg-Vorpommerns vertreten, wie Abbildung 1 zeigt. Die wichtigsten Brandbestattungen seinen hier kurz auf der Grundlage J. Wahls (1982, 38) mit ihren Charakteristika genannt und ergänzt:
1. Die wichtigste Form ist die Urnenbestattung:
Der Leichenbrand wurde in eine vollständige Urne zusammen oder auch ohne Beigaben eingebracht. Sie konnte in der bloßen Erde oder mit einem umgebenden Steinschutz vergraben werden.
2. Brandgrubengräber:
Die Bestattung erfolgte ohne Urne. Hier wurde der Leichenbrand zusammen mit Scheiterhaufenresten in die Grube eingebracht. Eine Verteilung innerhalb der gesamten Grubenverfüllung ist charakteristisch.
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