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Die Implikaturtheorie nach Grice und Levinsons Variationen

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 25 Pages
Authors: Michaela Hartmann, Katharina Lambeck, Mai Ngo
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 25
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V59743
ISBN (E-book): 978-3-638-53594-6

File size: 249 KB

Abstract

Angenommen, eine junge Dame trifft sich abends mit einem Bekannten und geht mit diesem spazieren. Nach einer Weile sagt sie: „Mich friert. Es ist ganz schön kühl geworden.“ Es ist durchaus möglich, dass die junge Dame mit dieser Äußerung mehr zu verstehen geben will als sie gesagt hat, zum Beispiel, dass sie eine Jacke benötigt oder dass sie in das nahe gelegene Café gehen möchte. Wie lassen sich solche Abweichungen zwischen Gesagtem und Gemeintem erklären? In seinem Aufsatz „Logik und Konversation“ stellt Herbert Paul Grice die Theorie der Implikatur vor, welche wiederum Teil seiner Theorie des Meinens ist. Diese Theorie des Meinens ist eingebettet in die Theorie rationaler Verständigung. Im Griceschen Sinne etwas zu meinen, heißt „mit der Handlung versuchen, dem Adressaten Gründe für eine Annahme oder Handlung seinerseits zu geben“ (Kemmerling 1991: 321). Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Handlung, mit der etwas gemeint wird, die Gründe für eine Handlung nicht aus ihren natürlichen Eigenschaften herleitet, sondern diese bereitstellt, weil sie solche Gründe bereitstellen soll. Grice differenziert zwischen der natürlichen Bedeutung, Bedeutungn, und der nicht- natürlichen Bedeutung, Bedeutungnn. Interessant ist für Grice hierbei die Frage, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit von einer Person A gesagt werden kann, dass sie mit einem Ausdruck x, bzw. mit der Äußerung von x (im nicht natürlichen Sinne) etwas Bestimmtes gemeint oder zu verstehen gegeben versucht hat (Rolf 1994: 23). Das, was ein Sprecher mit einer sprachlichen Äußerung meint, zerfällt nach Grice in das, was mit ihr gesagt wird, und das, was mit ihr implikiert wird. Das Gesagte entspricht der wörtlichen Bedeutung des geäußerten Satzes; alles, was über das Gesagte hinausgeht, ist das Implikat der Äußerung. Die wörtliche Bedeutung und das, was implikiert wird, können zusammenfallen oder auseinanderdriften, dann nämlich, wenn das, was zu verstehen gegeben werden soll, das Gesagte übersteigt wie im obigen Beispiel. In diesem Kontext erlangt die Theorie der Implikatur ihre Wichtigkeit, denn sie ist konzipiert, um Dissoziationen des Gesagten und Gemeinten zu erfassen (Rolf 1994: 110).


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Berlin
Institut für Sprache und Kommunikation
HS Pragmatik

Die Implikaturtheorie nach Grice und Levinsons Variationen

von: Michaela Hartmann, Katharina Lambeck und Mai Ngo

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  3

2. Grice’ Implikaturtheorie 5

2.1 Die Grundlage  5
2.2 Der Zusammenhang zwischen dem Kooperationsprinzip, den Maximen und der konversationalen Implikatur 7

3. Variationen nach Levinson  10

3.1 Einführung 10
3.2 Definition der Implikatur  11
3.3 Fünf typische Eigenschaften von Implikaturen 14

3.3.1 Aufhebbarkeit 14
3.3.2 Nicht-Abtrennbarkeit  15
3.3.3 Berechenbarkeit 16
3.3.4 Nicht-Konventionalität 16
3.3.5 Nicht genaue Bestimmbarkeit  17

3.4 Die generellen Quantitätsimplikaturen 17

3.4.1 Die skalaren Implikaturen  17
3.4.2 Die klausalen Implikaturen  19

3.5 Das Erkennen genereller Quantitätsimplikaturen: der Gewinn für die Semantik am Beispiel des Ambiguitätsproblems bei Konjunktionen 21
3.6 Fragestellungen innerhalb der Implikaturtheorie am Beispiel des 22

4. Schlusswort  24

5. Quellen  25

 


 

1. Einleitung

Angenommen, eine junge Dame trifft sich abends mit einem Bekannten und geht mit diesem spazieren. Nach einer Weile sagt sie: „Mich friert. Es ist ganz schön kühl geworden.“ Es ist durchaus möglich, dass die junge Dame mit dieser Äußerung mehr zu verstehen geben will als sie gesagt hat, zum Beispiel, dass sie eine Jacke benötigt oder dass sie in das nahe gelegene Café gehen möchte. Wie lassen sich solche Abweichungen zwischen Gesagtem und Gemeintem erklären?

In seinem Aufsatz „Logik und Konversation“ stellt Herbert Paul Grice die Theorie der Implikatur vor, welche wiederum Teil seiner Theorie des Meinens ist. Diese Theorie des Meinens ist eingebettet in die Theorie rationaler Verständigung. Im Griceschen Sinne etwas zu meinen, heißt „mit der Handlung versuchen, dem Adressaten Gründe für eine Annahme oder Handlung seinerseits zu geben“ (Kemmerling 1991: 321). Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Handlung, mit der etwas gemeint wird, die Gründe für eine Handlung nicht aus ihren natürlichen Eigenschaften herleitet, sondern diese bereitstellt, weil sie solche Gründe bereitstellen soll. Grice differenziert zwischen der natürlichen Bedeutung, Bedeutungn, und der nicht- natürlichen Bedeutung, Bedeutungnn. Interessant ist für Grice hierbei die Frage, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit von einer Person A gesagt werden kann, dass sie mit einem Ausdruck x, bzw. mit der Äußerung von x (im nicht natürlichen Sinne) etwas Bestimmtes gemeint oder zu verstehen gegeben versucht hat (Rolf 1994: 23). Das, was ein Sprecher mit einer sprachlichen Äußerung meint, zerfällt nach Grice in das, was mit ihr gesagt wird, und das, was mit ihr implikiert wird. Das Gesagte entspricht der wörtlichen Bedeutung des geäußerten Satzes; alles, was über das Gesagte hinausgeht, ist das Implikat der Äußerung. Die wörtliche Bedeutung und das, was implikiert wird, können zusammenfallen oder auseinanderdriften, dann nämlich, wenn das, was zu verstehen gegeben werden soll, das Gesagte übersteigt wie im obigen Beispiel. In diesem Kontext erlangt die Theorie der Implikatur ihre Wichtigkeit, denn sie ist konzipiert, um Dissoziationen des Gesagten und Gemeinten zu erfassen (Rolf 1994: 110).

In dieser Hausarbeit soll nun Grice’ Theorie der konversationalen Implikaturen vorgestellt werden. Dazu erscheint es notwendig, zunächst auf das Kooperationsprinzip und die Konversationsmaximen einzugehen. Es werden dann die Merkmale der konversationalen Implikaturen vorgestellt und Probleme, die es mit diesen Merkmalen gibt, diskutiert. Im Anschluss daran werden einige Positionen Levinsons im Diskurs um die Gricesche Theorie dargestellt.

2. Grice’ Implikaturtheorie

2.1 Die Grundlage

Vorab kann festgehalten werden, dass Grice verschiedene Formen der Implikatur unterscheidet, nämlich die konventionalen und die nicht- konventionalen Implikaturen. Konventionale Implikaturen liegen dann vor, wenn die konventionale Bedeutung der verwendeten Wörter bestimmt, was implikiert ist und nicht nur hilft, zu bestimmen, was gesagt worden ist (Rolf 1994: 125). Sie rühren von der wörtlichen Bedeutung des geäußerten Satzes her, gehören aber nicht zu dem, was mit der Äußerung gesagt wird. Das heißt, dass das Implikat falsch sein kann, auch wenn die Äußerung korrekt ist. Als Beispiel führt Grice folgende Aussage an: „Er ist ein Engländer; er ist mithin tapfer.“ Kraft der Bedeutung der Worte dieser Aussage legt der Sprecher sich darauf fest, dass die Tapferkeit daraus folgt, dass der mit der Aussage Bezeichnete Engländer ist. Grice meint zu diesem Beispiel „Ich möchte nicht sagen, meine Äußerung dieses Satzes wäre strenggenommen falsch, falls die fragliche Folgerung nicht gelten sollte.“ (Meggle 1993: 248).

Die nicht- konventionalen Implikaturen unterteilen sich wiederum in die konversationalen und in die nicht- konversationalen Implikaturen. Für die konversationalen Implikaturen stellt er fest, dass diese mit bestimmten Diskursmerkmalen verknüpft seien, welche im Folgenden dargestellt werden sollen.

Für Grice sind Gespräche in einem gewissen Maße „kooperative Bemühungen“; sie unterliegen einem so genannten Kooperationsprinzip, welches von allen Gesprächsteilnehmern beachtet werde. Dieses lautet folgendermaßen: „Mache deinen Gesprächsbeitrag jeweils so, wie es von dem akzeptierten Zweck oder der akzeptierten Richtung des Gesprächs, an dem du teilnimmst, gerade verlangt wird.“ In Anlehnung an Kants Urteilstafel stellt Grice nun speziellere Maximen und Untermaximen auf, die die Kategorien Quantität, Qualität, Relation und Modalität umfassen.

[...]


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