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Techniken und Inhalte des literarischen Erzählens in Wilhelm Raabes 'Chronik der Sperlingsgasse'

Autor: Anna-Lena Walter
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

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Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 11
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 5  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 146 KB
Archivnummer: V59749
ISBN (E-Book): 978-3-638-53600-4
ISBN (Buch): 978-3-638-79265-3

Zusammenfassung / Abstract

Wilhelm Karl Raabe gilt mittlerweile als einer der bedeutendsten Vertreter des poetischen Realismus innerhalb der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts. Selbst sein Erstlingswerk ,,Chronik der Sperlingsgasse`` ist ein durchaus anzuerkennendes, sehr populäres Werk, welches noch letzte Strukturen des Realismus in sich birgt und anderen Werken dieser Zeit keinesfalls in irgendetwas nachsteht. Wenn auch zunächt der Eindruck eines einfachen und unkomplizierten Textes entstehen mag, fällt bei näherer Betrachtung doch die Komplexität des Aufbaus und die Verwendung zahlreicher technischer und sprachlicher Mittel ins Auge. Einige dieser Techniken und Inhalte werden im folgenden Text analysiert, benannt und veranschaulicht werden. Die Durchführung dieser Untersuchung basiert auf der „Narratologie“ - nach Gérard Genette und Martinez und Scheffels „Einführung in die Erzähltheorie“, welche drei Kategorien des Narrativen: Tempus, Modus, und Stimme umfasst. Schwerpunkt wird hier auf die Person des Erzählers als literarische Instanz, den Ort des Erzählens, als auch auf den Zeitpunkt der Narration mit seinen unterschiedlichen Erzählebenen gelegt.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Konstanz, Fachbereich Literaturwissenschaften
Seminar: Großstadtwelten
Wintersemester 2005/06

Techniken und Inhalte des literarischen Erzählens
in Wilhelm Raabes ′Chronik der Sperlingsgasse′

von: Anna-Lena Walter

 


Inhaltsverzeichnis

1. Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Die Person des Erzählers

3.1 Raabes Erzählfigur

4. Der Ort des Erzählens


4.1 Erzählebenen der „Chronik“

5. Der Zeitpunkt der Narration

5.1 Zeitebenen der „Chronik“

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

8. Obligatorische Erklärung zu Hausarbeiten




 

2. Einleitung

Anhand des Romans „Chronik der Sperlingsgasse“ von Wilhelm Karl Raabe1 sollen Techniken und Inhalte des literarischen Erzählens analysiert, benannt und veranschaulicht werden. Die Durchführung dieser Untersuchung basiert auf der „Narratologie“ - nach Gérard Genette2 und Martinez und Scheffels3 „Einführung in die Erzähltheorie“, welche drei Kategorien des Narrativen: Tempus, Modus, und Stimme umfasst. Schwerpunkt soll hier auf Punkt 3 gelegt werden.

3. Die Person des Erzählers

Ein Autor, die ,literarische Instanz`, besitzt grundsätzlich die Möglichkeit zwischen zwei narrativen Einstellungen zu wählen. Er kann die Geschichte von einer Person erzählen lassen, welche nicht als teilnehmende Figur in der Erzählung vorkommt, einem heterodiegetischen Erzähler. Oder aber auch von einer Person, welche Teil des Geschehens ist, und zur erzählten Welt dazugehört, einem homodiegetischen Erzähler. Wichtig ist, zu erkennen, wer Erzähler ist, und wie er vom Autor eingesetzt wird, falls dieser nicht selbst als Erzähler agiert.

3.1 Raabes Erzählerfigur

Raabe lässt in seiner „Chronik“ den alten Johannes Wachholder als homodiegetischen Erzähler und somit Protagonist des Geschehens auftreten. Dieser steht im Zentrum der Ereignisse und ist Teil der Geschichte, welche er selbst erzählt. Er spricht von sich selbst in der 1. Person „ Missmutig hatte ich eine Zeitung weggeworfen, mir eine frische Pfeife gestopft, ein Buch herabgenommen und aufgeschlagen.“ ( S. 5 ) und übernimmt daher auch gegenüber anderen Beteiligten der Geschichte nur eine berichtende Funktion. Dem Leser wird so das Wissen der Erzählerfigur vermittelt, jedoch nicht mehr. Auch wenn manchmal der Eindruck eines Erzählerwechsels durch Unterhaltungen zweier Parteien entsteht, an denen der Protagonist nicht beteiligt ist

„ ‚Liebe kleine Elise!’ flüstert Gustav [ ... ] ‚Lieber großer Junge!’ lächelt Elise.“ ( S. 156 ), so ist beim weiterlesen doch recht schnell zu erkennen, dass auch diese Gespräche nur Beobachtungen des Erzählers sind. In der „Chronik“ ist somit also nur eine kontinuierlich gleichbleibende Erzählsituation festzustellen, welche sich durch den gesamten Text zieht. Dass Raabe in seinem Ersten Roman gerade einen alten, durch viele Schicksalsschläge geschwächten Mann in den Mittelpunkt der Geschichte stellt „ Ich bin alt und müde; es ist die Zeit, wo die Erinnerung an die Stelle der Hoffnung tritt.“ ( S. 8 ), liegt wohl daran, dass ihm eine große Vorliebe für bestimmte Lebensalter nachgesagt wird.

,, Wie bei allen Dichtern verwandter Natur – Jean Paul, Storm, Raabe – sind die häufigsten Gestalten Kinder, junge Menschen und Greise. Der selbstbewussten Kraft des Mannes und der sicheren Reife der Frau in mittleren Jahren fühlte er sich nicht so recht gewachsen.´´ 4 So auch in der „Chronik“, wo oft von „der Kleinen“ ( vgl S. 60/61 ) oder „ der Alten“ ( vgl. S. 105 ) die Rede ist. Des weiteren lässt Raabe den ,,alten Mann“ möglichst natürlich wirken, handeln und erzählen, um dem Leser den Eindruck stetiger „Willkürlichkeit“ und „Absichtslosigkeit“ der fortschreitenden Handlung zu vermitteln. Um die Natürlichkeit hervorzuheben, bedient er sich der Lebensgeschichten unter-schiedlichster Menschen, unter anderem auch der seines eingesetzten Erzählers „ Ich bin ein einsamer alter Mann geworden! Die bunten, ewig wechselnden, ewig neuen Bilder, dieses großen Bilderbuches, Welt genannt, werden meinen alten Augen dunkler und dunkler.“ ( S. 8 ), bei welchem er zusätzlich durch eine Fülle an langwierigen Sätzen eine gewisse „Altersruhe“ erzeugt.

[...]


1 Raabe, W., Chronik der Sperlingsgasse, Stuttgart 2003.

2 Genette, G., Figures 3, Paris 1972.

3 Martinez, M.; Scheffel, M., Einführung in die Erzähltheorie, 5. Aufl. München 2003

4 Junge, H., Wilhelm Raabe: Studien über Form und Inhalt seiner Werke, Dortmund 1910, S. 118 .

Kommentare

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