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Thesis (M.A.), 2001, 69 Pages
Author: Stephanie Ebert
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Tags: Georg, Heyms, Beitrag, Großstadtlyrik
Year: 2001
Pages: 69
Grade: 2,5
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-13684-6
File size: 194 KB
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Excerpt (computer-generated)
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Georg Heyms Beitrag zur expressionistischen Großstadtlyrik
Magisterarbeit von
Stephanie Ebert
Dezember 2001
Inhalt
1. Einleitung ... 1
1.1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit ... 1
1.2 Epoche und Biographie ... 3
1.2.1 Der Expressionismus und die Rolle der Lyrik ... 3
1.2.2 Der expressionistische Lyriker Georg Heym (1887-1912) ... 7
2. Hauptteil ... 8
2.1 Die Großstadt in der Lyrik des Expressionismus ... 8
2.2 Die Entwicklung der modernen Großstadt im Zusammenhang mit
der Industrialisierung ... 10
2.3 Die Thematik ‚Stadt′ in der Lyrik Georg Heyms ... 14
2.3.1 Interpretation des Gedichtes "Berlin II" ... 15
2.3.2 Interpretation des Gedichtes "Verfluchung der Städte V" ... 17
2.3.3 Interpretation des Gedichtes "Die Vorstadt" ... 19
2.3.4 Interpretation des Gedichtes "Der Gott der Stadt" ... 20
2.3.4.1 "Der Gott der Stadt": Von den Handschriften bis zur Reinschrift ... 23
2.3.5 Interpretation des Gedichtes "Die Dämonen der Städte" ... 26
2.3.6 Interpretation des Gedichtes "Die Stadt" ... 28
2.3.7 Interpretation des Gedichtes "Der Krieg" ... 29
2.4 Georg Heyms Farbgebrauch ... 32
2.5 Zur Form der Gedichte Georg Heyms ... 37
2.6 Das Bild der Landschaft bei Georg Heym ... 39
2.7 Die Metaphorik der Großstadtdichtung ... 43
2.8 Das Mythische in Heyms Dichtung ... 48
2.8.1 Der Mensch und die moderne Welt in der Dichtung Heyms ... 53
3.Schluss ... 55
3.1 Zusammenfassung der Ergebnisse ... 55
4. Literaturverzeichnis ... 59
5. Anhang ... 62
1. Einleitung
1.1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
Das Stadtgedicht, das sich das Phänomen ‚Stadt′ als lyrisches Sujet gewählt hat, stellt nicht immer nur ein Loblied auf die Heimatstadt bzw. auf eine beliebige Stadt dar, aber es ist auch nicht allein der Hassgesang für eine verlorene Stadt.
Das Erlebnis der Großstadt hat sich allem Anschein nach mehr in der Lyrik der neueren deutschen Dichtung niedergeschlagen als im Drama oder im Roman. H. Naumann und Soergel stellen fest, dass für die Epoche der Neuromantik und des Expressionismus die Lyrik (für diese Arbeit relevant) die repräsentative Gattung darstellt.
Die Arbeit behandelt das Erlebnis der Großstadt und ihre Gestaltung in der expressionistischen Lyrik Georg Heyms. Es ist durchaus nicht so, dass die jungen Expressionisten weit ab vom Treiben der Welt Gedichte über Tod, Vergänglichkeit und Irrsinn geschrieben hätten. Georg Heym ist ein Autor der Großstadt und lebte in der damals größten und am schnellsten wachsenden und fortschrittlichen Großstadt Berlin. Die Dichter bewegten sich in Literaturcafés, in den neu entstandenen Kneipen und Bars. Sie waren Bohemiens, die sich nichts entgehen ließen und denen auch nichts erspart und verborgen blieb von dem, was eine Weltstadt zu bieten hat. Ihre ambivalente Einstellung zur Stadt kommt in zahlreichen ihrer Gedichte zum Ausdruck.
Einige von Heyms Gedichte, die seinen Beitrag zur expressionistischen Großstadtlyrik repräsentieren, werden näher untersucht. Eine große Anzahl seiner Gedichte behandeln das Thema der Großstadt, was fürs Erste schon an den Überschriften ablesbar ist. Da hier natürlich nicht alle Gedichte aus seiner Schaffensperiode behandelt werden können, habe ich aus allen sieben ausgewählt: Berlin II, Verfluchung der Städte V, Die Vorstadt, Der Gott der Stadt, Die Dämonen der Städte, Die Stadt und Der Krieg. Diese Gedichte beziehen sich natürlich explizit auf die Thematik der Großstadt. Von den Inhalten her sind diese sieben Gedichte miteinander vergleichbar und spiegeln sich in den anderen wieder. Der Reihenfolge der aufgelisteten Titel liegt eine thematische und prozessuale Zuspitzung zu Grunde. So verweilt das Gedicht "Berlin II" noch in der impressionistischen Wiedergabe der Wirklichkeit, ohne die Krisenzustände in der Großstadt darzulegen. Den Übergang zwischen diesem Gedicht-Zyklus in Sonettform und Heyms eigentlichen Visionsgedichten, die die Problematik der Großstadt schonungslos ansprechen, bildet das Gedicht "Verfluchung der Städte V".
Das Gedicht "Die Vorstadt" bietet ein großes Bild von dem Elend der besitzlosen Klassen in der Großstadt. Jedoch unterscheidet es sich in seiner Schilderung von denen des Naturalismus, weil der Dichter bei der Darstellung vollkommen objektiv bleibt. Dieses Gedicht ist sozusagen als Vorspiel zu seinen Visionsdichtungen zu sehen: "Der Gott der Stadt" und "Die Dämonen der Städte".
Die Problematik der modernen Großstadt wird in dem Gedicht "Die Vorstadt" lediglich anhand der benachteiligten Klassen aufgezeigt, dagegen wird im Gedicht "Die Stadt" dem Leser die neue Lebensform in der Stadt als ein Problem dargestellt, das von allgemein menschlicher Bedeutung ist. Das visionäre Element wird im Gedicht "Der Gott der Stadt" noch weiter enthüllt. Zu einem Gott gehören auch Begleiter/Diener, es handelt sich dabei um die "Dämonen der Städte", wie in seinem gleichnamigen Gedicht.
Da Georg Heym den Untergang der modernen Großstadt vor Augen hat, sieht er in der allegorischen Gestalt des Kriegsgottes im Gedicht "Der Krieg" den großen Vernichter der Städte.
Damit soll die Auswahl der Gedichte begründet sein. Im Einzelnen gliedern sich die Arbeitsschritte, kurz gefasst, wie folgt: Die Einleitung soll einen Überblick über die Zeit des Expressionismus bieten. Ebenfalls wird die Rolle der Lyrik, insbesondere die der Großstadtlyrik kurz erläutert. Der Schluss der Einleitung widmet sich dem Lyriker Georg Heym. Im Hauptteil werden dann, wie bereits erläutert, die ausgewählten Gedichte näher untersucht, anhand derer dann Georg Heyms Beitrag zur expressionistischen Großstadtlyrik abzulesen ist. Die einzelnen Interpretationen variieren im Umfang aufgrund der unterschiedlichen Längen der jeweiligen Gedichte. Im Anschluss an diese Interpretationen wird Georg Heyms dichterische Vorgehensweise betrachtet. Im Schlussteil folgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit.
1.2 Epoche und Biographie
1.2.1 Der Expressionismus und die Rolle der Lyrik
Der Ausdruck Expressionismus bezeichnet die moderne Revolution in Kunst und Literatur, der zwischen 1910 und 1925 in Deutschland besondere Bedeutung gewonnen hat. Vereinfacht kann diese Stilrichtung als Kunst des gesteigerten Ausdrucks (von lat. expressio "Ausdruck") verstanden werden. Im Gegensatz zum Impressionismus, der nur flüchtige und oberflächliche Augenblicke darzustellen versuchte, will der Expressionismus den Betrachter emotional ansprechen und ihn innerlich erschüttern. Man bemühte sich nicht mehr um die nuancenreichen Eindrücke der Außenwelt, sondern um den Ausdruck der eigenen Innenwelt. Seine Grundzüge überschreiten die nationalen Grenzen und bilden einen Bestandteil der modernen Literatur und Kunst. Der Expressionismus war eine soziale und damit auch kulturelle Konstellation, die etwas in Bewegung brachte und die Gemüter bewegte. Der Expressionismus stellte mehr als eine Etikette dar, er ist ein "Entwicklungsschritt".
Als Vorläufer gelten Vincent van Gogh (1853-1890) und Edvard Munch (1863-1949). Die Bilder der Wirklichkeit werden oft verzerrt als Abstraktion und mit kräftigen Farben dargestellt. Das Kunstwerk sollte nicht dem ästhetischen Genuss dienen, sondern das elementare Erlebnis in völlig neuer Weise zum Ausdruck bringen. Die expressionistischen Künstler suchten zu den Urelementen der Malerei vorzustoßen und ihrem reinen Malerinstinkt zu folgen. Im Jahre 1883 schrieb Vincent van Gogh einen Brief an seinen Bruder, indem er schildert wie er später malen wird:
"Nun, in diesem Augenblick drängte sich, hoch über den Wiesen, unendlich, wie die Wüste, ein Wolkengebilde nach dem andern, und der Wind warf sich zuerst einmal gegen die Reihe der Landhäuser, jenseits des Kanals, wo der schwarze Kohlenweg entlang führte. Die Bäume waren prachtvoll - in jeder Figur, möchte ich sagen, aber ich meine, in jedem Baum ein Drama. Übrigens war das Ganze noch schöner als die vom Winde gepeitschten Bäume an sich, gerade weil der Augenblick von der Art war, daß sogar die albernen Pavillons, naßgeregnet und verweht wie sie waren, eigenartig von Charakter waren. Ich sah darin ein Gleichnis: so kann auch ein Mensch mit albernen Formen und Konventionen, oder ein anderer voller Exzentrizitäten und Kapricen, wenn ihn nur ein wahrhafter Schmerz ergreift, eine Kalamität ihn aufregt, eine dramatische Figur von eigenartigem Charakter werden. Und einen Augenblick dachte ich auch an die Gesellschaft von heute - wie auch sie sich jetzt, während sie untergeht, zuweilen, wenn man sie gegen das Licht irgend einer Erneuerung betrachtet, wie eine große, düstere Silhouette davon abhebt."
[...]
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