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Autor: Carsten Lietz
Fach: Geschichte - Frühgeschichte, Antike
Details
Tags: Logistik, Heeres, Westen, Nachschubs, Fällen
Jahr: 1999
Seiten: 121
Note: befriedigend
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 287 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-13690-7
Textauszug (computergeneriert)
Die Logistik des römischen Heeres im Westen,
vor allem die des Nachschubs,
untersucht an ausgewählten Fällen
Magisterarbeit im Fach Geschichte
zur Erlangung des Hochschulgrades Magister Artium der
Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der
Universität Hannover
Vorgelegt von Carsten Lietz
im Juli 1999
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 4
2 Überlieferungssituation ... 8
2.1 Logistik in der antiken Überlieferung ... 8
2.2 Einzelne Quellen ... 9
3 Grundlagen ... 17
3.1 Versorgungsstrukturen ... 17
3.1.1 Die annona militaris und ihre Verwaltung ... 17
3.1.2 Zum System der horrea mit militärischer Funktion ... 23
3.1.3 Transportwege ... 26
3.1.4 Versorgung im Winterlager ... 28
3.2 Zu den Versorgungsgütern ... 31
3.2.1 Bestandteile der Heeresverpflegung ... 31
3.2.2 Schwierigkeit der Bedarfsberechnung ... 33
4 Ausgewählte Fälle der Überlieferung ... 36
4.1 Untersuchung der Feldzüge ... 37
4.1.1 Feldzug Constantius II. gegen die Alamannen 354 ... 37
4.1.2 Vorbereitungen für Julians Feldzug des Jahres 357 ... 42
4.1.3 Julians Feldzug gegen Alamannen 357 ... 46
4.1.4 Julians Feldzüge des Jahres 358 ... 55
4.1.5 Julians Feldzug gegen Franken 360 ... 66
4.1.6 Feldzug Valentinians I. gegen Alamannen 368 ... 67
4.1.7 Feldzug Valentinians I. gegen Quaden 375 ... 70
4.2 Maßnahmen struktureller Bedeutung ... 74
4.2.1 Öffnung des Nachschubweges von Britannien 359 ... 74
4.2.2 Zu den Grenzbefestigungen Valentinians I. ... 86
5 Systematische Zusammenfassung ... 92
5.1 Logistische Vorbereitungen ... 92
5.2 Troß und mitgeführte Vorräte ... 94
5.3 Rückwärtiger Nachschub ... 98
5.4 Einbindung Reichsfremder in den Nachschub ... 103
5.5 Funktion und Bedeutung der Plünderungen ... 107
7 Ergebnis ... 111
8 Anhang ... 114
8.1 Quellen ... 114
8.2 Literatur ... 115
8.3 Abkürzungsverzeichnis ... 120
8.4 Erklärung gemäß § 21 (6) MPO (1994) ... 121
1 Einleitung
In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts setzte sich das Römische Reich im Westen letztmalig offensiv gegen die Angriffe germanischer Stämme zur Wehr. Der Hergang der einzelnen Feldzüge ist in der Forschung diskutiert und in wesentlichen unstrittig. Die Debatte fand vorrangig vor dem Hintergrund der römischen Außenpolitik oder der Leistungen einzelner Kaiser statt. Weitgehend unberücksichtigt blieben die logistischen Grundlagen der Feldzüge, die sich der Überlieferung zufolge oft entscheidend auf das militärische Potential ausgewirkt hatten.
Im Zeitraum von Julian (355-363) bis zu den letzten Vorstößen ins Barbaricum unter Gratian (367-383) führte das römische Heer unter sehr unterschiedlichen Voraussetzungen Krieg. Ging es nach den heftigen Einbrüchen von Alamannen, Franken und Sachsen 352 und 355 zunächst um die Rückeroberung germanisch besetzter Gebiete des Imperiums, so versuchte Kaiser Julian nach erfolgreichen Feldzügen und der Schlacht von Straßburg 357, Roms Herrschaft in den Grenzregionen durch offensives Auftreten zu sichern. Dazu gehörte der Wiederaufbau der bei den Germaneneinfällen weitgehend zerstörten Befestigungen, Versorgungslager und Verkehrswege an der Rheingrenze. Wegen dieser ständigen Veränderungen darf eine Untersuchung der Logistik dieser Feldzüge nicht summarisch argumentieren, sondern muß die technischen und organisatorischen Abläufe des Nachschubs stets auf das jeweilige militärische Geschehen beziehen.
Darum werden zunächst die einzelnen Expeditionen auf Grundlage der Überlieferung weitgehend unabhängig voneinander untersucht. Mit den so gewonnenen Ergebnissen sollen die wesentlichen Elemente des Nachschubs systematisch beschrieben werden: Feldzugvorbereitungen, Troß, rückwärtiger Nachschub aus dem Landesinnern, die Einbindung Reichsfremder und die Bedeutung von Plünderungen. Diese Überlegungen können sich auf eine breite Forschungsbasis zur spätrömischen Administration stützen. Beschaffung und Verwaltungsabläufe sind weitgehend bekannt und werden einführend referiert.
Wegen einer häufig unbefriedigenden Quellenbasis bleiben zahlreiche Detailfragen offen, bei anderen ist jedoch durch Analogien zu anderen Reichsteilen eine Annäherung möglich. Eine vollständige Darstellung spätrömischer Logistik scheitert am Fehlen wesentlicher statistischer Daten: Truppen- und Bevölkerungsstärken sind in der Forschung höchst umstritten.
Die Logistik der römischen Feldzüge ist bislang nur unvollständig untersucht worden. Einzeluntersuchungen und kurze Abschnitte in übergreifenden Darstellungen wurden in neuerer Zeit in den 70 Jahren durch größere Studien ergänzt. Alfons Labisch untersuchte die Nahrungsmittelversorgung der Heere Caesars, J.P. Adams die Infrastruktur und den organisatorischen Rahmen der Logistik der Feldzüge des 1. bis 3. Jahrhunderts im Osten. Für den Westen fehlt noch eine Darstellung der Logistik der Kaiserzeit, die Spätantike ist noch nicht erörtert.
Aus den Bereichen der Logistik interessiert für diese Arbeit besonders der Nachschub, weil er die unmittelbarsten Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft der Truppen hat. Sanitäts- und Unterkunftwesen und Ausrüstung bleiben ausgeklammert, soweit sie auf den Nachschub keine Auswirkungen haben. Kämpfe und Feldzüge infolge innerrömischer Auseinandersetzungen bleiben aus methodischen Gründen unberücksichtigt. Die Versorgung einer durch römisches Territorium gegen einen römischen Gegner ziehenden Armee ist mit der im Barbaricum naturgemäß nicht vergleichbar.
Eine Begrenzung des Untersuchungszeitraums ergab sich aus der Quellenlage. Eine sinnvolle Auseinandersetzung mit einzelnen Feldzügen unter logistischen Gesichtspunktnen ist nur beim Vorliegen einer einigermaßen detaillierten, zeitlich möglichst nahen Überlieferung möglich. Diese Voraussetzung ist durch die Res Gestae des Ammianus Marcellinus erfüllt, von der die Überlieferung der Jahre 353-378 erhalten sind.
Behandelt werden zudem nur Feldzüge, bei denen die Quellenlage sinnvolle Aussagen zur Logistik überhaupt zuläßt. So wird beispielsweise der für die Rückgewinnung römischer Kontrolle über die Rheingrenze wichtige Alamannenfeldzug des Jahres 356 wegen unzureichender Angaben nicht besprochen. Gleiches gilt für Gratians Feldzüge.
2 Überlieferungssituation
"The study of the late Roman army is rather like trying to grasp the soap in the bath. The available information is about as slippery, promising much but not yielding enough to create a continous picture ..."
2.1 Logistik in der antiken Überlieferung
In den Schilderungen römischer Geschichtsschreiber hatten die in moderner Zeit unter Logistik gefaßten Probleme nur eine untergeordnete Bedeutung. Ausnahmen bilden Caesars Bellum Gallicum , der als Rechenschaftsbericht des Feldherrn allerdings eine Sonderrolle spielt, und die Berichte des Ammianus Marcellinus (ca. 330-395). Antike Autoren waren bei ihren Kriegsdarstellungen weit mehr an Fragen der Taktik, Tapferkeit und des persönlichen Auftretens der Feldherren interessiert als an der Logistik mit ihrem eher technischen Charakter. Auch bei Ammian, der ergiebigsten Quelle des Untersuchungsbereiches, sind wichtige logistische Informationen, wie etwa zu Getreidelieferungen aus Britannien , der Gesamtdarstellung der Verdienste Kaiser Julians zu verdanken.
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