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Autor: Nadja Schuppenhauer
Fach: Wirtschaft - Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Details
Institution/Hochschule: Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) (Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Neuzeit)
Tags: Ziele, Effekte, Kolonialexpansion, Vorlesung/Seminar, Europäische, Wirtschafts-, Sozialgeschichte, Jahrhundert
Jahr: 2005
Seiten: 24
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 16 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 188 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-53730-8
Textauszug (computergeneriert)
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), Fakultät für Kulturwissenschaften
Vorlesung/Seminar: Europäische Wirtschafts- und Sozialgeschichte II: Das 19. Jahrhundert
Sommersemester 2005
Ökonomische Ziele und Effekte der deutschen Kolonialexpansion
von: Nadja Schuppenhauer
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Beginn und Entwicklung der deutschen Kolonialexpansion 3
2.1 Koloniale Vorgeschichte und Gründungen seit 1884 3
2.2 Motive und Ursachen der deutschen Kolonialbestrebungen 5
3 Wirtschaftliche Motive der Kolonialpolitik, ihre Umsetzung und Auswirkungen 8
3.1 Verwaltungsaufbau und –kosten der Kolonien 10
3.2 Handels- und Wirtschaftsstruktur der Kolonien 12
3.3 Entwicklung von Wirtschaft und Handel in den Kolonien und die wirtschaftlichen Beziehungen zum Deutschen Reich 15
4 Schlussbetrachtung 18
5 Resúmen 20
Literaturverzeichnis 22
1 Einleitung
Die Ära des deutschen Kolonialreiches war im Vergleich zu anderen europäischen Kolonialmächten sehr kurz und gerade in der Anfangsphase durch eine wenig stringente Politik gekennzeichnet. Die anfänglichen Bestrebungen einer kolonialen Expansion des Deutschen Reiches sind nicht auf die Initiative von Politikern zurückzuführen, vielmehr gingen die ersten Impulse von deutschen – und hier vornehmlich von den hanseatischen – Handelshäusern aus, die bereits seit Jahren Handel in Übersee betrieben. Diese Handelshäuser waren es dann auch, die immer wieder auf Unterstützung durch das Reich ihrer überseeischen Handelsunternehmungen drängten, was erst einmal den Schluss nahe legt, dass sich der Erwerb von Kolonien primär auf wirtschaftliche Aspekte zurückführen lässt. Obschon natürlich die Verbindung der Interessen deutscher Handelshäuser mit der späteren Kolonialpolitik nicht von der Hand zu weisen ist1, entspräche solch eine exklusive Argumentation doch eher der marxistischen Ideologie, die den Imperialismus als dem Kapitalismus inhärent betrachtet. In der Forschung werden die ökonomischen Aspekte in eine Reihe anderer Faktoren eingebettet, die sich wechselseitig bedingten und ergänzten. So werden politische, psychologische und ideologische Faktoren angeführt, um den ‚ökonomischen Irrationalismus’ der deutschen kolonialen Epoche zu begründen2. Wehler nimmt den wirtschaftlichen Motiven nicht die Prominenz, stellt ihnen aber die sozial bedingten Faktoren gegenüber, die in seiner Theorie des ‚Sozialimperialismus’ münden, der die inneren Spannungen des Reichs nach außen ableiten sollte3.
Die neuere Forschung gar beginnt, ihr Hauptaugenmerk auf den informellen Imperialismus, den Deutschland in dieser Zeit in Mitteleuropa und im Vorderen Orient ausübte, zu lenken und somit machtpolitische Motive in den Vordergrund zu stellen und die ökonomischen Aspekte des formellen Landerwerbs in Übersee zu vernachlässigen. Weitere Argumente, die in der neueren Forschung starke Beachtung erfahren, sind die Auswandererfrage4, die damals weit verbreiteten sozialdarwinistischen Anschauungen5 sowie die Verflechtung Deutschlands in ein sich entwickelndes Weltwirtschaftssystem, dessen Sog sich auch das Deutsche Reich nicht entziehen konnte6. Den ökonomischen Beweggründen und Auswirkungen hingegen werden wenig Bedeutung beigemessen und unter dem Schlagwort des ‚nationalen Verlustgeschäftes’ abgehandelt.
Dennoch scheint eine tiefer gehende Analyse der wirtschaftlichen Antriebskräfte der deutschen Kolonialexpansion lohnenswert, zumal wenn man sich vor Augen hält, dass Bismarck die Kolonialbestrebungen „als Hilfsmittel für die Entwicklung (...) des deutschen Exports“7 betrachtete. Welche Gründe in ökonomischer Hinsicht für eine Kolonialexpansion angeführt wurden und inwieweit sich die Hoffnungen der Kolonialbefürworter diesbezüglich erfüllt haben, soll Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein. Ebenso soll versucht werden, auch nicht statistisch erfassbare Effekte mit in die Betrachtung einzubeziehen. Da eine wirtschaftliche Betrachtung nicht ohne politischen Hintergrund auskommt, soll im Rahmen dieser Arbeit – zumindest ansatzweise – auch versucht werden, auf die verschiedenen Gründe und Argumentationen einzugehen, die in der Diskussion um den Eintritt Deutschlands in das kolonialpolitische Weltgeschehen eine tragende Rolle gespielt haben. Zumal eine Fokussierung auf lediglich ökonomische Aspekte der komplexen Thematik der kolonialen Epoche Deutschlands nur hinlänglich gerecht wird.
Obgleich sich die vorliegende Arbeit auf die ökonomischen Aspekte der deutschen Kolonialgeschichte konzentriert, darf diese Zeit natürlich nicht für sich allein betrachtet und der gesamteuropäische Kontext nicht ausgeblendet werden. Im Zuge der Expansionsbestrebungen verschiedener europäischer Großmächte, die spätestens im 16. Jh. nach der „Entdeckung“ Amerikas einsetzten, beteiligte sich ein nicht unerheblicher Anteil „deutscher Entdecker, Wissenschaftler, Forscher, Missionare, Händler und Handelshäuser“8 an der Erforschung überseeischer Gebiete. Die Ergebnisse dieser Aktivitäten blieben jedoch für die deutsche Kolonialgeschichte zunächst unbedeutend. Die im 19. Jh. mit der industriellen Revolution einsetzende Verdichtung der Welt und die damit einhergehende schnellere Kommunikation und die kürzeren Wege schufen dann aber den Rahmen für den Beginn der deutschen Kolonialpolitik. Neue Weltbilder und der von gesellschaftlichen Krisen begleitete Umbruch zur Industriegesellschaft kamen innerhalb dieser neuen Politik zum Ausdruck9 ebenso wie die „wachsende Interdependenz der nationalen Volkswirtschaften auf Grundlage eines einheitlichen“10, sich herausbildenden Weltmarkts. Und in diesem Kontext muss auch der Ausspruch Bimarcks, dass „jeder Staat (...) doch schließlich für die Interessen seiner Industrie“11 stehe, eingeordnet werden. Denn auch wenn die volkswirtschaftliche Bilanz der deutschen Kolonialepoche vernichtend gewesen sein mag, so kommen doch den ökonomischen Motiven – wenn auch in einer Reihe mit anderen Gründen – eine nicht zu vernachlässigende Bedeutung bei.
2 Beginn und Entwicklung der deutschen Kolonialexpansion
[...]
1 Vgl. Francesca Schinzinger: Die Kolonien und das Deutsche Reich. Die wirtschaftliche Bedeutung der deutschen Besitzungen in Übersee, Stuttgart 1984, S. 17.
2 Vgl. Gilbert Ziebura: Sozialökonomische Grundfragen des deutschen Imperialismus vor 1914, in: Hans-Ulrich Wehler (Hrsg.): Sozialgeschichte Heute. Festschrift für Hans Rosenberg zum 70. Geburtstag, Göttingen 1974, S. 500.
3 Vgl. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 3. Von der „Deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1849-1914, München 1995, S. 979.
4 Vgl. Woodruff D. Smith: „Weltpolitik“ und „Lebensraum“, in: Sebastian Conrad/Jürgen Osterhammel (Hrsg.): Das Kaiserreich transnational. Deutschland in der Welt 1871-1914, Göttingen 2004, S. 26.
5 Dirk van Laak: Über alles in der Welt. Deutscher Imperialismus im 19. und 20. Jahrhundert, München 2005, S. 27.
6 Vgl. Niels P. Petersson: Das Kaiserreich in Prozessen ökonomischer Globalisierung, in: Sebastian Conrad/Jürgen Osterhammel (Hrsg.): Das Kaiserreich transnational. Deutschland in der Welt 1871-1914, Göttingen 2004, S. 62/63.
7 Zitiert nach Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, S. 983.
8 Horst Gründer: Geschichte der deutschen Kolonien, Paderborn/München/Wien/Zürich 1985, S. 15.
9 Vgl. Winfried Speitkamp: Deutsche Kolonialgeschichte, Stuttgart 2005, S. 14.
10 Ziebura: Sozialökonomische Grundfragen, S. 497.
11 Zit. nach Schinzinger: Die Kolonien, S. 24.
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