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Das Anti-Aggressivitäts-Training

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 27 Pages
Authors: Michael Schmidt, Rouven Pascheit
Subject: Psychology - Forensic Psychology, Penal System

Details

Event: Psychologie im Strafvollzug
Institution/College: Technical University of Braunschweig
Tags: Anti-Aggressivitäts-Training, Psychologie, Strafvollzug
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 27
Grade: fehlt
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V59950
ISBN (E-book): 978-3-638-53745-2
ISBN (Book): 978-3-640-34309-6
File size: 197 KB

Abstract

Das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT) wurde 1986 in der Jugendanstalt Hameln unter der Führung von Diplom-Psychologe Dr. Michael Heilemann ausgearbeitet und eingeführt und stellt nunmehr das am weitesten verbreitete Anti-Gewalt- oder auch Antagonistentraining in Deutschland dar. Thema des AAT ist „die Auseinandersetzung der gewalttätig Agierenden mit ihren Taten in Form einer sinnlich erlebbaren inszenierten Konfrontation mit dem Leid ihres/ihrer Opfer/s.“ (Weidner, Kilb, Kreft 2001: 7). Das AAT ist eine deliktspezifische, sozialpädagogisch-psychologische Behandlungsmaßnahme für gewalttätige Wiederholungstäter (www.prof-jensweidner. de). Das Ziel des Trainings ist die Gewaltneigung und damit auch Gewalthandlungen von Personen zu verringern, die bereits durch mehrfache oder besonders heftige Gewalttaten auffällig geworden sind (Ohlemacher 2001: 3). In Konfrontation mit Gewalt ablehnenden Personen sollen die Täter einen Wandlungsprozess durchmachen, sich von der Gewalt ab- und ihrem neuen Selbstbild zuwenden, sodass sie später, nach erfolgreichem Absolvieren des Trainings, für eine gewaltfreie Lösung von Konflikten einstehen und somit „aus dem Schläger ein `Friedensagent` wird“ (Heilemann 1998: 228). Das AAT ist auf einem lerntheoretisch-kognitiven Paradigma basierend (Kilb, Weidner 2002: 298). Die lerntheoretischen Aspekte des Trainings zielen dabei darauf ab, die Anwendung von Gewalt konkret zu verlernen, indem die Personen in individuellen Provokationstests lernen sollen, sich aus diesen ohne Gewaltanwendung zu befreien, um dann durch die Gruppe in ihrem Handeln bestärkt zu werden. Die kognitiven Elemente des Trainings sollen eine Einstellungsänderung erzeugen. Dabei ist vor allem wichtig, Opferempathie beim Täter herzustellen (Kilb, Weidner 2002: 298). Das zentrale Element des AAT ist der „heiße Stuhl“. Hierbei soll das Ausleben der Konfrontation das Bewusstsein der aggressiven Männer verändern und Nachgeben und kritische Reflexion erzeugt werden (Weidner 2001: 10). Der „heiße Stuhl“ oder „hot seat“ geht in seinen Grundideen auf den „leeren Stuhl“ des Psychodramas von Moreno zurück, bei dem der Klient einen Konflikt mit seinem imaginären Konfliktgegner, welcher auf dem „leeren Stuhl“ sitzt, austrägt und bewältigt. Später wandelte der Gestalttherapeut Fritz Perls dieses Konzept als Methode der Gewalttherapie zum „hot seat“ um, bei dem auf dem Stuhl die zu behandelnde Person Platz nimmt. [...]


Excerpt (computer-generated)

Das Anti-Aggressivitäts-Training
von: Michael Schmidt und Rouven Pascheit

WS 2005/2006

 


1. Einleitung

2. Anti-Aggressivitäts-Training

2.1 Zielgruppe
2.2 Curriculare Eckpfeiler
2.3 Schematischer Ablauf des AAT

3. Evaluationsergebnisse zum AAT

3.1 Jens Weidner (1993)

3.1.1 Design
3.1.2 Auswertung

3.2 KFN-Forschungsstudie zur Legalbewährung

3.2.1 Experimentalgruppe
3.2.2 Kontrollgruppe
3.2.3 Vergleich beider Gruppen
3.2.4 Zusammenfassung

4. Fazit

5. Anhang



 

1. Einleitung

Das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT) wurde 1986 in der Jugendanstalt Hameln unter der Führung von Diplom-Psychologe Dr. Michael Heilemann ausgearbeitet und eingeführt und stellt nunmehr das am weitesten verbreitete Anti-Gewalt- oder auch Antagonistentraining in Deutschland dar. Thema des AAT ist „die Auseinandersetzung der gewalttätig Agierenden mit ihren Taten in Form einer sinnlich erlebbaren inszenierten Konfrontation mit dem Leid ihres/ihrer Opfer/s.“ (Weidner, Kilb, Kreft 2001: 7).

Das AAT ist eine deliktspezifische, sozialpädagogisch-psychologische Behandlungsmaßnahme für gewalttätige Wiederholungstäter (www.prof-jensweidner. de). Das Ziel des Trainings ist die Gewaltneigung und damit auch Gewalthandlungen von Personen zu verringern, die bereits durch mehrfache oder besonders heftige Gewalttaten auffällig geworden sind (Ohlemacher 2001: 3). In Konfrontation mit Gewalt ablehnenden Personen sollen die Täter einen Wandlungsprozess durchmachen, sich von der Gewalt ab- und ihrem neuen Selbstbild zuwenden, sodass sie später, nach erfolgreichem Absolvieren des Trainings, für eine gewaltfreie Lösung von Konflikten einstehen und somit „aus dem Schläger ein `Friedensagent` wird“ (Heilemann 1998: 228). Das AAT ist auf einem lerntheoretisch-kognitiven Paradigma basierend (Kilb, Weidner 2002: 298). Die lerntheoretischen Aspekte des Trainings zielen dabei darauf ab, die Anwendung von Gewalt konkret zu verlernen, indem die Personen in individuellen Provokationstests lernen sollen, sich aus diesen ohne Gewaltanwendung zu befreien, um dann durch die Gruppe in ihrem Handeln bestärkt zu werden. Die kognitiven Elemente des Trainings sollen eine Einstellungsänderung erzeugen. Dabei ist vor allem wichtig, Opferempathie beim Täter herzustellen (Kilb, Weidner 2002: 298).

Das zentrale Element des AAT ist der „heiße Stuhl“. Hierbei soll das Ausleben der Konfrontation das Bewusstsein der aggressiven Männer verändern und Nachgeben und kritische Reflexion erzeugt werden (Weidner 2001: 10). Der „heiße Stuhl“ oder „hot seat“ geht in seinen Grundideen auf den „leeren Stuhl“ des Psychodramas von Moreno zurück, bei dem der Klient einen Konflikt mit seinem imaginären Konfliktgegner, welcher auf dem „leeren Stuhl“ sitzt, austrägt und bewältigt. Später wandelte der Gestalttherapeut Fritz Perls dieses Konzept als Methode der Gewalttherapie zum „hot seat“ um, bei dem auf dem Stuhl die zu behandelnde Person Platz nimmt. Die Gruppe versucht nun ihr optimale Hilfestellung zu geben ohne sie zu kritisieren oder provozieren. Der Kommunikationsstil während des „heißen Stuhls“ im AAT orientiert sich nun allerdings an der „Provokativen Therapie“ von Frank Farrelly und ist somit eher provokativ (Weidner 2001: 11). Als Vorläufer zur Implementierung des AAT diente Heilemann ein von ihm selbst durchgeführtes Geschlechtsrollenseminar für Sexualstraftäter, in dem diese „durch die Interaktion mit rollenbewussten, starken Frauen ihre Frauenfeindlichkeit und ihr eigenes männliches Rollenkonzept relativieren“ (Heilemann 1994: 334) sollten. Ab 1987 war der Erziehungswissenschaftler und Kriminologe Dr. Jens Weidner für die Durchführung des AAT in Hameln verantwortlich, der sich im Laufe der Jahre als einer der größten Verfechter des AAT herausstellen sollte. Als Weidner sich 1995 von dem Projekt verabschiedete, übernahmen Michael Heilemann und Gabriele Fischwasser von Proeck die Leitung und Durchführung des AAT in Hameln. Das AAT nach dem Hamelner Modell ist allerdings nicht statisch, sondern hat sich im Laufe der Jahre ständig weiterentwickelt und wurde so zeitweilig beispielsweise durch sporttherapeutische oder sozialtherapeutische Ansätze ergänzt. Im späteren Verlauf traten auch Varianten mit verschiedenen Methoden von „Attraktivitätstrainings“, „Anti-Blamier-Trainings“ oder „Entspannungstrainings“ auf (Ohlemacher 2001: 7-9).

Auch außerhalb der Jugendanstalt Hameln fand das AAT schnell Beachtung. So haben sich im Laufe der Zeit einige ähnliche Anti-Gewalt-Trainings in anderen Anstalten herausgebildet. Außerdem existieren noch diverse ambulante Varianten in Schulen und Heimen, die allerdings stärker präventiv ausgerichtet sind. Dies zeigt, wie kompliziert Beschreibungen und Bewertungen des sich in ständiger Veränderung befindenden AAT sind. Die folgenden Ausführungen orientieren sich daher ausschließlich am AAT nach dem Hamelner Grundkonzept.

2. Anti-Aggressivitäts-Training

2.1 Zielgruppe

„Die Zielgruppe des Anti-Aggressivitäts-Trainings sind gewalttätige Wiederholungstäter, Hooligans, Skinheads, so genannte stadtbekannte Schläger .... Die Zielgruppe sind die zahlenmäßig kleine, aber konfliktträchtige und (den Opfern) Angst einflößende Population von Jungen und Männern, bei denen Gewalt zum Alltagshandeln zählt, die Gewalt als einfache, unkomplizierte, ökonomische und Erfolg versprechende Form der Interaktion betrachten. Das Motto dieser selbstbewusst auftretenden, thrill-orientierten Spezies lautet: Gewalt macht Spaß!“ (Weidner, Mahlzahn 2001: 43)

Die AAT-Teilnehmer sind im Spezifischen überwiegend männlichen Geschlechts, ab 14 Lebensjahre (Weidner, Gall 2003: 12), gehören schlechter Ausgebildeten Milieus an, wobei Jugendliche mit Migrationserfahrungen, also Ausländer und Aussiedler, besonders stark in der Gruppe der Heranwachsenden vertreten sind und werden überdurchschnittlich häufig über richterliche Auflagen an die jeweiligen Maßnahmeträger vermittelt (Kilb, Weidner 2002: 299). Die Anzahl weiblicher AATTeilnehmer ist nur begrenzt. Ein möglicher Grund liegt darin, dass die Anzahl an verurteilten Mädchen und jungen Frauen, im Vergleich zu jungen Männern viel geringer ist (Kilb, Weidner 2002: 301). Ein weiterer Aspekt liegt möglicherweise in der Tatsache, dass aggressives Verhalten geschlechtsspezifisch eindeutig zuzuordnen ist. Es ist typisch Jungen- und Männerverhalten und beinhaltet dabei zwei repräsentativ männliche Persönlichkeitsbezüge (Sykes, Matza 1979): Rechtfertigungsstrategien rücken das schlimme Verhalten ins positive Licht.

[...]


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