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Autor: Andreas Graw
Fach: Germanistik - Linguistik
Details
Tags: Sprachgebrauch, Nationalsozialisten
Jahr: 2004
Seiten: 15
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 13 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 176 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-53803-9
ISBN (Buch): 978-3-638-78253-1
Zusammenfassung / Abstract
Kurt Lenk bezeichnet das nationalsozialistische Regime als „Ausdrucksideologie“. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass sie kein in sich geschlossenes Gebilde darstellt, sondern aus einem Gemenge verschiedener anderer Ideologien besteht. Das wichtigste Mittel dieser Ausdrucksideologien ist das Schwarz-Weiß-Denken, hier sind wir, die Guten, und auf der anderen Seite ist der Feind.1 Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem wichtigsten Mittel der Ausdrucksideologie, nämlich mit der Sprache. Zunächst wird die politische Sprache genauer betrachtet. Eine klare Trennung des Politischen vom Privaten ist zwar nicht möglich. Denn die Politik wurde durch die gleichgeschalteten Massenmedien in jedes Wohnzimmer transportiert. Es soll hier jedoch unterschieden werden zwischen der direkten Einwirkung auf den Alltag der Menschen und der indirekten Einflussnahme durch politische Rhetorik in Reden oder etwa auf Wahlplakaten. In einem letzten Schritt soll schließlich geklärt werden, ob sich 1945 mit dem Ende der NS-Herrschaft die deutsche Sprache geändert hat, oder ob es vielleicht Kontinuitäten gibt.
Textauszug (computergeneriert)
Seminararbeit
Der Sprachgebrauch der Nationalsozialisten
von
Andreas Graw
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die politische Sprache der Nationalsozialisten 1
2.1 Semantik 2
2.2 Superlativ 4
2.3 Adjektiv-Attribute 5
3. Sprachliche Einwirkung auf den Alltag 7
3.1 Plakate, Zeitungsanzeigen und Anordnungen 7
3.2 Sprachregelung im Pressewesen 8
3.3 Neuwörter und „verordneter“ Bedeutungswandel 10
4. 1945: Bruch oder Kontinuität in der deutschen Sprache? 12
5. Fazit 13
6. Literaturverzeichnis 14
1. Einleitung
Kurt Lenk bezeichnet das nationalsozialistische Regime als „Ausdrucksideologie“. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass sie kein in sich geschlossenes Gebilde darstellt, sondern aus einem Gemenge verschiedener anderer Ideologien besteht. Das wichtigste Mittel dieser Ausdrucksideologien ist das Schwarz-Weiß-Denken, hier sind wir, die Guten, und auf der anderen Seite ist der Feind.1 Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem wichtigsten Mittel der Ausdrucksideologie, nämlich mit der Sprache.
Zunächst wird die politische Sprache genauer betrachtet. Eine klare Trennung des Politischen vom Privaten ist zwar nicht möglich. Denn die Politik wurde durch die gleichgeschalteten Massenmedien in jedes Wohnzimmer transportiert. Es soll hier jedoch unterschieden werden zwischen der direkten Einwirkung auf den Alltag der Menschen und der indirekten Einflussnahme durch politische Rhetorik in Reden oder etwa auf Wahlplakaten.
In einem letzten Schritt soll schließlich geklärt werden, ob sich 1945 mit dem Ende der NS-Herrschaft die deutsche Sprache geändert hat, oder ob es vielleicht Kontinuitäten gibt.
2. Die politische Sprache der Nationalsozialisten
In diesem Kapitel soll der spezifische Sprachgebrauch der Nationalsozialisten in der Politik untersucht werden.
Alle nationalsozialistischen Agitatoren orientierten ihre Rhetorik an der ihres Führers Hitler. Hitlers Reden stehen folglich paradigmatisch für die politische Rhetorik der Partei. Daher werden hier hauptsächlich Reden Hitlers untersucht.
Aus dem in der Einleitung beschriebenen Freund-Feind-Schema der Nationalsozialisten ergeben sich zwei übergeordnete Zielsetzungen für die politischen Reden. (1) Der Zusammenhalt des deutschen Volks (Volksgemeinschaft) muss gefördert werden. (2) Die äußeren Feinde müssen zu einem äußerst bedrohlich erscheinenden Feind zusammengefasst werden. Es galt also eine Beziehung zwischen den Feinden des Volkes herzustellen.2
2.1 Semantik
Die drei großen Wortfelder, aus denen sich die Nationalsozialisten bedienten, waren zum einen der Sport, der naturwissenschaftlichtechnische Bereich und– besonders seit Kriegsausbruch – das Militär, die kriegerische Sprache.
Die Verwendung des Vokabulars aus dem sportlichen Bereich unterstrich die Wichtigkeit der körperlichen Ertüchtigung für das NSRegime. Diese war weit wichtiger als die geistige Fitness des deutschen Volkes, denn wer weit rennt, dem fehlt die Zeit zum Innehalten und Nachdenken. Auch heute sprechen Politiker zum Beispiel von einer Regierungs-Mannschaft oder demonstrieren Nähe zu Sportlern. Gemein ist den Politikern von heute und damals die angestrebte Volksnähe in der Sprache.3 Bei den Nationalsozialisten ging es jedoch zusätzlich um den Geist des Sports, etwa um das Wiederaufstehen in aussichtloser Lage.
Propagandaminister Joseph Goebbels, der seine grausamsten Metaphern dem Boxsport4 entnahm, kommentierte die vernichtende Niederlage in Stalingrad wie folgt:
„Wir wischen uns das Blut aus den Augen, damit wir klar sehen können, und geht es in die nächste Runde, dann stehen wir fest auf den Beinen.“ (Sept. 1943)5
Als ein Jahr später der Luftkrieg über deutschen Städten tobt, sagt Goebbels:
[....]
1 Vgl. Lenk, S.32
2 vgl. Volmert, S.141
3 vgl. Bork, S.17
4 Der Boxer Max Schmeling gewann 1930 als erster Deutscher die Weltmeisterschaft im Schwergewicht. Nachdem er 1936 den bis dahin ungeschlagenen Amerikaner Joe Louis besiegte, veranstaltete die NSDAP bei seiner Rückkehr einen großen Triumphzug. Der Kampf löste eine große Begeisterung für den Boxsport aus.
5 zitiert nach Klemperer, S.256
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