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Vom 'alten' zum 'neuen' Organum - Am Beispiel von 'Viderunt omnes notum fecit domino' aus dem Magnus liber organi

Scholary Paper (Seminar), 2006, 18 Pages
Author: Michaela Lehr
Subject: Musicology

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 18
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V60048
ISBN (E-book): 978-3-638-53813-8
ISBN (Book): 978-3-638-75275-6
File size: 228 KB

Abstract

Das Thema dieser Arbeit sind die zweistimmigen Organa des Magnus liber organi de gradali et antiphonario. Der Magnus liber ist eine, an der Notre-Dame Kathedrale in Paris entstandene, Sammlung von liturgischen Gesängen.1 Die darin enthaltenen zweistimmigen Organa werden auf Grund des Berichtes von Anonymus 4 dem Pariser Komponisten Leoninus zugeordnet.2 Anonymus 4 war ein aus England stammender Mönch, der, vermutlich Ende des 13. Jahrhunderts, einen Musiktraktat verfasste, nachdem er die Pariser Notre-Dame-Kirche besucht hatte.3 Im Laufe dieser Arbeit wird insbesondere Viderunt omnes notum fecit dominus, eines der zweistimmigen Organa, analysiert. Um einen besseren Zugang zu den Stücken zu bekommen, werden im ersten Teil der Arbeit nicht nur die Quellen, die der Forschung auf diesem Gebiet zur Verfügung stehen, genannt und erläutert, sondern es wird auch genauer auf den musikgeschichtlichen Kontext (d. h. auf das sog. „alte“ Organum) eingegangen. Auf diese Weise lässt sich die musikhistorische Bedeutung der Leoninschen Organa klarer erkennen. Das Faksimile der in dieser Arbeit betrachteten Handschrift (Firenze, Biblioteca Mediceo-Laurenziana, Pluteo 29,1) wurde 1966 von Luther Dittmer herausgegeben. Die Übertragung des gregorianischen Chorals findet sich in Band 1 des Magnus liber Organi, herausgegeben von Edward Roesner (Monaco 1993). Das zweistimmige Graduale ist in dem von Mark Everist editierten Band 3 dieser Serie erschienen (Monaco 2001). Als weitere Quellen dienten u. a. verschiedene Artikel des MGG2, sowie Hans Heinrich Eggebrechts „Musik im Abendland“ (München 1991). Eine genaue Liste der verwendeten Literatur findet sich am Ende dieser Arbeit.


Excerpt (computer-generated)

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Musikwissenschaftliches Seminar
Sommersemester 2006

Proseminar: "Notre Dame" - Repertoire und Quellen der Musik
der Pariser Kathedrale um 1200

von

Michaela Lehr

6. Fachsemester

Musikwissenschaft / Philosophie

Vom „alten“ zum „neuen“ Organum
Am Beispiel von
Viderunt omnes notum fecit domino
aus dem Magnus liber organi

 

 

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis 1

Inhaltsverzeichnis 2

1 Einleitung 3

2 Das "alte" Organum: Merkmale und Quellen 4
2.1 Einführung 4
2.2 Quellen und Merkmale 4
2.2.1 Die Musica enchiriadis 5
2.2.2 Der Micrologus de Musica von Guido von Arezzo 6

3 Das "neue" Organum der Notre-Dame-Schule: Merkmale und Quellen 8
3.1 Einführung: Der Magnus liber organi und Leoninus 8
3.2 Die zweistimmigen Organa des Magnus liber organi am Beispiel von Viderunt omnes notum fecit dominus 9
3.2.1 Einführung 9
3.2.2 Viderunt omnes notum fecit dominus 10
3.2.2.1 Organum- und Discantuspartien 10
3.2.2.2 Die Organum- und Discantuspartien in Viderunt omnes 12
3.2.2.3 Die Discantuspartien in Viderunt omnes 14
3.2.2.4 Die Haltetonpartien in Viderunt omnes 15

4 Schlussbetrachtung 16

Literaturverzeichnis 17

Musikalienverzeichnis 17

 

 

1 Einleitung

Das Thema dieser Arbeit sind die zweistimmigen Organa des Magnus liber organi de gradali et antiphonario. Der Magnus liber ist eine, an der Notre-Dame Kathedrale in Paris entstandene, Sammlung von liturgischen Gesängen.1 Die darin enthaltenen zweistimmigen Organa werden auf Grund des Berichtes von Anonymus 4 dem Pariser Komponisten Leoninus zugeordnet.2 Anonymus 4 war ein aus England stammender Mönch, der, vermutlich Ende des 13. Jahrhunderts, einen Musiktraktat verfasste, nachdem er die Pariser Notre-Dame- Kirche besucht hatte.3

Im Laufe dieser Arbeit wird insbesondere Viderunt omnes notum fecit dominus, eines der zweistimmigen Organa, analysiert.

Um einen besseren Zugang zu den Stücken zu bekommen, werden im ersten Teil der Arbeit nicht nur die Quellen, die der Forschung auf diesem Gebiet zur Verfügung stehen, genannt und erläutert, sondern es wird auch genauer auf den musikgeschichtlichen Kontext (d. h. auf das sog. „alte“ Organum) eingegangen. Auf diese Weise lässt sich die musikhistorische Bedeutung der Leoninschen Organa klarer erkennen.

Das Faksimile der in dieser Arbeit betrachteten Handschrift (Firenze, Biblioteca Mediceo- Laurenziana, Pluteo 29,1) wurde 1966 von Luther Dittmer herausgegeben. Die Übertragung des gregorianischen Chorals findet sich in Band 1 des Magnus liber Organi, herausgegeben von Edward Roesner (Monaco 1993). Das zweistimmige Graduale ist in dem von Mark Everist editierten Band 3 dieser Serie erschienen (Monaco 2001).

Als weitere Quellen dienten u. a. verschiedene Artikel des MGG2, sowie Hans Heinrich Eggebrechts „Musik im Abendland“4 (München 1991).

Eine genaue Liste der verwendeten Literatur findet sich am Ende dieser Arbeit.

2 Das „alte“ Organum: Merkmale und Quellen

2.1 Einführung

Um nachvollziehen zu können, was mit dem „alten“ Organum gemeint ist und wie es im Vergleich zu den zweistimmigen Organa des Leoninus aussieht, sollten im Voraus einige Begriffe geklärt werden.

Der Begriff Organum leitet sich von dem griechischen Wort órganon ab, was – laut Haas – so viel wie „Werkzeug, Gerät, Instrument, Apparat“5 bedeutet. Der Begriff Organum wird nicht nur für die erste Mehrstimmigkeit ab dem neunten Jahrhundert gebraucht6, sondern auch in der Bibel und in antikem Zusammenhang als Begriff für ein Instrument oder speziell für ein Musikinstrument.7

Man ist sich uneinig, weshalb Organum als Begriff für die Mehrstimmigkeit verwendet wurde. Eggebrecht widerspricht Haas in diesem Punkt, indem er sich von der Bedeutung des Wortes Organum als „Instrument“ oder „Werkzeug“ distanziert. Stattdessen meint er in dem Bezug zu dem Wort órganon dessen „geometrischen Sprachgebrauch“8 zu erkennen. Dieser „geometrische Sprachgebrauch“9 würde nämlich durch die ausschließliche Verwendung von „Oktave, Quinte und Quarte“10 zustande kommen.

Innerhalb des Kontextes dieser Arbeit wird der Begriff Organum, wie es laut Eggebrecht heute üblich ist, als Begriff für eine mehrstimmige Choralbearbeitung gebraucht.11

 

[....]


1 Vgl. Art. Notre Dame und Notre Dame Handschriften, in: MGG2S, Bd. 7, Sp. 462-458, Autor unbekannt, u. a. Kassel 2002, Sp. 468

2 Vgl. Haas, Max: Art. Organum, in: MGG2S, Bd. 7, Sp. 853-881, u. a. Kassel 2002, Sp. 870

3 Vgl. Reckow, Fritz: Der Musiktraktat des Anonymus 4, Teil II: Die Interpretation der Organum Purum-Lehre, in: Beihefte zum Archiv für Musikwissenschaft, Bd. V, hrsg. v. Eggebrecht, Hans Heinrich, Wiesbaden 1967, S. 1-2

4 Eggebrecht, Hans Heinrich: Musik im Abendland. Prozesse und Stationen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 1991

5 Siehe Haas, Sp. 853

6 Vgl. Haas, Sp.857

7 Vgl. Haas, Sp. 853-855

8 Siehe Eggebrecht: MiA, S. 27

9 Siehe Eggebrecht: MiA, S. 27

10 Siehe Eggebrecht: MiA, S. 27

11 Vgl. Eggebrecht: MiA, S. 101


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