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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 31
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 24  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 119 KB
Archivnummer: V60075
ISBN (E-Book): 978-3-638-53834-3

Textauszug (computergeneriert)

TU Dresden, Philosophische Fakultät
Institut für Kommunikationswissenschaft
Hauptseminar: Medien und europäische Öffentlichkeit
SS 2004, 7. Fachsemester

Das Brüsseler Pressecorps und europäische Öffentlichkeit

von: Annette Schramm

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  1

2. Europäische Öffentlichkeit  2

2.1. Modelle Europäischer Öffentlichkeit  2
2.2. Gesamteuropäische Öffentlichkeit  2

2.2.1. Segmentierte Themenöffentlichkeiten  3
2.2.2. Europäisierung nationaler Öffentlichkeiten  3
2.2.3. Diskurstheoretische Öffentlichkeit  4

2.3. Demokratie, Identität und Kontrolle 4

3. Das Brüsseler Pressecorps  5

3.1. Die Entwicklung  6
3.2. Die Arbeitsbedingungen 7
3.3. Der Mikrokosmos  8
3.4. Informationsquellen 9

3.4.1. Kommission  9
3.4.2. Ministerrat  10

3.5. Europa als Thema  11
3.6. Journalismuskulturen  12

3.6.1. Ein einheitlicher europäischer Journalimus?  12
3.6.2. Journalismuskulturen in Brüssel  13

3.7. Berichterstattung über Europa  15

4. Empirischer Teil  19

4.1. Fragebogen und Durchführung  19
4.2. Ergebnisse  20

4.2.1. Demographische und Berufsbezogene Merkmale  20
4.2.2. Einstellungen zu Europa  21
4.2.3. Informationsquellen  22
4.2.4. Ziel der täglichen Arbeit  23
4.2.5. Verhältnis zu den Heimatredaktionen  24

5. Schlußfolgerungen  25

Literatur

Anhang


 

 

1. Einleitung

Mit der Diskussion um eine europäische Verfassung, dem Betritt von zehn neuen Mitgliedern zur EU und der Tatsache, dass sich immer weniger Menschen für Europa begeistern können, wird die Frage nach einer Europäischen Öffentlichkeit immer dringender. Die Europäische Union ist zu einem eigenständigen politischen System geworden, dessen Entscheidungen immer deutlicher die Innenpolitik der Nationalstaaten beeinflußt. Mit dieser Entwicklung rücken zunehmend auch Fragen nach Demokratie, Identität und Kontrolle dieses politischen Systems in den Vordergrund. Die Wissenschaft hat dazu verschiedene normative Modelle europäischer Öffentlichkeit formuliert, mit unterschiedlichen Implikationen. Diese übergreifende Diskussion verdeutlicht den Stand der Entwicklung, die Hindernisse, die es zu überwinden gilt, aber auch Grenzen die kurz- und mittelfristig nicht veränderbar sein werden.

Von wachsendem Interesse ist auch der Beitrag, den Akteure, nicht nur auf politischer Seite, sondern auch auf Seiten der Medien für eine europäische Diskussion leisten. Im Puzzlespiel der vielen verschiedenen Akteure, die an der Konstitution einer europäischen Öffentlichkeit beteiligt sind, spielen die Journalisten in Brüssel sicher eine herausragende Rolle. Die allgemeine Debatte um eine europäische Öffentlichkeit ist Voraussetzung, um in die tiefergehende Problematik des Brüsseler Pressecorps einzusteigen. Die besondere Position der Brüsseler Journalisten resultiert aus ihrer Vermittlungsleistung zwischen Nationalstaat und Europäischen Institutionen. Doch angesichts des vielbeklagten Öffentlichkeitsdefizits und empirischen Hinweisen auf eine magere Berichterstattung über Europa ist fraglich, ob sie ihrer Aufgabe gewachsen sind. Ziel dieser Arbeit soll es daher sein, die normativen Grundlagen journalistischer Arbeit in Brüssel herauszuarbeiten, sie in Beziehung zu den empirischen Gegebenheiten zu setzen und eine mögliche Ursache des Öffentlichkeitsdefizits zu bestimmen. Dazu werden folgende Fragen zu beantworten sein: Wie sind die Arbeitsbedingungen der Brüsseler Journalisten, welches Selbstverständnis haben sie, welche Quellen nutzen sie? Wie sieht die Berichterstattung über europäische Themen aus und lässt sich ein Zusammenhang zu der journalistischen Arbeitweise herstellen? Und welche Schlußfolgerungen lassen sich daraus für die Entstehung einer Europäischen Öffentlichkeit ziehen? Im empirischen Teil sollen einige Aspekte der Arbeitsbedingungen in Brüssel einer genaueren Betrachtung unterzogen werden, um so bereits bestehende Ergebnisse zu überprüfen und gegebenenfalls zu vervollständigen

2. Europäische Öffentlichkeit

Seit einem guten Jahrzehnt beobachtet und analysiert die Wissenschaft den Fortschritt und Problematik einer europäischen Öffentlichkeit, mit unterschiedlichen Schlußfolgerungen. Die unterschiedliche Einschätzungen der Möglichkeiten und Entwicklungen einer Europäischen Öffentlichkeit resultieren vornehmlich aus unterschiedlichen Maßstäben und Kriterien, die zur Beurteilung herangezogen werden. So haben sich verschiedene normative Modelle herausgebildet, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen und andere Anforderungen an eine Öffentlichkeit stellen. Ursache für diese verschiedenen Herangehensweisen ist zum einen das vielschichtige Konzept von Öffentlichkeit. Manche Fälle allerdings erwecken den Eindruck der müßigen Diskussion um das halbvolle oder halbleere Wasserglas. Trotz aller Unterschiede haben die verschiedenen Ansätze einen gemeinsamen Nenner, einige Punkte in denen allgemeine Übereinstimmung herrscht. In allen Beträgen zur Debatte, ob sie nun pessimistisch oder optimistischer Natur sind, wird der bisherige Stand einer Europäischen Öffentlichkeit als nicht ausreichend empfunden. Pessimismus oder Optimismus sind in diesem Fall als eine auf die Zukunft gerichtete Einstellung zu sehen, der momentane Stand wird durchweg kritisiert. Ebenfalls ausnahmslose Zustimmung findet die Feststellung, dass die kulturelle und sprachliche Vielfalt Europas ein großes Hindernis in der Entwicklung der europäischen Öffentlichkeit ist. Gleichzeitig wird betont, dass eine Homogenisierung dieser Vielfalt nicht wünschenswert sei, da sie eines der Wesenmerkmale Europas konstituiere.

2.1. Modelle Europäischer Öffentlichkeit

In der Literatur lassen sich mehrere Modelle europäischer Öffentlichkeit finden, die jeweils unterschiedliche normative und institutionelle Voraussetzungen haben.

2.1.1. Gesamteuropäische Öffentlichkeit

Die Idee einer einheitlichen, alle Staaten überspannenden Öffentlichkeit ist wohl die anspruchvollste, aber auch unrealistischte Variante einer Europäischen Öffentlichkeit (Gerhards 1993). Der Maßstab ist hier die Entstehung der nationalen Öffentlichkeit, mit ähnlicher Reichweite und Institutionen. Öffentlichkeit ist konstituierendes Merkmal für die Funktionsfähigkeit und Kontrolle des politischen Systems. Der zunehmenden Kompetenz- und Ressourcenallokation auf die supranationale Ebene, sollte eine Legitimationsallokation durch Öffentlichkeit folgen. (Gerhards 1993, S.99) Voraussetzung hierfür wären ein einheitliches Mediensystem oder zumindest einige übergreifend organisierte Medien, die transnationale Inhalte an ein europäisches Publikum verbreiten. Diese Vorstellung trifft in der Realität allerdings auf Hindernisse in vielerlei Hinsicht. Zum einen ist das Publikum weiter nationalstaatlich orientiert, die sprachlichen und kulturellen Barrieren sind sehr hoch. Aber auch auf der Produzentenseite gibt es kulturelle Unterschiede, z.B. in den Journalismussystemen, sowie die Schwierigkeit transnationale Medien aufzubauen. Alle Versuche in dieser Richtung sind bisher wenig überzeugend oder gescheitert. Auch empirische Studien zeigen, dass der Grad an Europäisierung von Öffentlichkeit anderen Bereichen hinterherhinkt. Gerhards vergleicht in einer Studie den Grad an Transnationalisierung in drei eng miteinander verbundenen Bereichen Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit (Gerhards 2000). In der Wirtschaft sind eindeutige Befunde einer Transnationalisierung zu finden und auch in der Politik gibt es Ansätze, die vor dem Hintergrund Steuerungsfähigkeit wiederzuerlangen zu sehen sind. Für die Entwicklung der Öffentlichkeit trifft dies nicht zu, sie ist weiterhin nationalstaatlich verhaftet. Daher ist es gerade dieser Ansatz, der den meisten Pessimismus über eine Europäische Öffentlichkeit verbreitet, bei diesem hohen Anspruch muß es ja zwangsläufig zu einer Defizitbewertung kommen.

2.1.2. Segmentierte Themenöffentlichkeiten

[...]

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