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Die Geschlechterbeziehungen im „Käthchen von Heilbronn“

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 21 Pages
Author: Karoline Lazaj
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 21
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 4  Entries
Language: German
Archive No.: V60143
ISBN (E-book): 978-3-638-53895-4
ISBN (Book): 978-3-638-76654-8
File size: 194 KB

Abstract

Diese Hausarbeit versucht, die genannten Fragen zu klären. Mein Augenmerk werde ich vor allem auf die Geschlechterdarstellung im Käthchen legen, denn diese scheint mir besonders interessant und ein zentrales Thema zu sein. Vor allem werde ich mich auf die Dreieckskonstellation Käthchen- Wetter von Strahl- Kunigunde konzentrieren und untersuchen, wie diese drei Figuren zueinander stehen, wobei im Mittelpunkt Friedrich Graf Wetter von Strahl stehen soll, da die Figuren Käthchen und Kunigunde hauptsächlich auf diesen Bezug nehmen. Zu erarbeiten wird sein, wie Kleist das Frauen- und Männerbild in seinem Stück gestaltet und was die beiden Extreme der Frauengestalten zu bedeuten haben.


Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg- Universität Mainz, Deutsches Institut
Seminar: Heinrich von Kleist
WS 2003/ 2004, 5. Semester

Die Geschlechterbeziehungen im „Käthchen von Heilbronn“

von: Karoline Lazaj

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung S. 3

2. Käthchen- Wetter von Strahl- Kunigunde

2. 1. Käthchen S. 4
2. 2. Wetter von Strahl S. 7
2. 3. Kunigunde S.14

3. Schluss S.18

4. Bibliographie S.21


 

 

1. Einleitung

Das „Käthchen von Heilbronn“ ist wohl das meist diskutierte Theaterstück von Kleist. Nicht nur zu Lebzeiten Kleists, sondern auch im darauffolgenden Jahrhundert wurde dieses Stück aus verschiedenen Perspektiven zu interpretieren versucht. Schon allein durch die Form und die Auswahl der Gattung hat Kleist für einige Verwirrung gesorgt. Versucht man nämlich, dieses Stück in eine bestimmte Gattung „einzuzwängen“- wie z.b. zur Gattung des „historischen Ritterschauspiels“ (wie Kleist sein Stück auch betitelt hat, was schon allein dadurch zu verwerfen wäre) oder auch, gerade durch seine mystischen Elemente, in die Gattung des Märchens- so merkt man schnell, dass sich Kleist nicht konsequent an eine bestimmte Gattung hält. Mit unter der größte Irrtum war die Zuordnung des Käthchens in die Gattung der Romantik, indem man auf den berühmten Monolog des Grafen von Strahl verwies.

Analysiert man das Kleistsche Stück jedoch genauer, so fällt einem die eklatante Stilmischung auf: Neben romantischen sowie mystischen Elementen bedient sich Kleist auch der Ironie und verleiht dem Stück dadurch komödienhafte Züge. So könnte man zu der Schlussfolgerung gelangen, dass es Kleist nicht besonders auf die Struktur des Stückes ankam- denn dieses ist nach genauerer Betrachtung eine wilde Mischung aus verschiedenen Versatzstücken, deren Kleist sich, beeinflusst durch seine Zeitgenossen wie beispielsweise Adam Müller, bediente- sondern auf den Inhalt und der „Message“, die er seinen Zeitgenossen, aber auch späteren Generationen, auf den Weg geben wollte. Was ist also der Antrieb bzw. die Intention, die hinter dem Kleistschen Drama steckt? Welcher Inhalt ist herauszufiltern, um dieses stark diskutierte Stück in seiner Absicht zu verstehen? Oder hatte Kleist mit diesem Stück vielleicht gar keinen „Zweck“ oder Absicht verfolgt?

Diese Hausarbeit versucht, die genannten Fragen zu klären. Mein Augenmerk werde ich vor allem auf die Geschlechterdarstellung im Käthchen legen, denn diese scheint mir besonders interessant und ein zentrales Thema zu sein. Vor allem werde ich mich auf die Dreieckskonstellation Käthchen- Wetter von Strahl- Kunigunde konzentrieren und untersuchen, wie diese drei Figuren zueinander stehen, wobei im Mittelpunkt Friedrich Graf Wetter von Strahl stehen soll, da die Figuren Käthchen und Kunigunde hauptsächlich auf diesen Bezug nehmen. Zu erarbeiten wird sein, wie Kleist das Frauen- und Männerbild in seinem Stück gestaltet und was die beiden Extreme der Frauengestalten zu bedeuten haben.

2. Käthchen – Wetter von Strahl- Kunigunde

2.1. Käthchen

Käthchen ist wohl die geradlinigste Figur in diesem Drama, obwohl dies anfangs anders erscheint. Im ersten Akt wird sie dem Publikum indirekt vorgestellt, als Theobald vor dem Fehmgericht seine Klage vorbringt. Hier wird Käthchen als unschuldiges, reines, schon fast naives Wesen beschrieben:

“.....Ein Wesen von zarterer, frommerer und lieberer Art müsst ihr euch nicht denken, und kämt ihr, auf Flügeln der Einbildung, zu den lieben, kleinen Engeln, die, mit hellen Augen, aus den Wolken, unter Gottes Händen und Füßen hervorgucken....“1

Nicht nur ihr Vater vergleicht Käthchen mit Engeln, sondern auch die Einwohner der Stadt sehen sie als Verkörperung von Reinheit und Unschuld an. Selbst die Ritter, die durch die Stadt ziehen, sind von Käthchen fasziniert, können aber nicht um sie freien aufgrund ihrer bürgerlichen Herkunft. Käthchen selbst verkörpert bis zu ihrem Zusammentreffen mit dem Grafen von Strahl alle Tugenden, die von einer Frau bzw. einem Mädchen erwartet werden: sie ist gütig, liebenswürdig und den Männern um sie herum- vor allem ihrem Vater- treu ergeben. So ist es für sie selbstverständlich, dass sie in den Vorschlag ihres Vaters, einen jungen Landmann namens Gottfried Friedeborn zu ehelichen (welcher auf dem rationalen Kalkül basiert, Käthchens Landgut zu erweitern), ohne jegliche Bedenken einwilligt. Obwohl sie finanziell unabhängig ist, ist ihr Vater unanfechtbare Autorität. So passt sie ideal in das gesellschaftliche Frauenbild und unterwirft sich den gesellschaftlichen Normen. Demnach ist es nicht verwunderlich, dass das Verhalten Käthchens nach dem Zusammentreffen mit Strahl für Theobald absolut unerklärlich ist, so dass er sogar behauptet, der Ritter Strahl habe das Käthchen „verhext“. Denn nach dieser Begegnung ist Käthchen nicht mehr wiederzuerkennen. Als sie den Grafen in der Werkstatt ihres Vaters antrifft, erkennt sie ihn als den ihr im Traum prophezeiten Ritter wider. Dabei erfolgt diese Erkenntnis unbewusst, so dass ihre Liebe und Gefolgschaft zu ihm ihr selber unerklärlich ist. Sie weiss zwar, dass sie und Strahl zusammengehören, doch die eigentliche Ursache diese Wissens- dass er ihr im Traum erschienen ist- ist ihr nicht bekannt.

Käthchen ist nach der Begegnung mit Strahl nicht mehr Herr ihrer Sinne, so dass sie sich, als sie ihn davon reiten sieht, aus dem Fenster stürzt und sechs Wochen im Krankenbett liegt. Diese Situation ist vielfach zu interpretieren versucht worden, denn man stellt sich die Frage, wieso Käthchen sich aus dem Fenster stürzt, anstatt die Treppe zu nehmen. Ein interessanter- schon mehrfach erwähnter- Zugang zu der Lösung ist vielleicht in Kleists Abhandlung „Über das Marionettentheater“ zu finden. Nach der Kleistschen Definition bestimmt sich eine Marionette folgendermaßen:

[...]


1 Sembdner, Helmut (Hg.): Heinrich von Kleist. Sämtliche Werke und Briefe. Dtv: München März 2001. S. 433/ Z. 70ff.


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