"Sea of Love" und "Basic Instinct" - Hollywood im Gender Trouble close

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Details

Institution/Hochschule: Universität Hamburg
Tags: Love, Basic, Instinct, Hollywood, Gender, Trouble
Kategorie: Bachelorarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 32
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 14  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 259 KB
Archivnummer: V60165
ISBN (E-Book): 978-3-638-53911-1
ISBN (Buch): 978-3-638-70958-3

Zusammenfassung / Abstract

„Sea of Love“ (1989) und „Basic Instinct“ (1992) - zwei Filme mit verblüffend ähnlicher Handlung, in der sich Kriminal- und Liebesgeschichte verflechten und die vor einem ähnlichen gesellschaftspolitischen Hintergrund entstanden. Die verschiedenen Elemente dieser Filme führen zu folgenden Fragestellungen: 1. Was bedeutet es, dass in zwei Hollywood-Mainstream-Filmen Frauen aktiv im Mittelpunkt stehen und die Rolle des „Schurken“ übernehmen? 2. Ist das Entstehen solcher Filme eine positive Reaktion auf den Feminismus zu verstehen, oder sind diese Filme in Anlehnung an Susan Faludi in einem antifeministischen Zusammenhang zu sehen? 3. Gibt es Unterschiede zwischen den beiden Filmen im Hinblick auf die Darstellung der Geschlechter? Und lassen diese Rückschlüsse auf Stellenwert und Bewertung feministischer Ideen zu? Hierzu werden folgende Punkte untersucht: § Wie werden in diesen Filmen Geschlechterverhältnisse repräsentiert? § Was sagt die Inszenierung von Männlichkeit, Weiblichkeit, Hetero- und Homosexualität in diesen Filmen aus? § Wie sind diese Aussagen vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung in den USA der 80/90er Jahre zu bewerten? Meine Vorannahme ist, dass zwischen 1989 und 1992 eine Entwicklung im Hinblick auf die Geschlechterverhältnisse in den USA stattgefunden hat, die sich im Umgang der beiden Filme mit dem gleichen Thema wiederspiegelt: Sowohl „Sea of Love“ als auch „Basic Instinct“ zeigen selbstsichere Frauen, die einem sich in einer Identitätskrise befindenden Mann gegenüber gestellt werden. Der Ausgang der Filme ist allerdings unterschiedlich: in „Sea of Love“ steht am Ende die Familie, Basic Instinct endet offen. Um die Filme einem gemeinsamen Genre zuordnen zu können, werde ich einen kurzen Exkurs zu Film Noir und Neo-Noir unternehmen, um Parallelen sowohl zwischen den beiden Filmen als auch zu ihren „Vorgängern“ aus den 40er Jahren aufzuzeigen, die in Bezug auf die Genderdiskussion relevant sind. Im Anschluss daran werde ich näher auf die Figuren eingehen. Bei dieser Analyse werde ich jeweils apparative, narrative und ikonographische Aspekte berücksichtigen. Schließlich werden die Figurenkonstellationen der beiden Filme miteinander verglichen und deren signifikante Unterschiede aufgezeigt, um im nächsten Kapitel die dort gewonnenen Erkenntnisse in Bezug zu den eingangs gestellten Fragen zu setzen.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Hamburg

"Sea of Love" und "Basic Instinct" - Hollywood im Gender Trouble

Cornelia Charlotte Reuscher

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung ... 3

1.1. Theoretische Grundlagen

2. Die Filme ... 8

3. Hintergrund ... 10

3.1. Die USA von 1985 – 1990 ... 12
3.2. Film Noir und Neo-Noir ... 14

4. Die Figuren in „Basic Instinct“ und „Sea of Love“: ... 15

4.1. Sea of Love: Helen und Frank ... 16
4.1.1. Die Nebenfiguren ... 20
4.2. Basic Instinct: Catherine und Nick ... 21
4.2.1. Die Nebenfiguren ... 24

5. Vergleich der Filme: Die Krise der Männlichkeit und die Reaktion(en) der Frauen ... 26

6. Resümee ... 29

7. Literatur ... 31

8. Abbildungen

 

 

1. Einleitung

„Sea of Love“ (1989) und „Basic Instinct“ (1992) - zwei Filme, die zu ihrem Entstehungszeitpunkt sehr populär waren und ihren Produzenten viel Geld in die Kassen spülten. Zwei Hollywooddramen, die gekonnt eine Kriminalgeschichte mit einer Liebesgeschichte verwoben und es so verstanden, den/die ZuschauerIn zu fesseln. Zwei Filme, die scheinbar auch der gleichen Thematik folgen: Eine Serie von Morden an Männern, eine attraktive Hauptverdächtige, der der ermittelnde Beamte nach und nach verfällt, ein überraschendes Ende. Das Ganze gekonnt und actionreich in den amerikanischen Metropolen New York und San Francisco inszeniert, die gleichsam durch ihre Schönheit sowie ihre Verruchtheit faszinieren und abstoßen. Zudem sind es zwei „moderne“, dem damaligen Zeitgeist entsprechende Filme, in denen es um starke Frauen zu gehen scheint. Vor allem Basic Instinct war bereits vor Erscheinen des öfteren in den Schlagzeilen, unter anderem weil es Proteste gegen die freizügige Darstellung von Sex gab. Die Fragen, die sich mir stellten und dann auch zu dieser Untersuchung führten, waren:

  1. Was bedeutet es, dass hier in zwei Hollywood-Mainstream-Filmen auf einmal die Frauen so aktiv im Mittelpunkt stehen und auf den ersten Blick die Rolle des „Schurken“ übernehmen?
  2. Ist das Entstehen solcher Filme eine positive Reaktion auf den Feminismus in dem Sinne, dass nun auch Frauen einmal die aktive und aggressive (auch sexuell) Rolle übernehmen und die Handlung dominieren dürfen, oder sind diese Filme eher im Zusammenhang mit dem von Susan Faludi1 dargestellten „Backlash“ in einem antifeministischen Zusammenhang zu sehen?
  3. Gibt es Unterschiede zwischen den beiden Filmen im Hinblick auf die Darstellung der Geschlechter? Und lassen diese möglicherweise Rückschlüsse auf den Stellenwert und die Bewertung feministischer Ideen in der Entstehungszeit der Filme zu?

Um diese Fragen näher zu beleuchten, werde ich in dieser Arbeit folgende Punkte untersuchen:

  • Wie werden in diesen Filmen Geschlechterverhältnisse repräsentiert?
  • Was sagt die Inszenierung von Männlichkeit, Weiblichkeit, Hetero- und Homosexualität in diesen Filmen aus?
  • Wie sind diese Aussagen vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung in den USA der 80/90er Jahre zu bewerten?

Meine Vorannahme ist, dass zwischen den Erscheinungsjahren 1989 und 1992 eine gesellschaftliche Entwicklung im Hinblick auf die Geschlechterverhältnisse in den USA stattgefunden hat, die sich im Umgang der beiden Filme mit dem gleichen Thema wiederspiegelt: Sowohl „Sea of Love“ als auch „Basic Instinct“ zeigen stark und unabhängig wirkende Frauen, die einem sich in einer Identitätskrise befindenden Mann gegenüber gestellt werden. In „Sea of Love“ endet die Narration damit, dass eine Zukunft angedeutet wird, in der Mann und Frau mit dem Kind der Frau als Familie zusammenleben. Basic Instinct dagegen endet offen: Zwar hat sich der Mordverdacht nicht bestätigt und Frau und Mann bleiben ein Paar, die Aussicht auf eine gemeinsame Zukunft wird allerdings in Frage gestellt. Daher werde ich in Kapitel 3 die sozialpolitische Lage in den USA im Entstehungszeitraum der beiden Filme skizzieren.

Um die Filme einem gemeinsamen Genre, das über „Kriminalfilm“ hinausgeht zuordnen zu können, werde ich dann einen kurzen Exkurs zu Film Noir und Neo-Noir unternehmen, um dadurch einige Parallelen sowohl zwischen den beiden Filmen als auch zu ihren „Vorgängern“ aus den 40er Jahren aufzuzeigen, die in Bezug auf die Genderdiskussion2 relevant sind.

Im Anschluss daran werde ich näher auf die Figuren eingehen. Bei dieser Analyse werde ich jeweils drei Gesichtspunkte berücksichtigen:

  • Die apparative Analyse beschäftigt sich zum einen mit dem generellen technischen Aufbau der Filme, zum anderen mit der (von der Kamera inszenierten) Perspektive im Hinblick auf die Genderverhältnisse: aus wessen Perspektive wird das Geschehen gesehen? Wie werden Frauen und Männer inszeniert?
  • Die narrative Analyse wird Unterschiede in der Erzählweise der beiden Filme aufdecken und damit verdeutlichen, wie Gender und Handlungsmacht zusammenhängen.
  • Die Analyse der Ikonographie beschäftigt sich mir der Darstellung der Figuren und der Signifikanz des Körpers als Einschreibeort von Geschlecht.

Danach werde ich die Figurenkonstellationen der beiden Filme miteinander vergleichen und die signifikanten Unterschiede aufzeigen und im nächsten Kapitel die dort gewonnenen Erkenntnisse in Bezug zu den eingangs gestellten Fragen zu setzen.


1.1. Theoretische Grundlagen

 

[...]


1 Vgl. Faludi, Susan: Formen des Gegenschlags früher und heute. In: Faludi, Susan: Die Männer schlagen zurück. Reinbek: Rowohlt 1993. S. 86 – 122.
2 „Die Genderdiskussion“ bezieht sich weitestgehend auf das Werk von Judith Butler. In ihrem Buch „Das Unbehagen der Geschlechter“ (Vgl. Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt/Main 1991 (original: Gender Trouble, 1990) entlarvt sie die vorgeblich natürliche Beziehung von Geschlechtsidentität (sex) und Geschlechterrolle (gender) als soziale Konstruktion, als performatives Ergebnis sich wiederholender Handlungen. Sie stellt somit die scheinbar sicheren Kategorien von männlich und weiblich grundlegend in Frage. Darüber hinaus dekonstruiert sie in ihrem nachfolgenden Werk „Körper von Gewicht“ (Vgl. Butler, Judith: Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts. Berlin 1995.) „sex“ selbst: die körperlichen Geschlechtsmerkmale sind ebenfalls sozial konstruiert – die übliche binäre Ordnung ist alles andere als „natürlich“. Nach Butler wird also Geschlecht (sowohl gender als auch sex, Butler selbst benutzt nur noch das Wort gender) durch ständige Widerholung erst hergestellt, also performativ konstruiert. Bei dieser Performativität handelt es sich allerdings nicht um einen voluntaristischen Akt:

Performativität (kann) nicht außerhalb eines Prozesses der Wiederholbarkeit verstanden werden (...), außerhalb einer geregelten und restringierten Wiederholung von Normen. Und diese Wiederholbarkeit wird nicht von einem Subjekt performativ ausgeführt; diese Wiederholung ist das, was ein Subjekt ermöglicht und was die zeitliche Bedingtheit für das Subjekt konstituiert. Diese Wiederholbarkeit impliziert, dass die ‚performative Ausführung’ keine ‚vereinzelte Handlung’ oder ein vereinzeltes Vorkommnis ist, sondern eine ritualisierte Produktion, ein Ritual, das unter Zwang und durch Zwang wiederholt wird, unter der Macht und durch die Macht des Verbots oder des Tabus (...)(Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1991 (original: Gender Trouble, 1990), 133.)

Da sich diese Arbeit mit dem Thema Film beschäftigt, dem das performative Element per se inhärent
ist, wird es hier quasi exemplarisch vor allem an der Analyse der Ikonographie zu sehen sein, wie
durch Performativität Geschlecht konstruiert wird.

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