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Autor: M.A. Isabel Blumenroth
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Details
Institution/Hochschule: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (Historisches Institut - Lehrstuhl für die Geschichte der Frühen Neuzeit)
Tags: Wonderfull, Discovery, Witches, Merkmale, Ursprünge, Hexenverfolgungen, England, Frühen, Neuzeit, Geschichte, Hexenverfolgungen, Europa
Jahr: 2004
Seiten: 36
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 73 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 294 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-53936-4
Beleuchtet anhand eines Beispiels (Hexen von Lancaster)die Unterschiede des englischen zum kontinentalen Verfolgungsszenario (z.B. das spezifische Hexereikonzept und Rahmenbedingungen wie das Rechtssystem) mit dem Ziel, die relativ "milden" Auswirkungen der "Witchcraze" auf der Insel zu erklären. Im 2. Teil werden in der Forschung diskutierte theor. Grundlagen der Hexenverfolgungen in England untersucht (politische, religiöse und sozial-anthropologische Erklärungstheorien).
Textauszug (computergeneriert)
"The Wonderfull Discovery of Witches" - Merkmale und
Ursprünge der Hexenverfolgungen im
England der Frühen Neuzeit
von: Isabel Kutsch
INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG
TEIL 1: MERKMALE ENGLISCHER HEXENVERFOLGUNGEN
1) Die Unterschiede des englischen zum kontinentalen Verfolgungsszenarios
1.1) Das Hexereikonzept und seine Rezeption
1.2) Das Reglement des Foltergebrauchs und das englische Rechtssystem als hemmende Faktoren
TEIL 2: GRUNDLAGEN DER ENGLISCHEN HEXENVERFOLGUNGEN
2. Die auslösenden Faktoren der Verfolgungen: Wissenschaftliche Erklärungsmodelle
2.1) Die politische Erklärungstheorie
2.2) Die religiöse Erklärungstheorie
2.3) Die sozial-anthropologische Erklärungstheorie
Schlusswort
Bibliographie
Einleitung
Das ausgehende Mittelalter und die Frühe Neuzeit bildeten den zeitlichen Rahmen für eines der faszinierendsten und auch kontroversesten Phänomene der europäischen Geschichte: die Hexenverfolgungen.
Obgleich England aufgrund seines Inselcharakters in vielen Aspekten seiner Geschichte von jener der Kontinentalmächte abweicht, machte die Welle der sogenannten „Witchcrazes“ nicht vor dem Ärmelkanal halt. Dennoch lautet der Konsens der modernen Forschung, dass es sich auf der britischen Insel um eine Art gemäßigtem Sonderfall handelt, da mehrere Grundzüge der kontinentalen Verfolgungen1 hier nicht griffen, während andere wiederum – wenn auch oft mit geringer zeitlicher Verzögerung – wiederzufinden sind. In der neueren Forschung wurde diese zunächst sehr strenge Sicht Englands als ein absolut verfolgungsarmer Ausnahmefall immer weiter relativiert, so dass zu fragen bleibt, wie sich das Verfolgungs-Szenario der britischen Insel tatsächlich ausnahm.
Allein die temporären Verfolgungswellen treffen nicht direkt mit den stärksten kontinentalen Höhepunkten der Verfolgungen zusammen, sondern scheinen eher wie ein Echo dieser. England erlebte die Blüte der Verfolgungen in den 1640er bis 1690er Jahren, während der Regierung Elizabeths, und sah ihren ersten Rückgang bereits wenig später, mit einem anzusetzenden Endpunkt zur Zeit der letzten Hinrichtung im Jahre 1684 und dem letzten Hexereiprozess anno 1717. Insgesamt gehen wissenschaftliche Schätzungen der Todesopfer zwischen 1542 und 1736 (dem Jahr der Außerkraftsetzung der Hexerei- Statute James I.) von weniger als 1000 ausgeführten Todesurteilen aus.2 Diese Jahre sollen auch den Zeitrahmen für meine Ausführungen bieten.
Mehrere Rahmenbedingungen trugen zum außergewöhnlichen Status Englands innerhalb der Geschichte der Hexenverfolgungen bei. In dieser Arbeit wird es mein Ziel sein, diese darzustellen und einige der grundlegenden Erklärungsmodelle zu erläutern, die helfen sollen, das Phänomen der Hexenverfolgungen zu beleuchten3. Eine der bedauerlicherweise spärlich gesäten schriftlichen Quellen der englischen Hexenverfolgungen ist die Druckschrift des Gerichtsbeamten Thomas Potts, der im Jahre 1612 einen der spektakulärsten Prozesse der englischen Verfolgungsgeschichte, nämlich den Massenprozess der Pendle Forest Hexen, aus erster Hand aufzeichnete. Sein relativ kurzes Werk erschien im Jahre 1612 unter dem Namen The Wonderfull Discoverie of Witches in the Countie of Lancashire4 und stellt eines der wichtigsten Berichte eines englischen Hexenprozesses im 17. Jahrhundert dar. Wie die meisten Flugblätter und Druckschriften dieses Zeitrahmens versucht es die Zeugenaussagen, Voruntersuchungen, Geständnisse und Beweismittel der Prozesse möglichst genau wiederzugeben. Allerdings wird dabei nicht auf die Einordnung der Geschehnisse in einen moralischen Hintergrund verzichtet.5 Auch dies kann jedoch für den Historiker durchaus hilfreich sein. Im Falle von Potts‘ Werk können wir darüber hinaus von einer relativ unverzerrten Darstellung ausgehen, da es von einem der damaligen Richter Sir Edward Bromley redigiert und abgesegnet wurde6.
Der Prozess der Lancashire-Hexen ist in vieler Hinsicht ein gutes Beispiel für die dynamischen Grundzüge der englischen Hexenverfolgungen und des Hexereikonzeptes sowie dafür, wie man sich ihre Realität im frühneuzeitlichen Gerichtsprozess vorzustellen hat. Auf der anderen Seite hilft der Bericht, das englische Rechtssystem und den Prozessalltag zu erläutern. Er soll hier als vergleichende Primärquelle für die folgenden Ausführungen dienen.
1. Die Unterschiede des englischen zum kontinentalen Verfolgungsszenario
Für eine detaillierte Betrachtung der englischen Hexereiprozesse wie des Prozesses der Pendle Witches von Lancashire ist es unerlässlich, sich die Haupteigenarten und Rahmenbedingungen des englischen Verfolgungsszenarios vor Augen zu führen, da dieses zu einem großen Teil vom zeitgenössischen Hexereikonzept – ob theologisch oder sozial geprägt - abhängt. Schließlich bildet dieses Konzept die Grundlage für die Definition und das Vorgehen zur Auffindung vermeintlicher „Hexen“.7 Doch auch die juristische und rechtliche Seite der Geschehnisse darf nicht außer Acht gelassen werden. Aus diesem Grund wird im Folgenden nicht nur auf das auf der britischen Insel verbreitete Bild der Hexe und ihrer Machenschaften, sondern auch auf die dort gebräuchliche Verwendung der Folter sowie das englische Rechtssystem als hemmenden Faktor der Hexenverfolgungen eingegangen werden müssen.
1.1 Das Hexereikonzept und seine Rezeption
[...]
1 Es versteht sich von selbst, dass hier nicht suggeriert werden kann oder soll, die Verfolgungen hätten auf dem Festland überall dieselben Wesenszüge getragen. Vielmehr möchte ich den Oberbegriff kontinental in dieser Arbeit als einen Bezug zu den Zentren großer Massenverfolgungen wie den deutschsprachigen Raum der Schweiz und des Deutschen Reiches verstanden wissen.
2 Manche Schätzungen variieren von kaum 500 bis zu 1500 Opfern aus. So z. B. Wolfgang Behringer, Hexen. Glaube, Verfolgung, Vermarktung, München 2002, S. 66 (Im Folgenden: BEHRINGER, S. x), der allerdings die schottischen Massenverfolgungen in seine Berechnungen mit einbezieht. Auch die von Matthew Hopkins angefachten Prozesse können das Bild der Verfolgungswellen verzerren. Vgl. ebenso zu den generellen Statistiken der Hexenverfolgungen: Hugh Trevor-Roper, The European Witchcraze of the 16th and 17th Centuries, London 1978, S. 19, 89f (Im Folgenden: TREVOR-ROPER, S. x) und Marijke Gijswijt-Hofstra, Brian P. Levack and Roy Porter (Hg.), Witchcraft and Magic in Europe: the 18th and 19th centuries, London 1999, S. 78 (Im Folgenden: LEVACK Witchcraft, S. x) und Brian P. Levack, The Witch- Hunt in Early Modern Europe, London & New York 1987, S. 175, 182f (Im Folgenden: LEVACK, Witch-Hunt, S. x). Vgl. auch Geoffrey Scarre, Witchcraft and Magic in sixteenth- and seventeenth-century Europe, Basingstoke 1987, S. 23f (Im Folgenden: SCARRE, S. x) und James Sharpe, Instruments of Darkness. Witchcraft in England 1550-1750, London 1997, S. 125 (Im Folgenden: SHARPE Instruments, S. x) und Ders., Witchcraft in Early Modern England, Harlow 2001, S. 25 (Im Folgenden: SHARPE Witchcraft, S. x).
3 Hierbei werde ich das Problem der weißen Hexer, des sogenannten „cunning folk“ außer Acht lassen, da es als Sonderfall der Magie betrachtet werden muss und nicht mit dem noch zu erläuternden englischen Hexenkonzept Hand in Hand geht.
4 In dieser Arbeit verwendete Edition: Thomas Potts, The Trial of the Lancashire Witches, A.D. MDCXII, hg. mit einer Einleitung von G.B. Harrison, London 1929, Neudruck 1971 (Im Folgenden: POTTS, S. x).
5 Zu den Charakteristika der Pamphletliteratur Vgl. SHARPE Witchcraft, S. 20f.
6 Vgl. die Einleitung zu POTTS, S. xxiv und xli. Weitere Informationen zu Potts Druckschrift siehe SHARPE Instruments, S. 99f.
7 Vgl. TREVOR-ROPER, S. 14.
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