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Subtitle: Eine Analyse nach den Theorien von Michail Bachtin
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 31 Pages
Author: Florian Huber
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Stuttgart (Institut für Literaturwissenschaft)
Tags: Verwandlung, Familie, Samsa, Franz, Kafkas, Verwandlung, Eine, Analyse, Theorien, Michail, Bachtin, Haupseminar
Year: 2006
Pages: 31
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 25 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-54010-0
ISBN (Book): 978-3-640-20390-1
File size: 188 KB
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Abstract
„[...] die Geschichte ist ein wenig fürchterlich. Sie heißt „Verwandlung“. Sie würde dir tüchtig Angst machen [...]” Franz Kafka an Felice Bauer am 23.11.1912 1 Diese Zeilen schrieb Franz Kafka seiner späteren Verlobten Felice Bauer in einem Brief, kurz nach der Vollendung der „Verwandlung“ im November 1912.2 Die bekannte Erzählung erfüllt nicht nur Kafkas Vorliebe nach tierischen Protagonisten, sondern ist auch eines der meistgedeuteten Werke des Autors. Dies liegt wohl auch an den grotesken Zügen der Erzählung, welche schon die tierische Hauptfigur Gregor Samsa aufweist. Diese Groteske und ihre Darstellung werden Thema dieser Arbeit sein. Es soll dargestellt werden, dass sich der Titel „Die Verwandlung“ nicht nur auf Gregor Samsa bezieht, sondern dass innerhalb der Erzählung noch eine andere Verwandlung stattfindet. Denn nach der sichtbaren Verwandlung der Hauptfigur in ein „Ungeziefer“ geschieht eine langsame, äußerlich schwerer sichtbare Verwandlung der übrigen Familienmitglieder. Diese Metamorphose geschieht auf eine unheimliche Art und Weise und stellt sich dadurch innerhalb der Erzählung als grotesk dar3. In der hier vorliegenden Arbeit soll diese groteske Verwandlung der Familie analysiert, dargestellt und anhand der Theorien der Groteske nach Michail Bachtin belegt werden. Ich werde daher zunächst den Begriff der Groteske und die Theorien des Michail Bachtin darlegen, und versuchen, die hier relevanten und benötigten Thesen aufzulisten. Diese sollen dann, nach einer kurzen Einführung in den Primärtext „Die Verwandlung“, auf die drei übrigen Mitglieder der Familie Samsa angewandt werden. Dabei werde ich Vater, Mutter und die Schwester Grete jeweils getrennt behandeln und eventuelle gemeinsame Aspekte der Familie in gesonderten Abschnitten aufführen. Ziel dieser Arbeit soll es sein, zu belegen, dass sich auch innerhalb der Familie Samsa eine groteske Verwandlung abspielt. Diese zeigt zwar andere Eigenschaften und Auswirkungen, im Gegensatz zur Verwandlung Gregors, ist aber meiner Meinung nach ebenfalls grotesk, auch wenn sie sich nicht sofort als solche zu erkennen gibt. 1 Vgl.: Kafka, Franz: Die Verwandlung. Nachwort von Egon Schwarz. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2001. S. 65f. 2 Vgl.: Ebd. 3 Vgl.: Falk, Walter: Leid und Verwandlung: Rilke, Kafka, Trakl und der Epochenstil des Impressionismus und Expressionismus. Salzburg: Otto Müller Verlag, 1961. S. 101f.
Excerpt (computer-generated)
Universität Stuttgart, Institut für Literaturwissenschaften
Abt. für Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminar: Das Groteske
Wintersemester 2005/06
Die groteske Verwandlung der Familie Samsa in
Franz Kafkas "Die Verwandlung" Eine Analyse
nach den Theorien von Michail Bachtin
von: Florian Huber
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Konzept der Groteske
2.1 Der Begriff
2.2 Definitionen
3. Die Theorien der Groteske nach Michail Bachtin
3.1 Die groteske Gestalt des Leibes
3.2 Karneval und Karnevalisierung in der Literatur
4. Die Situation der Familie in der „Verwandlung“
4.1 Übersicht
4.2 Die bisherige Situation der Familie Samsa
5. Das Groteske in der Verwandlung der Familie Samsa
5.1 Die Familie als Ganzes
5.2 Der Vater
5.3 Die Mutte
5.4 Die Schwester Grete
5.5 Die Situation der Familie nach Gregors Tod
6. „Die Verwandlung“ als Darstellung der Groteske nach Bachtin
6.1 Darstellung der Theorie des grotesken Leibes
6.2 Darstellung der Karnevalisierung in der Literatur
7. Fazit
Literaturverzeichnis
1. Einleitung
„[...] die Geschichte ist ein wenig fürchterlich. Sie heißt „Verwandlung“. Sie würde dir tüchtig Angst machen [...]” Franz Kafka an Felice Bauer am 23.11.19121
Diese Zeilen schrieb Franz Kafka seiner späteren Verlobten Felice Bauer in einem Brief, kurz nach der Vollendung der „Verwandlung“ im November 1912.2 Die bekannte Erzählung erfüllt nicht nur Kafkas Vorliebe nach tierischen Protagonisten, sondern ist auch eines der meistgedeuteten Werke des Autors. Dies liegt wohl auch an den grotesken Zügen der Erzählung, welche schon die tierische Hauptfigur Gregor Samsa aufweist. Diese Groteske und ihre Darstellung werden Thema dieser Arbeit sein. Allerdings steht hier nicht die Hauptfigur Gregor im Vordergrund, sondern die Nebenfiguren der Erzählung, dessen Familie.
Es soll dargestellt werden, dass sich der Titel „Die Verwandlung“ nicht nur auf Gregor Samsa bezieht, sondern dass innerhalb der Erzählung noch eine andere Verwandlung stattfindet. Denn nach der sichtbaren Verwandlung der Hauptfigur in ein „Ungeziefer“ geschieht eine langsame, äußerlich schwerer sichtbare Verwandlung der übrigen Familienmitglieder. Diese Metamorphose geschieht auf eine unheimliche Art und Weise und stellt sich dadurch innerhalb der Erzählung als grotesk dar3. In der hier vorliegende Arbeit soll diese groteske Verwandlung der Familie analysiert, dargestellt und anhand der Theorien der Groteske nach Michail Bachtin belegt werden. Die Verwandlung Gregors wird dabei nur dann bearbeitet, wenn sie für diese Analyse relevant sein sollte.
Ich werde daher zunächst den Begriff der Groteske und die Theorien des Michail Bachtin darlegen, und versuchen, die hier relevanten und benötigten Thesen aufzulisten. Diese sollen dann, nach einer kurzen Einführung in den Primärtext „Die Verwandlung“, auf die drei übrigen Mitglieder der Familie Samsa angewandt werden. Dabei werde ich Vater, Mutter und die Schwester Grete jeweils getrennt behandeln und eventuelle gemeinsame Aspekte der Familie in gesonderten Abschnitten aufführen. Ziel dieser Arbeit soll es sein, zu belegen, dass sich auch innerhalb der Familie Samsa eine groteske Verwandlung abspielt. Diese zeigt zwar andere Eigenschaften und Auswirkungen, im Gegensatz zur Verwandlung Gregors, ist aber meiner Meinung nach ebenfalls grotesk, auch wenn sie sich nicht sofort als solche zu erkennen gibt. Dies liegt daran, dass, es sich bei der Verwandlung dieser Figuren um eine Verwandlung im Inneren handelt. Ihre Auswirkungen müssen also in Verhalten und Auftreten gesucht werden. Dies ist der markante Unterschied zu der Gregors. Dass sie aber ebenfalls von tierischen Elementen geprägt und dadurch eine groteske Form inne hat, soll die folgende Analyse näher erläutern. Auch daher werde ich speziell auf die einzelnen Charaktere eingehen. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass nicht alles Tierische auch gleichzeitig grotesk ist. Wäre dies so, müsste. jedes Märchen als grotesk gelten. Diese Bezeichnung bezieht sich daher ausschließlich auf den Inhalt dieser Arbeit und die darin vorkommenden tierischen Elemente.
2. Das Konzept der Groteske
2.1. Der Begriff
Beim Titel dieser Arbeit stellt sich bei diesem Punkt wohl sofort die Frage, warum der zentrale Begriff noch allgemein definiert werden muss. Dies halte ich jedoch aufgrund folgender Gesichtspunkte für nötig: Die Verwandlung der Familie ist im Gegensatz zu jener, die Gregor durchleidet, äußerlich nur schwer erkennbar. Die Familie mutiert nicht zu Tieren oder ähnlichem. Ihre Verwandlung verläuft innerlich, also innerhalb des Charakters und des Verhaltens. Daher muss klar definiert sein, welche Handlungen und Merkmale unter dem Begriff der Groteske einzuordnen sind. Ein riesiger Käfer fällt hier nach gewisser Zeit durch sein Verhalten als grotesk auf, groteskes Verhalten aber weniger.
Daher soll und muss nun der Begriff näher betrachtet werden. Zwar ist dieses Wort im alltäglichen Gespräch durchaus üblich, aber in seiner eigentlichen Bedeutung doch nicht immer eindeutig definiert. Deshalb möchte ich es zunächst anhand unseres alltäglichen Sprachgebrauchs erläutern:
Als grotesk erscheint uns alles, was sich nicht mit unserem normalen und vernünftigen Weltbild vereinbaren lässt. Dieses Seltsame ist etwas, das gleichzeitig grauenerregend, aber auch komisch sein kann. Und genau dieser Zwiespalt ist es, der die Ambivalenz der Groteske ausmacht.4 Wir kennen dies aus Filmen und der Kunst, aber auch aus der Literatur. Zwar gibt es viele Worte, die dem Grotesken sehr nahe kommen, diesen Zustand aber nie vollständig erreichen.5 Der umgangssprachliche Begriff kann also nur schwer genau dargelegt, bzw. in theoretische Regeln gepresst werden. In der Literaturwissenschaft hingegen ist die Herkunft und die Verwendung des Begriffs klar definiert:
[...]
1 Vgl.: Kafka, Franz: Die Verwandlung. Nachwort von Egon Schwarz. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2001. S. 65f.
2 Vgl.: Ebd.
3 Vgl.: Falk, Walter: Leid und Verwandlung: Rilke, Kafka, Trakl und der Epochenstil des Impressionismus und Expressionismus. Salzburg: Otto Müller Verlag, 1961. S. 101f.
4 Vgl.: Bachtin, Michail M.: Literatur und Karneval. Zur Romantheorie und Lachkultur. Aus dem Russischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Alexander Kaempfe. Frankfurt/ Main: Fischer, 1990. S. 15.
5 Vgl.: McElrog, Bernad: Fiction of the Modern Grotesque. London: Macmillian, 1989. S. 2f.
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