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Der Personenbegriff in der Praktischen Philosophie

Intermediate Examination Paper, 2006, 19 Pages
Author: Patricia Detto
Subject: Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)

Details

Category: Intermediate Examination Paper
Year: 2006
Pages: 19
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V60341
ISBN (E-book): 978-3-638-54044-5
ISBN (Book): 978-3-638-75281-7
File size: 204 KB

Abstract

„Person“ ist ein Schlüsselbegriff, denn an ihm entscheiden sich viele Fragen der Philosophie, der Gesellschaft, der Politik und auch der Medien, zum Beispiel um solche Fragen zu beantworten, ob man an Embryonen forschen darf oder ob aktive Sterbehilfe erlaubt ist. Es geht immer um Menschen, aber ab wann oder bis zu welchem Zeitpunkt sind es Personen? Um diese Frage soll es in dieser Arbeit gehen. Ich möchte zunächst auf die Geschichte des Begriffs Person eingehen, dann kurz den Personenbegriff in der Praktischen Philosophie vorstellen und einen Aufsatz von Klaus Steigleder vorstellen zur Debatte in der Medizinethik zur Unterscheidung zwischen Menschen und Personen. Und dann am Beispiel des Kapitels über den Tod von Michael Quante seinen Personenbegriff und seine Definition des Lebensendes aufzeigen. Und im folgenden eine konträre Meinung zu Quante von Ralf Stoecker darlegen.


Excerpt (computer-generated)

Der Personenbegriff in der Praktischen Philosophie

von: Patricia Detto

5. Semester

 


Gliederung

1. Einleitung 3

2. Geschichte des Personenbegriffs 4

3. Der Personenbegriff in der Praktischen Philosophie 5

4. Die Unterscheidung zwischen Menschen und Personen. Zur Debatte in der Medizinethik von Klaus Stegleder 7

5. Michael Quante 10

5.1. Verwendung des Begriffs Person bei Quante 10
5.2. Vorüberlegungen 11
5.3. Der Zeitpunkt des Todes bei Quante 12

6. Ralf Stoecker 14

6.1. Verwendung des Begriffs Person bei Stoecker 14
6.2. „An den Grenzen des Todes - ein Plädoyer für die moralphilosophische Überwindung der Hirntod-Debatte.“ 15

7. Konklusion 17

8. Literaturverzeichnis 19
 

 


 

1. Einleitung

„Person“ ist ein Schlüsselbegriff, denn an ihm entscheiden sich viele Fragen der Philosophie, der Gesellschaft, der Politik und auch der Medien, zum Beispiel um solche Fragen zu beantworten, ob man an Embryonen forschen darf oder ob aktive Sterbehilfe erlaubt ist. Es geht immer um Menschen, aber ab wann oder bis zu welchem Zeitpunkt sind es Personen? Um diese Frage soll es in dieser Arbeit gehen. Ich möchte zunächst auf die Geschichte des Begriffs Person eingehen, dann kurz den Personenbegriff in der Praktischen Philosophie vorstellen und einen Aufsatz von Klaus Steigleder vorstellen zur Debatte in der Medizinethik zur Unterscheidung zwischen Menschen und Personen. Und dann am Beispiel des Kapitels über den Tod von Michael Quante seinen Personenbegriff und seine Definition des Lebensendes aufzeigen. Und im folgenden eine konträre Meinung zu Quante von Ralf Stoecker darlegen.

Aber betrachten wir erst einmal die beiden verschiedenen Verwendungen von „Person“ in der Ethik und in der Alltagssprache. In der Ethik gibt es drei grundlegende Anwendungen. Einmal gilt das a priori Element die Individualität, also gilt der Mensch als Person ab dem Beginn des biologischen Lebens. Eine zweite setzt die Vernunftfähigkeit voraus, um als Person zu gelten. Und die dritte vertritt die Auffassung, wer nicht seine Rechte einfordern kann, ist auch nicht mehr (voll) Person, also wird der Begriff Person an empirische Fähigkeiten gekoppelt. In der Ethikdiskussion ist die Bezeichnung eines Menschen als Person eine Merkmalszuschreibung als Träger der Würde (ens morale).

Person wird in der Alltagssprache sehr selten verwendet und nicht wie es in der Ethik üblich ist, sondern der Begriff dient lediglich, als Funktion einen Menschen zu bezeichnen. Auch in der Alltagssprache verwenden wir 4 verschiedene Definitionen des Begriffs. In der ersten möchten wir es vermeiden, den richtigen Namen des Menschen auszusprechen und dadurch Distanz der Person zum Gesprächspartner schaffen, beispielsweise „eine in unserer Stadt wohlbekannt Person“. In der zweiten Definition geht es darum, Distanz desjenigen gegenüber der Person herzustellen, z.B. „eine unmögliche Person“. In der dritten Variante bedeutet Person „Einzelner“, z.B. „35 Personen“, denn es ist unmöglich sie mit Stück zu nummerieren, das wäre die falsche Kategorisierung. In der letzten und vierten Alltagsdefinition des Begriff Person, wird er verwendet in konfliktbeladenen Situationen zur Unterscheidung von Sachen und Personen, um Distanz zwischen der Sache und der Person zu erreichen, beispielsweise „Er nimmt alles gleich persönlich. Er kann einfach nicht unterscheiden zwischen seiner Person und der Sache.“1

Somit kommt eine Untervertretung des Begriffs Person im Alltag zum Vorschein und eine Übervertretung in der Ethik, jedoch beide Male ist die Philosophiegeschichte wenig bis gar nicht präsent.

2. Geschichte des Personenbegriffs

Person ist seit der Antike in der abendländischen Kultur ein Grundbegriff, folglich kann man nur ihn nur in exemplarische und selektiver Form chronologisch verfolgen. Erschwerend kommt hinzu, „daß wir in den letzten Jahrzehnten,..., eine Hochkonjunktur einer ´Philosophie der Person´ erleben.“2 Momentane Abhandlungen sind meist historisch geprägt und werden auf die aktuellen Probleme bezogen.

In der stoischen Kultur sehen wir den Beginn unseres heutigen nichtdualistischen Personenbegriffs, womit gemeint ist, dass Körper und Seele nicht zwei voneinander isolierte Dinge sind, geprägt durch Cicero und Epiktet. Die „Freiheit zur Selbstgestaltung einer Persönlichkeit im individuellen Lebensvollzug,..., zeichnet in der Stoa den Menschen als eine Person aus.“3 Die frühchristliche Theorie nahm die von den Stoa auf und wandelte sie aber in eine dualistische Vorstellung, bei der Körper und Seele voneinander getrennt sind. In der Philosophie des Mittelalters definiert sich der Personenbegriff durch ein individuelles Dasein in Beziehung zu einem „überzwischenmenschlichen“ Gott mit großem Augenmerk auf den Trinitätsmythos. Die einflussreichste Definition stammt von Boethius aus seinem Werk „Contra Eutychen et Nestorium“, in dem er die beiden zentralen Bestandteile des Personenbegriffs nennt: Vernunftbegabtheit und Individualität, demnach „kann ´persona´ nur vernunftbegabten Lebewesen zukommen, und zwar als Individuen.“4 Ab dem 13 Jahrhundert setzt sich die Auffassung des Richards von St. Viktor durch: “Person wird die individuelle oder unmittelbare, nicht vervielfältigbare Existenz einer intellektuellen Natur genannt.“5 Danach wird die Person der Träger von moralischer Würde und somit von ens existens zu ens morale in der moralphilosophisch motivierten Metaphysik durch Alexander von Helas. In der Neuzeit ist der epochenmachende Personenbegriff der John Lockes. Er besagt, dass zum Begriff Person nicht der Körper gehört, wohl aber das Bewusstsein der eigenen Handlungen und damit auch die Verantwortlichkeit für sie. Die Theorie Lockes trifft auch auf viele Kritiker unter anderem von Gottfried Wilhelm Leibniz, der zunächst zustimmt, dass Person das selbstbewusste Ich ist, aber er fügt noch das Bewusstsein der Anderen hinzu, um eine Identität der Person zu sicher. Auf Grundlage dieser neuen Theorien kommt es zu einer weiteren Entwicklung des Personenbegriffs bei Kant, Fichte und Hegel. Nach Kant sind die notwendigen bedingungen Person zu sein, einmal das Bewusstsein seiner Selbst und die Möglichkeit, von der eigenen Identität durch die Zeit zu wissen. Hinreichend ist erst für Kant, sich selbst Gesetze aus reiner praktischer Vernunft zu geben also Autonomie.

[...]


1 Beispiele aus „Person; Philosophische Texte von der Antike bis zur Gegenwart“ Reclam 1999, S. 12-15

2 Dieter Sturma(Hrsg.); Georg Mohr „Einleitung: Der Personenbegriff in der Geschichte der Philosophie.“ S.25

3 Dieter Sturma(Hrsg.); Georg Mohr „Einleitung: Der Personenbegriff in der Geschichte der Philosophie.“ S.27

4 Martin Brasser(Hrsg.) „Person; Philosophische Texte von der Antike bis zur Gegenwart“ Reclam 1999, S.47

5 Dieter Sturma(Hrsg.); Georg Mohr „Einleitung: Der Personenbegriff in der Geschichte der Philosophie.“ S.28


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