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Intermediate Examination Paper, 2004, 25 Pages
Author: Nadja Giese
Subject: Politics - Miscellaneous
Details
Tags: Frau, Islam, Genderfrage, Fatima, Mernissi
Year: 2004
Pages: 25
Grade: 2,4
Bibliography: ~ 6 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-54092-6
File size: 220 KB
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Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Berlin, Fakultät I: Geisteswissenschaften
Fachbereich: Politikwissenschaft/Sozialkunde
Zwischenprüfung Sozialkunde
Frau im Islam - Die Genderfrage der Fatima Mernissi
von: Nadja Giese
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 3
2. BIOGRAPHISCHES 4
3. DER EMANZIPATIONSPROZESS 6
4. DER HAREM 7
5. DIE GRUNDPFEILER DER RELIGION 9
6. DIE GESETZESGRUNDLAGEN HADITHE 10
7. DAS FRAUENBILD 13
7.1. GESCHLECHTERTRENNUNG 14
7.2. DER SCHLEIER 14
7.3. URSACHEN DER DISKRIMINIERUNG 15
8. FAMILIENRECHT 16
8.1. POLYGAMIE 16
8.2. DIE VERSTOßUNG 17
8.3. SCHEIDUNG 17
8.4. ERZIEHUNG 18
9. BILDUNG 19
10. DEMOKRATIE UND FRAUENRECHT 20
11. LÖSUNGSMÖGLICHKEITEN 21
12. AKTUELL – FRAUENRECHT VON KÖNIGS GNADEN 22
13. FAZIT 24
14. LITERATURVERZEICHNIS 25
1. Einleitung
„Ich würde ihnen von dem Unmöglichen erzählen, von einer neuen arabischen Welt, in der Männer und Frauen einander in die Arme schließen und tanzen können, ohne Grenzen zwischen sich und ohne Ängste. Ich werde ihnen helfen, sich in einer Welt zurechtzufinden, in der das andere keinen Schleier braucht, in der sich die Frauen natürlich bewegen können und ihre Wünsche keine Ängste hervorrufen. Es könnte eine Welt geben, in der sich die Menschen ohne Ängste bewegen. Einfach so, ohne den bedrückenden Wunsch nach Schleiern und Grenzen zu empfinden“.1 Die Leidenschaft zu schreiben, wie man dem Zitat entnehmen kann, hat Fatima Mernissi schon als Kind verspürt, doch erst als erwachsene Frau hat sie gelernt sich gegen die gesellschaftlichen Unterdrückungsmechanismen mit ihrem intellektuellen Engagement zur Wehr zu setzen.2 Ihr soziologisches Forschungsinteresse lässt sich auf ein starkes persönliches Interesse zurückführen, denn aufgewachsen in einer bourgeoisen Familie in einem Harem kannte sie die Wünsche und Sehnsüchte der Frauen, die im Harem eingesperrt waren. Schon in jungen Jahren erkannte sie, dass man dieses Unrecht nicht einfach hinnehmen sollte, sondern die Ursachen erforschen und dagegen kämpfen sollte. Geprägt wurde Fatima Mernissi durch die westlichen Bildungswerte- und ideale und den Kontakten mit der Studentenszene Europas und der USA während ihres mehrjährigen Auslandsaufenthaltes in der Mitte der 60er Jahre. Die Ideen und die Ideale des europäischen Humanismus, der Aufklärung (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) beeinflussten sie maßgeblich.3 Fatima Mernissi ist es gelungen aus der Bourgeoisie Marokkos, einer durch Religion und Kultur traditionell prädestinierten Frauenrolle zu entkommen.4 Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht die Ursachen der Frauenfeindlichkeit zu erforschen und sich für die Verbesserung der sozialen, ökonomischen und juristischen Realität der marokkanischen Frauen einzusetzen. Sie hat zahlreiche Bücher zu diesem Thema verfasst, die zum Beispiel die göttlich legitimierte Ordnung hinterfragen, die muslimische Historie erforschen und die marokkanische Realität darstellen.
2. Biographisches
Fatima Mernissi wurde 1940 in Fès in einem Harem geboren. Fès ist eine marokkanische Stadt, welche im 9. Jahrhundert gegründet wurde und liegt ungefähr fünftausend Kilometer westlich von Mekka und tausend Kilometer von Madrid entfernt. Fatima Mernissi wurde nicht, wie sonst üblich, in den eigenen vier Wänden unterrichtet, sondern besuchte seit Mitte der 40er Jahre eine Elementar- Koranschule für Mädchen und Jungen. Anschließend wechselte sie auf eine freie Schule und besuchte dann das muslimische Kolleg. Das war 1956 im Jahr der Unabhängigkeit Marokkos; Fatima Mernissi war zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt. Ihren Abschluss, der ihr den Zugang zur 1956 gegründeten ersten modernen marokkanischen Hochschule ermöglichte, machte sie auf einem französischen Lycée.5
Fatima Mernissi’s Schul- und Ausbildungsweg fiel in eine Zeit, in der es zu bildungspolitischen Veränderungen des traditionell marokkanischen Bildungswesens. Das traditionelle islamische Bildungswesen wird im Kapitel „Bildung“ näher erläutert. Die Marokkaner waren in zunehmenden Maße der Überzeugung, dass sie sich von der Fremdherrschaft befreien könnten, wenn sie ihr Bildungswesen reformierten und kleine Schritte in Richtung westliches Wissen einleiteten, sei es in den militärischen, technischen, administrativen oder geisteswissenschaftlichen Bereichen. Die muslimischen Kollegs ermöglichten den marokkanischen Schülern, Jungen und Mädchen, den Zugang zum französischen Abitur und somit den Weg zum Erwerb der allgemeinen Hochschulreife auf dem Gymnasium und dadurch den Eintritt in die Hochschule. Fatima Mernissi profitierte von dieser Veränderung.6
Sie begann mit einem Studium der Soziologie in Rabat. Ein einjähriger Englandaufenthalt als Aupair-Mädchen folgte. Nachdem sie ihr Studium zwischendurch unterbrach, ging sie 1966 nach Paris um an der Sorbonne ihr Studium der Soziologie fortzuführen. Dort gelangte sie in die unruhige politische Szene der aufkeimenden Studentenbewegungen, die 1968 ihren Höhepunkt erreichten. Mit 29 Jahren legte Fatima Mernissi ihr Diplom in Soziologie an der Sorbonne erfolgreich ab und folgte ihrem damaligen Freund nach New York. Von 1970 bis 1973 schrieb sie eine Doktorarbeit zu dem Thema „Male-Female Dynamics in the Muslim World“. Durch die Publikation dieser wissenschaftlichen Arbeit verschaffte sie sich binnen kürzester Zeit internationale Anerkennung.7 Als Fatima Mernissi nach ihrem mehrjährigen Auslandsaufenthalt in den Vereinigten Staaten Amerikas voller Tatendrang und Ideen nach Marokko zurückkehrte, musste sie feststellen, dass das alte vorkoloniale gesellschaftspolitische System Marokkos seine Funktionstüchtigkeit nicht verloren hatte. Als junge Doktorin stellt sie sich fortan in den Dienst für den Kampf gegen die Frauenfeindlichkeit. Sie führte zahlreiche Studien über die Situation muslimischer Frauen im Auftrag der UNESCO durch und veröffentlichte zahlreiche Bücher. Neben ihrer Beratertätigkeit für internationale Organisationen wie Weltbank und UNO engagiert sie sich in und für eine Vielzahl von Vereinen, Zeitschriften und Interessenverbände.
3. Der Emanzipationsprozess
[...]
1 [Mernissi, Fatima; Harem]: S. 137
2 [Nagie, Nadia: New York]: S. 82
3 [Nagie, Nadia: New York]: S. 61
4 [Nagie, Nadia: New York]: S. 14
5 [Nagie, Nadia: New York]: S. 44
6 [Nagie, Nadia: New York]: S. 43
7 [Nagie, Nadia: New York]: S. 51
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