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Autor: Ralf Bub
Fach: Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Details
Institution/Hochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Institut für Soziologie)
Tags: Century, Zeitschrift, Men´s, Health, Vergleich, Klassik, Kernseminar, Hergestellte, Wirklichkeiten
Jahr: 2003
Seiten: 30
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 81 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 316 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-54232-6
ISBN (Buch): 978-3-638-72160-8
Wie kann die Lage "des modernen Mannes" diagnostiziert werden? Woher kommt seine Unsicherheit? Warum ist die Sexualität der Frau so wichtig geworden? In der Arbeit werden die Ansprüche an die Männer heute mit denen im klassischen Griechenland verglichen. Laut Korrektor "finden sich viele kluge und wichtige Beobachtungen zur Thematik" in der Arbeit, die einen interessanten Ansatz habe und "interessante Ergebnisse vorstellt". Gliederung und Gewichtung der Abschnitte seien jedoch noch ausbaufähig.
Zusammenfassung / Abstract
Keine geschichtliche Periode stellt den Mann derart infrage wie unsere postmoderne Gesellschaft. Ob man ihn nun als „Auslaufmodell“ betitelt , sein drohendes Aussterben visioniert , seine zunehmende Verunsicherung analysiert oder ihm schlicht und einfach den Untergang bescheinigt – hinsichtlich einer Diagnose scheinen sich die Autoren einig zu sein: „Der Mann“ befindet sich in einer heftigen Krise. Noch nie in der Geschichte des Abendlandes sah sich „der Mann“, der bis dato nahezu unbestritten das biologisch und sozial dominierende Geschlecht verkörperte, einer derartigen prinzipiellen Kritik ausgesetzt. Zeitgenössische Forscher diagnostizieren nun einen „dramatische[n] Kontrast zwischen kollektiver Privilegiertheit und persönlicher Unsicherheit“ des Mannes. Ein „epochale[r] Wandel von Männlichkeit“ wird beschrieben, bei dem das traditionelle männliche Rollenbild von „Herrschaft, Dominanz, Härte, Einzelkämpfertum und Ego-Trips“ stark an Überzeugungskraft eingebüßt habe. Was ist geschehen? Welches Verhältnis zu sich und welche Verhaltensweisen werden in unserer Gesellschaft noch als männlich angesehen? Anhand des auflagenstärksten Männermagazins Men’s Health soll ein zeitgenössisches Bild davon entworfen werden, wie der erfolgreiche Mann von heute sein Leben zu gestalten hat, welche Bereiche problematisiert werden sowie mit welchen Selbsttechniken die gesteckten Ziele erreicht werden sollen. Im Vergleich mit dem von FOUCAULT in „Der Gebrauch der Lüste“ erläuterten Denken der griechischen Antike ist der Verfasser bestrebt aufzudecken, wie sich die Art und Weise, das männliche Sein „zu denken“, gewandelt hat. Dabei scheint ein Unterschied zwischen der antiken griechischen und der modernen Gesellschaft entscheidend zu sein: Bei den alten Griechen drehte sich die Achse der Erotik um die Knaben, heute dreht sie sich um die Frauen. Damit sind bedeutende Konsequenzen verbunden...
Textauszug (computergeneriert)
Hauptseminararbeit
Universität Freiburg
21st Century Men: The pursuit of innerworld happiness – die Zeitschrift Men’s Health im Vergleich mit der griechischen Klassik
von Ralf Bub
2003
INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG ... 2
1. ZUR WAHL VON MEN’S HEALTH ... 5
2. DIE GRIECHISCHE GESELLSCHAFT IN DER „KLASSISCHEN ZEIT“ ... 9
3. GRIECHISCHE UND MODERNE MORAL IM VERGLEICH ... 12
3.1 ZU MEN’S HEALTH ... 12
3.2 DER MORALBEGRIFF VON FOUCAULT ... 13
3.3 SEXUALMORAL ... 14
3.4. KÖRPERMORAL ... 22
3.5 DIE VERUNSICHERUNG DES MANNES ... 24
4. SCHLUSS ... 25
Einleitung
Keine geschichtliche Periode stellt den Mann derart infrage wie unsere postmoderne Gesellschaft. Ob man ihn nun als „Auslaufmodell“ betitelt1 , sein drohendes Aussterben visioniert2 , seine zunehmende Verunsicherung analysiert3 oder ihm schlicht und einfach den Untergang bescheinigt4 – hinsichtlich einer Diagnose scheinen sich die Autoren einig zu sein: „Der Mann“ befindet sich in einer heftigen Krise. Noch nie in der Geschichte des Abendlandes sah sich „der Mann“, der bis dato nahezu unbestritten das biologisch und sozial dominierende Geschlecht verkörperte, einer derartigen prinzipiellen Kritik ausgesetzt. Der Diskurs über die Geschlechter bildet eine wissenschaftsgeschichtliche Neuheit. Seine prominenten Ausgangspunkte entstammen dem 20. Jahrhundert mit der Psychoanalyse FREUDS und SIMONE DE BEAUVOIRS „Das andere Geschlecht“. Zeitgenössische Forscher diagnostizieren nun einen „dramatische[n] Kontrast zwischen kollektiver Privilegiertheit und persönlicher Unsicherheit“ des Mannes.5 Ein „epochale[r] Wandel von Männlichkeit“ wird beschrieben, bei dem das traditionelle männliche Rollenbild von „Herrschaft, Dominanz, Härte, Einzelkämpfertum und Ego-Trips“ stark an Überzeugungskraft eingebüßt habe.6 Was ist geschehen? Welches Verhältnis zu sich und welche Verhaltensweisen werden in unserer Gesellschaft noch als männlich angesehen? In Bezug auf die weitere Beschäftigung mit diesen Fragen werden die theoretischen Konzeptionen FOUCAULTS leitend sein.
FOUCAULT siedelte seine Analysen auf drei Ebenen an, der „Foucaultschen Trias“ von Wissen, Macht und Selbst. Vorliegende Abhandlung fokussiert auf die Analyseebene des Selbst bzw. der Ethik. Die beiden anderen Ebenen der „Foucaultschen Trias“ sollen lediglich eine untergeordnete Rolle spielen. Bei ihnen sind die Transformationen recht evident. Die Kräfteverhältnisse haben sich vor allem dank einer starken emanzipatorischen Frauenbewegung zugunsten des weiblichen Geschlechts verschoben. Auf Makroebene kann stellvertretend für weitere Veränderungen das neu eingeführte Frauenwahlrecht genannt werden. Der „Flirtforschung“ haben wir eine erhellende Entdeckung auf der Mikroebene zu verdanken: Auf dem freien „Partnerschaftsmarkt“, der später als die anderen freien Märkte für Arbeit, Kapital usw. entstanden ist, lenkt v. a. die Frau das Geschehen.7 Sie signalisiert dem Mann unauffällig, wenn sie angesprochen werden will und überlässt ihm dann den ersten Satz. So gibt sie dem Mann das Gefühl, der Eroberer zu sein. Ein subtiles und raffiniertes Machtverhältnis.
Auf der Ebene des Wissens hat der Genderdiskurs eine radikal neue Art des Denkens institutionalisiert, das dem männlichen (und weiblichen) Geschlecht jegliche angeborene Eigenschaft und damit auch Überlegenheit abspricht. Des Weiteren untergraben die von der Statistik und Medizin mithilfe extensiver und modernster Untersuchungsmethoden gewonnenen Erkenntnisse das Bild vom starken Geschlecht. Die Fokussierung auf quantitative Parameter haben zahlreiche und unvorteilhafte Befunde ans Licht gebracht und in die Diskurse geschwemmt. Um nur wenige zu nennen: Der Mann verfügt über eine signifikant geringere Lebenserwartung als die Frau, weist eine höhere Säuglingssterblichkeit auf, zeigt sich anfälliger für Sehschwächen, wird neunmal häufiger kriminell und stirbt nach Berechnung eines englischen Genetikers aufgrund seines schrumpfenden Y-Chromosoms in etwa 125000 Jahren aus.8
[...]
1 Tiger, Lionel: Auslaufmodell Mann.
2 Der Spiegel, Nr. 38 vom 15.09.03 Titel: „Das Y-Chromosom oder: Warum gibt es eigentlich Männer?“.
3 Goldberg, Herb: Der verunsicherte Mann.
4 Pilgrim, Volker Elis: Der Untergang des Mannes.
5 Connell, Robert: Der gemachte Mann, Konstruktion und Krise von Männlichkeit, S. 13.
6 Brandes, Holger: Der männliche Habitus, S. 92, zitiert aus Hollstein, S. 195.
7 Noch im 18. Jahrhundert war laut Connell (S. 210) „sexuelle Selbstermächtigung ... ein Vorrecht der Höhergestellten“ Männer. Die Entstehung eines Partnerschaftsmarktes wird u. a. durch hohe Scheidungsraten und ein spätes Heiratsalter gefördert.
8 Bryan Sykes: Keine Zukunft für Adam, 2003; Steve Jones: Der Mann. Ein Irrtum der Natur?; Dieter Otten: „MännerVersagen – über das Verhältnis der Geschlechter im 21. Jahrhundert“, zitiert in Der Spiegel vom 15.09.03, S. 151.
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