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Hauptseminararbeit, 2006, 26 Seiten
Autor: Sebastian Hilbert
Fach: Soziologie - Krieg und Frieden, Militär
Details
Institution/Hochschule: Technische Universität Dresden (Soziologie)
Tags: Aggression, Krieg, Grammatik, Sozialen, Kant, Hegel, Marx, Kritik, Methodologie, Gegenwart
Jahr: 2006
Seiten: 26
Note: 1.7
Literaturverzeichnis: ~ 29 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-54285-2
Dateigröße: 188 KB
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Textauszug (computergeneriert)
TU Dresden, Institut für Soziologie
Seminar Kant – Hegel – Marx: Zu einer kritischen Kritik der
geisteswissenschaftlichen Methodologie der Gegenwart
Wintersemester 2005/06, 9. Semester
Aggression und Krieg – eine Grammatik des Sozialen?
von: Sebastian Hilbert
Inhalt
I. Einleitung 2
II. Eibl-Eibesfeldt, die Humanethologie und ihre Grundlagen 3
1. Zur Person Eibl-Eibesfeldt 3
2.1 Ziel und Denken einer Humanethologie 4
2.2 Methodik und erkenntnistheoretische Grundlage 6
III. Aggression – Begriff – Formen - und Theorien 7
1. Aggressionsbegriff- und Formen 8
2. Aggressionstheorien 9
2.1 Aggression als Folge von Trieben 10
2.2 Lerntheoretische Ansätze 12
2.3 Biologische Faktoren 13
2.4 Die Sicht der Humanethologie 14
2.4.1 Aggressionen zwischen Individuen 14
2.4.2 Funktionelle Aspekte von Aggression am Beispiel von territorialem Verhalten 15
IV. Krieg – Begriff – und Erklärungen 17
1. Kriegsbegriff 17
2. Ursachen, Formen und Funktionen des Krieges 18
2.1 Geschichte und Erscheinungsformen des Krieges 19
2.2 Funktionen des Krieges 20
3. Frieden und Friedensschluss 21
V. Fazit 22
Literaturverzeichnis 23
I. Einleitung
Diese Arbeit entstand im Rahmen des Seminars „Kant – Hegel – Marx: Zu einer kritischen Kritik der geisteswissenschaftlichen Methodologie der Gegenwart“ aus der Fragestellung meines Referats: „Aggression und Krieg – gibt es eine Universalgrammatik menschlichen Verhaltens?“ Ziel ist es, aus dem komplizierten Geflecht von Genom und Umwelt einige wichtige Kausalitätsstränge am Beispiel von Aggression und Krieg zu verfolgen. Wie hängt also Kultur als besondere Kategorie von Umwelt mit den menschlichen Genen zusammen? Ist Konfliktbereitschaft in uns angeboren, Krieg also etwas unvermeidliches? Ist es wissenschaftlich nicht korrekt zu meinen, wir haben eine Neigung zum Kriegführen von unseren tierischen Vorfahren geerbt? Der soziologische Blick auf diese Fragen kann den der Psychologie und Biologie nicht ignorieren.1 Im Vordergrund soll das Konzept der Humanethologie mit seinem Vertreter Irenäus Eibl-Eibesfeldt stehen. Seine Verhaltensforschung gibt zahlreiche Anregungen für Interdisziplinäre Überlegungen.2 Ich werde auf die Person, seine Methodik und auch erkenntnistheoretischen Grundlagen zu Beginn kurz eingehen. Danach werden Aggressionstheorien aus verschiedenen wissenschaftlichen Sichtweisen dargestellt. Auf dieser Basis kann ich dann die Unterschiede der individualistischen Aggression zum Krieg als Gruppenaggression herstellen. Die Frage nach der Funktion des Krieges wird dann evolutionstheoretisch analysiert. Zum Abschluss soll es um die Verhinderung der gefürchteten Kaskade „von Humanität durch Nationalität zur Bestialität“ von Grillparzer gehen. Entmutigen uns die historischen und gegenwärtigen Beweise über Terror, Rassismus und Völkermord zu bewussten Gegenstrategien? Oder ist etwas gegen das von Freud konstatierte Zitat aus seinem Werk „Das Unbehagen in der Kultur“ anzuführen? „Es ist immer möglich, eine größere Menge Menschen in Liebe aneinander zu binden, wenn nur andere für die Äußerung der Aggression übrig bleiben.“3
II. Eibl-Eibesfeldt, die Humanethologie und ihre Grundlagen
1. Zur Person Eibl-Eibesfeldt
Als Jahrgang 1928 wurde Irenäus Eibl-Eibesfeldt in Wien geboren. Er erlebte die wichtigsten Entwicklungen, Wege und Ideen des 20. Jahrhunderts mit. Schon als Kind zeigte er Interesse an Tieren und im Schulalter an zoologischer Literatur. Nach dem Krieg 1945 gehörte er zur sogenannten „skeptischen Generation“, jener die Ideologien nicht unhinterfragt ließ.4 Eibesfeldt kam vom Studium der Biologie unter dem Einfluss von Konrad Lorenz zur Verhaltensforschung. Sie entwickelten mit anderen die Vergleichende Verhaltensforschung als Feld zur Analyse der „Biologie des Verhaltens“ von Mensch und Tier. Als Natur- und Menschenforscher leistete er wichtige empirische Arbeit. Verschiedene Expeditionen führten Eibesfeldt z.B. zu den Ökosystemen der Galapagosinseln oder der Malediven und später zu Kulturen wie der Yanomami oder Eipo nach Afrika, Polynesien oder Südamerika. Hier entdeckte er eine Reihe unbekannter zwischenartlicher Vergesellschaftungen und verhaltenskundlich interessante Phänomene wie z.B. Turnierkämpfe von Meerechsen. Er ging weiter den Fragen der Ritualisierung und vor allem der innerartlichen Aggression nach. Seine Interessen haben ihn zu kulturwissenschaftlichen Fragestellungen geführt. Die theoretische Grundlage seiner Humanethologie versieht er mit dem Anspruch, gesellschaftliche und kulturelle Phänomene in die Analyse einzubeziehen.5 1967 erscheint der erste umfassende „Grundriss der Vergleichenden Verhaltensforschung“ von Eibl-Eibesfeldt. Mit diesem Standardwerk verhilft er dem von Konrad Lorenz mit begründeten Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie im bayerischen Seewiesen zum Durchbruch. In den Achtziger Jahren beteiligt sich Eibesfeldt an einem stadtethologischen Projekt in Wien. Mit Jane Goodall beginnt er gleichzeitig eine filmische Dokumentation des Verhaltens freilebender Schimpansen in Tansania. 1984 erscheint der erste Grundriss der Humanethologie „Die Biologie des menschlichen Verhaltens“. Der Naturforscher Eibesfeldt weist darauf hin, dass sich der Mensch in den letzten zehntausend Jahren biologisch kaum verändert hat. Mit der schnellen kulturellen Evolution, z.B. die einer anonymen Massengesellschaft der Großstadt und der technischen Zivilisation als Umwelt, kann unsere biologische Ausstattung nicht schritt halten.6
Es gibt kaum Wissenschaftler die vor ihrer Emeritierung zwei derart grundlegende Entwürfe vorlegen können. Beide Bücher umfassen je an die tausend Seiten. Seit 1970 leitete Prof. Eibesfeldt die Forschungsstelle für Humanethologie in der Max-Planck-Gesellschaft. Sein aufgebautes Archiv umfasst 300000 Meter unwiederbringliche Filmdokumente von ungestellten sozialen Interaktionen aus verschwindenden menschlichen Kulturen.7 8
2.1 Ziel und Denken einer Humanethologie
[...]
1 Verbeek, 2004, S. 54
2 vgl. Sütterlin, 2001
3 von Uexküll/Grubrich-Simitis, 1982, S. 243
4 Sütterlin, 2001
5 Schiefenhövel/Uher/Krell, 1993
6 Sütterlin, 2001
7 Schiefenhövel/Uher/Krell, 1993
8 Anmerkung: Irenäus Eibl-Eibesfeldt hat in seiner Autobiographie “Und grün des Lebens goldener Baum“ die Erfahrungen als Naturforscher niedergelegt.
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