Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Scholary Paper (Seminar), 2005, 18 Pages
Author: Daniela Wuest
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Tags: Narrenliteratur, Ulenspiegel, Kritik, Ständespiegel
Year: 2005
Pages: 18
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 15 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-54368-2
File size: 176 KB
Other users also were interested in the following titles:
Excerpt (computer-generated)
Universität Karlsruhe (TH), Institut für Literaturwissenschaft
Proseminar: „Narrenliteratur“
6. Semester
„Narrenliteratur“ - Ulenspiegel und seine Kritik
durch den „Ständespiegel“
von: Daniela Wuest
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Entstehungsgeschichte und Autorenfrage
II.I. Entstehungsgeschichte
II.II. Verfasserfrage
III. Namensgebung und Rezeptionsgeschichte
III.I. Name
III.II. Rezeptionsgeschichte
IV. Ulenspiegels Kritik durch den „Ständespiegel“
IV.I. Adel
IV.II. Klerus
IV.III. Gelehrten
IV.IV. Ärzten
IV.V. Bauern
IV.VI. Kritik an den Gilden und Zünften
V. Zusammenfassung
VI. Literaturverzeichnis
I. Einleitung
Kaum eine literarische Figur hat sich so lange über die verschiedenen Epochen bis heute erhalten wie die des „Ulenspiegels“: Spricht man heute von einem „Eulenspiegel“, dann hat man die Vorstellung von einem „originellen, scharfsinnigen Spaßmacher im Dienste des gesunden Menschenverstandes, der seiner Umwelt ironisch und humorvoll entlarvend den Spiegel vorhält“1. Die ursprüngliche „Ulenspiegelfigur“ bietet aber viel mehr Interpretationsmöglichkeiten, vor allem kritisiert sie ihre Umwelt sehr viel schonungsloser und direkter als wir von einem „Eulenspiegel“ erwarten können. Ich werde in meiner Hausarbeit zuerst zum besseren Verständnis die Entstehung des Ulenspiegelbuches und seine Entwicklung vorstellen, und danach genauer auf die genannte Kritik eingehen.
I. Entstehungsgeschichte und Autorenfrage
I.I. Entstehungsgeschichte
Die Entstehungsgeschichte des Ulenspiegelbuches und die damit verbundene Verfasserfrage stellen sich nach dem Fund eines Druckfragments 1969 durch den Juristen Peter Honegger2 und eines weiteren durch Bernd Ulrich Hucker 1975. Das Fragment des ältesten bekannten Druckes stammt vom Jahre 1510 oder 1511 aus der Offizin von Johannes Grüninger3 (1493- 1531) in Straßburg, aus welcher auch der erste vollständig überlieferte Druck von 1515 (S 1515) hervorging: „Ein kurzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel. Geboren uß dem Land zu Brunßwick […] gedruckt von Johannes Grieninger in der freien Stat Straßburg uff Sant- Adolffo-Tag im Jahr 1515“4.
Weitere Druckorte waren Erfurt, Frankfurt, Köln, Ingolstadt, Augsburg und Eisleben, wobei die Auflagenhöhe sehr umstritten ist, da es keine zeitgenössischen Besitzvermerke gibt und von den Ausgaben S1510, S 1515 und S1519 jeweils nur noch ein Exemplar existiert. Jedoch verfügen die Ausgaben über ein vollständiges und ausführliches Impressum, d. h. mit Tag der Drucklegung, Standort des Offizins, Name des Druckers und der Druckort, woraus man schließen kann, dass das Ulenspiegelbuch durchaus eine viel rezipierte Lektüre war.
I.II. Verfasserfrage
Als Verfasser der Vorlage für den ersten Straßburger Druck der Grüningerscher Offizin kann mit größter Sicherheit der Braunschweiger Zollschreiber Hermann5 Bote gelten. Er war der Sohn eines Braunschweigischen Schmiedemeisters und Ratsmitglieds, dürfte um 1463 geboren und zwischen 1520 und 1525 gestorben sein. Bei Handwerkserhebungen in den Jahren 1488 und 1513 hatte er als Amtsträger, aber auch als Spötter über die Gildenherrschaft den Zorn der Aufständischen zu erdulden: 1488 wurde er mit Hausarrest und Entzug des Zollschreiberamtes bestraft , 1513 sollt er gar hingerichtet werden, sofern seine eigenen Aussagen in seiner Chronik der Braunschweiger Handwerkeraufstände in diesem Punkt glaubwürdig sind. Bote ist als Verfasser verschiedener handschriftlicher und gedruckter Werke nachweisbar. Zwischen ihnen und dem Ulenspiegelbuch gibt es einige inhaltliche Bezüge. In einer der ihm zugeschriebenen Chronik findet sich auch der Hinweis, dass Ulenspiegel im Jahre 1350 zu Mölln an der Pest gestorben sei. Auffallend sind aber die formalen Parallelen: Bote zeigt eine Vorliebe für Akrosticha.6 In seiner Chronik über die Handwerkeraufstände hat er seinen Namen in niederdeutscher Version als „HERMEN BOTE“ in den Anfängen der Kapitel 2 bis 10 verborgen. Und sein Name in hochdeutscher Version steckt auch in den Anfängen der Historien 90 bis 95 des Ulenspiegelbuches. Das Fehlen des „H“ kann sich aus einer späteren Umstellung des Anfangs der 89. Historie ergeben haben. Honegger sieht für das Verbergen des Namens in Akroticha folgenden Grund: „Die unvollständige Angabe des Geschlechtsnamens ´Bote` lässt sich damit erklären, die Niederschrift des Ulenspiegelbuches sei für den Verfasser nicht ganz ungefährlich gewesen“7.
Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass die Vorlage für den Druck von 1510/11 nicht eine Übersetzung aus dem Niederdeutschen war, sondern ein hochdeutsches Manuskript mit niederdeutschen Relikten, ein Manuskript des Niedersachsen Hermann Bote, dafür sprechen auch einige Lesefehler des Setzers. Diese Druckvorlage hatte wahrscheinlich eine teilweise andere, stimmigere Reihenfolge der Historien. Die ursprüngliche Reihenfolge lässt sich rekonstruieren, wenn man die Historien in vier Gruppen nach einem dreiundzwanzig Buchstaben umfassenden Alphabet einordnet.
[...]
1 Streubel, Katrin: Die Eulenspiegelfigur in der deutschen Literatur der frühen Neuzeit und der Aufklärung. Diss. Phil. Köln 1988. S. 1
2 Historien 33, 44, 46, weitere 15 bruchstückhaft
3 Andere Schreibweise „Grieninger“
4 Honegger, Peter: Ulenspiegel. Ein Beitrag zur Druckgeschichte und Verfasserfrage. Neumünster 1973
5 Andere Schreibweise „Hermen“
6 Spiele mit Anfangsbuchstaben
7 Honegger, Peter: Ulenspiegel. Ein Beitrag zur Druckgeschichte und Verfasserfrage. Neumünster 1973
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Grundbegriffe der Textlinguistik - Die sieben Kriterien der Textualität
Author: M.A. Kathleen DeutschmannSpeech Science / Linguistics, 2004 Download as PDF-file for 7,99 EUR
Zur Intertextualität nach Gérard Genette
Author: AnonymGerman Studies - Modern German Literature, 2003 Download as PDF-file for 4,99 EUR
'Pippi Langstrumpf' von Astrid Lindgren - eine phantastische Erzählung?
Author: Sarah UnthanGerman - Pedagogy, Didactics, Literature Studies, 2004 Download as PDF-file for 7,99 EUR
Vorsatz, Erbschuld und Gericht: Die Schuldfrage in Hartmann von Aues "Gregorius"
Authors: Sabine Kowoll, Tanja AmonGerman Studies - Older German Literature, Mediaevistik, 2006 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht - Anwendung textproduktiven Verfahrens und visueller Gestaltungsmöglichkeit bei der Besprechung eines Jugendromans in Jahrgangsstufe 5
Author: Miriam FinkeGerman - Pedagogy, Didactics, Literature Studies, 2005 Download as PDF-file for 9,99 EUR
'Mechanismen der Entwicklung' nach Piaget
Author: Maximilian RieglPsychology - Developmental Psychology, 2000 Download as PDF-file for 2,99 EUR
Relationship Marketing im Internet
Author: Steffen BusseEconomics / Business: Marketing, Corporate Communication, CRM, Market Research, 1999 Download as PDF-file for 29,90 EUR
Luis Bunuel: Los Olvidados - ein sozialkritischer Film?
Author: Dr. Maria DornRomance Languages - Spanish Studies, 2004 Download as PDF-file for 7,99 EUR
Stilleübungen, Phantasiereisen, Interaktionsspiele
Author: Nicole KandelsPedagogy: Common Didactics, Educational Objectives, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Der Surrealismus und seine Auswirkungen auf die spanischsprachige Welt
Author: M.A. Annett RischbieterRomance Languages - Spanish Studies, 1999 Download as PDF-file for 12,99 EUR
This text can be quoted and accessed from this url: