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Digital Divide - Die Frage nach der Wissenskluft im digitalen Zeitalter

Autor: Julian Wangler
Fach: Soziologie - Medien, Kunst, Musik

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Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 20
Note: 2.0
Literaturverzeichnis: ~ 21  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 260 KB
Archivnummer: V60834
ISBN (E-Book): 978-3-638-54410-8
ISBN (Buch): 978-3-638-75290-9
Anmerkungen :
Das Seminar befasste sich mit den Grundlagen der Medienwirkungsforschung.

Zusammenfassung / Abstract

Information technology, and the ability to use it and adapt it, is the critical factor in generation and accessing wealth, power, and knowledge in our time. (Castells, Manuel, 1996) Der Soziologe Manuel Castells drückte mit diesen Worten den vorherrschenden Zeitgeist aus: In den Industriestaaten der Welt hat sich durch den immerzu fortschreitenden Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien ein tief greifender struktureller Wandel ergeben. Das Proprium dieses Wandels ist, dass für das Erstreben und Erlangen von Reichtum und Macht die Information der ausschlaggebende Faktor ist. Eng damit verknüpft ist die Art und Weise, also wie man an Informationen gelangt und diese nutzt. Nun gibt es aber die Befürchtung, dass aufgrund ungleicher Zugangsmöglichkeiten in modernen Informationsgesellschaften, insbesondere in Bezug auf das Internet, eine soziale Spaltung herbeigeführt wird. Dieses Phänomen wird allgemeinhin als Digital Divide bezeichnet und geht auf die ursprüngliche Theorie von der wachsenden Wissenskluft zurück. Seit Mitte der neunziger Jahre ist das Thema im Rahmen nationaler und internationaler Politik aufgegriffen worden. Jedoch teilen längst nicht alle Forscher die Auffassung, dass Digital Divide ein Thema von großer gesellschafts- und wirtschaftspolitischer Brisanz ist. Tatsächlich sind der Begriff und seine Auslegung nach wie vor umstritten. Die vorliegende Hausarbeit hat das Ziel, den Begriff der Digital Divide zugrunde liegenden Wissenskluft zu definieren, zu klären, warum und wie dieses Phänomen auftreten kann und warum es dem Demokratiebegriff widerspricht. Im Übrigen soll ein knapper Überblick über den Stand der empirischen Forschung und ihrer Probleme geboten werden. In einem zweiten Teil soll auf Digital Divide selbst eingegangen werden, bei dem das Spezifikum Internet im Mittelpunkt steht. In ihrem Verlauf und auch in der Schlussbetrachtung soll diese Hausarbeit zwei zentralen Fragen Rechnung tragen:  1. Handelt es sich bei Digital Divide um ein normales und vorübergehendes Phänomen oder um ein strukturelles, also anhaltendes Defizit in modernen Informationsgesellschaften?  2. Inwieweit kann das Internet zur Entstehung von Wissensklüften beitragen?

Textauszug (computergeneriert)

RHEINISCHEN FRIEDRICH-WILHELMS-UNIVERSITÄT BONN
INSTITUT FÜR KOMMUNIKATIONSWISSENSCHAFT DER
Proseminar, Medienwirkungsforschung
Wintersemester 2005/06, Semester 1.

Digital Divide - Die Frage nach der
Wissenskluft im digitalen Zeitalter

von: Julian Wangler

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Von der Wissensklufthypothese zum Digital Divide

I Die Wissensklufthypothese

1 Theoretische Grundlagen

1.1 Definition
1.2 Ursachen
1.3 Ausprägungen
1.4 Folgen

2 Empirische Wissenskluftforschung

2.1 Drei zu untersuchende Dimensionen von Wissensklüften
2.2 Erklärungsgrößten von Wissensklüften
2.3 Keine eindeutigen empirischen Ergebnisse

3 Kritik an der Wissenskluftforschung in Theorie und Praxis

3.1 Methodische Mängel
3.2 Frage nach Drittfaktoren

3.2.1 Defizittheorie vs. Differenztheorie

3.3 Sozioökonomische Wandlungen

II Digital Divide – Die Wissenskluft des 21. Jahrhunderts?

1.1 Definition: Digital Divide
1.2 Das Internet

1.2.1 Dienste und Anwendungen
1.2.2 Zwischenresümee
1.2.3 Allgemeiner Zugang – ein mehrschichtiges Problem
1.2.4 Zwischenresümee
1.2.5 Die Verbreitung des Internets in Deutschland
1.2.6 Nationale Initiativen zur Verbreitungsförderung

Schlussbetrachtung: Keine eindeutige Antwort

 



 

Einleitung: Von der Wissensklufthypothese zum Digital Divide

Information technology, and the ability to use it and adapt it, is the critical factor in generation and accessing wealth, power, and knowledge in our time. (Castells, Manuel, 1996) Der Soziologe Manuel Castells drückte mit diesen Worten den vorherrschenden Zeitgeist aus: In den Industriestaaten der Welt hat sich durch den immerzu fortschreitenden Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien ein tief greifender struktureller Wandel ergeben. Das Proprium dieses Wandels ist, dass für das Erstreben und Erlangen von Reichtum und Macht die Information der ausschlaggebende Faktor ist. Eng damit verknüpft ist die Art und Weise, also wie man an Informationen gelangt und diese nutzt.

Nun gibt es aber die Befürchtung, dass aufgrund ungleicher Zugangsmöglichkeiten in modernen Informationsgesellschaften, insbesondere in Bezug auf das Internet, eine soziale Spaltung herbeigeführt wird. Dieses Phänomen wird allgemeinhin als Digital Divide bezeichnet und geht auf die ursprüngliche Theorie von der wachsenden Wissenskluft zurück. Seit Mitte der neunziger Jahre ist das Thema im Rahmen nationaler und internationaler Politik aufgegriffen worden. Jedoch teilen längst nicht alle Forscher die Auffassung, dass Digital Divide ein Thema von großer gesellschafts- und wirtschaftspolitischer Brisanz ist. Tatsächlich sind der Begriff und seine Auslegung nach wie vor umstritten.

Die vorliegende Hausarbeit hat das Ziel, den Begriff der Digital Divide zugrunde liegenden Wissenskluft zu definieren, zu klären, warum und wie dieses Phänomen auftreten kann und warum es dem Demokratiebegriff widerspricht. Im Übrigen soll ein knapper Überblick über den Stand der empirischen Forschung und ihrer Probleme geboten werden. In einem zweiten Teil soll auf Digital Divide selbst eingegangen werden, bei dem das Spezifikum Internet im Mittelpunkt steht. In ihrem Verlauf und auch in der Schlussbetrachtung soll diese Hausarbeit zwei zentralen Fragen Rechnung tragen:

1. Handelt es sich bei Digital Divide um ein normales und vorübergehendes Phänomen oder um ein strukturelles, also anhaltendes Defizit in modernen Informationsgesellschaften?
2. Inwieweit kann das Internet zur Entstehung von Wissensklüften beitragen?

I Die Wissensklufthypothese

1. Theoretische Grundlagen

1.1 Definition: Wissenskluft

Im Jahr 1970 wurde von einer amerikanischen Forschergruppe an der Minnesota University, Phillip J. Tichenor, George A. Donohue und Clarice N. Olien (auch bekannt als die Minnesota-Gruppe), erstmals die Hypothese von der wachsenden Wissenskluft (Increasing Knowledge Gap Hypothesis) formuliert: As the infusion of mass media information into a social system increases, segments of the population with higher socioeconomic status tend to acquire this information at a faster rate than the lower status segments, so that the gap in knowledge between these segments tends to increase rather than decrease. (Tichenor et al. 1970: 159) Diese Behauptung erregte Aufsehen, zumal sie doch einen bislang in der Medienwirkungsforschung kaum berücksichtigten Zusammenhang zwischen den Faktoren formaler Bildung und Wissenserwerb herstellte. Damit läutete die These einen Paradigmenwechsel ein: Sie war eine „Abkehr von der Beschäftigung mit den einstellungsverändernden oder –stabilisierenden Effekten der Mediennutzung zugunsten der Untersuchung kognitiver Wirkungen“ (Horstmann 1991: 11).

Die Wissensklufthypothese zählt zu den medienzentrierten Ansätzen. Roland Burkart betont aber, die Wissensklufthypothese „nimmt […] das Stimulus-Response-Denken nur sehr reduziert auf, indem sie das massenmediale Wirkungspotential auf die Steuerung von Wissensinhalten beschränkt“ (Burkart 1995: 247). Im Gegensatz zu anderen medienzentrierten Modellen werden den Medien damit nur indirekte Wirkungen zugeschrieben. Anders ausgedrückt: Höhergebildete verstehen es im Vergleich zu Niedriggebildeten besser, Medieninhalte schneller und effizienter zu nutzen und können sich so daraus Vorteile verschaffen. Das potentiell für alle zugängliche Medienangebot wird höchst unterschiedlich aufgenommen und genutzt. Tichenor, Donohue und Olien haben jedoch in ihrer Theorie unmissverständlich darauf hingewiesen, dass trotz dieser Wissensdivergenz in den unterschiedlichen Bevölkerungssegmenten alle von ihnen einen Informationszuwachs zu verzeichnen haben, die Unwissenden also nicht unwissend bleiben. Worauf es ankommt, ist das Tempo und die Qualität des Wissenszuwachses.

Abb. 1: Wissenskluftbildung (Bonfadelli 1994: 63) [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]

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