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Gewalt gegen Frauen - Ursachen, Formen, Gegenmaßnahmen

Scholary Paper (Seminar), 2006, 24 Pages
Author: Mag. Johannes Bartl
Subject: Sociology - Gender Studies

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 24
Grade: 1
Bibliography: ~ 23  Entries
Language: German
Archive No.: V60856
ISBN (E-book): 978-3-638-54428-3
ISBN (Book): 978-3-638-70965-1
File size: 215 KB

Abstract

Gewalt gegen Frauen ist weit verbreitet. Viele Frauen sind täglich auf Grund ihres Geschlechts Gewalttätigkeiten ausgesetzt, wodurch diese Gewalthandlungen für sie zu einem prägenden Merkmal ihres Alltags werden. Die Formen sowie das Ausmaß der Gewalt sind dabei außerordentlich vielfältig und erschreckend. Der Autor Johannes Bartl versucht in dem vorliegenden Arbeit einen etwas tieferen Einblick in das Phänomen der Gewalt gegen Frauen zu vermitteln. Dafür werden zunächst die wichtigsten Ursachen für Gewalt gegen Frauen aufgezeigt, wodurch es dann besser möglich sein sollte, einen geschlechtsspezifischen Gewaltbegriff herauszuarbeiten. In einem weiteren zentralen Punkt dieser Arbeit werden dann auch einige Gewaltformen bzw. Gewaltauswüchse gegen Frauen beschrieben und mit diversen Zahlen veranschaulicht. Den Abschluss bildet ein Überblick über die Frauenbewegung und die Situation in Österreich.


Excerpt (computer-generated)

Universität Innsbruck, Institut für Soziologie
1. Semester, SS 2006

Gewalt gegen Frauen

von: Johannes Bartl

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Ursachen für die Gewalt gegen Frauen  3

2.1 Situative und individuelle Auslöser 3
2.2 Gesellschaftliche Faktoren (Warum gerade die Frauen ?)  4

2.2.1 Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung  4
2.2.2 Geschlechtsspezifische Sozialisation 6

3 Geschlechtsspezifischer Gewaltbegriff  8

3.1 Personale Gewalt gegen Frauen 8
3.2 Strukturelle Gewalt gegen Frauen  9
3.3 Zusammenhang von struktureller und personaler Gewalt  11

4 Formen der Gewalt gegen Frauen 12

4.1 Vergewaltigung 12
4.2 Sexueller Missbrauch 13
4.3 Gewalt in der Ehe oder Partnerschaft  14
4.4 Frauenhandel und Gewalt in der Prostitution  15
4.5 Genitalverstümmelung und Selektion nach Geschlecht  16
4.6 Weitere Formen  17

5 Gegenmaßnahmen  18

5.1 Die Frauenbewegung 18
5.2 Situation in Österreich  19

6 Schlussbemerkung 20

Literaturverzeichnis 19


 


 

1 Einleitung

„Ermordet, weil sie ihr Leben lebte“ – so lautete eine Schlagzeile in der Tiroler Tageszeitung am 14.04.2006. Die 23 Jahre alte Deutsch-Türkin Hatun Sürücü wurde von ihrem Bruder im Namen der Familienehre erschossen, weil sie aus einer Zwangsehe geflüchtet war, danach ihr Kopftuch ablegte und eine neue Beziehung einging. Es handelt sich bei diesem Geschehen keineswegs um einen Einzelfall, auch wenn die Gewalt hier eine besonders schreckliche Ausprägung angenommen hat. Gewalt gegen Frauen ist weit verbreitet. Viele Frauen sind täglich auf Grund ihres Geschlechts Gewalttätigkeiten ausgesetzt, wodurch diese Gewalthandlungen für sie zu einem prägenden Merkmal ihres Alltags werden. In Österreich bspw. werden jedes Jahr etwa 250.000 Frauen körperlich misshandelt. Man geht auch davon aus, dass in den alten EU-Ländern (ohne die zehn neuen Mitgliedsstaaten von 2004) zirka ein Viertel aller Frauen – das sind rund 170 Millionen – zumindest einmal in ihrem Leben Opfer männlicher Gewalt werden.1 Bei einer globalen Betrachtung dieses Missstandes sind die Zahlen noch etwas tragischer. So wird weltweit mindestens einer von drei Frauen im Verlauf ihres Lebens Gewalt in Form von Schlägen, Vergewaltigung oder anderwärtigem sexuellen Missbrauch angetan.2 Dabei sind die Formen sowie das Ausmaß der Gewalt außerordentlich vielfältig und erschreckend. Frauen werden eingesperrt, getreten, geschlagen, gewürgt oder vergewaltigt. Sie werden mit kochend heißem Wasser verbrüht, mit Messern, Flaschen und ähnlichen Gegenständen verletzt. Dadurch erleiden sie Prellungen, Platzwunden, Knochenbrüche und sogar den Tod. Damit einhergehend werden Frauen erniedrigt, lächerlich gemacht, für dumm, krank oder hässlich erklärt und durch ständiges Herumkommandieren und permanente Beschimpfungen verletzt.3

Die meisten dieser Gewalttaten werden dabei nicht etwa von Fremden sondern im Familienkreis bzw. im sozialen Nahraum verübt. So werden nach einer Schätzung des UNHCR zufolge weltweit bis zu 70 Prozent aller Morde an Frauen von ihren männlichen Partnern – häufig im Rahmen gewalttätiger Beziehungen – verübt.4 Nach dieser kurzen Einstimmung wird im Folgenden versucht werden, einen tieferen Einblick in das Phänomen der Gewalt gegen Frauen zu vermitteln. Dafür werden zunächst die wichtigsten Ursachen aufgezeigt, wodurch es dann besser möglich sein sollte, einen geschlechtsspezifischen Gewaltbegriff herauszuarbeiten. In einem weiteren zentralen Punkt dieser Arbeit werden dann auch einige Gewaltformen bzw. Gewaltauswüchse gegen Frauen beschrieben und mit diversen Zahlen veranschaulicht. Den Abschluss bildet ein Überblick über die Frauenbewegung und die Situation in Österreich.

2 Ursachen für die Gewalt gegen Frauen

Wie aus der Einleitung bereits zu erkennen ist handelt es sich bei der Gewalt gegen Frauen zum größten Teil um Männergewalt und Frauen und Kinder sind deren Opfer. Natürlich können auch Frauen Gewalt ausüben, aber Männer treten verteilt über alle Gewaltformen quantitativ wesentlich häufiger als Täter in Erscheinung. Zusätzlich sind ihre Handlungen dann noch qualitativ schädigender.5 Laut einer Studie von Michael Baumann sind 97 Prozent der Opfer im sozialen Nahraum weiblich. Gerade in diesem Bereich ist die Geschlechtsspezifität der Gewalt eine gesicherte empirische Erkenntnis.6 Zu den Ursachen von Gewalt gegen Frauen heißt es in einem UNO Dokument: „Violence against women is a manifestation of the historically unequal power relations between men and women, which have led to domination over and discrimination against women by men and to the prevention of women’s full advancement.“ In diesem UNO Dokument – das von allen Mitgliedstaaten unterzeichnet wurde – wird also festgehalten, dass Gewalt an Frauen mit dem Machtverhältnis zwischen Männern und Frauen zu tun hat.7

2.1 Situative und individuelle Auslöser

Stress, Ärger über die Kinder, Frusterlebnisse, Aggressionsüberschuss, besondere Täterpersönlichkeit usw. werden häufig zu den Auslösern der Gewalthandlungen des Mannes gezählt. (Jungen und Männer sind durchwegs aggressiver als Mädchen und Frauen. Diese höhere Neigung zur Aggressivität tritt kulturübergreifend auf. Die Ursache dafür liegt im männlichen Geschlechtshormon Testosteron.8) Männer setzen sich über den Willen der Frauen hinweg, weil gerade die Hinwegsetzung ihren höheren Machtstatus zum Ausdruck bringt und Frustrationserfahrungen – bspw. hat der Mann Probleme mit seinem Vorgesetzten und schlägt aus Frust darüber zu Hause seine Frau – überdeckt. Sie wollen ihre eigenen Interessen mit Gewalt durchsetzen. Die weiblichen Opfer arrangieren sich mit dem gewalttätigen Verhalten der Männer schnell. Sie wehren sich nicht, signalisieren die Überschreitung der eigenen Grenzen nicht, verteidigen sich nicht, sondern ergeben sich in ihr „Schicksal“.9

[...]


1 Vgl. Bernroitner/Wagner/Weinzinger (2005), S. 37.

2 Vgl. UNHCR Österreich (2003), S. 15.

3 Vgl. Reese (1997), S. 15.

4 Vgl. UNHCR Österreich (2003), S. 15.

5 Vgl. Godenzi (1994), S. 229.

6 Vgl. Reese (1997), S. 15.

7 Vgl. Logar (2001) S. 5.

8 Vgl. Prisching (1995), S. 146.

9 Vgl. Reese (1997), S. 49.


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