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Scholary Paper (Seminar), 2006, 28 Pages
Author: B.A. Philosophie David Egli
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Institution/College: University of Luzern
Tags: Sexualität, Frau, Argument, Kulturkampf, Sexualität, Mittelalter
Year: 2006
Pages: 28
Grade: 1
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-54446-7
ISBN (Book): 978-3-638-74215-3
File size: 278 KB
Kulturkampf und Kopftuch neu betrachtet...
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Abstract
Der in der internationalen Presse einstimmig propagierte ‚Karikaturen-Streit’ scheint der düsteren Theorie des Kulturdarwinismus nun endlich die ihr gebührende reale Existenz zu verleihen. Der westlichen Kultur droht, so der Tenor, durch die verstärkte islamische Migration eine Unterwanderung ihrer Grundwerte und schliesslich der Untergang insgesamt. Blickt man auf die abendländische Geschichte, erinnert die momentane Rhetorik stark an die mittelalterliche Polemik gegenüber dem sich ausbreitenden osmanischen Reich. Mit der Einnahme Konstantinopels 1453 durch die Osmanen setzte im abendländischen Europa eine ungeheure Schrifttätigkeit über die sogenannte ‚Türkengefahr’ ein. Begünstig durch das neue Medium des Buchdrucks und im Zusammenhang mit der christlichen Heilsgeschichte, entstand ein mächtiger Diskurs der sich dem Gegensatzpaar ‚Christen-Türken’ widmete. Sind es heute die Werte der Aufklärung die man in Gefahr wähnt, sah man damals die gesamte Christenheit einem Ansturm der muslimischen Türken ausgesetzt – man befürchtete den Untergang des gesamten Christentums. Die Deutungen der Geschehnisse gingen soweit, dass man die osmanische Expansion als Zeichen für die Ankunft des Antichristen wertete. Neben der Notwendigkeit sich Informationen über den scheinbar übermächtigen Feind anzueignen, waren es oftmals auch persönliche Erfahrungsberichte, die Eingang in den Wissenskorpus über die Türken fanden – immer gekoppelt mit der Forderung sich des Feindes zu erwehren. Einer dieser Berichte, das ‚Tractatus de moribus, condictionibus et nequicia Turcorum’ welches Georg von Ungarn zugeschrieben wird, soll bei der vorliegenden Arbeit als Quelle dienen. Ziel ist es den Umstand darzulegen, wieso bei der Beschreibung der ‚islamischen Kultur’ die Komponente der weiblichen Sexualität eine herausragende Rolle spielt. Scheint eine Analyse derselben Tendenz heutiger Texte, vor dem Hintergrund moderner Werte wie der weiblichen Emanzipation vergleichsweise einfach, ist man beim vorliegenden Text von Georg gezwungen verschiedene Aspekte in die Auswertung mit einzubeziehen.
Excerpt (computer-generated)
Historisches Seminar, Universität Luzern
Seminararbeit:
Die Sexualität der Frau als Argument im Kulturkampf
Der mittelalterliche Diskurs zur ‘Türkengefahr’ im Hinblick auf
die weibliche Sexualität
Seminar: Sexualität im Mittelalter, WS 2005/06
Verfasser:
David Egli
Abgabe: 07.10.2006
Inhalt:
1. Einleitung 3
2. Das Traktat Georgs - Ein Reisebericht 5
2.1 Warnungen vor dem übermächtigen, verschlagenen Feind 5
2.2 Worte des Lobes 6
3. Die Intention des Autors 11
3.1 Autobiographische Beweggründe 11
3.2 Das Argumentationsschema 14
4. Mittelalterliche Diskurse 18
4.1 Der Diskurs zur Türkengefahr 18
4.2 Der theologische Diskurs zur Sexualität 22
5. Bemerkungen 27
6. Literaturverzeichnis 28
6.1 Quelle 28
„Polizei des Sexes: das ist nicht das strikte Verbot,
sondern die Notwendigkeit, den Sex durch nützliche und
öffentliche Diskurse zu regeln.“ 1
1. Einleitung
Der in der internationalen Presse einstimmig propagierte ‚Karikaturen-Streit’ scheint der düsteren Theorie des Kulturdarwinismus nun endlich die ihr gebührende reale Existenz zu verleihen. Der westlichen Kultur droht, so der Tenor, durch die verstärkte islamische Migration eine Unterwanderung ihrer Grundwerte und schliesslich der Untergang insgesamt.
Blickt man auf die abendländische Geschichte, erinnert die momentane Rhetorik stark an die mittelalterliche Polemik gegenüber dem sich ausbreitenden osmanischen Reich. Mit der Einnahme Konstantinopels 1453 durch die Osmanen setzte im abendländischen Europa eine ungeheure Schrifttätigkeit über die sogenannte ‚Türkengefahr’ ein.2 Begünstig durch das neue Medium des Buchdrucks und im Zusammenhang mit der christlichen Heilsgeschichte, entstand ein mächtiger Diskurs der sich dem Gegensatzpaar ‚Christen-Türken’ widmete.3 Sind es heute die Werte der Aufklärung die man in Gefahr wähnt, sah man damals die gesamte Christenheit einem Ansturm der muslimischen Türken ausgesetzt – man befürchtete den Untergang des gesamten Christentums. Die Deutungen der Geschehnisse gingen soweit, dass man die osmanische Expansion als Zeichen für die Ankunft des Antichristen wertete.
Neben der Notwendigkeit sich Informationen über den scheinbar übermächtigen Feind anzueignen, waren es oftmals auch persönliche Erfahrungsberichte, die Eingang in den Wissenskorpus über die Türken fanden – immer gekoppelt mit der Forderung sich des Feindes zu erwehren.
Einer dieser Berichte, das ‚Tractatus de moribus, condictionibus et nequicia Turcorum′ welches Georg von Ungarn zugeschrieben wird, soll bei der vorliegenden Arbeit als Quelle dienen. Ziel ist es den Umstand darzulegen, wieso bei der Beschreibung der ‚islamischen Kultur′ die Komponente der weiblichen Sexualität eine herausragende Rolle spielt. Scheint eine Analyse derselben Tendenz heutiger Texte, vor dem Hintergrund moderner Werte wie der weiblichen Emanzipation vergleichsweise einfach, ist man beim vorliegenden Text von Georg gezwungen verschiedene Aspekte in die Auswertung mit einzubeziehen.
Um diesem Anspruch zu genügen, werde ich zuerst über den Inhalt des Traktats informieren, um in einem zweiten Teil näher auf Georgs Motivation und Beweggründe einzugehen, die ihn zu diesem Text verleitet haben müssen. Dies führt zur Frage der Wahrnehmung seines Textes und im Speziellen zu jenen Stellen die sich mit der Sexualität der Türkinnen befassen, dazu ist es unerlässlich einen kurzen Abriss über ‚die Sexualität′ aus der Sicht ‚der Kirche′ im okzidentalen Mittelalter zu geben. Damit sollte sich der informative Kreis schliessen, und es sollte möglich sein, die dieser Arbeit zugrunde liegende Frage zu klären.
2. Das Traktat Georgs – Ein Reisebericht
2.1 Warnungen vor dem übermächtigen, verschlagenen Feind
Georg beginnt sein Traktat mit einer fulminanten Vorrede in der er mit aller Dringlichkeit auf die der ganzen Christenheit drohende Gefahr hinweist:
[....]
1 Michel Foucault, Der Wille zum Wissen, Frankfurt am Main 1977, S. 31
2 Der Begriff ‘Türkengefahr’ ist eine Erfindung des 19Jh. Siehe dazu: Almut Höfert, Den Feind beschreiben, Frankfurt am Main, 2003, S.51
3 Ebd., S. 57
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