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Autor: Oliver Friedel
Fach: Medien / Kommunikation - Printmedien, Presse
Details
Institution/Hochschule: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Medien- und Kommunikationswissenschaften)
Tags: Selbstreflexion, Journalismus, Krisenzeiten, Beispiel, Spiegels, Medien, Krieg
Jahr: 2005
Seiten: 20
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 170 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-54456-6
ISBN (Buch): 978-3-638-77577-9
Zusammenfassung / Abstract
Ob Medien in Krisen eher zu einer Verständigung durch Informationsvermittlung führen, oder durch ihre Integration im jeweiligen System die Differenzen noch verstärken ist umstritten. Zensur ist sicher mit dafür verantwortlich, ob Krisen zu Nachrichten werden. Auf der anderen Seite dient sie auch oft als Entschuldungsargument für verfehlten Journalismus. Doch Journalismus muss sich nicht immer der Zensur unterwerfen, sondern kann sie selbst zum Thema machen und kritisch reflektieren. Der Journalismus befindet sich jedoch auch aus Selbsterhaltungstrieb in dem Zwang aus Informationen und Bildern aktuelle Nachrichten zu produzieren. Auf der anderen Seite sind auch die Militärs auf das System Journalismus angewiesen, um ihre Auffassungen in der Öffentlichkeit kund zu tun, um Public Relation zu betreiben. Sie bieten den Medien Wirklichkeitsmodelle als Erklärungsmuster. Zensur verknappt dabei Informationen und erhöht damit journalistische Aufmerksamkeit. Das System Journalismus verändert sich ständig dadurch das es sich auch selbst thematisiert. Dies geschieht in Krisen besonders stark. Journalismus passt sich aber nicht nur an veränderte Bedingungen an, sondern thematisiert sich auch aus kommerziellen Gründen. Schnell werden aus Reportern Kriegshelden und der eigentliche Krieg rückt in den Hintergrund. Diese Phänomene werde ich am Beispiel des Spiegels näher untersuchen.
Textauszug (computergeneriert)
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaften
Wintersemester 2004/05, 5. Semester
Proseminar: Medien und Krieg
Die Selbstreflexion des Journalismus in
Krisenzeiten am Beispiel des Spiegels
von: Oliver Freidel
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Geschichte der Krisenkommunikation
2.1. 1. Weltkrieg
2.2. 2. Weltkrieg
2.3. Vietnamkrieg
3. Wirklichkeitskonstruktion/Zensur
4. Aktualität
5. Glaubwürdigkeit
6. Selbstreflexion im Spiegel
7. Zusammenfassung
8. Literaturverzeichnis
1. Einführung
Ob Krisen den Weg in die Öffentlichkeit finden hängt im publizistischen System von bestimmten Regeln ab. Nicht zuletzt die Verfügbarkeit oder Nichtverfügbarkeit von schockierenden Bildern entscheidet über die Präsenz in den Medien. Dieses Phänomen lässt sich von dem Beginn der Kriegsberichterstattung im sogenannten Krimkrieg (1853-56) bis heute nachvollziehen.
Kriege, Staatsstreiche, Bürgerkriege, usw. sind besondere Abarten politischer Konflikte. Diese haben in der Regel eine Vorgeschichte, die als Krise bezeichnet wird. Krisen spitzen sich in Kriegen zu. Kriege sind fortgesetzte Krisen, die eine hohe Gewaltintensität aufweisen1. Soziologisch betrachtet sind Krisen als die Bedrohung zentraler Werte zu sehen. Diese reduzieren Sicherheit, setzen unter Zeitdruck und verlangen nach Entscheidungen. Krisen sind nicht vorbereitete Bedrohungen des Systembestandes. Sie gefährden den Erfüllungsstand zahlreicher Werte diffus, worauf ihr Integrationseffekt beruht2. „Unsicherheit, Entscheidungsdruck und Zeitknappheit sind soziale Phänomene, die in kognitiven und kommunikativen Prozessen generiert, verstärkt und reduziert werden.3“ Die Lösung und Beendigung einer Krise läuft damit wesentlich nach den Regeln der Kommunikation ab. Dies wird deutlich, wenn man die moderne Systemtheorie betrachtet, nach welcher Kommunikation Gesellschaften konstituieren. Krisen stellen damit den „Zusammenbruch der das System regelnden Kommunikation4“ dar. Die Wirklichkeitskonstruktion der Menschen und der Abgleich von Krisenszenarien wird in der Informationsgesellschaft stark durch Medien beeinflusst. Sie transportieren dabei entgegen klassischer Vorstellung keine Informationen, sondern entwerfen Wirklichkeitsmodelle. Man spricht von medialer Wirklichkeit. Diese wird durch Medienangebote verkörpert. Medien entscheiden darüber, ob ein Sachverhalt thematisiert wird oder überhaupt auf der Tagesordnung erscheint. Rezipienten können Medienangebote annehmen oder Ablehnen, aber nicht über das Angebot an sich entscheiden.
Mit der fortgesetzten Etablierung einer Mediengesellschaft rückt die Kommunikation in und über Krisen immer mehr in den Blickpunkt der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit. Die Selektion von Krisen als Nachrichten, die Beziehungen zwischen Militär und Journalismus, die Bewertung von Medienangeboten durch das Publikum, die Rolle von Medien in internationalen Konflikten und die Kommunikation über Kommunikation in Krisen rücken dabei in den Blickpunkt. Ob Krisen überhaupt als solche wahrgenommen werden, hängt von der Zugänglichkeit der Krisengebiete, sowie der Bereitschaft der beteiligten Parteien zur Informationsvermittlung ab. Ob über Kriege berichtet wird, hängt auch von der Betroffenheit des eigenen Landes, der Beteiligung wichtiger Elitenationen und anderen Faktoren ab. Bildschirmmedien, wie TV oder Internet benötigen zudem auch noch Bilder vom Geschehen, um Zuschauer zu binden. Journalisten begründen ihre Themenauswahl mit den Interessen des Publikums. Da jedoch kein direkter Rückkanal besteht, werden die Interessen der Journalisten automatisch zu denen des Publikums gemacht. Tatsächlich unterscheiden sich diese natürlich. Ob Medien in Krisen eher zu einer Verständigung durch Informationsvermittlung führen, oder durch ihre Integration im jeweiligen System die Differenzen noch verstärken ist umstritten. Zensur ist sicher mit dafür verantwortlich, ob Krisen zu Nachrichten werden. Auf der anderen Seite dient sie auch oft als Entschuldungsargument für verfehlten Journalismus. Doch Journalismus muss sich nicht immer der Zensur unterwerfen, sondern kann sie selbst zum Thema machen und kritisch reflektieren. Der Journalismus befindet sich jedoch auch aus Selbsterhaltungstrieb in dem Zwang aus Informationen und Bildern aktuelle Nachrichten zu produzieren. Auf der anderen Seite sind auch die Militärs auf das System Journalismus angewiesen, um ihre Auffassungen in der Öffentlichkeit kund zu tun, um Public Relation zu betreiben. Sie bieten den Medien Wirklichkeitsmodelle als Erklärungsmuster. Zensur verknappt dabei Informationen und erhöht damit journalistische Aufmerksamkeit. Das System Journalismus verändert sich ständig dadurch das es sich auch selbst thematisiert. Dies geschieht in Krisen besonders stark. Journalismus passt sich aber nicht nur an veränderte Bedingungen an, sondern thematisiert sich auch aus kommerziellen Gründen. Schnell werden aus Reportern Kriegshelden und der eigentliche Krieg rückt in den Hintergrund. Diese Phänomene werde ich am Beispiel des Spiegels näher untersuchen.
2. Geschichte der Krisenkommunikation
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1 Löffelholz, Martin (Hrsg.), Krieg als Medienereignis, Opladen 1993, S.11
2 vergl. Luhmann, Niklas, Öffentliche Meinung in: Langebucher, Wolfgang R.(Hg.), Politik und Kommunikation, München/ Zürich 1979, S.39
3 Löffelholz, Martin (Hrsg.), Krieg als Medienereignis, Opladen 1993, S.11
4 Frei, Daniel, Feindbilder und Abrüstung, München 1985, S.301
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