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Die These von der Mediokratie. Ohnmacht der Demokratie - durch Übermacht der Massenmedien?

Autor: Marcus Sommer
Fach: Politik - Pol. Systeme - Politisches System Deutschlands

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Details

Veranstaltung: Die Regierung im politischen System der BRD
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Tags: These, Mediokratie, Ohnmacht, Demokratie, Massenmedien, Regierung, System
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 20
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 220 KB
Archivnummer: V60924
ISBN (E-Book): 978-3-638-54488-7
ISBN (Buch): 978-3-638-77957-9
Anmerkungen :
Mediokratie: Ein heiß diskutiertes Mode-Thema. Doch was steckt hinter der These? Eine kritische Auseinandersetzung.

Zusammenfassung / Abstract

17. März 2005. Im Landtag von Schleswig-Holstein will sich Heide Simonis zur Ministerpräsidentin wählen lassen. Sie braucht alle Stimmen ihrer zukünftigen Regierungskoalition, bestehend aus der SPD, den Grünen und dem SSW (Südschleswigscher Wählerverband). Dass es knapp wird, war klar. Ein Abweichler und Simonis′ würde scheitern. Sie scheitert. Vier Wahlgänge bringen das immer wieder gleiche Ergebnis: Was danach geschieht, ist ein Paradebeispiel für das Funktionieren der Medien. Reflexartig wird das Scheitern Simonis dramatisch in Szene gesetzt, Sondersendungen werden angesetzt um ausführlichst über das „Debakel von Kiel“, die „Krise an der Waterkant“zu berichen. Über alle Fernsehsender und Printmedien hinweg, prägen drastische Schlagwörter wie „Dolchstoß“, „Heide-Mörder“ und „Patt am Watt“das Nachrichtenbild. Bei Spiegel-Online ist noch heute eine Fotostrecke über „Das Debakel von Kiel“zu besichtigen – und wie sich die Mimik der enttäuschten Simonis immer weiter verdunkelt. Krisen, Skandale, persönliche Schicksale bringen erfreulich hohe Quoten und Auflagen. Die mediale Auseinandersetzung mit dem Fall Simonis macht deutlich, wie die „Logik der Massenmedien“ funktioniert. Fälle wie diese, werden seit den 1990er Jahren in eine Diskussion eingeordnet, die den Einfluß massenmedialer Berichterstattung auf die Poltik und die demokratischen Strukturen untersucht. Inwieweit verzerrt mediale Berichterstattung die politische Wahnehmung der Konsumenten. Und inwiefern verändert die Medienlogik den politischen Prozeß. Es ist die Rede von der „kopernikanischen Wende“, von einer „Symbiose aus Politik und Medien“, von Mediendemokratie als „Ideologiersatz in Europa nach dem Wegfall des Systemwettbewerbs“. Die These von der Mediokratie. Was besagt Sie? Welchen Einfluss haben Massenmedien auf das politische System wirklich? Werden durch ihr Agieren, Tiefenstrukturen ausgehebelt? Sind wir auf dem Weg in eine andere Demokratie? Diese Problematik wird in der vorliegenden Arbeit erörtert.

Textauszug (computergeneriert)

Freie Universität Berlin, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
PS/E 15003 Die Regierung im politischen System der Bundesrepublik
WS 2005/ 2006, Fachsemester: 02

Die These von der Mediokratie. Ohnmacht der
Demokratie - durch Übermacht der Massenmedien?

von: Marcus Sommer

 


Gliederung

1. Einleitung

2. Die Rolle der Massenmedien im politischen System und in der Politikvermittlung

2.1 Definition Massenmedien
2.2 Funktionen von Massenmedien

3.Warum Massenmedien unser politisches System verändern sollen

3.1 Diskrepanz zwischen Logik der Politik und Medienlogik
3.2 Politisierung der Medien – Mediatiserung der Politik: und deren Auswirkungen
3.3 Konsequenzen für den Rezipienten

4. Diskrepanz zwischen Theorie und Realität – Überprüfung der Mediokratie-These

5. Synthese: Auf dem Weg in eine andere Demokratie?

6. Literaturnachweis


 

 

1. Einleitung

17. März 2005. Im Landtag von Schleswig-Holstein will sich Heide Simonis zur Ministerpräsidentin wählen lassen. Sie braucht alle Stimmen ihrer zukünftigen Regierungskoalition, bestehend aus der SPD, den Grünen und dem SSW (Südschleswigscher Wählerverband). Dass es knapp wird, war klar. Ein Abweichler und Simonis′ würde scheitern.

Sie scheitert. Vier Wahlgänge bringen das immer wieder gleiche Ergebnis: 34 (von 70) Abgeordnete stimmen für Sie. Aber eine Stimme fehlt.1 Was danach geschieht, ist ein Paradebeispiel für das Funktionieren der Medien. Reflexartig wird das Scheitern Simonis dramatisch in Szene gesetzt, Sondersendungen werden angesetzt2 um ausführlichst über das „Debakel von Kiel“3, die „Krise an der Waterkant“4 zu berichen. Über alle Fernsehsender und Printmedien hinweg, prägen drastische Schlagwörter wie „Dolchstoß“5, „Heide-Mörder“6 und „Patt am Watt“7 das Nachrichtenbild. Bei Sabine Christiansen fahndet man nach dem „Verräter aus den eigenen Reihen“, die Zeitungen spekulieren über den möglichen „gewissenlosen Abweichler“. Bei Spiegel-Online ist noch heute eine Fotostrecke über „Das Debakel von Kiel“8 zu besichtigen – und wie sich die Mimik der enttäuschten Simonis immer weiter verdunkelt. Krisen, Skandale, persönliche Schicksale bringen erfreulich hohe Quoten und Auflagen.

Es sollte eine formale Wahl der Ministerpräsidentin werden – es wurde zur dramatisch medial inszenierten Dolchstoßlegende. Die Simonis-Abwahl prägte die Nachrichten. Inszenierung, Reduktion, Skandalisierung prägen die Berichterstattung. Die mediale Auseinandersetzung mit dem Fall Simonis macht deutlich, wie die „Logik der Massenmedien“9 funktioniert. Im Laufe meiner Erörterung, wird dies ersichtlich werden. Fälle wie diese, werden seit den 1990er Jahren in eine Diskussion eingeordnet, die den Einfluß massenmedialer Berichterstattung auf die Poltik und die demokratischen Strukturen untersucht. Inwieweit verzerrt mediale Berichterstattung die politische Wahnehmung der Konsumenten. Und inwiefern verändert die Medienlogik den politischen Prozeß.

Es ist die Rede von der „kopernikanischen Wende“10, von einer „Symbiose aus Politik und Medien“11, von Mediendemokratie als „Ideologiersatz in Europa nach dem Wegfall des Systemwettbewerbs“12. Der ehemalige Minsterpräsident Sachsens, Kurt Biedenkopf, klagt über das Desinteresse „an ausführlicher Darstellung politisch relevanter Sachverhalte“13, Roman Herzog will erkennen, dass das Fernsehen die „politische Beredsamkeit“ radikal verändert14.

Die These von der Mediokratie. Was besagt Sie? Welchen Einfluss haben Massenmedien auf das politische System wirklich? Werden durch ihr Agieren, Tiefenstrukturen ausgehebelt? Sind wir auf dem Weg in eine andere Demokratie? Diese Problematik werde ich in der vorliegenden Hausarbeit erörtern. Nach einer einleitenden Definition, in dem klar wird, was wir unter Massenmedien zählen müssen, und welchen (eigentlichen) Auftrag Sie in einem demokratischen System besitzen, wird die These der Mediokratie erörtert. Hierbei werde ich weitgehend auf den Autor des Buches „Mediokratie“, Thomas Meyer eingehen. Es soll deutlich werden, welche Folgen die massenmediale Berichterstattung auf die Politik und Gesellschaft haben könnte. In einem weiteren Schritt erfolgt die kritische Überprüfung dieser Thesen und Behauptungen. Nach diesem Prozeß des Abwägens, erfolgt eine Synthese der Poblematik. Ich versuche, die aufgeworfene Fragestellung zusammenfassend zu beantworten.

Die These von der Mediokratie. In meinen Nachforschungen zur Thematik fiel schnell auf, dass es sich hier um ein sehr breites und hochkontroverses Feld handelt. Mitunter sind Argumente von Autoren sehr schwammig und nur in einigen Fällen Frankfurt am Main 2001, passim auch empirisch belegt. Oftmals wird der Komplex interdisziplinär untersucht, einheitliche Definitionen oder abschließende, gemeinsam anerkannte Untersuchungsergebnisse fehlen aber. In meiner Hausarbeit kann ich daher nur einen diskursiven, stark kompremierten Einblick in die Thematik geben. Eine detaillierte Betrachtungsweise sämtlicher Binnenproblematiken würde die Dimension der Arbeit sprengen. Ausklammern möchte ich auch die Betrachtung des neuen Massenmediums Internet. Gerade für diesen Bereich sind die Untersuchungen noch in einem sehr jungen Stadium.

2. Rolle der Medien im politischen System und in der Politikvermittlung

2.1 Definition Massenmedien

[...]


1 Vgl. Pergande, Franz: Simonis in Kiel gescheitert, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.03.2005; S.1

2 Über alle Fernsehsender hinweg gab es Sondersendungen, die ausführlich den Vorgang ausleuchteten (ARD: Brennpunkt; ZDF: ZDF Spezial...)

3 Unbekanter Autor: Wahlkrimi in Kiel: Simonis scheitert viermal, in: Der Tagesspiegel v. 18.03.2005; S.1

4 Titel eines RTL-Nachrichten-Berichtes vom 17.05.2005

5 Patt am Watt: Das Dolchstoß-Drama von Kiel und die Suche nach einer Koalition für Schleswig- Holstein; Titel-Thema des Nachrichtenmagazins Der Spiegel v. 21.03.2005

6 Schmidt, Wolfgang: Heide Simonis: „Ich bin da jetzt durch“, Interview mit der gescheiterten Ministerpräsidentin, in: http://www2.onnachrichten.t-online.de/dyn/c/73/10/98/7310980.html

7 Duhm-Heitzmann, Jutta: Patt am Watt: Ministerpräsidentin findet keine Mehrheit, v. 18.03.2005, in: http://www.wdr.de/radio/wdr4/wort/zur_sache/2005_0318.phtml

8 http://www.spiegel.de/archiv/suche/0,1518,suchcache-PB64- QV9FPSZBX0Y9U0lNT05JUyZBX1Q9QiZBX0I9MjUlMkUwMyUyRTIwMDUmQV9WPTE4J TJFMDMlMkUyMDA1JkFfWj1YJkFfTz1TUE8rU1BJK0tTUCtVTkkmQV9TPTI_3,00.html

9 Meyer, Thomas: Mediokratie. Die Koloniesierung der Medien durch die Politik, edition suhrkamp,

10 Ebda., S. 2

11 Massing, Peter: Einleitung: Mediendemokratie. Grundlagen – Anspruch -Wirklichkeit, in: Massing, Peter (Hrsg.): Mediendemokratie. Eine Einführung, Wochenschau-Verlag, Schwalbach 2004, S. 6

12 Meyer, Thomas: Mediokratie – Auf dem Weg in eine andere Demokratie, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 2002, B.15-16, S.9

13 Biedenkopf, Kurt (auf einer Tagung der „Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft“ im Februar 1997 in Leipzig), zit. nach http://www.bpb.de/publikationen/07485476851957751290460634362276,4,0,Wirkungen_der_Me dien.html#art4

14 Herzog, Roman (bei einer Rede an der Universität Tübingen im Jahr 1997), zit. nach Ebda.

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