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Details

Veranstaltung: Rasse, Klasse und Geschlecht als Grundkategorien der Geschichte Lateinamerikas
Institution/Hochschule: Universität zu Köln (Philosophische Fakultät - Historisches Seminar)
Tags: Frau, Sendero, Luminoso, Rasse, Klasse, Geschlecht, Grundkategorien, Geschichte, Lateinamerikas
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 23
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 226 KB
Archivnummer: V61012
ISBN (E-Book): 978-3-638-54559-4

Textauszug (computergeneriert)

Universität zu Köln, Philosophische Fakultät
Historisches Seminar, Ibero- Lateinamerikanische Abteilung
Hauptseminar: Rasse, Klasse und Geschlecht als
Grundkategorien der Geschichte Lateinamerikas
Semester: WS 05/06, Fachsemester: 5

Die Frau in Sendero Luminoso

von: Adrian Oelschlegel

 


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Sendero Luminoso ( SL) – PCP : Ein Überblick

III. Die Rolle der Frau in Sendero Luminoso

III 1. Die Anfänge
III.2. Frauen in der Organisation – Ämter und Posten
III.3. „Die Frauen von Guzmán“
III.4. Die Frau in Sendero Luminoso – eine quantitative Untersuchung

IV. Die Attraktivität von Sendero Luminoso

V. Das zwiespältige Verhältnis zwischen Sendero Luminoso und der mujer senderista

VI. Schlussfolgerungen


 

 

I. Einleitung

In dieser wissenschaftlich – historischen Hausarbeit soll der Frage nachgegangen werden, welche Rolle und Bedeutung die Frau in der terroristischen Organisation der „Leuchtende Pfad“ (Sendero Luminoso – SL) in den 80er und Anfang der 90er Jahre gespielt hat. Der Ursprung von Sendero Luminoso sowie dessen Ideologie, Machtstruktur und nicht zu letzt der Verlauf und das Ende „seiner Revolution“ ist in unzähligen Buchpublikationen, Zeitungsartikeln und anderen Medienberichten dokumentiert und diskutiert worden. Jedoch ist die Anzahl derjenigen Arbeiten, die sich auf die Rolle und die Bedeutung der Frau als Mitglied und Kämpferin innerhalb der Organisation beschränkt haben, äußerst gering. Als einzige, sich ausschließlich dieser Thematik widmenden Publikation, möchte der Autor dieser Hausarbeit, das Werk von Robin Kirk, „Grabado en piedra: las mujeres de Sendero Luminoso“, hervorheben. Alle anderen Quellen, die für diese Arbeit benutzt und konsultiert wurden, beschränken sich in ihren Werken und Artikeln lediglich auf einigen Seiten mit dem Titel dieser Hausarbeit, was die relativ hohe Anzahl von benutzten Quellen erklärt.

Um ein flüssiges, aufbauendes und logisches Lesen dieser Hausarbeit zu ermöglichen, hat der Autor sich entschlossen, nach einem knappen, historischen Überblick, bezüglich der Auswirkungen der Modernisierung im Peru des 20. Jahrhunderts, näher auf die Struktur der Organisation, sowie auf die wichtigsten, historischen Ereignisse und Auswirkungen des Bürgerkrieges, einzugehen. Anschließend wird die Rolle der Frau innerhalb der Organisation ausführlich behandelt und diskutiert. So wird auf die Bedeutung der mujer senderista seit der Existenz des „Leuchtenden Pfades“ eingegangen, und es werden die verschiedenen Positionen und Ämter, die sie inne hatte, erläutert; ferner wird eine quantitative Untersuchung der mujer senderista vorgenommen. Danach hinterfragt der Autor, worin die Attraktivität des „Leuchtenden Pfades“ für viele weibliche Mitglieder bestand, bevor abschließend auf das ambivalente Verhältnis der mujer senderista innerhalb der Organisation, eingegangen wird.

Peru in den 60er Jahren

Nach dem zweiten Weltkrieg und verstärkt in den 60er Jahren verbreitete sich in Peru ein Prozess der Industrialisierung, Urbanisierung und Migration, der eine ungleiche Modernisierung mit sich brachte. Als Konsequenz dieses Prozesses begann das oligarchische Modell der Dominierung, basierend auf der Ausbeutung der indigenen, ruralen Mehrheit der Bevölkerung durch die urbane, weiße Minderheit, nachzulassen. Bauern und Feldarbeiter begannen, auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben in die Städte zu emigrieren. Während die alten Strukturen immer mehr zerbrachen, zwangen die neuen sozialen Nachfragen den Staat aktiv zu intervenieren, um dieses sozial und ethnisch so gegensätzliche Land vor dem Zerfall zu bewahren. Die Expansion des nationalen Schulsystems, beginnend in den 50er Jahren, führte zu einer größeren Beteiligung von Schülern, vor allem jedoch von Schülerinnen.1 Dieser Prozess war der erste Schritt, der Hauptimpuls, um die Stellung der Frau in der sozialen, politischen und ökonomischen Struktur des Landes zu verändern. Es kam allmählich zu einem Bruch der Isolation der Frau innerhalb ihres gewohnten und traditionellen familiären Umfeldes, zu steigender politischer sowie sozialer Partizipation, und zu wachsendem Zugang zu Ausbildung und Kastellanisierung.2 Immer mehr Frauen studierten und versuchten, in den Arbeitsmarkt zu gelangen. Jedoch führten diese Veränderungen – aufgrund eines ungleich verteilten Zuganges zu Bildung und Arbeit – zu einer Verschärfung der Unterschiede zwischen den Klassen, sowie zwischen Land- und Stadtbevölkerung; hierbei besonders innerhalb der weiblichen Bevölkerung. Die Zugangsmöglichkeiten für Frauen, insbesondere für Akademikerinnen zum Arbeitsmarkt, waren sehr beschränkt. Somit begann sich die weibliche Bevölkerung, als Ausdruck ihres Protestes und ihrer Frustration, vermehrt in verschiedenen Bewegungen und Organisationen zu beteiligen und zu organisieren.

Die militärische Regierung unter General Velasco, die sich 1968 an die Führung putschte, zerstörte die traditionellen, sozialen und politischen Strukturen des Landes und setzte große soziale und ökonomische Reformen durch.3 Im Zuge der radikalen Politik unter der Militärregierung Velasco´s kam es zur Entwicklung von wichtigen, sozialen, zivilen Protestbewegungen, die von linken und sozialistischen Parteien unterstützt wurden, sowie zur Bildung diverser, nationaler Organisationen und Vereinigungen. Mitte der 70er Jahre erlitt die peruanische Wirtschaft einen herben Rückschritt. Dies führte zu wirtschaftlichem Chaos und sozialem Protest, immer mehr begleitet von einer wachsenden, weiblichen Partizipation. So bildeten sich, im Zuge der anhaltenden ökonomischen Probleme, der aufkommenden, feministischen Bewegung, und mit Hilfe der Unterstützung der linken Parteien, in den 70er Jahren soziale und feministische Frauenorganisationen.4 Doch hatte innerhalb dieser angespannten und kritischen, politischen, sozialen und ökonomischen Situation des Landes auch eine Organisationen seinen Ursprung, welche das Land über viele Jahre hinweg terrorisieren sollte: Sendero Luminoso – PCP.

II. Sendero Luminoso (SL) – PCP : Ein Überblick

[...]


1 So avancierte Peru zu einem der Länder Lateinamerikas, welches am meisten in den Bildungssektor investierte. Zwischen 1960 und 1981 wurden 40 neue Universitäten gegründet.

2 Im Jahre 1955 wurde das Wahlrecht für Frauen durchgesetzt (nicht für Analphabetinnen).

3 So setzte eine radikale Reform der Wirtschafts- und Sozialstruktur ein. Zu den am stärksten einschneidenden Aktionen gehörten die Verstaatlichung eines Teiles der Landwirtschaft und der Industrie sowie der ausländischen Banken. Vor allem die Bauern waren die Leidtragenden, die vom Staat in allen Belangen (sozial, kulturell, ökonomisch) nicht berücksichtigt wurden.

4 Die ersten vier Frauenorganisationen Perus formierten sich die in den 70er Jahren: Flora Tristán, Manuela Ramos, Mujeres en Lucha und Frente Socialista de Mujeres.

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