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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 27 Pages
Author: Jerome Bourdier
Subject: Politics - International Politics - Topic: European Union
Details
Institution/College: University of Tubingen
Tags: Euro-Mediterrane, Partnerschaft, Erweiterungs-, Nachbarschaftspolitik
Year: 2006
Pages: 27
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-54597-6
ISBN (Book): 978-3-638-66264-2
File size: 217 KB
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Abstract
Die Euro-Mediterrane Partnerschaft (EMP), auch bekannt unter Barcelona-Prozess, feierte im November 2005 ihr 10-jähriges Jubiläum. Sie definiert die multi- sowie bilateralen Beziehungen zwischen der EU und den südlichen Mittelmeerstaaten. Sie wird heute stark diskutiert und ist unter Experten äußerst umstritten, da die gewünschten Erfolge bisher ausgeblieben sind und die hochgesteckten und ehrgeizig formulierten Ziele der EU und den Mittelmeerdrittländern (MDL) nicht erreicht werden konnten. Seit 2004 gestaltet die EU ihre Beziehungen zu Nachbarstaaten nun im Rahmen der neuen Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP). Diese Tatsache wirft im Hinblick auf die EMP durchaus mehrere Fragen auf: Ist die EMP nicht obsolet geworden bzw. müsste sie nicht neu überdacht werden? In diesem Kontext stellt sich weiterhin die Frage, ob die ENP die EMP auf lange Sicht ablösen soll oder ob sie nur eine weitergehende, komplementäre Komponente der EMP darstellt. Zudem ist fraglich, ob die EMP unterhalb des „Daches“ der ENP anzugliedern ist, oder ob die beiden verschiedenen Außenpolitiken auf „ein und derselben Ebene stehen“. Trotz aller Kritik an der EMP gibt es Argumente, die dafür sprechen, die EMP auch unter einer neuen EU-Nachbarschaftspolitik beizubehalten und zu stärken. Diese Arbeit ist in zwei Teile unterteilt. Kapitel 1 wird sich ausschließlich der EMP vor Implementierung der ENP widmen. Im Rahmen dessen werde ich zunächst den Barcelona Prozess, seine Ziele und Konzeption erläutern. Anschließend werde ich versuchen, eine Bilanz dieser Partnerschaft zu ziehen. Das zweite Kapitel bearbeitet die EMP innerhalb der neuen EU-Nachbarschaftspolitik. Nach einem kurzen Überblick über den Hintergrund der Entstehung der ENP werde ich die EMP im neuen Kontext der ENP betrachten und Schnittmengen sowie Unterschiede und etwaige Zielkonflikte analysieren. Dies wird deutlich machen, dass und in welcher Weise die neue ENP den Rahmen der EMP verändert. Abschließen werde ich dieses Kapitel mit dem Versuch eines Ausblicks, in welchem die Perspektiven der EMP für die EU und die MDL innerhalb der ENP in Form einer Chancen- und Risikenanalyse aufgezeigt werden. Ein kleines Fazit und eine eigene Stellungnahme werden am Ende dieser Arbeit stehen.
Excerpt (computer-generated)
Die Euro-Mediterrane Partnerschaft
vor und innerhalb der ENP
von: Jerome Bourdier
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Die EMP 2
1.1 Entstehung der Partnerschaft im historischen Kontext 2
1.2 Ziele und Konzeption der Partnerschaft 3
1.2.1 Korb I - Politische und Sicherheitspolitische Partnerschaft 5
1.2.2 Korb II - Wirtschafts- und Finanzpartnerschaft 5
1.2.3 Korb III- Partnerschaft im sozialen, kulturellen und menschlichen Bereich 6
1.3 Bilanz der Partnerschaft 6
1.3.1 Erfolge und Potentiale der Partnerschaft 7
1.3.2 Probleme und Misserfolge der Partnerschaft 9
2. Die EMP innerhalb der ENP 14
2.1 Hintergrund 14
2.2 Die ENP und der neue Rahmen für die EMP 15
2.3 Perspektiven der EMP innerhalb der ENP 19
2.3.1 Bestehende Probleme und Risiken für die EMP innerhalb der ENP 20
2.3.2 Potentiale und Chancen für die EMP innerhalb der ENP 21
3. Fazit und eigene Stellungnahme 22
Literatur 25
Einleitung
Die Euro-Mediterrane Partnerschaft (EMP), auch bekannt unter Barcelona-Prozess, feierte im November 2005 ihr 10-jähriges Jubiläum. Sie definiert die multi- sowie bilateralen Beziehungen zwischen der EU und den südlichen Mittelmeerstaaten. Sie wird heute stark diskutiert und ist unter Experten äußerst umstritten, da die gewünschten Erfolge bisher ausgeblieben sind und die hochgesteckten und ehrgeizig formulierten Ziele der EU und den Mittelmeerdrittländern (MDL) nicht erreicht werden konnten. Seit 2004 gestaltet die EU ihre Beziehungen zu Nachbarstaaten nun im Rahmen der neuen Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP). Diese Tatsache wirft im Hinblick auf die EMP durchaus mehrere Fragen auf: Ist die EMP nicht obsolet geworden bzw. müsste sie nicht neu überdacht werden? In diesem Kontext stellt sich weiterhin die Frage, ob die ENP die EMP auf lange Sicht ablösen soll oder ob sie nur eine weitergehende, komplementäre Komponente der EMP darstellt. Zudem ist fraglich, ob die EMP unterhalb des „Daches“ der ENP anzugliedern ist, oder ob die beiden verschiedenen Außenpolitiken auf „ein und derselben Ebene stehen“. Trotz aller Kritik an der EMP gibt es Argumente, die dafür sprechen, die EMP auch unter einer neuen EU-Nachbarschaftspolitik beizubehalten und zu stärken. Ich werde im Rahmen dieser Arbeit versuchen, die vorliegende Thematik so weit wie möglich zu erfassen und kontrovers darzustellen sowie die angesprochenen Fragen soweit es geht aufzunehmen. Teils ist eine Beantwortung meines Erachtens noch nicht möglich, da sich die EU selbst noch nicht im Klaren über alles zu sein scheint. Diese Problematik soll ebenfalls deutlich gemacht werden.
Diese Arbeit ist in zwei Teile unterteilt. Kapitel 1 wird sich ausschließlich der EMP vor Implementierung der ENP widmen. Im Rahmen dessen werde ich zunächst den Barcelona Prozess, seine Ziele und Konzeption erläutern. Anschließend werde ich versuchen, eine Bilanz dieser Partnerschaft zu ziehen. Das zweite Kapitel bearbeitet die EMP innerhalb der neuen EU-Nachbarschaftspolitik. Nach einem kurzen Überblick über den Hintergrund der Entstehung der ENP werde ich die EMP im neuen Kontext der ENP betrachten und Schnittmengen sowie Unterschiede und etwaige Zielkonflikte analysieren. Dies wird deutlich machen, dass und in welcher Weise die neue ENP den Rahmen der EMP verändert. Abschließen werde ich dieses Kapitel mit dem Versuch eines Ausblicks, in welchem die Perspektiven der EMP für die EU und die MDL innerhalb der ENP in Form einer Chancen- und Risikenanalyse aufgezeigt werden. Ein kleines Fazit und eine eigene Stellungnahme werden am Ende dieser Arbeit stehen.
1. Die EMP
1.1 Entstehung der Partnerschaft im historischen Kontext
Die Wurzeln des Barcelona Prozesses gehen bis in die Römischen Verträge zurück, wo mit den französischen Protektoraten Tunesien und Marokko spezielle Beziehungen aufgenommen wurden, in Analogie zu den auf koloniale Herkunft basierenden EU-AKP-Beziehungen. Die Mittelmeerpolitik der EG beschränkte sich anfangs jedoch auf ökonomische Aspekte (Einfuhrhilfen, -präferenzen, etc.). Die in den 1970ern und 1980ern geschaffenen Assoziierungs- und Kooperationsabkommen sollten der EG gewisse Möglichkeiten geben, politischen Druck auf diese Region auszuüben, um Stabilität zu gewährleisten. Diese globale Mittelmeerpolitik und der 1976 ins Leben gerufene Europäisch-Arabische Dialog wurden durch einige weitere Initiativen der EG ergänzt, die auf Drängen und Anstoß der südlichen EG-Staaten aufgenommen wurden, aber alle ihr Ziel ebenso verfehlten, wie die vorherigen.1 Eine neue Euro-Mediterrane Partnerschaft wurde schließlich, erneut auf Drängen der südlichen EU-Mitgliedstaaten (MS) Frankreich, Spanien und Italien, 1994 beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs in Essen ins Leben gerufen. Aufgrund der bevorstehenden Beschließung des Beitritts der ost- und mitteleuropäischen Staaten war es den oben genannten Ländern von enormer Bedeutung, dass die Zusammenarbeit mit den Mittelmeeranrainern nicht in den Hintergrund rückt, um ihre Interessen (Kampf gegen illegale Immigration, Konkurrenz der billigeren Südfrüchte, etc.) weiterhin im gesamteuropäischen Kontext deutlich machen zu können und um die Interessen zu Gemeinschaftsinteressen zu machen. Deshalb ging die spanische Delegation sogar so weit, mit der Blockade der Osterweiterung zu drohen falls dem Süden nicht mehr Bedeutung zukam. 2
Da die Vollendung des Binnenmarktes abgeschlossen und das Schengener Abkommen verabschiedet war, wurden illegale Einwanderung oder organisierte Kriminalität zu Problemen für alle EU-MS und waren nunmehr keine Partikularinteressen der südeuropäischen MS.3 Aufgrund dessen und aufgrund der damaligen Einschätzung, dass der Friedensprozess im Nahen Osten nunmehr unumkehrbar sei4, konnten die restlichen MS der EU recht rasch von der spanisch-französisch-italienischen Initiative überzeugt werden. So wurde auf der Barcelona-Konferenz die Euro-Mediterrane Partnerschaft ins Leben gerufen und von der EU und ihren damals 15 MS und den Mittelmeeranrainern mit Ausnahme Libyens unterschrieben, weshalb die Partnerschaft auch als Barcelona Prozess bezeichnet wird. Die 12 teilnehmenden MDL waren damals: Algerien, Ägypten, Jordanien, Libanon, Malta, Marokko, Tunesien, Israel, Palästinensische Autonomiebehörde, Zypern, Syrien, Türkei. Lybien besitzt seit 1999 einen Beobachterstatus. Malta und Zypern sind 2004 im Rahmen der EU-Erweiterungsrunde MS der EU geworden. Die Türkei genießt aufgrund der Tatsache, dass sie Beitrittskandidat ist, heute einen gesonderten Status und ist nicht mehr Teil der EMP. Somit sind es heute noch 9 MDL, eventuell mit Lybien bald 10.5
1.2 Ziele und Konzeption der Partnerschaft
Die Verhandlungen zwischen der EU, ihren MS und den MDL waren bereits im Vorfeld durch eine gewisse Asymmetrie in der Verhandlungsmacht gekennzeichnet, welche sich bis heute fortgesetzt und die Partnerschaft geprägt hat. Dies ist zurückzuführen auf die Tatsache, dass die MDL von Beginn an stark von den wirtschaftlichen Nutzen, welche die Partnerschaft ihnen bringen sollte, abhängig waren und somit im Wesentlichen die Bedingungen akzeptierten, welche die EU stellte.
Das oberste deklarierte, formelle Ziel der EMP ist die "Schaffung eines Raumes des Friedens, der Stabilität und des gemeinsamen Wohlstandes".6 Im Vordergrund steht de jure eine Demokratisierung der Mittelmeerregion, die zur Unterstützung des Ziels der Union zur Schaffung eines stabilen, demokratischen Rings von Nachbarn der EU dienen soll. Zudem sah der Barcelona Prozess als zweites Kernelement (gemeinsamer Wohlstand) die Schaffung einer Freihandelszone (FHZ) bis 2010 vor. Das Hauptaugenmerk der Partnerschaft wurde auf eine nachhaltige und dauerhafte Wirtschaftsentwicklung in der gesamten Region gesetzt. Von einem solchen Wirtschaftswachstum erhoffte sich die EU starke spill-over Effekte auf die politische Ebene, was ja auch ein probates Mittel in der Genese der Europäischen Gemeinschaften gewesen war. Der Hauptgedanke dieser Euro-Mediterranen Partnerschaft ist also, das Sicherheitsproblem der Union und das Wohlstandsproblem des Südens gemeinsam zu bekämpfen, indem die Prosperität des Südens die Sicherheitsbedürfnisse der EU befriedigt7.
[...]
1 Masala Carlo, Die Euro-Mediterrane Partnerschaft: Geschichte – Struktur – Prozesse, Zentrum für Europäische Integrationsforschung, Bonn 2000, S. 5-12
2 Masala Carlo, Die Euro-Mediterrane Partnerschaft: Geschichte – Struktur – Prozesse, Zentrum für Europäische Integrationsforschung, Bonn 2000, S. 12-14
3 Schlotter Peter, Die Europäische Union als außenpolitischer Akteur? Zur Kohärenz der EU-Mittelmeerpolitik und zur Rolle der Kommission, Integration 4/2005, S. 319
4 Jünemann Annette, Zehn Jahre Barcelona-Prozess: Eine gemischte Bilanz. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, Bundeszentrale für politische Bildung, November 2005, S. 7
5 http://europa.eu.int/comm/external_relations/euromed/index.htm
6 Jünemann Annette, Zehn Jahre Barcelona-Prozess: Eine gemischte Bilanz. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, Bundeszentrale für politische Bildung, November 2005, S. 7
7 Khalatbari, Babak, Naher Osten, Nordafrika und die EU im 21. Jahrhundert – Die euro-mediterrane Partnerschaft zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 2004, S. 1
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