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Der Erzähler in Konrads von Würzburg "Der Trojanische Krieg" close

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Der Erzähler in Konrads von Würzburg "Der Trojanische Krieg"

Termpaper, 2006, 32 Pages
Author: Andrea Mathussek
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Event: Der Trojanische Krieg Konrads von Würzburg
Institution/College: Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg
Tags: Erzähler, Konrads, Würzburg, Trojanische, Krieg, Trojanische, Krieg, Konrads, Würzburg
Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 32
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 25  Entries
Language: German
Archive No.: V61087
ISBN (E-book): 978-3-638-54615-7

File size: 209 KB
Notes :
Die Arbeit untersucht die Selbstdarstellung des Erzählers in Konrads von Würzburg "Der Trojanische Krieg". Danach wird Bezug auf verschiedene Erscheinungsformen des Erzählers genommen, immer vor dem Hintergrund der Frage, inwieweit sich mittelalterliche Texte mit modernen Kategorien der literarturwissenschaftlichen Beschreibung untersuchen lassen.



Excerpt (computer-generated)

Der Erzähler in Konrads von Würzburg
"Der Trojanische Krieg"

von: Andrea Mathussek

 


Inhaltsverzeichnis

1. Realität oder Fiktion des Erzählers im mittelalterlichen Roman

2. Zur Situation Konrads von Würzburg als Dichter in Basel

3. Die Selbstdarstellung des Dichters im Prolog des ′Trojanerkrieges′

3.1. Angaben zu Autor und Auftraggeber
3.2. Dichterstolz und Bescheidenheit
3.3. Dichter und Publikum
3.4. Präsentation der Ziele des Werks

4. Erscheinungsformen des Erzählers im ′Trojanerkrieg′

4.1. Gliedernde Einschübe

4.1.1. Vorausdeutungen
4.1.2. Rückwendungen
4.1.3. Aufforderungen zur Aufmerksamkeit
4.1.4. Abkürzungen

4.2. Beglaubigende Einschübe

4.2.1. Wahrheitsbeteuerung
4.2.2. Quellenberufung

4.3. Eingeschobene Fragen
4.4. Erläuterungsformel
4.5. Veranschaulichende Einschübe

4.5.1. Vergleich
4.5.2. Hyperbel und Superlativ
4.5.3. Unsagbarkeitsformel

4.6. Didaktische Einschübe

4.6.1. Sentenzen
4.6.2. Dichterische Stellungnahme
4.6.3. Vergleiche mit der Norm
4.6.4. Lob und Tadel

4.7. Exkurse

5. Funktion und Wirkung der Erzählhaltung und Selbstdarstellung des Erzählers im ′Trojanerkrieg′

6. Literaturverzeichnis

6.1. Primärliteratur
6.2. Sekundärliteratur


 


 

1. Realität oder Fiktion des Erzählers im mittelalterlichen Roman

Eine an den Methoden der Neueren Literaturwissenschaft ausgerichtete Herangehensweise an die Romane des Mittelalters im Allgemeinen und die Werke Konrads von Würzburg im Besonderen würde bei der Untersuchung der Autorinterventionen in diesen Texten von der Einschaltung einer fiktionalen narrativen Instanz durch den Autor ausgehen. In einer Mittlerposition zwischen Autor und Hörer würde diese keinesfalls1 fraglos mit dem Verfasser des Werkes gleichgesetzt werden dürfen.2 Bei der Betrachtung der Literatur des Spätmittelalters muss jedoch von einem davon deutlich verschiedenen Verhältnis des Schriftstellers zu seinem Text und dessen Inhalt ausgegangen werden. Ein Grund hierfür ist die Stellung der Dichtung im Mittelalter. Weil diese als ′Wissenschaft′, als Teil der septem artes angesehen wurde, ist nicht davon auszugehen, dass "der Dichter als Autorität sein Wissen mittels eines fiktionalen Erzählers vorführte".3 Trotzdem darf die Erzählerstimme im mittelalterlichen Roman nicht als deckungsgleich mit der Stimme des Dichters verstanden werden und der aus dem Text interpretierbare Erzählerstandpunkt nicht selbstverständlich als der des Dichters angesehen werden. Dies wird schon durch die Tatsache deutlich, dass Dichter des Mittelalters des öfteren in für verschiedene Auftraggeber verfassten Texten unterschiedliche Meinungen und Ansichten zu vertreten scheinen. Vielmehr muss von einer "Transformation des Autors in den Erzähler" ausgegangen werden, "die sich mit dem ersten Wort eines literarischen Textes vollzogen hat".4 Darin muss die Möglichkeit des Dichters impliziert gesehen werden, nicht als er selbst mit allen Eigenheiten und Ansichten als Erzähler in Erscheinung zu treten, sondern statt dessen ein inszeniertes Selbstbild zu zeichnen. Dieses kann je nach Absicht des Dichters, den Intentionen seines Auftraggebers oder seinem intendierten Publikum mehr oder weniger mit der Person des Autors identisch sein.5 Um aber gerade Abweichungen der Einheit von Autoren- und Erzählerstimme erkennen zu können, sollten biographische Aspekte - soweit bekannt - mit in die Analyse des Erzählers im spätmittelalterlichen Roman einfließen.

2. Zur Situation Konrads von Würzburg als Dichter in Basel

Verglichen mit anderen Dichtern des Mittelalters, lässt sich das Leben Konrads von Würzburg und damit die Umstände seines literarischen Schaffens aufgrund von Zeugnissen etwas genauer rekonstruieren.6 Seine in Basel entstandenen Werke7 gelten gemeinhin als "ungewöhnlich frühe Dokumente eines typisch städtischen Literaturbetriebs"8. In einer Zeit des Umbruchs veränderte sich mit dem Erstarken der Städte und dem damit verbundenen politischen Machtverlust für die Adelshöfe9 auch die Situation der Dichter. Während die "Auseinandersetzungen zwischen Psittichern und Sternern, Stadt und Bischof" 10 in Basel in vollem Gange waren, dichtete Konrad dort für einen "wohl kleinen Kreis von Literaturkennern und Literaturliebhabern"11, war aber trotzdem schon zu Lebzeiten über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Er verfasste Auftragsdichtungen für weltliche, aber auch geistliche einflussreiche Mäzene wie den Bürgermeister und Inhaber höchster städtischer Ämter Peter Schaler, aber auch für dessen politischen Kontrahenten Johannes von Arguel12.13 Nachdem bereits im Hohen Mittelalter der Anteil an weltlicher Dichtung immer mehr gestiegen war und volkssprachliche Texte gegenüber der lateinischen Literatur an Zahl und Bedeutung gewannen14, nahm im Späten Mittelalter die Zahl der städtischen Berufsdichter zu, die nun nicht mehr länger den Hof zum Zentrum ihres literarischen Schaffens hatten. Für Konrads Zeit in Basel liegen greifbare Daten über Hausbesitz, Familie und Begräbnisstätte vor, die zumindest für diesen Lebensabschnitt auf Sesshaftigkeit des Dichters hinweisen.15

Somit begegnet man in Konrad von Würzburg einem nichtadeligen, zumindest für eine große Zeitspanne seines Lebens sesshaften Berufs- und Auftragsdichter, womit er gleich mehrere für die Dichter des Späten Mittelalters noch äußerst unübliche biographische Merkmale auf sich vereint. Auch bezüglich des Selbstverständnisses der Dichter markiert der Beginn des 13. Jahrhunderts eine Zeit des Wandels. Dichter sahen sich nun mehr und mehr abgehoben von ihren Hörern als "selbstständige Persönlichkeiten"16, was sich beispielsweise in den zu dieser Zeit aufkommenden Selbstbenennungen der Autoren in ihren Werken äußerte.17 Auch im Werk Konrads findet dieses neue dichterische Selbstbewusstsein unterschiedliche Realisationen.

3. Die Selbstdarstellung des Dichters im Prolog des ′Trojanerkrieges′

[...]


1 Eine Ausnahme bilden autobiographische Schriften.

2 Zur Methodenproblematik bei der Analyse der Erzählhaltung im spätmittelalterlichen Roman vgl. VOELKEL, CAROLA: Der Erzähler im spätmittelalterlichen Roman. (Frankfurt am Main, 1978) Kap.B: "Moderne Literaturtheorien und die Romane des Mittelalters". S. 9-27

3 Zur Frage der Fiktionaliät des Erzählers im Spätmittelalterlichen Roman vgl. VOELKEL (1978) S.44

4 SCHOLZ, MANFRED GÜNTER: Hören und Lesen. Studien zur primären Rezeption der Literatur im 12. und 13. Jahrhundert. (Wiesbaden, 1980) S. 9

5 Trotz der genannten Einschränkungen wird im Folgenden nicht zwischen den Termini ′Erzähler′ und ′Dichter′ unterschieden.

6 vgl. SCHWEIKLE, GÜNTHER: Konrad von Würzburg. In: LUTZ, BERND/ JESSING, BENEDIKT (Hrsg.): Metzler Autoren Lexikon. (Stuttgart und Weimar, 2004) S. 444 f.

7 Wozu neben dem ′Trojanerkrieg′ beispielsweise auch die Legenden ′Alexius′ und ′Silvester′ sowie ′Pantaleon′ gezählt werde. Vgl. BRANDT, RÜDIGER: Konrad von Würzburg. Kleinere epische Werke. (Berlin, 2001) S. 25

8 PETERS, URSULA: Literatur in der Stadt. Studien zu den sozialen Voraussetzungen und kulturellen Organisationsformen städtischer Literatur im 13. und 14. Jahrhundert. (= Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur. Bd. 7) (Tübingen ,1983) S. 114

9 vgl. MEYER, WERNER: Basel im 13. Jahrhundert. In: SCHMIDT-CADALBERT, CHRISTIAN (Hrsg.): Das ritterliche Basel. Zum 700. Todestag Konrads von Würzburg. (Basel, 1987) S. 23-31

10 RUPP, HEINZ: Konrad von Würzburg. In: SCHMIDT-CADALBERT (1987) S. 34

11 RUPP, HEINZ: Konrad von Würzburg. In: SCHMIDT-CADALBERT (1987) S. 33

12 Johannes von Arguel war Führer einer "Volkspartei, die unter Bischof Heinrich von Neuenburg auf den Rat Einfluss nimmt und mit dem Kollegium der Zunftmeister über eine eigene Behörde verfügt". Vgl. MEYER (1987) S. 28

13 vgl. HEINZLE, JOACHIM (Hrsg.): Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zum Beginn der Neuzeit. Bd. 2: Vom hohen bis zum späten Mittelalter. Teil 2: Wandlungen und Neuansätze im 13. Jahrhundert: (1220/30-1280/90). (Königstein, 1984) S. 58

14 BAHR, EHRHARD (Hrsg.): Geschichte der deutschen Literatur. Kontinuität und Veränderung. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. In 3 Bänden. Bd. 1: Vom Mittelalter bis zum Barock. (Tübingen und Basel, ²1999) S. 76 f.

15 vgl. BRANDT, RÜDIGER: Konrad von Würzburg. (= Erträge der Forschung. Bd. 249) (Darmstadt, 1987) S. 64 ff.

16 vgl. VOELKEL (1978) S.32

17 vgl. VOELKEL (1978) S.32


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