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Der spätzeitliche Archaismus, Ausdruck sozialen Wandels?

Autor: M.A. Sabine Neureiter
Fach: Archäologie

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Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 1993
Seiten: 160
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 257  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 612 KB
Archivnummer: V61108
ISBN (E-Book): 978-3-638-54634-8

Textauszug (computergeneriert)

Universität Hamburg

Der spätzeitliche Archaismus,
Ausdruck sozialen Wandels?

Wissenschaftliche Hausarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades
einer Magistra Artium

vorgelegt von Sabine Neureiter
1993

 

Inhaltsverzeichnis

1. Teil

1. Problemstellung ... 5
1.1 Einführung ... 5
1.2 Thema, methodischer Ansatz, Quellen ... 6
1.3 Zu den Begriffen "Spätzeit" und "Archaismus" ... 8

2. Forschungsstand und Interpretationen ... 10
2.1 Einführung ... 10
2.2 Zu den Interpretationen des Archaismus ... 11
2.2.1 Adolf Erman ... 11
2.2.2 Hermann Junker ... 13
2.2.3 Walther Wolf ... 15
2.2.4 John A. Wilson ... 18
2.2.5 Hermann Kees ... 22
2.2.6 Eberhard Otto ... 24
2.2.7 Hellmut Brunner ... 30
2.2.8 Jan Assmann ... 36
2.3 Resumée ... 51

2. Teil

3. Grundlagen ... 54
3.1 Einführung ... 54
3.2 Soziale Systeme, Gesellschaft und Interaktion ... 55
3.3 Kulturelle Konstanz und Tradition ... 58
3.4 Sozialer Wandel und soziale Veränderungen ... 61
3.5 Ethnozentrismus und Revitalisationsbewegungen ... 62
3.6 Resumée ... 67

4. Zu den gesellschaftlichen Veränderungen ... 70
4.1 Einführung ... 70
4.2 Geschichtlicher Abriß der 21.-26. Dynastie ... 71
4.3 Zur Individualisierung ... 77
4.3.1 Zur Religion ... 77
4.3.2 Zur Bildniskunst und Literatur ... 84
4.3.3 Zu den Gräbern ... 91
4.4 Resumée ... 99

5. Zur Selbstbeschreibung der herrschaftstragenden Elite ... 102
5.1 Einführung ... 102
5.2 Zu den Reinheitsvorstellungen ... 102
5.3 Zur Literalität ... 105
5.4 Zur Legitimation ... 112
5.5 Resumée ... 118

Abkürzungen ... 121

Bibliographie ... 123

Register ... 136

Anhang ... 145

Zeittafel ... 145

Abbildungen ... 146

 

Der spätzeitliche Archaismus, Ausdruck sozialen Wandels 1

1. Teil

1. Problemstellung

1.1 Einführung

Keinem Bearbeiter der altägyptischen Geschichte ist der Archaismus, d.h. das Zurückgreifen auf alte Kulturelemente, als ein Charakteristikum der Spätzeit entgangen. Es gibt so viele unterschiedliche Ansichten zum Archaismus und seinen Erscheinungsformen wie es Bearbeiter gibt. In "Zum Verständnis der archaisierenden Tendenzen in der ägyptischen Spätzeit", der ersten konkreten Analyse des Phänomens, schreibt Brunner:


All diese Erscheinungen sind dem Fachmann wohlbekannt.... Mannigfaltig in Grundsatz wie in Nuancen sind die in der Forschung bisher vertretenen Deutungsversuche. (Brunner 1970, 155)

Deutungen der Erscheinungsformen, wie sie in der Nachfolge so bedeutender Ägyptologen wie Adolf Erman oder Gaston Maspero schon seit der Jahrhundertwende (modifiziert) übernommen wurden, sind heute in erster Linie wissenschaftsgeschichtlich interessant.2 Bis zu den siebziger Jahren wurden zwar die Ausdrucksformen des Archaismus in Kunst oder Literatur untersucht, nicht jedoch der spätzeitliche Archaismus als kulturelles Phänomen.3

Der Spätzeit wurde seitens der Ägyptologie in den vergangenen zwei Jahrzehnten zwar eine immer größer werdende Bedeutung zugesprochen, die Herangehensweise an den Archaismus als ägyptologischen Forschungsgegenstand ist heute dennoch grundsätzlich keine andere, als sie es vor den siebziger Jahren war. Auch in neueren, zeitlich und thematisch sehr begrenzten Untersuchungen werden die Formen des spätzeitlichen Archaismus nicht in einen größeren Kontext gebracht.

Hier setzt diese Arbeit an: mittels soziologischer und ethnologischer Ansätze soll ein neuer Deutungsversuch des Archaismus dargestellt werden.

Zunächst sei der Begriff "Revitalisierung" eingeführt. Revitalisieren meint Wiederbeleben. Alte Kulturelemente werden aufgegriffen und neu belebt; d.h. sie werden mit neuen Inhalten gefüllt. "Wiederbelebung eines Vergangenen bedeutet auch bereits Umdeutung, denn ein kultureller Habitus, der nur noch in der Erinnerung besteht, ist, ′wiederbelebt′, nicht mehr mit sich identisch" (Mühlmann 21964, 11). Positiv ausgedrückt: "Das ′Zurückgreifen′ ist anders als das Evolutionär- Ursprüngliche, ist eine bereits reichere Potenz" (Mrsich 1979, 209).4

Revitalisierungen finden sich in allen Kulturen; sie finden sich weltweit in den verschiedensten Ausformungen.5 Allein aus diesem Grund ist es zweckmäßig, sich zum Verständnis des Archaismus der Theorien der vergleichenden Kulturwissenschaften zu bedienen. So eröffnen sich Interpretationsmöglichkeiten, die rein ägyptologischer Betrachtungsweise entgehen müssen, da in der Ägyptologie, disziplinbedingt, kaum Theorien über kulturelle Phänomene existieren; zudem mangelt es oftmals an konkreten Begriffsbestimmungen oder ihrer korrekten Anwendung.6


1.2 Thema, methodischer Ansatz, Quellen

In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, den Archaismus im Kontext der sozialen Veränderungen der altägyptischen Gesellschaft, als Ausdruck eines Anpassungsprozesses, zu interpretieren.7 Zwar ergibt sich aus der Fragestellung dieser Arbeit die Möglichkeit eines Interpretationsversuchs, jedoch kann dieser im Rahmen einer wissenschaftlichen Hausarbeit nicht verifiziert werden. Ein detaillierter Beweis kann nicht erbracht werden, denn dies ist nur unter Berücksichtigung der Primärquellen möglich.

Es geht in dieser Arbeit also nicht darum, die noch darzulegende These zu beweisen, sondern anhand einer Analyse der Forschungslage die Möglichkeit einer neuen Deutung des Archaismus darzustellen. Methodisch entspricht ein solches Vorgehen einem Sammeln von Daten anhand von Sekundärquellen. Der nächste Schritt wäre der, die Primärquellen auf die These hin zu untersuchen.

[...]


1 Das Thema dieser wissenschaftlichen Hausarbeit entwickelte sich aus dem Oberseminar "Kulturelle Wiederbelebung als Typ kultureller Dynamik" von Prof. Jensen am Institut für Ethnologie der Universität Hamburg im SS 1992.

2 Bibliographische Einzelheiten zum Archaismus und seinen Erscheinungen s. Brunner (1970), (1975); Der Manuelian (1983b); Nagy (1973).

3 Die oben in Anm. 2 genannten Arbeiten von Brunner und Nagy sind bis heute die einzigen zum Archaismus als solchem.

4 S. a. Assmann, Assmann (1987), 18.

5 S. La Barre (1971); Mühlmann (21964); Weiss (1988).

6 S. a. Trigger (1979), bes. 27ff.

7 Zu den theoretischen Grundlagen s. unten Kap. 3.

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