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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 37 Pages
Author: Björn Böhling
Subject: History - Early and Ancient History
Details
Institution/College: University of Hamburg (Seminar für Alte Geschichte)
Tags: Alleinherrschaft, Gaius, Iulius, Caesar, Königsfrage, Rex-Titel, Diadem, Diktator, Hauptseminar, Alte, Geschichte, Caesar, Krise, Republik
Year: 2002
Pages: 37
Grade: 1
Bibliography: ~ 18 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-54706-2
ISBN (Book): 978-3-638-68864-2
File size: 680 KB
In dieser Hausarbeit geht es um die Frage, ob Caesar die Königswürde anstrebte oder nicht. Dafür werden einschlägige Quellen (Appian, Cassius Dio, Nikolaus von Damaskus, Plutarch, Sueton) herangezogen und der aktuelle Forschungsstand zu dieser Frage aus der Literatur erarbeitet (Alföldi, Bleicken, Canfora, Dahlheim u.a.).
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Abstract
Diese Hausarbeit befasst sich mit der Frage inwieweit Caesar seine diktatorische Herrschaft in eine monarchische umzuwandeln gedachte, welche konkreten Beweise für eine daraus entstandene Thesen zu finden sind und schließlich ob er dies überhaupt im Sinn hatte. Die Darstellung bezieht sich auf den Zeitraum des ‚Ersten Triumvirats’ bis zu Caesars Ermordung im März 44 v.Chr. und schließt den späteren Übergang von der Republik zum Prinzipat des Augustus aus. Caesars Handeln und Streben, oder auch sein Unterlassen, soll hier im Mittelpunkt stehen und nachvollzogen werden. Die Quellenlage zu dieser speziellen Fragestellung ist als äußerst dürftig zu bezeichnen. Zwar stellen viele antike Autoren Caesars Wirken bis zur Alleinherrschaft im Rahmen einer Römischen Geschichte dar, doch zu der obigen Fragestellung ist es – wie noch gezeigt wird – äußerst schwierig, passende Antworten zu finden. Cassius Dio, Sueton und Plutarch sind hier hauptsächlich zu nennen. Die Literaturlage ist dagegen als reichlich zu bewerten. Ob dies hier allerdings eher positiv als negativ zu beurteilen ist, wird sich im Laufe der Arbeit zeigen. Im Großen und Ganzen lässt sich bei vielen Althistorikern etwas zu der Fragestellung finden, das Literaturverzeichnis stellt einige hier behandelte Werke vor. In der historischen Forschung ist die Fragestellung seit der Zeit Theodor Mommsens immer wieder Objekt der Diskussion. Die in dieser Arbeit vorgestellten Forschungsmeinungen stehen sich teilweise diametral gegenüber. Auch Enthaltungen unter den Althistorikern sind zu finden, und stattdessen werden Verweise auf die dünne Forschungslage gegeben. Bis heute konnte kein übergreifender Konsens erzielt werden. So kommen hier ausgewählte Historiker stellvertretend für die verschiedenen Meinungen zu Wort. Die Königsfrage an sich ist fester Bestandteil des Diskurses um den Untergang der römischen Republik. Es wird hier versucht, quasi auf detektivischem Weg, die Indizien herauszufinden, die Caesar mit der Monarchie in Verbindung bringen oder bringen könnten. Des Weiteren werden exemplarisch Historiker und ihre Thesen bzw. Interpretationen dargestellt. Zentral bei der Untersuchung der Königsfrage sind die Caesar zugestandenen Ehrungen und mehrere Szenen, die für ihn eine Konfrontation mit der Monarchie bedeuteten. Die herausgearbeiteten Ergebnisse werden schließlich vor der endgültigen Bewertung in Beziehung zur tatsächlichen Quellenlage gesetzt und an Hand der Quellen bewertet.
Excerpt (computer-generated)
UNIVERSITÄT HAMBURG, Seminar für Alte Geschichte
Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaft
Hauptseminar: Caesar und die Krise der römischen Republik
SoSe 2002, 6. Semester
Die Alleinherrschaft des Gaius Iulius Caesar - und die
Königsfrage, Rex-Titel und Diadem für den Diktator?
von: Björn Böhling
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Darstellung: Die Jahre 60 - 44 v.Chr. – Der Aufstieg Caesars bis zu den Iden des März 4
2.1. Das ‚Erste Triumvirat’ 60 v.Chr. (Pompeius, Crassus, Caesar) 4
2.2. Der Bürgerkrieg 9
2.3. Die Diktatur: Caesar – Alleinherrscher Roms 11
3. Indizien für Caesars „königliche“ Ziele (?) 14
3.1. Triumphfeiern und persönliche Ehrungen 15
3.2. Caesars Eigendarstellung und Machtausweitung durch weitere (politische und sakrale) Ehrungen 16
3.3. Krönungsversuche – Königsinsignien an der Statue, Rex-Rufe aus der Menge und die Szene am Luperkalienfest 17
4. Die Bewertung der Ereignisse in Bezug zur Königsfrage in der Forschung 19
5. Eigene Position und Schlussbemerkung 25
6. Anhang 31
7. Chronologie 34
8. Quellen 36
9. Literatur 37
1. Einleitung
Diese schriftliche Hausarbeit schließt unmittelbar an das mündliche Referat im Hauptseminar Alte Geschichte am Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaft der Universität Hamburg an. Im Seminar wurde im Rahmen der Untersuchung des Untergangs der römischen Republik auch die Frage der Rolle Caesars1 aufgeworfen und in besagtem Referat speziell auf die Frage eingegangen, inwieweit Caesar seine diktatorische Herrschaft in eine monarchische umzuwandeln gedachte, welche konkreten Beweise für daraus entstandene Thesen zu finden sind und ob er dies überhaupt im Sinn hatte. Diese Fragestellung soll auch Hauptbestandteil dieser schriftlichen Arbeit sein, nachdem sie im Referat weder inhaltlich noch zeitlich befriedigend behandelt werden konnte. Die Darstellung bezieht sich auf den Zeitraum des ‚Ersten Triumvirats’ bis zu Caesars Ermordung im März 44 v.Chr. und schließt den späteren Übergang von der Republik zum Prinzipat des Augustus aus. Caesars Handeln und Streben, oder auch sein Unterlassen, soll hier im Mittelpunkt stehen und nachvollzogen werden.
Die Quellenlage zu dieser speziellen Fragestellung ist als äußerst dürftig zu bezeichnen. Zwar stellen viele antike Autoren Caesars Wirken bis zur Alleinherrschaft im Rahmen einer Römischen Geschichte dar, doch zu der obigen Fragestellung ist es – wie noch gezeigt wird – äußerst schwierig, passende Antworten zu finden. Cassius Dio, Sueton und Plutarch sind hier hauptsächlich zu nennen. Die Literaturlage ist dagegen als reichlich zu bewerten. Ob dies hier allerdings eher positiv als negativ zu beurteilen ist, wird sich im Laufe der Arbeit zeigen. Im Großen und Ganzen lässt sich bei vielen Althistorikern etwas zu der Fragestellung finden, das Literaturverzeichnis stellt einige hier behandelte Werke vor.
In der historischen Forschung ist die Fragestellung seit der Zeit Theodor Mommsens immer wieder Objekt der Diskussion. Die in dieser Arbeit vorgestellten Forschungsmeinungen stehen sich teilweise diametral gegenüber. Auch Enthaltungen unter den Althistorikern sind zu finden, und stattdessen werden Verweise auf die dünne Forschungslage gegeben. Bis heute konnte kein übergreifender Konsens erzielt werden. So kommen hier ausgewählte Historiker stellvertretend für die verschiedenen Meinungen zu Wort. Die Königsfrage an sich ist fester Bestandteil des Diskurses um den Untergang der römischen Republik. Es wird hier versucht, quasi auf detektivischem Weg, die Indizien herauszufinden, die Caesar mit der Monarchie in Verbindung bringen oder bringen könnten. Des Weiteren werden exemplarisch Historiker und ihre Thesen bzw. Interpretationen dargestellt. Zentral bei der Untersuchung der Königsfrage sind die Caesar zugestandenen Ehrungen und mehrere Szenen, die für ihn eine Konfrontation mit der Monarchie bedeuteten. Die herausgearbeiteten Ergebnisse werden schließlich vor der endgültigen Bewertung in Beziehung zur tatsächlichen Quellenlage gesetzt und an Hand der Quellen bewertet.
Einleitend wird die Geschichte Caesars dargestellt, wie Caesar zu seiner Machtstellung kam, wie er als Diktator herrschte und welche Macht ihm eigentlich schon oblag (Kap. 2). Vor diesem Hintergrund gliedert sich der Hauptteil in mehrere Kapitel zur Fragestellung. Ehrungen und so genannte Krönungsversuche (Kap. 3) werden zunächst dargestellt, um daran die Forschungsmeinungen zu überprüfen (Kap. 4). Abgeschlossen wird diese Arbeit mit einer eigenen Position (Kap. 5), der eine ausführliche Darstellung der Quellenaussagen voransteht und die auch auf die Argumentationen der Historiker eingeht. Dieser Hausarbeit angeschlossen ist ein Anhang, sowie zur leichteren Orientierung eine Zeitleiste.
2. Darstellung: Die Jahre 60 - 44 v.Chr. – Der Aufstieg Caesars bis zu den Iden des März
Bevor der Frage nachgegangen werden soll, ob Caesar die Königswürde für sich beanspruchen wollte, ist es notwendig, kurz auf die Ereignisse einzugehen, durch die er erst in die Lage versetzt wurde, im republikanischen Rom alleine zu regieren.2
2.1. Das ‚Erste Triumvirat’ 60 v.Chr. (Pompeius, Crassus, Caesar)
In den politischen Mittelpunkt geriet Caesar ab 60 v. Chr. Zusammen mit Cn. Pompeius und M. Licinius Crassus bildete er das ‚Erste Triumvirat’.3 Pompeius hatte sich im Auftrag des Senats in den Kämpfen gegen Sertorius hervorgetan, der seit dem Jahre 80 der popularen Partei im diesseitigen Spanien vorstand und nach dem Tod Sullas versuchte, zusammen mit dem Konsul von 78, M. Aemilius Lepidus, der alten marianischen Anhängerschaft in Italien eine neue Führung zu geben. Auch in der folgenden Zeit wurde Pompeius mit außerordentlichen Kommandogewalten ausgestattet, die ihm sogar Befugnisse im Herrschaftsgebiet der Prokonsuln sicherten. So beseitigte er erfolgreich innerhalb von 40 Tagen die Seeräubergefahr im Mittelmeer und besiegte 65/64 den erneut in Griechenland eingefallenen König Mithradates VI., sowie dessen Bundesgenossen, den König von Armenien, und rückte schließlich auch in Syrien ein, wo er den Staat völlig neu ordnete. Außerdem richtete er die Provinzen Bithynia, Pontus und Syria neu ein und ordnete das gesamte ostanatolische und syrische Gebiet als Klientelfürstentümer den bestehenden Provinzen zu.
M. Licinius Crassus, der sich in sullanischer Zeit rücksichtslos ein ungeheueres Vermögen zusammengerafft hatte, hatte sich im Kampf gegen die aufständischen Sklaven bewiesen, mit Pompeius im Jahre 70 das Konsulat bekleidet und genoss großes Ansehen. Gaius Iulius Caesar war ein Neffe des C. Marius, der als erfolgreicher Feldherr und Schöpfer der Heeresreform berühmt geworden war, und galt als unbestrittener Führer der popularen Richtung. 4 Nach Meier entsprang Caesar einer sehr alten, aber politisch unbedeutenden Patrizierfamilie, die sich mit Marius verbunden hatte. So stand Caesar im Bürgerkrieg der achtziger Jahre auf der Seite des Marius und Cinnas. Er war 18 Jahre alt, als die Gegenpartei siegte und Sulla seine Diktatur begründete.5 Anfang der 70er Jahre hatte er, um der Verfolgung durch Sulla zu entgehen, in Kleinasien als Legat mehrere Sonderaufgaben mit den dortigen Militärkommandanten erledigt, war 71 Militärtribun, 70 Quaestor, 65 Aedil, 63 Pontifex maximus, 62 Praetor geworden und hatte im Anschluss an die Praetur das jenseitige Spanien verwaltet (62/61).6 Außerdem gehörte er zu den geschicktesten Politikern der Zeit, hatte eine außergewöhnliche Begabung als politischer Redner und war mit allem Ehrgeiz darum bemüht, diese Begabung auszubilden.7 Er konnte aber auch äußerst skrupellos handeln, denn laut Plutarch lag ihm daran, „an politischer und militärischer Macht der Erste zu sein.“8 Er stützte sich dabei auf die Popularen und festigte so seine Macht.9
[...]
1 Die Abbildung auf der ersten Seite zeigt eine Caesarbüste aus dem Kapitolinischen Museum in Rom. Bezug über: http://www.phil.uni-erlangen.de/~platar/photo_html/portraet/roemisch/republik/benannt/caesar/caesar15.html (Download: 24.10.02)
2 Die folgenden Ausführungen sollen lediglich einen skizzenhaften Überblick über Caesars Wirken geben. Sie bilden den Hintergrund zur Thematisierung der Fragestellung. Aus diesem Grund wurde versucht, die Darstellung möglichst kurz zu halten. Für ausführlichere Informationen sei z.B. auf die Caesarbiographie von Luciano Canfora oder Karl Christ u.a. verwiesen.
3 Ursprünglich sollte auch Cicero zu diesem Dreierbündnis gehören, doch er lehnte ab und stellte sich auf die Seite der Optimaten. Cassius Dio geht von einer Initiative Caesars bei der Bildung dieses Männerbündnisses aus, denn dieser schmeichelte „Pompeius und Crassus ... so geschickt, daß er sie, obgleich sie auch damals noch in gegenseitiger Feindschaft lebten, ihre politischen Vereinigungen hatten und jeder dem anderen in allen seinen Plänen ... entgegenarbeitete, für sich gewann“ (Cassius Dio, XXXVII, 54,3).
4 Plutarch spricht davon, dass die populare Partei, nachdem Marius Sulla unterlag, „Caesar wieder aufzurichten und für sich zu gewinnen“ suchte (Plutarch, Caesar, 6).
5 Vgl. Meier 1980, S. 28.
6 Zu der Reihenfolge der Ämter siehe u.a. Sueton, Caesar, 5ff.
7 Vgl. Plutarch, Caesar, 3.
8 Plutarch, Caesar, 3.
9 Nur durch das Volk begann Caesars Karriere. Als Gegner der Senatspartei hätte er keinen Weg in die Politik gefunden. Das Amt des Kriegstribun war somit der einzige Weg. Zu dem Verhältnis von Caesar und dem römischen Volk siehe u.a. Plutarch, Caesar, 4, 5 und 8. Allerdings war Caesar auch schlau genug, um sich auch zu den anderen Seiten hin abzusichern. „Um der Feindschaft der Optimaten zu entgehen, suchte er den Eindruck zu erwecken, als unterstütze er auch deren Sache, und erklärte ihnen wiederholt, daß er keinen Antrag einbringen werde, der nicht auch ihnen nütze.“ (Cassius Dio, XXXVIII, 1)
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