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Die Marquise von O… Drehbuchartigkeit vom Kleists Novelle und die filmischen Konsequenzen Eric Rohmers

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 23 Pages
Author: Kerstin Müller
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V61351
ISBN (E-book): 978-3-638-54825-0

File size: 185 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Bayreuth, Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften
Hauptseminararbeit im Sommersemester 2005
Fachsemester: 2

Die Marquise von O… Drehbuchartigkeit vom Kleists Novelle
und die filmischen Konsequenzen Eric Rohmers

von: Kerstin Müller

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung  3

2 Voraussetzungen von Kleists Die Marquise von O… 5

2.1 Strukturelle Charakteristika der Novelle 5
2.2 Szenische Darstellung  6
2.3 Erzählgestus  7

3 Eric Rohmers filmische Konsequenzen aus der Kleistschen Vorlage 9

3.1 Strukturelle Umsetzung von der Novelle zum Film  9
3.2 Transformation der szenischen Darstellung 13
3.3 Kameraführung als Erzählerinstanz  16
3.4 Diskrepanzen zwischen Film und Novelle 17

4 Fazit  21

5 Literaturverzeichnis  22

 


 

1 Einleitung

Die Literaturverfilmung steht seit ihrem Beginn vor diversen Herausforderungen, die sich sowohl aus den spezifischen Charakteristika narrativer Texte an sich, als auch aus denen des Films ergeben. Sie findet sich schon immer als Sujet diverser Diskussionen wieder, besonders in Bezug auf ihr Gelingen oder ihre Werktreue. In seinen Anmerkungen zur Inszenierung von Heinrich von Kleists Die Marquise von O… erwähnt der französische Regisseur Eric Rohmer, die Novelle sei „schon ein echtes Drehbuch.“1 Im Zuge dieser Arbeit soll analysiert werden, inwieweit sie eine ideale Vorlage für eine textgenaue Verfilmung darstellt, und welche filmischen Konsequenzen Eric Rohmer in seiner gleichnamigen Adaption von 1976 daraus gezogen hat.

Die Verfilmung literarischer Vorlagen ist von Beginn des Films an ein wichtiger Bestandteil dessen gewesen.2 Im Zuge dieser Entwicklung sind verschiedene Arten der Literaturverfilmung entstanden die als Anhaltspunkt dienen sollen, um eine Einordnung der Die Marquise von O… zu ermöglichen. Borstnar spricht von drei Modi der Literaturverfilmung: der „illustrierten Version der Vorlage“, der „komplementären Gestaltung“ und der „Interpretation der Vorlage.“3

Die „illustrierte Version der Vorlage“ versteht sich demnach eher als eine Bebilderung der Kernaussagen, die besonders dicht an der Vorlage zu bleiben versucht. Als eine „komplementären Gestaltung“ bezeichnet Borstnar eine Übernahme zentraler Strukturen und Elemente. Allerdings können oberflächentextuell deutliche Abweichungen realisiert werden. Die „Interpretation der Vorlage“ gilt als die freieste Umsetzungsform. Hierbei werden nur ein paar Elemente und Strukturen übernommen, aber auch neue hinzugefügt. Diese Einteilung ist nur bedingt in der Praxis anwendbar, da die meisten Literaturverfilmungen in ihrer Transformation nicht homogen sind, und demnach auch nicht nur einer dieser drei Arten zuzuordnen sind.

Rohmers Die Marquise von O… bewegt sich in Bezug auf Borstnars Einteilung sicherlich weitestgehend im Bereich der „illustrierten Version der Vorlage.“ Dieser Aspekt wird in der später folgenden Analyse des Films sicherlich deutlich. Nicht jede literarische Vorlage ist gleichermaßen filmisch umsetzbar, dies wird besonders anhand der einzelnen Gattungen deutlich. So begünstigen einige Formen die Transformation, während andere sie eher hemmen. Der Film selbst zeichnet sich durch seine Nähe sowohl zum Theater, also zum Dramatischen, als auch zum narrativen Text. Bohnenkamp betont hierbei die enge Verwandtschaft von Theater und Film „aufgrund der gemeinsamen Eigenschaften der Plurimedialität und der Kollektivität von Produktion und Rezeption.“4 Gleichsam nähert sich der Film aber auch dem narrativen Text an, da er, im Gegensatz zum Theater, keine perspektivische Konstante aufweist, sondern darin variieren kann und ebenso wie der narrative Text über ein vermittelndes Kommunikationsmedium, wie Kamera oder Erzähler, verfügt. 5 Das Drama steht daher in einer Art Sonderstellung im Bezug auf die Verfilmbarkeit. Aus diesem Grund sollen zunächst die narrativen Textformen untersucht werden.

Der Roman an sich ist, trotz seines Umfangs, beispielsweise kein Hinderungsgrund für eine Verfilmung, wie sich in der Praxis deutlich gezeigt hat, jedoch müssen bei der Adaption Kompromisse eingegangen werden, derer sich andere Gattungen zum Teil entziehen können. Die größte Herausforderung bei der Transformation eines Romans besteht darin, die durch die Länge oft unabdingbare Kürzung des Geschehens so umzusetzen, dass die filmisch erzählte Geschichte nichts an Kohärenz verliert. Die Novelle, als „literarische Zwischengattung“6 ist aufgrund mehrerer Charakteristika besonders für eine Verfilmung geeignet. Zum einen ist es möglich bei der Novelle, aufgrund ihrer kurzen Form, die inhaltliche Reduktion auf ein Minimum zu senken. Gleichsam bietet die Novelle nur wenige komplexe Handlungsstränge, ebenso eine nur knappe Exposition, welches einer filmischen Umsetzung gleichermaßen entgegenkommt. Lyrische Texte sind hingegen unter den zahlreichen Literaturverfilmungen kaum anzutreffen.7 Dies ist vermutlich auf das weitaus größere Maß an Metaphorik und Allegorie, sowie das Fehlen von Dialogen und narrativer Erzählform zurückzuführen. Dieser Aspekt spielt jedoch auch bei den schon genannten Formen eine Rolle. So sind generell Textpassagen mit sehr metaphorischem oder deskriptivem Charakter filmisch schwierig umsetzbar, da sie in Bezug auf die fortlaufende Handlung eine Leerstelle darstellen. Borstnar fügt hierzu an, dass besonders beim Anstreben einer „illustrierten Version der Vorlage einige Textdaten filmisch in besonderer Weise umgesetzt werden“ müssen.8 So stellen literarisch häufig auftretende Techniken wie Zeitsprünge oder allgemein zeitliche Präzisierungen bei ihrer filmischen Adaption ein Problem dar.9 Als ebenso schwierig gilt die Umsetzung von Erzählerkommentaren oder generell schwierig darstellbaren Besonderheiten, wie Gedanken oder dem inneren Monolog beispielsweise.10 Je mehr Abstrakta eine literarische Vorlage aufweist, desto schwieriger ist ihre filmische Umsetzung. Die hier aufgezählten Kriterien für einen literarischen Text, die eine Verfilmung ermöglichen lassen sich am Beispiel von Kleists Die Marquise von O… besonders deutlich darstellen. Im Folgenden sollen die Aspekte der Novelle erarbeitet werden, die sie in Bezug auf die Verfilmbarkeit günstig erscheinen lassen und ihr auch schon eine gewisse Drehbuchartigkeit zuschreiben. Im weiteren Verlauf wird dann Eric Rohmers Version der Kleistschen Novelle in Bezug auf diese Aspekte analysiert.

2 Voraussetzungen von Kleists Die Marquise von O…

2.1 Strukturelle Charakteristika der Novelle

[...]


1 Rohmer , Eric: Anmerkungen zur Inszenierung und Interview. in: Die Marquise von O…. Frankfurt, 1995. S.111

2 Gast, Wolfgang: Literaturverfilmung. Bamberg, 1993. S.13

3 Borstnar, Nils: Einführung in die Film- und Fernsehwissenschaft. Konstanz, 2002. S. 78

4 Bohnenkamp Anne. Vorwort. Literaturverfilmungen als intermediale Herausforderung. in: Literaturverfilmungen. Stuttgart, 2005. S. 28

5 ebd., S. 29

6 ebd., S. 29

7 ebd., S. 29

8 Borstnar, S. 78

9 ebd., S. 78

10 Dies wird in der Regel umgesetzt, indem der Schauspieler nicht spricht, seine Stimme jedoch aus dem Off diese Gedanken vorträgt.


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