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Der Symbolische Interaktionismus nach Herbert Blumer aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht

Termpaper, 2006, 21 Pages
Author: Anne Waldow
Subject: Communications: Interpersonal Communication

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 21
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V61367
ISBN (E-book): 978-3-638-54838-0

File size: 258 KB


Excerpt (computer-generated)

Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald, Institut für Deutsche Philologie
Proseminar: Theorien der interpersonalen Kommunikation
Sommersemester 2006, Semester: 4

Der Symbolische Interaktionismus nach Herbert Blumer
aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht

von: Anne Waldow

 


Inhaltsangabe

1 Einleitung 2

2 Zur Entstehungsgeschichte des Symbolischen Interaktionismus  3

3 Der Symbolische Interaktionismus nach HERBERT BLUMER 4

3.1. Grundsätze des Symbolischen Interaktionismus 4
3.2. Kernvorstellungen des Symbolischen Interaktionismus  6

3.2.1. Menschliche Gesellschaft  6
3.2.2. Soziale Interaktion 7
3.2.3. Objekte  8
3.2.4. Der Mensch als handelnder Organismus  9
3.2.5. Menschliches Handeln 10
3.2.6. Handlungsverkettung 12

4 Bedeutsame Aspekte für die Kommunikationswissenschaft  13

4.1. Interpersonale Kommunikation und Verständigung 14
4.2. Neues Selbstverständnis  16
4.3. Organisationskommunikation 17

5 BLUMERs Handlungstheorie im kommunikations-wissenschaftlichen Diskurs – eine abschließende Betrachtung  18

Literatur 20


 

 

1 Einleitung

Menschliche Gesellschaft und Kommunikation sind untrennbar miteinander verbunden. Das macht die Wissenschaft der Kommunikation zu einer interdisziplinären Empirie, die ganz wesentlich auf Grundgedanken zum Beispiel der Psychologie oder Soziologie aufbauen kann. Zudem handelt es sich um eine relativ junge Wissenschaft, deren Selbstverständnis sich ohne einen solchen Rückgriff nur schwerlich etablieren könnte. In diesem Zusammenhang sei besonders der Einfluss der Sozialwissenschaft zu betonen. Sie hält eine Reihe von Theorien bereit, die soziale Phänomene beschreiben oder erklären. Menschliches Handeln und Verständigung spielen dabei oft eine Rolle, sodass Forscher zu grundlegenden Erkenntnissen für die Kommunikationswissenschaft kommen können. Die Frage, ob die Theorie des Symbolischen Interaktionismus nach dem Soziologien HERBERT BLUMER (1900 – 1987) eine ebensolche für die Kommunikationswissenschaft bedeutende Theorie darstellt, war Gegenstand des Proseminars „Theorien interpersonaler Kommunikation“, das im Sommersemester 2006 an der Universität Greifswald angeboten wurde. Neben zahlreichen anderen sozialwissenschaftlichen und sozialpsychologischen Theorien, wurde dort die BLUMER´sche Handlungstheorie beleuchtet. Die vorliegende Hausarbeit ist aus diesem Seminar heraus entstanden und soll zeigen, ob und welche relevanten Rückschlüsse für die interpersonale Kommunikation aus dieser Theorie zu ziehen sind.

Im Zentrum der Sozialtheorie nach BLUMER steht der Mensch als handelndes Individuum, dessen wahrgenommene Umwelt in jeder Situation von ihm selbst neu erschaffen wird. Der Mensch lebt in einer permanent wandelnden Welt, die höchst subjektiv erfahren wird und nur auf der Grundlage wechselseitiger Verständigung mit anderen Menschen begründet werden kann. Wie dies genau funktioniert und welche Folgerungen BLUMER daraus für die menschliche Gesellschaft ableitet, soll im dritten Kapitel der vorliegenden Arbeit geklärt werden. Dabei stellt der 1973 von ihm auf Deutsch veröffentlichte Artikel „Der methodologische Standort des Symbolischen Interaktionismus“1 die wesentliche Textgrundlage dar. Zunächst jedoch soll im zweiten Abschnitt eine kurze historische Ausführung zur Entstehung des Symbolischen Interaktionismus vorgenommen werden. Im letzten Kapitel der Arbeit sollen dann die Ansätze herausgearbeitet werden, die BLUMER für die Kommunikationswissenschaft bedeutend machen.

2 Zur Entstehungsgeschichte des Symbolischen Interaktionismus

BLUMERs Schaffen bezüglich des Symbolischen Interaktionismus ist weitgehend auf die Ideen des amerikanischen Wissenschaftlers GEORGE HERBERT MEAD (1863–1931) zurückzuführen. Dieser direkte Einfluss lässt sich leicht nachvollziehen, denn BLUMER war Schüler des Professors für Philosophie und Psychologie. 1928 promovierte BLUMER an der University of Chicago, bevor sein Mentor drei Jahre später verstarb. Fortan übernahm BLUMER dessen wissenschaftliche Lehre und blieb in Chicago, bis er 1952 nach Berkeley an die University of California wechselte. Auch MEADs kognitives Erbe der sozialtheoretischen Ansätze führte er weiter. Im Mittelpunkt seiner Arbeit standen dabei MEADs Annahmen zur symbolvermittelten Kommunikation, die er übernahm und vertiefte. BLUMER betrachtet darin das Individuum als aktiv Handelnden im menschlichen Interaktionsprozess und versucht, sich von traditionellen Ansichten der Psychologie und Soziologie abzugrenzen. Das kommt besonders zum Ausdruck, wenn er seinen theoretischen Grundannahmen einen „wirklichkeitsverbundenen Ansatz der wissenschaftlichen Erforschung“ 2 zuspricht, der auf Methoden der sogenannten „weichen Wissenschaft“ (z.B. Beobachtung, Interviews) aufbaut.

MEAD selber wird oft als Begründer und Vertreter des Symbolischen Interaktionismus dargestellt, was prinzipiell nicht falsch ist. Doch war es BLUMER, der als Wissenschaftler der namhaften „Chicagoer Schule“ der wichtigste Motor dieses eigenständigen soziologischen Paradigmas war. Die Ideen und Autoren, die allgemein auf diesen theoretischen Ansatz zurückzuführen sind, sind weitaus zahlreicher und nicht nur auf BLUMER – und damit auch Urvater MEAD – zu reduzieren. BLUMER selbst hebt diesen Aspekt hervor und erwähnt in diesem Zusammenhang herausragende amerikanische Wissenschaftler wie WILLIAM JAMES (1842-1910), JOHN DEWEY (1859-1952) oder CHARLES HORTON COOLEY (1864-1929).3 Dessen ungeachtet war es aber BLUMER, der dieser Denkrichtung erst den Eigennamen gab: 1937, sechs Jahre nach dem Tod von MEAD, erwähnte er den Begriff „Symbolischer Interaktionismus“ das erste Mal in einem Artikel.

3 Der Symbolische Interaktionismus nach HERBERT BLUMER

Wie eben herausgestellt, basieren die grundlegenden Gedanken HERBERT BLUMERs auf MEADs sozialtheoretischen Ansätzen. BLUMER greift daher in seinen Arbeiten auch immer wieder direkt auf ihn zurück. An gegebenen Stellen der folgenden Kapitel werden MEADs Ansichten parallel erläutert – genau wie es BLUMER in seinen Arbeiten getan hat.

BLUMERs Anliegen ist es, Aussagen über Gesellschaft und soziale Phänomene wie personale Interaktion oder menschliches Handeln zu machen. Das erfordert vorab bestimmter Grundannahmen, die entscheidend für das Verstehen des Symbolischen Interaktionismus sind. Es gilt also, zunächst diese Prämissen zu erläutern. Danach soll im Abschnitt 3.2. auf deren Schlussfolgerungen eingegangen werden.

3.1. Grundsätze des Symbolischen Interaktionismus

[...]


1 BLUMER, S. 80-146.

2 Ebd. S. 130.

3 Vgl. ebd., S. 80.


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