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"Der Gottesbegriff nach Auschwitz" - Hans Jonas´ Versuch, das Schweigen Gottes angesichts von Auschwitz zu erklären

Autor: Bernhard Riedl
Fach: Theologie - Systematische Theologie

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Details

Veranstaltung: Warum? Das Leiden als Frage an Gott.
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin
Tags: Gottesbegriff, Auschwitz, Hans, Jonas´, Versuch, Schweigen, Gottes, Auschwitz, Warum, Leiden, Frage, Gott
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 18
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 172 KB
Archivnummer: V61502
ISBN (E-Book): 978-3-638-54942-4

Textauszug (computergeneriert)

FU - Berlin, SS 2004
Hausarbeit zum Seminar: Warum? Das Leiden als Frage an Gott

"Der Gottesbegriff nach Auschwitz" - Hans Jonas´ Versuch,
das Schweigen Gottes angesichts von Auschwitz zu erklären

von: Bernhard Riedl

 


I Einleitung S. 2 - 4

II Hauptteil

1. Philosophische Voraussetzungen S. 4 - 6
2. Der ohnmächtig leidende Gott in Hans Jonas´ „Der Gottesbegriff nach Auschwitz“ S. 6 - 12
3. Eine Reaktion aus christlicher Sicht: Eberhard Jüngels Antwort auf Jonas´ Entwurf S. 12 - 14

III Gemeinsamkeiten und Differenzen des Gottesbegriffs bei Hans Jonas und Eberhard Jüngel S. 14 - 17




 

I Einleitung

Im Jahre 1984 erhielt Hans Jonas von der Evangelisch-theologischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität den Dr. Leopold-Lucas-Preis verliehen. Das Thema seines Festvortrages „Der Gottesbegriff nach Auschwitz. Eine jüdische Stimme“ drängte sich ihm auf, als er erfuhr, dass der Namensträger des Preises in Theresienstadt starb und dessen Frau ebenso wie Jonas´ Mutter in Auschwitz ermordet wurde. Jonas wählte das Thema, wie er schreibt, mit „Furcht und Zittern“ 1. Denn seinem Philosophieverständnis stand die Schuld gegenüber, den Opfern von Auschwitz „so etwas wie eine Antwort auf ihren längst verhallten Schrei zu einem stummen Gott nicht versagen“ zu können. Anders gesagt, er wollte dem Schweigen Gottes nicht noch das Schweigen von Gott hinzufügen.

Hans Jonas wurde 1903 geboren. Er studierte bei Heidegger und Bultmann. Sein Verhältnis zum Judentum beschreibt er als typisch für moderne zeitgenössische Juden, die ihre Erbschaft nicht preisgeben haben, ohne dabei in strengem Sinne gläubig zu sein.2 Wohl am besten gibt seine Haltung ein Erlebnis wieder, von dem Jonas in Gesprächen mit Rachel Salamander berichtet: Jonas wurde einmal recht unvermittelt gefragt, ob er an Gott glaube. Salamander schreibt (Jonas wiedergebend): „So direkt bin ich das noch nie gefragt worden - und das von einer fast fremden Person! Ich sah sie erst etwas ratlos an, dachte nach und sagte - zu meiner eigenen Überraschung: ´Ja!` Hannah (Hannah Arendt, B. R.) zuckte zusammen - ich weiß noch, wie sie mich fast erschrocken ansah. >Wirklich?< Und ich erwiderte: >Ja. Letzten Endes ja. Was immer das bedeuten mag, die Antwort ´Ja` kommt der Wahrheit näher als ´Nein`.“3

In seinem Hauptwerk „Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technische Zivilisation“ 4 unternimmt Jonas den Versuch, eine allein auf Vernunft begründete Ethik zu entwerfen. Durch die fortschreitende Technik, etwa durch atomare Forschung, Bio-Medizin und Gentechnik, sieht er die Menschheit und die Welt im Ganzen gefährdet und gelangt zu dem an Kant angelehnten kategorischen Imperativ: "Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden."5 Zentrales Motiv der Philosophie Jonas´ ist es, auf der Grundlage menschlicher Würde die Wohnlichkeit der Welt zu erhalten. Das „Prinzip Verantwortung“ beruht auf philosophischen Überlegungen, deren Methode, so Jonas, konsequent „atheistisch“6 sein muss, ohne theologische Vorannahmen. Theologische Spekulation galt ihm als Abgehen vom erlaubten Weg der Philosophie7 oder „Luxus der Vernunft“8. Als Jude und Philosoph 9 gestattete er es sich jedoch zuweilen, die philosophische Disziplin zu überschreiten. In gewisser Weise ist seine theologische Spekulation privater Natur, denn wie er in Gesprächen mit Rachel Salamander sagte, wollte er niemanden überzeugen und auch keine Theorie vertreten, die er durchfechten muss. Er sei nicht einmal sicher, ob er sich selbst überzeugt habe. Doch in der Überzeugung, daß der reine Atheismus falsch ist, sei dies alles, was er an Göttlichem, das ehemals alles überstrahlte und das nun immer schwerer zu glauben möglich ist, noch akzeptieren kann.10

II Hauptteil

1. Philosophische Voraussetzungen

[...]


1 Jonas Hans: Der Gottesbegriff nach Auschwitz.. Eine jüdische Stimme. Suhrkamp, 1987, S. 7.

2 Vgl. Hans Jonas. Erinnerungen. Nach Gesprächen mit Rachel Salamander. Insel Verlag 2003, S. 341.

3 Siehe: ebd. S. 341

4 Jonas, Hans: Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technische Zivilisation. Frankfurt a. M., 1993.

5 Jonas, Hans Das Prinzip Verantwortung. . . . A. a. O. S. 36

6 Gemeint ist im Sinne eines Beiseite-Lassens der Frage nach Gott. Vgl. Christian Wiese im Nachwort zu: Hans Jonas. Erinnerungen. Nach Gesprächen mit Rachel Salamander. A. a. O. S. 393.

7 Siehe: Hans Jonas. Erinnerungen. Nach Gesprächen mit Rachel Salamander. A. a. O. S. 343

8 Siehe: Christian Wiese im Nachwort zu: Hans Jonas. Erinnerungen. Nach Gesprächen mit Rachel Salamander. A. a. O. S. S. 392

9 „Daß man zusammen Philosoph und Jude ist – darin liegt eine gewisse Spannung, das keine Frage.“ Christian Wiese im Nachwort zu: Hans Jonas. Erinnerungen. Nach Gesprächen mit Rachel Salamander. A. a. O. S. 393

10 Siehe: Hans Jonas. Erinnerungen. Nach Gesprächen mit Rachel Salamander. A. a. O. S. 344 f.

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