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Autor: Oliver Laschet
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Details
Institution/Hochschule: Universität zu Köln (Historisches Seminar)
Tags: Aegidius, Romanus, Einführungsseminar, Mittelalters
Jahr: 2001
Seiten: 17
Note: Sehr gut (1,0)
Literaturverzeichnis: ~ 10 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 195 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-54951-6
Textauszug (computergeneriert)
Universität zu Köln, Historisches Seminar
Einführungsseminar Mittlere Geschichte
3. Fachsemester, WS 2000/2001
Aegidius Romanus: De regimine principum
von: Oliver Laschet
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Biographische Angaben zur Person: Aegidius Romanus 3
3. Aristoteles und das 13. Jahrhundert 7
4. Der mittelalterliche Fürstenspiegel 7
5. Der Fürstenspiegel De regimine principum von Aegidius Romanus (1277-79) 10
5.1 Beurteilung und Absicht 10
5.2 Äußere und innere Struktur 11
5.3 Pflichten und Stellung eines „guten Herrschers“ gemäß Aegidius Romanus 13
6. Schlußbetrachtung 16
Literaturverzeichnis 17
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit verfolgt die Absicht, das Leben und die Person des Aegidius Romanus vorzustellen, um dann in einem zweiten Teil auf den von ihm verfaßten Fürstenspiegel De regimine principum näher eingehen zu können. Dazu scheint es sinnvoll, wenigstens kurz die äußeren wissenschaftlichen Bedingungen dieser Zeit aufzuzeigen. Eingeschoben worden ist eine knappe theoretische Charakterisierung der allgemeinen Merkmale eines mittelalterlichen Fürstenspiegels. Eine solche Darstellung ist - zumal in diesem Umfang - notwendig begrenzt, da eine wissenschaftliche Behandlung dieser Thematik eine Fülle an Literatur berücksichtigen müßte und eine Reichhaltigkeit an Problemstellungen impliziert. Es erschien dem Verfasser daher nicht sinnvoll und war ihm aufgrund der schwierigen Quellenlage darüber hinaus auch nicht selbständig möglich1, den inhaltlichen Schwerpunkt einseitig auf eine detaillierte Analyse von De regimine principum zu legen. Für das erste Verständnis und die richtige Einordnung ist es vielmehr ratsam, ebenso grobe Zusammenhänge des geistesgeschichtlichen Hintergrunds zu berücksichtigen. Dem Verfasser das Werk des Aegidius Romanus in einer Neuausgabe von 1967 vor2.
2. Biographische Angaben zur Person: Aegidius Romanus
Schon das Geburtsdatum des Aegidius Romanus scheint umstritten. Folgt man den diesbezüglichen Angaben in der behandelten Fachliteratur, wurde Aegidius zwischen 1243 und 1247 in Rom geboren3. Auch hinsichtlich seiner Zugehörigkeit zur mächtigen römischen Adelsfamilie der Colonna, der gerade in den letzten Jahren vor der Jahrhundertwende wieder eine bedeutende Stellung zukommen sollte4, stritten sich schon seine Zeitgenossen. Auch der modernen Forschung scheint die Quellenlage kein eindeutiges Urteil zu erlauben5.
In „jugendlichem Alter“ trat Aegidius in den erst wenige Jahre zuvor gegründeten Bettelorden der Augustinereremiten ein6. Dabei handelt es sich um eine durch Papst Alexander IV. 1256 vollzogene Vereinigung mehrerer Eremitenverbrüderungen, die nach der sogenannten Augustinusregel lebte und nicht der „stabilitas loci“, d.h. der lebenslangen Bindung an ein bestimmtes Kloster unterworfen war. Nach Beendigung seines Noviziats wurde Aegidius 1260 zusammen mit anderen Brüdern von seinem Ordensgeneral nach Paris gesandt, wo der Orden seit ca. 1259 ein eigenes Kollegium besaß7. An der dortigen Universität, sie stellte im 13. Jahrhundert eines der bedeutendsten Bildungszentren Europas dar8, gehörte er in den Jahren zwischen 1269 und 1272 dem engeren Schülerkreis des Dominikanermönches Thomas von Aquin an. Inwiefern er der „wohl bedeutendste Thomas-Schüler“9 oder auch „einer der eifrigsten Schüler des Thomas von Aquino“10 wurde, kann an dieser Stelle nicht erörtert werden. Wegen seines Eintretens für die aristotelischen Schriften11, entgegen deren Verurteilung und Verbot seitens der Pariser Universität, mußte Aegidius 1277 Paris verlassen.
[...]
1 Es liegt bis heute keine neuere vollständige Übersetzung von De regimine principum ins Deutsche, Englische oder Französische vor.
2 Aegidius Romanus: De regimine principum, ed. Hieronymus Samaritanius, Rom: Bartholomaeus Zanettus 1607, Neuausg. Aalen 1967.
3 Nach Adolar Zumkeller: Art. „Ae. Romanus“, in: LMA 1 (1980), Sp.178 wurde Aegidius „um 1243“ geboren. Cary J. Nederman/Kate Langdon Forhan (Hrsg.): Medieval Political Theory - A Reader. The quest for the body politic, 1100-1400, London/New York 1993, S. 149 und Richard Scholz: Die Publizistik zur Zeit Phillips des Schönen und Bonifaz’ VIII. Ein Beitrag zur Geschichte der politischen Anschauungen des Mittelalters (Kirchenrechtliche Abhandlungen, Heft 6-8), Stuttgart 1903, S. 33 datieren seine Geburt in das Jahr 1247. Für den Zeitraum zwischen 1243 und 1247 sprechen sich Tilman Struve: Die Entwicklung der organologischen Staatsauffassung im Mittelalter (Monographien zur Geschichte des Mittelalters, Bd. 16), Stuttgart 1978, S. 178 und Gerd Brinkhus: Art. „Fürstenspiegel nach Aegidius Romanus“ u.a., in: Verfasserlexikon. Die deutsche Literatur des Mittelalters, hrsg. v. Kurt Ruh u.a., Bd. 2, Berlin/New-York 1980, Sp. 1023 sowie Francesco Del Punta u.a.: Art. „Egidio Romano“, in: Dizionario biografico degli italiani, hrsg. v. Istituto della Enciclopedia Italiana, Bd. 42, Rom 1993, S. 319 aus. C. Nederman, Medieval Political Theory, S. 149 nennt als Geburtsort Columna ohne einen Beleg dafür anzubieten.
4 R. Scholz, Publizistik, S. 6 zufolge war der Abfall der beiden Kardinäle Jakob und Petrus Colonna 1297 von Bonifaz VIII. und deren versuchter Anschluß an Frankreich von entscheidender Bedeutung dafür, daß sich damals „im Kardinalskolleg eine Art Komplott gegen Bonifaz“ entwickelte.
5 Nach A. Zumkeller, Art. „Ae. Romanus“, Sp. 178 wird Aegidius „fälschlicherweise“ der Familie der Colonna zugeordnet. Vorsichtiger argumentieren G. Brinkhus, Art. „Fürstenspiegel nach Aegidius Romanus“, Sp. 1023 und R. Scholz, Publizistik, S. 32f., die seine Zugehörigkeit als umstritten betrachten. Für Belege in den Quellen vgl. R. Scholz, ebd., Anm. 2.
6 Es handelt sich dabei um das Kloster S. Maria del popolo in Rom; vgl. dazu und für das hier verwendete Zitat: Ebd., S. 33.
7 Vgl. ebd., Anm. 5.
8 Dazu kann hier zur Orientierung nur kurz angemerkt werden, daß sich ungefähr seit der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine neue Methode wissenschaftlicher Erörterung entwickelte, die ihre höchste Entfaltung im 13. Jahrhundert erreichte und eine gewisse Vollendung bei Thomas von Aquin fand. Praktiziert wurde diese, in gewisser Hinsicht dialektische Methode vornehmlich an den Universitäten, die sich ja ebenfalls erst im 13. Jahrhundert voll entwickelten. Dort entstanden die großen Sentenzenwerke, Summen und Quästionen der „scholastischen“ Philosophie. Die Universitäten wurden damit zu neuen Machtzentren des öffentlichen Lebens, zu Autoritäten, auf deren Erkenntnisse und Gutachten sich sowohl weltliche als auch geistliche Fürsten beriefen und die sie gegebenenfalls wohl auch fürchteten.
9 T. Struve, Organologische Staatsauffassung, S. 178.
10 R. Scholz, Publizistik, S. 33. Daß Aegidius Romanus Schüler des Thomas von Aquin war, steht außer Frage. Unklar scheint jedoch, wie lange und wo er dem Schülerkreis des Aquinaten angehörte. Scholz, ebd., Anm. 6 erwähnt, daß Aegidius den Aufzeichnungen von Thomas’ Biographen zufolge 13 Jahre lang bis zum Tode des Thomas, also 1274, sein „eifrigster Schüler“ gewesen sei. Das hieße also seit 1261. Da Thomas aber 1261 Paris verließ und erst 1269-1272 dahin zurückkehrte (Quellenbelege vgl. ebd.) kann Aegidius ihn in der Zwischenzeit nur in Italien zum Lehrer gehabt haben, wofür mir jedoch keine Belege bekannt sind.
11 Vgl. A. Zumkeller, Art. „Ae. Romanus“, Sp. 178.
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