'Entartete Musik' - Untersuchungen zur oftmals verschwiegenen Musikästhetik des ... close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

'Entartete Musik' - Untersuchungen zur oftmals verschwiegenen Musikästhetik des 3. Reiches und Impulse für den fächerübergreifenden Unterricht in der Realschule

Autor: Steffen Siegert
Fach: Musikwissenschaft

Lesen Sie im E-Book



Details

Institut: Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Tags: Entartete, Musik, Untersuchungen, Musikästhetik, Reiches, Impulse, Unterricht, Realschule
Kategorie: Examensarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 100
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 39  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 655 KB
Archivnummer: V61532
ISBN (E-Book): 978-3-638-54967-7
Anmerkungen :
Diese wissenschaftliche Hausarbeit ist Voraussetzung für die Prüfung zum 1. Staatsexamen.

Textauszug (computergeneriert)

Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Studienfach: Musik

„Entartete Musik“
Untersuchungen zur oftmals verschwiegenen Musikästhetik des 3. Reiches
und Impulse für den fächerübergreifenden Unterricht der Realschule

Wissenschaftliche Hausarbeit
zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Realschulen
nach der RPO I v. 16.12.1999

vorgelegt von: Siegert, Steffen
Wintersemester 2005/06

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung Seite ... 1

2. Die Reichskulturkammer (RKK) ... 2
2.1 Der Kampfbund für deutsche Kultur (KdfK) ... 2
2.2 Die einzelnen Kammern der RKK ... 9
2.3 Die Organisation der Kammern am Beispiel der RMK ... 13
2.4 Grafische Darstellung der RKK ... 14

3. Gesetzgebung und Definitionen zu „Entarteter Kunst“ und „Entarteter Musik“ ... 15
3.1 Gesetzliche Grundlagen ... 15
3.2 Definitionen im Vergleich ... 21

4. Aufgeführte musikalische Literatur des 3. Reiches ... 25
4.1 Wilhelm Furtwängler ... 26
4.2 Herbert von Karajan ... 30
4.3 Karl Böhm ... 33
4.4 Hans Knappertsbusch ... 35
4.5 Clemens Krauss ... 37
4.6 Fazit Nummer 1 ... 39
4.7 Franz Adam und Erich Kloss ... 40
4.8 Fazit Nummer 2 ... 43

5. Musikalische Werke ... 44
5.1 „Mathis der Maler“ von Paul Hindemith ... 44
5.1.1 Grundlage des Werkes ... 44
5.1.2 Musikalische Analyse und Aufbau ... 46
5.1.2.1 Der erste Satz „Engelkonzert“ ... 46
5.1.2.2 Der zweite Satz „Grablegung“ ... 50
5.1.2.3 Der dritte Satz  „Die Versuchung des heiligen Antonius“ ... 51
5.1.3 Fazit ... 53
5.2 Violinkonzert von Alban Berg 1935 ... 54
5.3 „Le sacre du Printemps“ von Igor Strawinsky ... 55
5.4 Jazz im 3. Reich ... 56
5.5 Die „Comedian Harmonists“ ... 58
5.6 Friedrich Hollaender ... 59

6. Ergebnisse der Untersuchungen „Musik im 3. Reich“ ... 60

7. „Entartete Musik“ im Unterricht ... 63
7.1 Klärung und Einführung in die Thematik ... 63
7.2 Fächerübergreifender Unterricht zum Thema „Entartete Kunst“ auf Grundlage des Bildungsplans 2004 (BP2004) ... 64
7.2.1 Berechtigung durch den BP2004 ... 65
7.2.2 Durchführung eines projektbezogenen, fächerübergreifenden Unterrichts ... 66
7.3 Umgang mit Vorurteilen ... 68

8. Fazit ... 70

9. Anlagen ... 71
9.1 Auswertung musikalischer Werke Furtwängler ... 71
9.2 Tabelle musikalischer Werke Furtwängler ... 76
9.3 Auswertung musikalischer Werke Karajan ... 78
9.4 Tabelle musikalischer Werke Karajan ... 81
9.5 Auswertung musikalischer Werke Böhm ... 84
9.6 Tabelle musikalischer Werke Böhm ... 85
9.7 Auswertung musikalischer Werke Knappertsbusch ... 86
9.8 Tabelle musikalischer Werke Knappertsbusch ... 87
9.9 Auswertung musikalischer Werke Krauss ... 88
9.10 Tabelle musikalischer Werke Krauss ... 88
9.11 Auswertung musikalischer Werke Adam ... 89
9.12 Tabelle musikalischer Werke Adam ... 91
9.13 Auswertung musikalischer Werke Kloß ... 92
9.14 Tabelle musikalischer Werke Kloß ... 93

Abkürzungen ... 94

Literaturverzeichnis und Quellenangabe ... 95

 

1. Einleitung

Es gibt wohl keinen anderen Abschnitt der Geschichte, der annähernd so gut erforscht und für die Bevölkerung erkundet ist wie die Zeit des 3. Reiches in Deutschland. Viele Historiker wie Norbert Frei, Golo Mann, Ernst Fraenkel, Raul Hilberg und seit wenigen Jahren via TV auch Guido Knopp klären in unzähligen Büchern und Fernsehsendungen über die grausamen Verbrechen des Regimes, den Holocaust1, „Hitlers Helfer“2, seine Manager3, Frauen, Kinder und neuerdings auch über die „Familie Hitler“ auf.

Als ich mich aus Interesse mit dem 3. Reich, zum Beispiel mit der Machtergreifung der Nazis, dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust sowie dessen schrecklichen Folgen auseinandergesetzt habe, fiel mir auf, dass das Gebiet der Kultur und das Feld des kulturellen Lebens im 3. Reich noch eine Art weißer Fleck auf der Landkarte der Geschichtsforschung sind.

Sicher hat man schon von der Hamburger „Swingjugend“ gehört und dass Wagner der Komponist war, der von Hitler am meisten verehrt wurde. Auch den Lieblingsmarsch des „Führers“, den „Badenweiler Marsch“, kennt man wenigstens dem Titel nach, auch wenn er öffentlich heute nicht mehr gespielt wird. Aber dann ist es auch schon oft zu Ende mit dem, was man über die Musik des 3. Reiches erfahren hat. Nicht viel besser sieht es mit der Bekanntheit der allgemeinen Kulturästhetik in den Bereichen Literatur, Theater, Presse und Rundfunk aus. Von „entarteter Kunst“ haben viele schon einmal gehört, doch was „entartete Kunst“ wirklich ist oder war, das weiß fast niemand. Es drängt sich die Frage auf, wieso sich diese Lücke in der Geschichtsforschung auftut. Die Antworten darauf sind mannigfaltig und reichen vom Desinteresse der Geschichtsforscher, die offensichtlich keinen Anreiz sehen, einem bestimmten kulturellen Thema näher nachzugehen, bis hin zum Schweigen der Personen des damaligen kulturellen Lebens, die damit ihre Hörigkeit gegenüber diesem menschenverachtenden Regime verschleiern wollen, um sich ihre weiße Weste zu erhalten wie beispielsweise Herbert von Karajan. Aber immerhin gibt es auch einige Aspekte, die einen guten Ansatzpunkt für die Auseinandersetzung mit diesem Thema in der Realschule bieten und somit helfen können, ein größeres Interesse an dem Thema zu erzeugen und Anreize zu liefern sich nicht mit den oben genannten wenigen Fakten über die Musik während des 3. Reiches zufrieden zu geben. Als weiteres Beispiel für ein Objekt der NS– Kulturpolitik sind beispielsweise die „Comedian Harmonists“ zu nennen.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie sich Schülerinnen und Schüler auf die Suche nach Gründen dafür begeben, warum diese Musik plötzlich als „entartet“ galt, da zum einen vielen Schülern noch Lieder der „Comedian Harmonists“ in Erinnerung sind und auch der Film „Comedian Harmonists“ einen guten Einblick in die damalige Zeit gibt. Davon ausgehend können auch Einsichten in die Musikästhetik des 3. Reiches gewonnen werden.

Bevor ich nun den Aufbau meiner Arbeit darlege, schicke ich eine Definition von Musikästhetik voraus, die mir für diese Arbeit unerlässlich scheint. Unter Musikästhetik versteht man laut Lexikon „die Lehre vom Schönen in der Musik“.4 Und weiter: „Sie ist stets in die allgemeine Entwicklung der Philosophie eingebunden. Wie diese berührt sie Gebiete der Soziologie und der Psychologie. Sie versucht, Musik einen transzendenten Sinn zu geben, die sinnliche und geistige Erfahrung mit ihr philosophisch zu durchleuchten. Sie fragt nach dem Erkenntniswert der Musik, nach ihrer Stellung zur und innerhalb der Wirklichkeit. Ferner beschäftigt sich Musikästhetik mit internen musikalischen Problemen wie dem Verhältnis von Wort und Ton oder Form und Inhalt eines Werkes.5 Soweit die Definition des Lexikons. In dieser Arbeit werde ich am Ende darstellen, inwiefern es eine Musikästhetik während des 3. Reiches gab, inwiefern die zitierte Definition auf die damalige Situation zutrifft und ob es während des 3. Reiches ein anderes Verständnis von Musikästhetik gab und wie man mit dieser Musikästhetik umging. Auf bedeutende Systeme der Musikästhetik, welche unter anderem durch Platon und Aristoteles in der Antike und durch Rousseau und Kant in der Neuzeit entwickelt wurden, werde ich nicht eingehen, da sich keine Anhaltspunkte dafür finden lassen, dass sich die Nazis von einem dieser Systeme hätten beeinflussen lassen.

Mit dieser wissenschaftlichen Hausarbeit, welche ich im Rahmen meines Studiums zum Lehramt an Realschulen an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg schreibe, werde ich auf die Musikästhetik des 3. Reiches eingehen. Ich möchte versuchen herauszufinden, was ausschlaggebend war, dass ein Werk als entartet nicht mehr aufgeführt werden durfte oder warum es von den Nazis unbehelligt blieb. Den Hauptteil dieser Arbeit werde ich, auch aufgrund der Fülle diesbezüglicher Informationen, dazu verwenden, mich mit der „Musikästhetik“ auseinanderzusetzen und erst im Kapitel sieben, in dem ich Anregungen für die Auseinandersetzung mit dem Thema im Unterricht der Realschule gebe, werde ich auch auf andere kulturelle Bereiche eingehen wie beispielsweise die Bildende Kunst und die Literatur.

[...]


1 Hilberg 1999

2 Knopp 1999

3 vgl. Frei 2003

4 vgl. www.wissen.de; Stand: 03.09.2005

5 www.wissen.de; Stand: 03.09.2005

Kommentare

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/61532/