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Medien auf Kuba: Journalismus vor dem Hintergrund eines sozialistischen Regimes

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 25 Pages
Author: Kristin Dörr
Subject: Information Management

Details

Event: Hauptseminar: Information und Gesellschaft
Institution/College: Saarland University (Informationswissenschaft)
Tags: Medien, Kuba, Journalismus, Hintergrund, Regimes, Hauptseminar, Information, Gesellschaft
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 25
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 43  Entries
Language: German
Archive No.: V61544
ISBN (E-book): 978-3-638-54979-0

File size: 257 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität des Saarlandes
Informationswissenschaft
Hauptseminar: Information und Gesellschaft
Thema der Hauptseminararbeit:

Medien auf Kuba:
Journalismus vor dem Hintergrund eines sozialistischen Regimes

eingereicht von:
Kristin Dörr
April 2005

Wintersemester 2004/2005

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 3
1.1 Kontext und Thema der Arbeit ... 3
1.2 Ziel und Vorgehensweise ... 4

2. Journalismus und politische Systeme ... 5

3. Kuba ... 8
3.1 Länderdaten  ... 8
3.2 Geschichte ... 10
3.3 Politisches System ... 12

4. Medien und Journalismus auf Kuba: Bestandsaufnahme ... 15
4.1 Offizieller Journalismus ... 15
4.2 Unabhängiger Journalismus ... 17
4.3 Internet ... 20

5. Fazit ... 21

Literaturverzeichnis ... 23

 

1. Einleitung
1.1 Kontext und Thema der Arbeit

Die Wechselbeziehungen zwischen Information und Gesellschaft stehen immer wieder im Zentrum kontroverser öffentlicher Diskussionen. Die Informationsgesellschaft, allgemein verstanden als eine durch ein hohes Maß an Informations- und Wissensvermittlung geprägte Gesellschaft, zeichnet sich durch die Produktion, Sammlung, Verwertung und Verbreitung von Information und Wissen aus. Diese Verbreitung geschieht in der Regel über Massenmedien, wozu Presse, Hörfunk, Fernsehen und das Internet gezählt werden. Die Publikumsinformation, ein Schwerpunkt der Informationswissenschaft, beschäftigt sich damit, wie Medien dieser Funktion gerecht werden. Grundlage dafür ist die in vielen Ländern der Welt gesetzlich verankerte Pressefreiheit, ein Grundrecht zur ungehinderten Herstellung und Verbreitung von Presseerzeugnissen. Dieses Fundament trägt in Demokratien zur Information, zur persönlichen Meinungsbildung der Gesellschaft und zur Ausübung von Kritik und Kontrolle bei – die zentralen Funktionen von Massenmedien (Chill/Meyn 2000, S. 3).

In anderen Regierungssystemen bleibt der Gesellschaft und den Journalisten als Vertreter der Massenmedien das Recht auf die Ausübung dieser Medienfunktionen verwehrt. Das ist zum Beispiel auf Kuba der Fall: Die Pressefreiheit gilt nur im Rahmen der sozialistischen Maximen, die Presse ist gleichgeschaltet, unabhängiger Journalismus ist gesetzlich verboten und wird strafgesetzlich verfolgt. Diese grundlegenden Bedingungen stellen andere Anforderungen an die journalistische Arbeit als zum Beispiel in Deutschland. Deshalb wird in der vorliegenden Arbeit das kubanische Mediensystem untersucht. Es wird dargestellt, welche Aufgaben dem Journalismus in einem sozialistischen System zukommen und wie und unter welchen Bedingungen Journalisten arbeiten.

Raúl Rivero (1998, S. 1), Gründer der unabhängigen kubanischen Presseagentur CubaPress in Havanna, charakterisiert die Mediensituation in Kuba wie folgt:


„Seit wir, eine Gruppe aus Männern und Frauen, von innen heraus begonnen haben, der Außenwelt und großen Teilen der kubanischen Bevölkerung unser Bild der Wirklichkeit und unsere Standpunkte näher zu bringen sowie objektiv und professionell die wichtigsten Episoden unseres täglichen Lebens zu schildern, wurden wir mit Verboten belegt, vergessen, unseres Menschseins beraubt und schließlich eingesperrt. Denn in Kuba gibt es nicht nur keine Pressefreiheit, sondern – schlimmer noch – keine Presse. Was in Zeitungen und Zeitschriften zu lesen, im Radio zu hören oder im Fernsehen zu sehen ist, stellt die Ansicht des Lebens dar, die der Staat als alleiniger Gebieter über die Wahrheit für seine Bevölkerung als geeignet erachtet.“

Raúl Rivero ist einer der 75 Dissidenten, die im März 2003 auf Kuba festgenommen wurden. 30 unabhängige Journalisten waren unter den Verhafteten, die in schnellen, dreitägigen Gerichtsverfahren – von manchen als „Geheimprozesse“ (Gehrke 2003, S. 2) oder „stalinistisch anmutende Prozesse“ (ROG 2005) bezeichnet – zu zwischen 14 und 27 Jahren Haft verurteilt wurden. Den Menschen wurde der Prozess gemacht, weil sie angeblich mit den USA gegen die Unabhängigkeit und die territoriale Integrität Kubas zusammenarbeiten. Am 24. März 2005 wird der freie Journalist Oscar Mario González von der Polizei verhört und erpresst: Wenn er nicht aufhöre, die Regierung zu kritisieren, würde ihm die Ausreise aus dem Land verboten, um seine Tochter in der Schweiz zu besuchen (Radio Martí 2005). Diese neuesten Entwicklungen lassen vermuten, dass die Verhaftungswelle von 2003 nicht Höhe- und Wendepunkt zugleich war, sondern nur eine weitere Station im Kampf der kubanischen Regierung gegen objektiven Journalismus.

1.2 Ziel und Vorgehensweise

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem kubanischen Mediensystem und den Bedingungen, denen der Journalismus vor dem Hintergrund eines sozialistischen Regimes unterworfen ist. In einem ersten Schritt wird zunächst erläutert, inwieweit Journalismus allgemein abhängig ist von den politischen Systemen, in denen er arbeitet. Dazu werden sowohl theoretische Modelle von Mediensystemen betrachtet als auch Untersuchungen über die Situation der Pressefreiheit, jeweils mit besonderem Blick auf Kuba und dessen Staatsform der sozialistischen Republik. Kapitel 4 gibt einen Überblick über das Land Kuba mit seiner Geschichte ab der Kubanischen Revolution von 1959 und dem seither geltenden politischen System. Kapitel 5 beinhaltet eine Bestandsaufnahme der Medien und Formen des Journalismus auf Kuba. Es wirft einen Blick auf die offiziellen Medien, die unabhängigen Medien und auf die Rolle des Internet, zeichnet die aktuelle Situation nach und beschäftigt sich mit den Problemen, die das sozialistische Regierungssystem für die Funktion von Medien und für die Aufgabe und Arbeit von Journalisten in der Praxis darstellt.

Die deutschsprachige Wissenschaft hat sich mit der Lage der Presse auf Kuba bislang wenig auseinandergesetzt, Literatur zu dieser brisanten Thematik gibt es kaum. Für diese Arbeit war es daher erforderlich, auf spanischsprachige Quellen, zumeist aus dem Internet, zurückzugreifen. Zitate daraus wurden im Fließtext durch die Verfasserin übersetzt, das spanische Original findet sich zudem jeweils in Fußnoten.

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