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Ortnit und die Frauen - Betrachtungen zu auftretenden Frauenfiguren im Ortnit AW

Autor: Sina Schmidt
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

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Details

Veranstaltung: Seminar Ortnit und Wolfdietrich
Institution/Hochschule: Technische Universität Dresden (Institut für Germanistik)
Tags: Ortnit, Frauen, Betrachtungen, Frauenfiguren, Ortnit, Seminar, Ortnit, Wolfdietrich
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 19
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 9  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 243 KB
Archivnummer: V61556
ISBN (E-Book): 978-3-638-54989-9
ISBN (Buch): 978-3-638-79279-0

Zusammenfassung / Abstract

Der Ortnit AW gehört zu den 12 überlieferten Handschriften, in denen Ortnit vorkommt, wobei in diesen wiederum nur ein einziger Text existiert, der sich eigenständig nur mit Ortnit, also ohne die Wolfdietrichsage, beschäftigt. Entstanden sind die Texte zwischen dem 13. Jahrhundert bis vor 1517. Da weltliche mittelalterliche Texte vor allem mündlich tradiert wurden, ist eine genaue Zuordnung eines Autors nicht nur fragwürdig, sondern, wie auch eine Textgenese im Allgemeinen, nahezu unmöglich. Rezipiert wurde von Analphabeten, bzw. von einem Vorleser, der oftmals selbst Änderungen an der ursprünglichen Gestalt des Textes vornahm. Basis für den „Ortnit AW“ bilden verschiedene Sagenmotive, so eine fränkische Sage, die den Zwergenkönig Alberich1, der hergeleitet vom Wort Alb für Elfe, allgemein für „Zwerg“ stand und dadurch in ungemein vielen Werken des Mittelalters zugegen ist, beinhaltete und eine russische Heldendichtung, die sich um Ilias Murometz, der vermutlich für Ilias von Rieuthen, welcher am Gardasee Ortnit dient, steht. Desweiteren existiert eine Dietrichsage von Nordländern, der Hertnit, in dem das Drachenkampfmotiv auftaucht. In dieser Sage ist Hertnit Brautwerbungshelfer eines Königs und gleichzeitig selbst König von Russland. Allerdings gibt es auch Spekulationen, dass der Ortnit sich rein aus der Wolfdietrichsage herausentwickelt habe. Zentrale Schauplätze der Geschichte stellen Suders, als Hauptstadt der boshaften Heiden, also symbolisch für das Chaos, und Lamparten, also die Lombardei, als geordnete christliche Welt und Herrschaftssitz Ortnits dar.

Textauszug (computergeneriert)

Technische Universität Dresden, Institut für Germanistik/Mediävistik
Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften
Seminar: Ortnit und Wolfdietrich
3. Semester

Ortnit und die Frauen - Betrachtungen zu
auftretenden Frauenfiguren im Ortnit AW

von: Sina Schmidt

 


Gliederung

1. Einleitung 1

2. Ortnit und seine Mutter

2. 1. Ortnits Genealogie 2
2. 2. Die Beziehung Ortnits und seiner Mutter 3
2. 3. Die Ringübergabe 5

3. Ornit und seine Braut

3. 1. Erringung der Braut 8
3. 2. Die erste Begegnung der Brautleute und die Heimführung 9

4. Mutter und Schwiegertochter

4. 1. Ortnits Aufbruch und Ende 11
4. 2. Nach Ortnits Tod 14

5. Zusammenfassung 15

6. Anmerkungen und Quellen 17



 

 

1. Einleitung

Der Ortnit AW gehört zu den 12 überlieferten Handschriften, in denen Ortnit vorkommt, wobei in diesen wiederum nur ein einziger Text existiert, der sich eigenständig nur mit Ortnit, also ohne die Wolfdietrichsage, beschäftigt. Entstanden sind die Texte zwischen dem 13. Jahrhundert bis vor 1517.

Da weltliche mittelalterliche Texte vor allem mündlich tradiert wurden, ist eine genaue Zuordnung eines Autors nicht nur fragwürdig, sondern, wie auch eine Textgenese im Allgemeinen, nahezu unmöglich. Rezipiert wurde von Analphabeten, bzw. von einem Vorleser, der oftmals selbst Änderungen an der ursprünglichen Gestalt des Textes vornahm. Basis für den „Ortnit AW“ bilden verschiedene Sagenmotive, so eine fränkische Sage, die den Zwergenkönig Alberich1, der hergeleitet vom Wort Alb für Elfe, allgemein für „Zwerg“ stand und dadurch in ungemein vielen Werken des Mittelalters zugegen ist, beinhaltete und eine russische Heldendichtung, die sich um Ilias Murometz, der vermutlich für Ilias von Rieuthen, welcher am Gardasee Ortnit dient, steht. Desweiteren existiert eine Dietrichsage von Nordländern, der Hertnit, in dem das Drachenkampfmotiv auftaucht. In dieser Sage ist Hertnit Brautwerbungshelfer eines Königs und gleichzeitig selbst König von Russland.

Allerdings gibt es auch Spekulationen, dass der Ortnit sich rein aus der Wolfdietrichsage herausentwickelt habe. Zentrale Schauplätze der Geschichte stellen Suders, als Hauptstadt der boshaften Heiden, also symbolisch für das Chaos, und Lamparten, also die Lombardei, als geordnete christliche Welt und Herrschaftssitz Ortnits dar.

Aus heutiger Sicht auffällig ist weiterhin, dass die im Text auftauchenden Figuren alle eher stereotype Eigenschaften haben. Sie handeln nicht emotional-psychisch motiviert und sind in ihren Handlungen und Denkweisen diskontinuierlich. Gemäß des religiös geprägtem mittelalterlichem Weltbildes, füllen sie in den angegebenen Situationen im Grunde nur Funktionen als eine Art austauschbare Variable aus. Eine Königin wird meist die Idealeigenschaften einer Königin haben, sie wird besonders schön sein, fruchtbar und sich tugendhaft ihrem Manne unterstellen, d. h. man muss die Texte nicht nach ihren beinhalteten Figuren und deren Charakteren, geschweige denn logischen Handlungen lesen, sondern nach den logischen Handlungsfolgen der Funktionen die sie gerade besetzen, in einer Welt, in der sich alles einer göttlichen ordo unterstellte und man gesellschaftlich auf seiner Ebene blieb. Es wäre nicht möglich gewesen unter seinen Stand zu heiraten,weil dies einen nicht gewünschten Abstieg bedeutet hätte, Adel blieb beim Adel und der Bauer bei den Bauern, da das Motiv der Ebenburt eben auch eine zentrale Rolle spielte2. So sind auch Eheschließungen nicht unbedingt aus realer Liebe erwachsen, sondern Resultat von ökonomischen, sowie politischen und finanziellen Überlegungen und tragen deshalb auch eher den Charakter eines Geschäfts, einer kühl kalkulierten Vereinbarung. Die Liebe sollte dann im Zusammenleben erwachsen,3 (was in der idealisierten Form eines Heldenliedes eben auch eintritt), da der mittelalterliche christliche Mensch nicht in spontan entbrannter Leidenschaft, in der Konotation des Sturm und Drang, allein durch gegenseitige Zuneigung eine Ehe schloss. Im folgenden werden nun die aufgezeigten Frauenbilder der Figuren Mutter und Braut um Ortnit näher untersucht.

2. Ortnit und seine Mutter

2. 1. Ortnits Genealogie

Zu den interessantesten Auffälligkeiten im Ortnit AW zählt die Genealogie Ortnits. Offiziell ist er der leibliche Sohn der Königin und ihres Gatten, dem nicht erwähnten und damit vermutlich bereits verstorbenem König, welcher sich allerdings im weiteren Verlauf der Geschichte als zeugungsunfähig herausstellt. Ein Herrscher, der nicht in der Lage ist, die Thronfolge zu sichern, also die Ordnung im Land auch auf längere Sicht zu gewährleisten, wäre ein schwacher Herrscher, was der Königin vermutlich bewusst war. Um ihren Mann vor dieser Schmach zu bewahren und einen absoluten Eklat zu verhindern, ließ sie sich auf ein außereheliches Verhältnis mit dem Zwergenkönig Alberich ein, der ihr nun endlich den erhofften Sohn schenkt. Dieser Sohn bewahrte nicht nur die Ehre des Königs, der von all dem nichts erfuhr, sondern sicherte indirekt auch die Königin selbst ab, denn auch sie wäre unverzüglich in Gefahr gewesen, wenn eine Schwangerschaft ausbliebe, vor allem nach dem Tod des Königs hätte sie jeden Anspruch auf Land und Krone verloren. Diese Argumentation der Königin stellt die einzige Möglichkeit dar, ihren Ehebruch zu rechtfertigen und ihre Ehre zu behalten, vor allem im Hinblick auf die Tatsache, dass der Beischlaf nicht ganz freiwillig erfolgte, was im folgenden noch weiter erläutert werden wird.

Ortnit wächst nun vaterlos auf, was unter Umständen teilsweise bereits ein Verweis auf seine späteren Fehlhandlungen ist und besetzt die „Lücke“ in seiner Familie einfach mit dem leiblichen Bruder seiner Mutter, wie dieser selbst erklärt: „du bist mîner swester kint“ (Ort. 17) seinem Onkel Ilias: „ich wil dich ze vater kiesen: du bist der vater mîn.“ (Ort. 57)4. Sein bevorzugter Stammbaum erwüchse also aus einem inzestösen Verhältnis seiner Mutter mit seinem Onkel.

Aus diesem etwas ungewöhnlichen Familienverhältnissen, vermutlich vor allem durch die fehlende züchtigende Strenge eines Vaters, erklärt sich zum Teil schon Ortnits Gewaltherrschaft. Obwohl im Mittelalter ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Herrscher und Gefolgschaft angestrebt wurde, ein wechselseitiges Dienen, indem die Gefolgschaft dient, Abgaben erbringt etc. und der Herrscher dafür vor allem Schutz und Ordnung gewährt, ist das Verhältnis von Ortnit und seinen Untertanen vor allem durch Angst geprägt:

„Si mousten alle fürhten den künec und ouch sîn her.
diu lant het er bezwungen von dem birge unz an daz mer:
den zins si im muosten bringen. die bi im sâzen dô.
durch küniclîche wirde gap man im den prîs.“ (Ort. 4-5)

[...]


1 Vergleiche hierzu: Barbara G. Walker, Das geheime Wissen der Frauen. S. 20: Im germanischen Mythos König der Unterwelt, Meisterschmied und Schatzwächter der Rheintöchter. Konnte seine Gestalt wechseln.

2 Vergleiche hierzu: Aaron J. Gurjewitsch, Das Weltbild des mittelalterlichen Menschen

3 Vergleiche hierzu: Michael Schröter, Wo zwei zusammenkommen in rechter Ehe.. S. 19ff.: Kapitel: Verschiedene Abläufe von Eheschließungen in verschiedenen Figurationen von Familiengruppen. Einige Fallbeispiele aus dem 13. Jahrhundert.

4 Ortnit-Seminar-Reader, Strophe 57 4

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