"Paul Vier und die Schröders" - Die Außenseiterproblematik im modernen Kinderrom... close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

"Paul Vier und die Schröders" - Die Außenseiterproblematik im modernen Kinderroman von Andreas Steinhöfel

Autor: Andrea Drobny
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Lesen Sie im E-Book



Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 29
Note: 1,0 (sehr gut)
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 211 KB
Archivnummer: V61562
ISBN (E-Book): 978-3-638-54994-3
ISBN (Buch): 978-3-638-64024-4

Zusammenfassung / Abstract

In der vorliegenden Arbeit geht es um die Außenseiterproblematik in der Kinder- und Jugendliteratur. Im Zentrum der Betrachtung steht der im Jahre 1962 in Battenberg geborene Andreas Steinhöfel und sein moderner Kinderroman Paul Vier und die Schröders. Steinhöfel spricht in seinem zweiten Werk Paul Vier und die Schröders erstmalig einige seiner zentralen Themen wie Anderssein, Freundschaft, Familie, Eltern-Kind-Konflikte, Identitätssuche, Abenteuer, Erste Liebe, Krankheit, Kommunikation, Umzug etc. in komplexer Art und Weise an. Die Geschichte wird aus der Sicht der im Mittelpunkt stehenden vierzehnjährigen Figur Paul Vier alias Paul Udo Ewald Walser erzählt. Der Ich-Erzähler informiert seine Leserschaft über die außergewöhnliche bzw. seltsame Schröderfamilie, die in sein Nachbarhaus einzieht. Die sechsjährige Hellseherin Sabrina und ihr Mischlingshund Darwin, der siebenjährige unter Albinismus leidende Dandelion, der dreizehnjährige kleinwüchsige Erasmus mit seiner Python, namens Winston, die vierzehnjährige Delphine und ihre Mutter Heiderose Schröder erfahren am eigenen Leibe, wie es ist, wenn man in den Augen der spießigen Kleinstadtbürger als nicht "normal", sogar als asoziales Pack, angesehen wird. Paul Vier ist der Einzige, der unvoreingenommen der Familie Schröder gegenübersteht und sich gegen den Willen seiner Eltern mit den Außenseitern anfreundet. Der Leserschaft wird ersichtlich, dass die Spießbürger vor nichts zurückschrecken. Sie instrumentalisieren ihre eigenen Kinder, um der Familie Schröder eine gewaltsame Lektion zu erteilen. Am Ende der Geschichte ziehen die Schröders nach England und der mittlerweile neunzehnjährige Paul Vier hat die Verlogenheit, die Doppelmoral sowie die Herzlosigkeit der bürgerlichen Kleinstadtwelt durchschaut, bricht mit den Eltern und flüchtet aus der Enge des spießbürgerlichen Milieus. In dem nun kommenden ersten Abschnitt dieser Arbeit wird zunächst der Begriff Außenseiter definiert und auf dessen Geschichte in ein paar Sätzen eingegangen. Im Anschluss daran erfolgt eine theoretische Stellungnahme verschiedener Wissenschaftler und Autoren, darunter auch Andreas Steinhöfel, über die Außenseiter in der Kinder- und Jugendliteratur. Den Hauptteil der Arbeit bildet die Analyse des Kinderromans bezüglich des Außenseitertums. Zu guter Letzt schließt sich ein Fazit an.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Duisburg-Essen, Standort: Essen
Seminar: Andreas Steinhöfel
WS 2004/05, Fachsemester: 5

Paul Vier und die Schröders - ein moderner Kinderroman von
Andreas Steinhöfel und seine Außenseiterproblematik

von: Andrea Drobny

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung S. 2

2 Das Außenseitertum – eine zeitlose Thematik S. 4

2.1 Geschichte und Definition – ein allgemeiner kurzer Überblick S. 4
2.2 Außenseiter in der Kinder- und Jugendliteratur S. 5
2.3 Andreas Steinhöfel – ein außergewöhnlicher Kinder- und Jugendbuchautor und sein zentrales Thema der Außenseiterproblematik S. 8

3 Paul Vier und die Schröders – ein moderner Kinderroman von Andreas Steinhöfel S. 9

3.1 Die Außenseiterfamilie Schröder S. 9

3.1.1 Delphine S. 9
3.1.2 Erasmus S. 11
3.1.3 Dandelion S. 13
3.1.4 Sabrina S. 15
3.1.5 Heiderose S. 16

3.2 Die (spießigen) Ulmenstraßenbewohner S. 17

3.2.1 Familie Heinsel S. 17
3.2.2 Familie Döller S. 18
3.2.3 Familie Markowski S. 19
3.2.4 Familie Tauchmann S. 20
3.2.5 Paul Udo Ewald Walser und seine Eltern S. 20

4 Fazit S. 25

Literaturverzeichnis S. 27


 

 

 

1 Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit geht es um die Außenseiterproblematik in der Kin- der- und Jugendliteratur. Im Zentrum der Betrachtung steht der im Jahre 1962 in Battenberg geborene Andreas Steinhöfel und sein moderner Kinderroman Paul Vier und die Schröders, der 1992 im Carlsen Verlag und 1995 als ungekürzte Taschenbuchausgabe im Deutschen Taschenbuch Verlag erschien. 1994 wurde der moderne Kinderroman Paul Vier und die Schröders von Cornelia Schwarz-Grünberg als Abschlussarbeit an der Berliner Film- und Fernsehakademie verfilmt und mit dem Deut- schen Kinderfilmpreis von Gera, dem so genannten Goldenen Spatzen, prämiert. Steinhöfel lässt in seinem zweiten Werk Paul Vier und die Schröders erstmalig einige seiner zentralen Themen wie Anderssein, Freundschaft, Familie, Eltern-Kind- Konflikte, Identitätssuche, Abenteuer, Erste Liebe, Krankheit, Kommunikation, Umzug etc. in komplexer Art und Weise zum Vorschein kommen. Der moderne Kinderroman Paul Vier und die Schröders setzt sich aus 15 Kapiteln ohne Überschriften zusammen und besitzt das traditionelle Schema Einleitung-Steigende Spannung- Höhepunkt-Schluss. Zunächst einmal bringt Steinhöfel in seinem Kinderroman humorvoll seiner Leserschaft die vorherrschenden spießbürgerlichen Verhältnisse in der Ulmenstraße nahe, die sich in der idyllischen Kleinstadt Bergwald an der Lahn befindet (→ Einleitung). Die Geschichte wird aus der Sicht der im Mittelpunkt stehenden vierzehnjährigen Figur Paul Vier alias Paul Udo Ewald Walser erzählt. Der Ich-Erzähler informiert seine Leserschaft über die außergewöhnliche bzw. selt- same Schröderfamilie, die in sein Nachbarhaus einzieht (→ Steigende Spannung). Die mit hellseherischen Fähigkeiten bestückte sechsjährige Sabrina und ihr Mischlingshund Darwin, der siebenjährige unter Albinismus leidende Dandelion, der dreizehnjährige kleinwüchsige Erasmus mit seiner Python, namens Winston, die vierzehnjährige Delphine und ihre Mutter Heiderose Schröder erfahren am eigenen Leibe, wie es ist, wenn man in den Augen der Kleinstadtbürger als nicht normal, sogar als asoziales Pack, angesehen wird. Paul Vier ist der Einzige, der unvoreinge- nommen der Familie Schröder gegenüber steht und sich sogar gegen den Willen seiner Eltern mit den Außenseitern anfreundet. Der Leserschaft wird ersichtlich, dass die Spießbürger vor nichts zurückschrecken. Sie instrumentalisieren ihre eigenen Kinder, um der Familie Schröder eine gewaltsame Lektion zu erteilen. Zudem ist es den Bergwaldern völlig gleichgültig, dass Dandelion verschwunden ist (→ Höhe- punkt). Am Ende des modernen Kinderromans ziehen die Schröders nach England und der mittlerweile neunzehnjährige Paul Vier hat die Verlogenheit, die Doppelmo- ral sowie die Herzlosigkeit der bürgerlichen Kleinstadtwelt durchschaut, bricht mit den Eltern und flüchtet aus der Enge des spießbürgerlichen Milieus (→ Schluss). Der Zeitraum der erzählten Zeit beträgt insgesamt drei Wochen und vier Tage1. Der als Anglist, Amerikanist und Medienwissenschaftler ausgebildete Steinhöfel zählt zu den vielseitigsten und interessantesten Deutschen Kinder- und Jugendbuch- autoren unserer Zeit. Für ihn, als einen der Vertreter des modernen Kinderromans, steht nicht die Frage im Zentrum seiner Überlegungen, ob ein Roman/ein Text an den kindlichen Rezipienten angepasst ist, sondern inwieweit der Text die Wirklichkeit des Kindes authentisch erfasst2. Daher sind seine Figuren der Realität sehr nahe. Steinhöfel versteht es wie seine Vorbilder John Irving und Charles Dickens eine hintergründige Geschichte mit Komik, Sprachwitz und Ironie seiner Leserschaft nahe zu bringen3. Sein Konzept lautet: ,,Unterhaltung mit Anspruch, und bloß keine Didaktik! […]“4 Im Mittelpunkt seiner Werke stehen Außenseiterfiguren wie die oben erwähnte Familie Schröder.

Des Weiteren sollte in dieser Einleitung erwähnt werden, dass Steinhöfel seit 1991 als freier Autor, Übersetzer und Rezensent in Berlin-Schöneberg lebt. Folgende sei- ner Werke wurden bisher veröffentlicht (Auswahl): 1. Dirk und ich (1991), 2. Paul Vier und die Schröders (1992), 3. Glatte Fläche (1993, 1998 umbenannt in Trügeri- sche Stille), 4. Glitzerkatze und Stinkmaus (1994), 5. Beschützer der Diebe (1994), 6. Es ist ein Elch entsprungen (1995), 7. 1:0 für Sven und Renan (1995), 8. O Patria Mia (1996), 9. Herr Purps, die Klassenmaus (1996), 10. Honigkuckuckskinder (1996), 11. Die Mitte der Welt (1998), 12. David Tage, Mona Nächte (1999), 13. Wo bist du nur? (2000), 14. Defender (2001) und 15. Der mechanische Prinz (2003). Neben seiner Tätigkeit als Kinder- und Jugendbuchautor schreibt er Drehbucharbeiten unter anderem für den Käpt`n Blaubär Club, Urmel aus dem Eis sowie für Fix und Foxi.

Steinhöfel wurde zudem mit zahlreichen Auszeichnungen versehen, wie mit dem Luchs (1998), dem Buxtehuder Bulle (1999) oder mit dem Preis der Jury der Jungen Leser (2000 Wien) sowie mit dem Hans-im-Glück-Preis der Stadt Limburg5. In dem nun kommenden Abschnitt dieser Arbeit wird zunächst der Begriff Außenseiter kurz definiert und auf dessen Geschichte in ein paar wenigen Sätzen eingegangen. Im Anschluss daran erfolgt eine theoretische Stellungnahme verschiedener Wissenschaftler und Autoren, darunter auch Andreas Steinhöfel, über die Außenseiter in der Kinder- und Jugendliteratur. Den Hauptteil dieser Hausarbeit bildet die Analyse des modernen Kinderromans Paul Vier und die Schröders bezüglich des Außenseitertums. Den Abschluss der Arbeit bildet ein Fazit, welches noch einmal wesentliche Aspekte des analysierten Romans aufführt.

2 Das Außenseitertum – eine zeitlose Thematik

2.1 Geschichte und Definition – ein allgemeiner kurzer Überblick

Die Geschichte des so genannten Außenseiters stellt die Lehnübersetzung des englischen Sportbegriffs outsider dar. Im ursprünglichen Sinne wurde ein Pferd im Rennsport als outsider betitelt, welches über keinerlei Gewinnchancen verfügte und vielleicht dennoch einen Sieg verzeichnete. Laien, Uneingeweihte, Eigenbrötler sowie Nichtfachmänner erfuhren gegen Ende des späten 19. Jahrhunderts ihre Bezeichnung als Außenseiter. Erst später setzte sich der Ausdruck Außenseiter als Oberbegriff für Außenstehende, Abweichler und Chancenlose durch6.

Die heutige Psychologie versteht unter dem Wort Außenseiter einen Prügelknaben oder einen Sündenbock, der sich am Rande einer Gruppe aufhält und zu keinem Gruppenmitglied eine freundschaftliche Beziehung eingeht. Der gering geschätzte Außenseiter verfügt in der Regel über keinen Einfluss. Kommt es zu Spannungen innerhalb einer Gruppe, benennt die Gruppe den Außenseiter oftmals als Sündenbock, um den Gruppenzusammenhalt zu gewährleisten. Distanziert sich der Außenseiter, so wirkt er solchen sozialen Abläufen entgegen7.

2.2 Außenseiter in der Kinder- und Jugendliteratur

[...]


1 Vgl. STEINHÖFEL 2004, 7-156

2 Vgl. GANSEL 1999, 58

3 Vgl. KOCHTE 2000, 6

4 VOSSENBRECHER 1997, 30

5 Vgl. BISCHOF/HEIDTMANN 2000, 82, 91; vgl. KOCHTE 2000, 7

6 Vgl. SCHÜTZ 1991, 3

7 Vgl. ONLINE-LEXIKON DER PSYCHOLOGIE 2000

Kommentare

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/61562/