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Mit Kindern fremden Tod thematisieren: Erarbeitung von drei Leitlinien für die religionspädagogische Arbeit

Intermediate Diploma Thesis, 2006, 21 Pages
Author: Anna Badstübner
Subject: Theology - Didactics, Religion Pedagogy

Details

Category: Intermediate Diploma Thesis
Year: 2006
Pages: 21
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V61577
ISBN (E-book): 978-3-638-55008-6

File size: 252 KB


Excerpt (computer-generated)

Fachhochschule für Religionspädagogik und Gemeindediakonie
am Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e.V.


Mit Kindern fremden Tod thematisieren:
Erarbeitung von drei Leitlinien für die religionspädagogische Arbeit


von: Anna Badstübner

 


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung ...3

1. Erfahrungen von Kindern mit fremdem Tod und mögliche Folgen im Verhalten des Kindes  ...4

1.1 Indirekte Todeskonfrontation ...4
1.1.1 Tod in den Medien ...4
1.1.2 Tod als Inhalt von Gesprächen ...5

1.2 Direkte Todeskonfrontation ...6
1.2.1 Tod eines Haustieres ...6
1.2.2 Tod eines Elternteils ...6
1.2.3 Tod eines Geschwisterkindes ...8

1.3 Bemerkung zu den Auswirkungen von fremdem Tod auf das Verhalten von Kindern ...9

2. Entwicklung des kindlichen Todesverständnisses ...9

2.1 Entwicklung der emotionalen Reaktion ...10
2.1.1 Der Aspekt der Angst als Teil der Entwicklung der emotionalen Reaktion in Bezug auf fremden Tod ...10

2.2 Kognitive Entwicklung des kindlichen Todesverständnisses ...12
2.2.1 Entwicklungstheorie Piagets in Verbindung mit der kognitiven Entwicklung eines Todesverständnisses beim Kind ...12
2.2.1.1 Kritikpunkte an Piagets Entwicklungstheorie ...13

2.3 Death Education als Bindeglied zwischen emotionaler und kognitiver Entwicklung des kindlichen Todesverständnisses ...14

3. Auswirkungen der Erfahrungen von Kindern mit fremdem Tod auf die Entwicklung hin zu einem realistischen Todesverständnis ...15

3.1 Schlussfolgerungen zu den Auswirkungen der Erfahrungen auf die Entwicklung des kindlichen Todesverständnisses ...17

4. Leitlinien für die religionspädagogische Arbeit ...18

4.1 Beim Thematisieren von fremdem Tod mit Kindern muss der individuelle Entwicklungsstand des Kindes berücksichtigt werden ...18
4.2 Beim Thematisieren von fremdem Tod mit Kindern ist es von Bedeutung, dass Kinder ihre eigenen Erfahrungen mit fremdem Tod einbringen können ...18
4.3 Beim Thematisieren von fremdem Tod mit Kindern ist zu beachten, dass sich die Kinder durch die vom Pädagogen gewählten Methoden ein realistisches Bild vom Tod erarbeiten können ...19

5. Literaturverzeichnis ...20


 

0. Einleitung

Das Thema „Kind und Tod“ beschäftigt mich seit meiner Tätigkeit als Kinderkrankenschwester. Vor allem während meiner Arbeit auf einer Pädiatrischen Intensivstation bin ich mit Kindern in Kontakt gekommen, die nicht geheilt werden konnten und während ihres Krankenhausaufenthaltes starben. Aber auch bei einigen, die wieder entlassen wurden, fiel mir auf, dass sie sich während ihres Aufenthaltes mit Tod und Sterben auseinandersetzten.1 Doch nicht nur bei meiner Arbeit, sondern auch in meiner Kindheit und als Jugendliche bin ich bereits mit Todesereignissen konfrontiert worden. Zwei davon, die mir eher negativ in Erinnerung geblieben sind, möchte ich kurz erläutern:

Als Kind besaß ich mit meiner Schwester einen Wellensittich, an dem ich sehr hing. Er starb, als ich circa 13 Jahre alt war. Dieses Ereignis zu verkraften, fiel mir aufgrund der damit verbundenen Umstände schwer: Ich wollte mich auf den Weg zur Musikschule machen, als mir der Vogel immer wieder in den Flur hinterher geflogen kam. Meine Mutter sagte mir, dass ich die Tür schnell hinter mir schließen soll, damit der Vogel mir nicht mehr nachfliegt. Als ich das tat und die Tür hinter mir zuzog, befand sich der Vogel bereits im Türspalt und starb dadurch. Ich machte mir selbst große Vorwürfe, weil ich dachte, am Tod des Vogels Schuld zu sein. Als meine Mutter mich fragte, ob ich ihn mit beerdigen will, lehnte ich diesen Vorschlag ab.

Die zweite Konfrontation mit einem Todesereignis, welche mir negativ in Erinnerung blieb, war der Tod meiner Tante. Ich war 17 Jahre alt. Für mich vollkommen unvorhergesehen beging sie Suizid. Damals war es mir nicht möglich, mit meinen Eltern über dieses Geschehen zu reden. Ich merkte, wie stark betroffen meine Mutter vom Tod ihrer Schwester war und wollte sie nicht zusätzlich belasten. So blieben in dieser Zeit viele meiner Fragen offen, die mich zum Teil bis heute beschäftigen. Viel schwerer noch traf der Tod meiner Tante ihren Enkelsohn. Für ihn war sie die wichtigste Bezugsperson. Als damals Fünfjähriger zog er sich nach ihrem Tod komplett zurück. Er betrat ihre Wohnung nicht mehr und verließ den Raum, sobald Gespräche über sie aufkamen. Heute frage ich mich, was zu diesem Zeitpunkt für ihn wichtig gewesen wäre, um ihn in seiner Trauer zu unterstützen.

Bezug nehmend auf meine spätere Tätigkeit als Religionspädagogin interessiert mich jetzt vor allem die Auseinandersetzung von Kindern mit fremdem Tod. Unter fremdem Tod verstehe ich dabei den Tod anderer Lebewesen, das heißt nicht den eigenen persönlichen Tod. Ich denke, dass eine Auseinandersetzung mit dem Thema Tod unter anderem der Identitätsentwicklung dient und Kinder auf diesem Weg pädagogisch begleitet werden sollten. Für mich stellt sich deswegen die Frage, was ich bei der Thematisierung von fremdem Tod berücksichtigen muss. Ich bin der Meinung, dass Kinder ein anderes Todesverständnis als Erwachsene haben und sich dieses erst allmählich zu einem realistischen Todesverständnis entwickelt. Außerdem denke ich, dass die gemachten Erfahrungen Kinder in ihrer Entwicklung beeinflussen. Deshalb möchte ich zu Beginn der Arbeit die These aufstellen, dass Erfahrun- gen der Kinder mit fremdem Tod ihre Entwicklungsprozesse dahingehend beeinflussen, dass sie diese hin zu einem realistischen Todesverständnis beschleunigen. Um diese These be- oder widerlegen zu können, gehe ich zuerst auf verschiedene Erfahrungen von Kindern mit fremdem Tod ein. Im zweiten Schritt werde ich die Entwicklung des kindlichen Todesverständnisses näher beleuchten. Der dritte Schritt besteht darin, aus den vorher gemachten Überlegungen Schlüsse zu ziehen, inwieweit die Erfahrungen der Kinder sich auf die Entwicklung des Todesverständnisses auswirken. Zum Schluss der Arbeit werde ich daraus ableitend drei Leitlinien für die religionspädagogische Arbeit formulieren. Um mich meinem Thema ausführlich zuwenden zu können, werde ich nicht explizit auf Trauerprozesse eingehen. Bei der Verwendung des Begriffs „Kind“ beziehe ich mich auf Kinder bis zwölf Jahre.


1. Erfahrungen von Kindern mit fremdem Tod und mögliche Folgen im Verhalten des Kindes

Kinder kommen heutzutage frühzeitig mit fremdem Tod in Kontakt.2 Die Konfrontation kann auf indirektem oder direktem Weg geschehen.3 Indirekte Konfrontation bezieht sich dabei vor allem auf den Tod in Medien oder in Unterhaltungen, direkte auf die Konfrontation mit fremdem Tod im unmittelbaren Umfeld des Kindes, zum Beispiel in Form des Todes eines Elternteils.4 Im Folgenden werde ich auf verschiedene Erfahrungen von Kindern mit fremdem Tod und die möglichen Auswirkungen auf das Verhalten und die Gefühle der Kinder eingehen. Dabei beschränke ich mich auf einige ausgewählte indirekte und direkte Todesereignisse.

[...]


1 Ein 10-jähriges Mädchen, hatte einen starken Verbrennungsunfall, ungefähr 60 Prozent ihres Körpers waren verbrannt. Aufgrund einiger Hauttransplantationen wurde ihr das Kopfhaar abrasiert. Nach vielen Wochen Beatmung war sie wieder bei Bewusstsein. Als sie realisierte, dass sie keine Haare mehr hat, äußerte sie die Angst, dass ihr rote Haare wachsen könnten wie ihrer Schwester. Im Verlauf der Gespräche mit einer Psychologin stellte sich heraus, dass das Mädchen eine ältere Schwester hatte, die an Leukämie erkrankte. Ihr fielen aufgrund der Chemotherapie ihre dunklen Haare aus und bevor sie starb, wuchsen ihr rote Haare nach.

2 Vgl. Leist, M., 1993, S.25

3 Vgl. Plieth, M., 2001, S.39

4 Vgl. ebd., S.39 ff.
 


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